Deutsch Gymnasium · Jahrgangsstufe 6 · Lernbereich 4 (gültigen Lehrplan)
Subjektsatz und Objektsatz: wenn ein ganzer Satz zum Satzglied wird
Bei einer Ausgrabung im Schulgarten findet die Klasse eine alte Münze. Die Lehrerin sagt: „Dass wir hier eine Münze finden, überrascht mich.“ Ein Schüler fragt: „Weißt du, wie alt sie ist?“ Und eine Mitschülerin meint: „Wer sie verloren hat, bleibt wohl ein Rätsel.“ In diesen Sätzen steht an der Stelle eines Subjekts oder Objekts kein einzelnes Wort, sondern ein ganzer Nebensatz. Solche Nebensätze heißen Subjektsätze und Objektsätze. Auf dieser Seite lernst du, wie du sie erkennst, wie du sie mit Proben sicher bestimmst und worauf du bei der Zeichensetzung achten musst.
1. Satzglieder als Nebensätze
Aus der Jahrgangsstufe 5 kennst du die Satzglieder Subjekt und Objekt. Das Subjekt erfragst du mit wer oder was?, das Akkusativobjekt mit wen oder was?, das Dativobjekt mit wem?. Meist bestehen diese Satzglieder aus einem Wort oder einer Wortgruppe: „Die Münze überrascht mich.“ Hier ist die Münze das Subjekt.
Dieselbe Rolle kann auch ein ganzer Nebensatz übernehmen: „Dass wir eine Münze finden, überrascht mich.“ Frage: Wer oder was überrascht mich? Antwort: dass wir eine Münze finden. Der Nebensatz ist hier das Subjekt des Satzes. Weil er für ein Satzglied steht, gehört er zu den Gliedsätzen, so wie die Adverbialsätze, die du ebenfalls in dieser Jahrgangsstufe kennenlernst. Auch hier steht das gebeugte Verb am Ende des Nebensatzes.
Der lateinische Fachbegriff: Subjekt kommt von subiectum, das Zugrundeliegende; Objekt von obiectum, das Entgegengestellte. Ein Subjektsatz ist also ein Nebensatz in der Rolle des Subjekts, ein Objektsatz ein Nebensatz in der Rolle eines Objekts.
2. Subjektsätze erkennen
Ein Subjektsatz steht für das Subjekt des Hauptsatzes. Er beginnt häufig mit dass, ob oder einem Fragewort wie wer, was, wie oder wann. Beispiele: „Wer zu spät kommt, verpasst die Führung.“ „Ob es morgen regnet, ist noch unklar.“ „Was im Museum ausgestellt ist, stammt aus der Römerzeit.“
Oft steht der Subjektsatz nicht am Anfang, sondern am Ende. Dann nimmt im Hauptsatz ein kleines es seinen Platz ein: „Es überrascht mich, dass wir eine Münze finden.“ Dieses es ist nur ein Platzhalter; das eigentliche Subjekt ist der dass-Satz. Wenn du den Nebensatz an den Anfang stellst, fällt das es weg, weil der Platz vor dem Verb nun besetzt ist.
3. Objektsätze erkennen
Ein Objektsatz steht für ein Objekt des Hauptsatzes, meist für das Akkusativobjekt. Er folgt besonders häufig auf Verben des Sagens, Denkens, Wissens und Fühlens wie sagen, glauben, wissen, fragen, hoffen oder vermuten. Beispiele: „Der Archäologe vermutet, dass die Münze aus dem Mittelalter stammt.“ Frage: Wen oder was vermutet er? Antwort: dass die Münze aus dem Mittelalter stammt.
Auch indirekte Fragen sind Objektsätze. Sie beginnen mit ob oder einem Fragewort: „Wir fragen uns, ob noch mehr Münzen im Boden liegen.“ „Weißt du, wie alt sie ist?“ Selten vertritt ein Nebensatz ein Dativobjekt: „Die Archäologin hilft, wem sie helfen kann.“ Frage: Wem hilft sie? Solche Sätze kommen seltener vor als Akkusativobjektsätze.
Vergleiche eine direkte mit einer indirekten Frage. Die direkte Frage steht als eigener Satz, das Verb steht vorn, und am Ende steht ein Fragezeichen: „Wie alt ist die Münze?“ Die indirekte Frage ist ein Nebensatz: Das Verb rückt ans Ende, und ein Fragezeichen setzt du nur, wenn der ganze Satz eine Frage ist: „Ich frage mich, wie alt die Münze ist.“ Wenn du in Berichten wiedergibst, was jemand gefragt hat, verwendest du solche indirekten Fragen.
