FOS Bayern · Betriebswirtschaftliches Rechnungswesen (BwR) · 13. Jahrgangsstufe · ALT – auslaufender Lehrplan · Lernbereich 3: Den Faktoreinsatz optimieren und Anpassungsformen ermitteln · ca. 40 Unterrichtsstunden

Produktions- und Kostentheorie

Modellunternehmen: Die UNTERNEHMER AG untersucht, wie der Faktoreinsatz die Kosten bestimmt und wie sie bei schwankender Beschäftigung die günstigste Anpassungsform wählt.

Hinweis zum Lehrplan: Diese Seite folgt dem auslaufenden Lehrplan (BwR) und bleibt für die nach altem Lehrplan geprüften Jahrgänge relevant. Grundlage ist der LehrplanPLUS FOS 13 BwR (gültig ab 2019/20).

Inhaltsverzeichnis

  1. Produktionsfunktion vom Typ B
  2. Kosteneinflussgrößen
  3. Anpassungsformen
  4. Nutzkosten, Leerkosten und Kostenremanenz
  5. Typische Fehler und Prüfungshinweise
  6. Auf einen Blick

1. Produktionsfunktion vom Typ B

Im Industriebetrieb gilt die limitationale Produktionsfunktion vom Typ B: Die Produktionsfaktoren werden in einem festen Einsatzverhältnis kombiniert (z. B. Roh-, Hilfs-, Betriebsstoffe). Der Ertrag lässt sich nur steigern, indem alle Faktoren erhöht werden. Daraus ergibt sich ein linearer Gesamtkostenverlauf.

Aus Verbrauchsfunktionen (Faktorverbrauch je Stück) und den Faktorpreisen wird die Kostenfunktion abgeleitet. Der ertragsgesetzliche Verlauf (Produktionsfunktion Typ A) ist im aktuellen Lehrplan nicht mehr enthalten.

2. Kosteneinflussgrößen

Faktorqualität
höhere Qualität verteuert den Einkauf, zu geringe Qualität erzeugt Ausschuss und Mehrkosten.
Faktorpreise
ändern sich über Angebot und Nachfrage; wirken auf die variablen Kosten.
Fertigungsprogramm
bestimmt Auslastung und Maschineneinsatz; Über-/Unterauslastung verändert die (fixen) Kosten.
Betriebsgröße und Beschäftigung
die Betriebsgröße bestimmt die Fixkosten; die Beschäftigung (Auslastung) bestimmt die variablen Kosten.

3. Anpassungsformen

Ändert sich die Beschäftigung, passt der Betrieb die Produktion an – bei konstanter oder bei veränderter Betriebsgröße.

Zeitliche Anpassung
gleiche Intensität, aber mehr/weniger Arbeitszeit (Überstunden, Kurzarbeit).
Intensitätsmäßige Anpassung
gleiche Zeit, aber höhere/niedrigere Leistung je Zeiteinheit (Maschine schneller/langsamer).
Quantitative Anpassung
Maschinen werden zu- oder abgeschaltet (mehr/weniger Aggregate).
Selektive Anpassung
gezielter Einsatz der jeweils kostengünstigsten Maschinen.
Bei Betriebsgrößenvariation: quantitativ (mehr/weniger gleichartige Anlagen) und qualitativ (selektiv und mutativ – andere, modernere Anlagen). Ziel ist stets die Anpassungsform mit dem besten Betriebsergebnis; zusätzlich sind nicht betriebsergebnisrelevante Größen (z. B. gesellschaftliche Kosten) zu berücksichtigen.

4. Nutzkosten, Leerkosten und Kostenremanenz

Die fixen Kosten fallen unabhängig von der Auslastung an. Der genutzte Teil sind Nutzkosten, der ungenutzte Teil Leerkosten.

\( \text{Nutzkosten}=K_{fix}\cdot\dfrac{\text{genutzte Kapazität}}{\text{Gesamtkapazität}}\qquad \text{Leerkosten}=K_{fix}\cdot\dfrac{\text{ungenutzte Kapazität}}{\text{Gesamtkapazität}} \)

Beispiel – UNTERNEHMER AG: Fixkosten 60.000,00 €, Kapazität 3.000 Stunden, genutzt 2.000 Stunden.

Position Rechnung €
Nutzkosten 60.000 · 2.000 / 3.000 40.000,00
Leerkosten 60.000 · 1.000 / 3.000 20.000,00
fixe Kosten gesamt 60.000,00
Kostenremanenz: Werden Beschäftigung und Kapazität zurückgefahren, sinken die (fixen) Kosten oft nur verzögert – z. B. wegen Kündigungsfristen oder laufender Verträge.

5. Typische Fehler und Prüfungshinweise

✗ Häufiger Fehler
Produktionsfunktion Typ A wird verwendet.
✓ So ist es richtig
Im Lehrplan ist nur die limitationale Produktionsfunktion Typ B mit linearem Kostenverlauf.
✗ Häufiger Fehler
Nutz- und Leerkosten werden auf die variablen Kosten bezogen.
✓ So ist es richtig
Nutz- und Leerkosten teilen die fixen Kosten nach dem Auslastungsgrad auf.
✗ Häufiger Fehler
Bei Beschäftigungsrückgang sinken die Fixkosten sofort.
✓ So ist es richtig
Wegen der Kostenremanenz sinken sie häufig nur verzögert.

6. Auf einen Blick

Sie können nun die Produktionsfunktion vom Typ B und den linearen Kostenverlauf erklären, Kosteneinflussgrößen unterscheiden, Anpassungsformen bei konstanter und veränderter Betriebsgröße auswählen sowie Nutz- und Leerkosten berechnen und die Kostenremanenz erläutern.

Alle Inhalte dieser Seite orientieren sich am offiziellen LehrplanPLUS Bayern (ISB) – auslaufender Lehrplan BwR (FOS/BOS).

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