BwR · FOS/BOS Bayern · Klasse 12 · Ergebnisverwendung
Ergebnisverwendung: von Jahresüberschuss über Rücklagen zum Bilanzgewinn und zur Dividende
Am Jahresende steht der Jahresüberschuss fest. Diese Seite zeigt, wie er bei der AG verwendet wird: Einstellung in die gesetzliche und andere Rücklagen, Ermittlung des Bilanzgewinns und der Dividende – mit beiden Lösungswegen, allen Dividenden-Varianten, der Kapitalerhöhung samt Bezugsverhältnis und der daraus entstehenden offenen und stillen Selbstfinanzierung.
Unser Betrieb: die UNTERNEHMER AG. Alle Werte im durchgehenden Beispiel in Tsd. €.
Inhaltsverzeichnis
- Jahresüberschuss – und dann?
- Das Eigenkapital der AG
- Kapitalerhöhung und Bezugsverhältnis
- Beispiel UNTERNEHMER AG
- Lösungsweg 1 – ausführlich (Rücklagen)
- Lösungsweg 2 – Gewinnverwendungsrechnung von oben nach unten
- Die drei Stufen des Eigenkapitals
- Dividende – alle Berechnungsvarianten
- Finanzierungsarten im Überblick
- Offene Selbstfinanzierung
- Stille Selbstfinanzierung
- Finanzierung aus Rückstellungen
- Typische Prüfungsfehler
- Auf einen Blick
1. Jahresüberschuss – und dann?
Die GuV ermittelt den Jahresüberschuss. Er kann ausgeschüttet (Dividende) oder einbehalten werden (Rücklagen, Gewinnvortrag). Was einbehalten wird, finanziert das Unternehmen von innen – Selbstfinanzierung.
2. Das Eigenkapital der AG
| Position | Bedeutung |
|---|---|
| Gezeichnetes Kapital | Grundkapital = Anzahl Aktien · Nennwert (mind. 1 € je Aktie, mind. 50.000 € gesamt) |
| Kapitalrücklage (Agio) | Aufgeld = Kurswert − Nennwert bei der Aktienausgabe |
| Gesetzliche Rücklage | gesetzlich vorgeschrieben (§ 150 AktG) |
| Andere Gewinnrücklagen | freiwillig, auf Beschluss |
| Gewinn-/Verlustvortrag | Rest aus dem Vorjahr |
| Bilanzgewinn | verbleibt zur Ausschüttung |
3. Kapitalerhöhung und Bezugsverhältnis
Bei einer ordentlichen Kapitalerhöhung gibt die AG junge Aktien aus. Der Nennwert fließt ins gezeichnete Kapital, das Agio (Kurswert − Nennwert) in die Kapitalrücklage.
Beispiel: Grundkapital 1.000.000 € (100.000 Aktien à 10 €). Erhöhung um 200.000 € (20.000 junge Aktien à 10 €), Ausgabekurs 15 €.
| Rechnung | Betrag |
|---|---|
| gezeichnetes Kapital: 20.000 · 10 € | 200.000 € |
| Kapitalrücklage (Agio): 20.000 · (15 − 10) € | 100.000 € |
| = Kapitalzufluss gesamt | 300.000 € |
4. Beispiel UNTERNEHMER AG
Bilanzwerte am 31.12. (in Tsd. €). Die Hauptversammlung beschließt: Einstellung von 50 % des verbleibenden Gewinns in andere Rücklagen und eine Dividende von 4 % auf das gezeichnete Kapital.
| Position | in Tsd. € |
|---|---|
| Gezeichnetes Kapital | 25.000 |
| Kapitalrücklage | 1.250 |
| Gesetzliche Rücklage | 1.000 |
| Andere Gewinnrücklagen | 250 |
| Verlustvortrag Vorjahr | 250 |
| Jahresüberschuss | 2.350 |
5. Lösungsweg 1 – ausführlich (Einstellung in die Rücklagen)
Gesetzliche Rücklage: Es gilt immer der kleinere von zwei Werten – der Fehlbetrag bis zur 10 %-Grenze und 5 % vom bereinigten Jahresüberschuss.
| Alternative Berechnung gesetzliche Rücklage | Nebenrechnung | in Tsd. € |
|---|---|---|
| SOLL: 10 % des gez. Kapitals | 0,1 · 25.000 | 2.500 |
| IST: Kapitalrücklage + gesetzliche Rücklage | 1.250 + 1.000 | 2.250 |
| NOCH: SOLL − IST (Fehlbetrag) | 2.500 − 2.250 | 250 |
| MÖGLICH: 5 % vom bereinigten JÜ | 0,05 · (2.350 − 250) | 105 |
| = Einstellung gesetzliche Rücklage | kleinerer Wert | 105 |
Der Fehlbetrag (250) ist größer als die mögliche Einstellung (105) → es werden 105 in die gesetzliche Rücklage eingestellt (mehr erlaubt § 150 AktG nicht).