| Gliedsatz | Frage | Einleitung | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Subjektsatz | wer oder was? | dass, ob, wer, was | Dass wir eine Münze finden, überrascht mich. |
| Subjektsatz mit es | wer oder was? | dass | Es freut uns, dass die Grabung gelingt. |
| Objektsatz | wen oder was? | dass | Er vermutet, dass sie alt ist. |
| indirekte Frage | wen oder was? | ob, wie, wann, wo | Wir fragen, ob noch mehr Münzen liegen. |
| Adverbialsatz zum Vergleich | wann? warum? wozu? wie? | als, weil, damit, indem | Als wir gruben, … |
4. Proben, Komma und das oder dass
Mit zwei Proben bestimmst du Subjekt- und Objektsätze sicher. Bei der Frageprobe fragst du nach dem Satzglied und prüfst, ob der Nebensatz die Antwort ist. Bei der Ersatzprobe ersetzt du den Nebensatz durch ein Pronomen wie das oder es: „Das überrascht mich.“ oder „Er vermutet das.“ Gelingt der Ersatz, hast du einen Subjekt- oder Objektsatz gefunden.
Wie alle Gliedsätze werden Subjekt- und Objektsätze durch Komma vom Hauptsatz getrennt. Achte besonders auf die Schreibung von dass. Die Subjunktion dass leitet einen Nebensatz ein und lässt sich nicht durch dieses, jenes oder welches ersetzen. Das Wort das ist dagegen ein Artikel oder ein Pronomen und lässt sich ersetzen: „Das Museum, das wir besuchen, …“ wird zu „Das Museum, welches wir besuchen, …“ Diese Ersatzprobe hilft dir bei jedem Zweifel und ist schneller als jede Regel, die du auswendig lernst.
Objektsätze mit dass brauchst du besonders oft, wenn du wiedergibst, was jemand gesagt, gedacht oder vermutet hat: „Die Lehrerin sagt, dass die Münze sehr selten ist.“ In der Jahrgangsstufe 7 wirst du lernen, solche Aussagen auch im Konjunktiv wiederzugeben und damit noch deutlicher zu machen, dass es sich um fremde Worte handelt. Die Grundlage dafür legst du schon jetzt mit dem sicheren Umgang mit Objektsätzen.
Ein häufiger Stolperstein ist die Verwechslung des dass-Satzes mit einem Relativsatz, der mit das beginnt. Der Relativsatz bezieht sich auf ein Nomen davor und erklärt es genauer: „die Münze, die wir fanden“ oder „das Fundstück, das wir fanden“. Der dass-Satz dagegen hängt am Verb und ist selbst Subjekt oder Objekt. Stell dir deshalb die Frage: Erklärt der Nebensatz ein Nomen näher, oder ist er die Antwort auf wer, was oder wen?
Form und Wirkung: So deutest du es im Text
In einem Bericht über die Ausgrabung steht: Dass die Münze so gut erhalten ist, erstaunt die Fachleute. Die Archäologin erklärt, dass sie vermutlich im Mittelalter verloren wurde. Wer sie verloren hat, wird man wohl nie erfahren.
| Satz | Gliedsatz | Wirkung |
|---|---|---|
| Dass die Münze so gut erhalten ist, … | Subjektsatz am Anfang | das Erstaunliche steht im Mittelpunkt |
| … erklärt, dass sie vermutlich … | Objektsatz | die Aussage der Fachfrau wird wiedergegeben |
| Wer sie verloren hat, … | Subjektsatz mit Fragewort | ein offenes Rätsel wird betont |
| vermutlich im Objektsatz | Vorsicht in der Aussage | Bericht bleibt genau |
| wird man nie erfahren | Hauptsatz am Ende | Spannung und Nachdenklichkeit |
Subjekt- und Objektsätze erlauben es, ganze Gedanken, Vermutungen und Fragen in einen Satz einzubauen. Damit werden Berichte und Erzählungen genauer und lebendiger. Achte beim Schreiben aber darauf, nicht jeden Satz mit dass zu bauen. Wenn du viele Aussagen hintereinander wiedergibst, wechsle zwischen verschiedenen Verben wie erklären, vermuten, betonen oder fragen und verwende gelegentlich auch kurze Hauptsätze. So bleibt dein Text abwechslungsreich und gut lesbar.
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| Er vermutet das sie alt ist. | Er vermutet, dass sie alt ist. | Komma und dass als Subjunktion. |
| Es freut mich, das du kommst. | Es freut mich, dass du kommst. | Dass lässt sich nicht durch welches ersetzen. |
| Das es ist das Subjekt. | Das eigentliche Subjekt ist der dass-Satz. | Es ist nur ein Platzhalter. |
| Ein Objektsatz beantwortet die Frage warum. | Ein Objektsatz beantwortet die Frage wen oder was. | Warum fragt nach einem Kausalsatz. |
| Wir fragen uns ob es regnet. | Wir fragen uns, ob es regnet. | Auch indirekte Fragen werden abgetrennt. |
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