IBV FOS/BOS Bayern · Jahrgangsstufe 13 · Volkswirtschaftslehre (LehrplanPLUS, alter Lehrplan)

Einkommensverteilung: Lorenzkurve und Gini-Koeffizient

Wie gleich oder ungleich sind Einkommen in einer Volkswirtschaft verteilt? Das misst der Gini-Koeffizient – eine Zahl zwischen 0 und 1. Grafisch wird die Verteilung mit der Lorenzkurve dargestellt. Das Europäische Statistische Amt (Eurostat) berechnet den Gini-Koeffizienten für alle EU-Länder als Maß für die Einkommensgerechtigkeit.

1. Die Datengrundlage

Zur Vereinfachung betrachten wir eine Volkswirtschaft mit fünf Haushalten. Die Einkommen werden aufsteigend sortiert, dann werden die kumulierten Anteile gebildet:

Haushalt Einkommen Anteil kumul. Einkommen % kumul. Bevölkerung %
HH 1 20 4,0 % 4,0 % 20 %
HH 2 40 8,0 % 12,0 % 40 %
HH 3 60 12,0 % 24,0 % 60 %
HH 4 80 16,0 % 40,0 % 80 %
HH 5 300 60,0 % 100,0 % 100 %
Summe 500 100 %    

Man sieht: HH 5 allein bezieht 60 % des Gesamteinkommens – eine deutliche Ungleichverteilung.

2. Die Lorenzkurve

Die Lorenzkurve trägt den kumulierten Bevölkerungsanteil (x-Achse) gegen den kumulierten Einkommensanteil (y-Achse) ab. Die Diagonale zeigt die theoretische Gleichverteilung (jeder hat gleich viel). Je weiter sich die Kurve nach unten wölbt, desto ungleicher ist die Verteilung.

kumul. Bevölkerungsanteil kumul. Einkommensanteil 0 100% 100% Gleichverteilung Lorenzkurve Fläche A

3. Der Gini-Koeffizient

Der Gini-Koeffizient misst, wie stark die Lorenzkurve von der Gleichverteilung abweicht. Er ist das Verhältnis der Fläche A (zwischen Diagonale und Lorenzkurve) zur gesamten Dreiecksfläche unter der Diagonale.

\( G = \dfrac{\text{Fläche A (zwischen Diagonale und Lorenzkurve)}}{\text{gesamte Dreiecksfläche}} \)

Berechnung (Trapezformel). Man berechnet die Fläche unter der Lorenzkurve mit Trapezen und zieht sie von 0,5 (Dreiecksfläche) ab:
\( G = 1 – \displaystyle \sum (x_i – x_{i-1}) \cdot (y_i + y_{i-1}) \)

Für unser Beispiel ergibt sich ein Gini-Koeffizient von rund 0,48. Das ist ein hoher Wert – er bestätigt die deutliche Ungleichverteilung \(ein Haushalt hä\lt 60 % des Einkommens\).

Merke: G = 0 bedeutet vollkommene Gleichverteilung \(Lorenzkurve = Diagona\le \). G = 1 bedeutet maximale Ungleichheit (eine Person hat alles). Je größer G, desto ungleicher. Zum Vergleich: Die realen Gini-Werte der EU-Länder liegen meist zwischen 0,25 und 0,35.

4. So fragt die Abschlussprüfung

  • Berechnen Sie die kumulierten Einkommens- und Bevölkerungsanteile.
  • Zeichnen Sie die Lorenzkurve und die Gleichverteilungsdiagonale.
  • Ermitteln und interpretieren Sie den Gini-Koeffizienten.
  • Beurteilen Sie die Einkommensverteilung im Vergleich zu anderen Ländern.

5. Typische Fehler – und wie Sie Punkte retten

Fehler Richtig
Einkommen nicht aufsteigend sortieren Immer vom kleinsten zum größten Einkommen kumulieren.
Gini = 0 als „schlecht“ deuten G = 0 ist perfekte Gleichheit, G = 1 maximale Ungleichheit.
Anteile statt kumulierte Anteile auftragen Die Lorenzkurve nutzt kumulierte (aufaddierte) Anteile.

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Grundlage: LehrplanPLUS Bayern, IBV FOS 13 (Volkswirtschaftslehre). Alle Zahlen maschinell gegengerechnet.

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