Andere Rücklagen (Beschluss: 50 % des verbleibenden Gewinns):
| Rechnung | in Tsd. € |
|---|---|
| Jahresüberschuss | 2.350 |
| − Verlustvortrag | −250 |
| − Einstellung gesetzliche Rücklage | −105 |
| = bereinigter Jahresüberschuss | 1.995 |
| davon 50 % = Einstellung andere Rücklagen | 997,5 |
6. Lösungsweg 2 – Gewinnverwendungsrechnung von oben nach unten
Dieselbe Lösung kompakt als durchgehende Rechnung – so, wie sie in der Prüfung erwartet wird:
| Gewinn-/Ergebnisverwendungsrechnung 31.12. | in Tsd. € |
|---|---|
| Jahresüberschuss | 2.350 |
| + Gewinnvortrag (Vorjahr) | 0 |
| − Verlustvortrag (Vorjahr) | −250 |
| − Einstellung in gesetzliche Rücklage | −105 |
| + Entnahmen aus anderen Rücklagen | 0 |
| − Einstellung in andere Rücklagen | −997,5 |
| = Bilanzgewinn | 997,5 |
| − Dividende (4 % auf 25.000) | −1.000 |
| = Verlustvortrag (nächstes Jahr) | −2,5 |
7. Die drei Stufen des Eigenkapitals
Das Eigenkapital zum 31.12. in drei Stufen: vor Ergebnisverwendung (JÜ noch unverteilt), nach teilweiser (Rücklagen gebildet, Bilanzgewinn steht), nach vollständiger (Dividende ausgeschüttet).
| Position (Tsd. €) | vor | nach teilweiser | nach vollständiger |
|---|---|---|---|
| Gezeichnetes Kapital | 25.000 | 25.000 | 25.000 |
| Kapitalrücklage | 1.250 | 1.250 | 1.250 |
| Gesetzliche Rücklage | 1.000 | 1.105 | 1.105 |
| Andere Gewinnrücklagen | 250 | 1.247,5 | 1.247,5 |
| Jahresüberschuss | 2.350 | – | – |
| Bilanzgewinn | – | 997,5 | – |
| Gewinn-/Verlustvortrag | −250 | – | −2,5 |
8. Dividende – alle Berechnungsvarianten
Je nachdem, was die Aufgabe vorgibt, führen zwei Wege zur selben Dividendensumme:
Variante 1: Dividende in Prozent (Dreisatz)
Grundwert ist immer das gezeichnete Kapital \(= 100 %\).
Variante 2: über die Stückdividende
Beide Varianten liefern dieselbe Dividendensumme – Variante 1 rechnet in Prozent vom gezeichneten Kapital, Variante 2 nimmt Aktienzahl mal Betrag je Aktie.
Stückdividende gesucht
Ist die Stückdividende gesucht, dient der Bilanzgewinn als maximal mögliche Ausschüttung; das Ergebnis wird auf volle 10 Cent abgerundet.
Beispiel: Bilanzgewinn 1.000.000 €, 100.000 Aktien → Stückdividende = 10,00 € je Aktie.
9. Finanzierungsarten im Überblick
Finanzierung nach Kapitalherkunft (Außen/Innen) und Rechtsstellung (Eigen/Fremd). Die Ergebnisverwendung erzeugt vor allem Innenfinanzierung:
10. Offene Selbstfinanzierung
Die offene Selbstfinanzierung ist der in Rücklagen einbehaltene Gewinn – in der Bilanz sichtbar.
UNTERNEHMER AG: 105 + 997,5 = 1.102,5 Tsd. € bleiben als Eigenkapital im Unternehmen.
11. Stille Selbstfinanzierung
Die stille Selbstfinanzierung entsteht durch stille Reserven: Vermögen zu niedrig (Unterbewertung Aktiva) oder Schulden zu hoch (Überbewertung Passiva). Der ausgewiesene Gewinn wird kleiner → weniger Steuer/Dividende, mehr Kapital bleibt. Stille Reserven sind nicht sichtbar.
12. Finanzierung aus Rückstellungen
Gebildete Rückstellungen (v. a. Pensionsrückstellungen) erhöhen den Aufwand → geringerer Gewinn → weniger Steuer/Dividende. Das Geld bleibt bis zur Inanspruchnahme im Unternehmen.
13. Typische Prüfungsfehler
✗ Falsch
Bei der gesetzlichen Rücklage einfach 5 % vom JÜ einstellen.
✓ Richtig
Immer den kleineren Wert aus Fehlbetrag (bis 10 %-Grenze) und 5 % vom bereinigten JÜ nehmen.
✗ Falsch
Verlustvortrag beim bereinigten JÜ vergessen.
✓ Richtig
Vor den 5 % den Verlustvortrag abziehen: 5 % von (JÜ − VV).
✗ Falsch
Dividende vom Jahresüberschuss statt vom Bilanzgewinn her denken.
✓ Richtig
Die Dividende wird aus dem Bilanzgewinn ausgeschüttet; reicht er nicht, entsteht ein Verlustvortrag.
✗ Falsch
Offene und stille Selbstfinanzierung verwechseln.
✓ Richtig
Offen = über Rücklagen sichtbar; still = über Unter-/Überbewertung verborgen.
14. Auf einen Blick
- Gesetzliche Rücklage: kleinerer Wert aus Fehlbetrag (10 %-Grenze) und 5 % vom bereinigten JÜ.
- Gewinnverwendung: JÜ + GV − VV − gesRL + Entn − andRL = Bilanzgewinn − Dividende = Vortrag.
- Drei EK-Stufen: vor / nach teilweiser / nach vollständiger Ergebnisverwendung.
- Dividende: V1 Prozent vom gez. Kapital (Dreisatz), V2 über Stückdividende; Stückdividende = Bilanzgewinn / Aktienzahl.
- Kapitalerhöhung: Nennwert → gez. Kapital, Agio → Kapitalrücklage; Bezugsverhältnis = alte : neue Aktien.
- Selbstfinanzierung: offen (Rücklagen) + still (stille Reserven); Rückstellungen = Fremdkapital von innen.
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