Deutsch Wirtschaftsschule Bayern · Jahrgangsstufe 8 (vier- und dreistufige Wirtschaftsschule) · Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren (LehrplanPLUS)
Anglizismen, Fremd- und Lehnwörter: woher unsere Wörter kommen
Die deutsche Sprache hat zu allen Zeiten Wörter aus anderen Sprachen aufgenommen. Manche sind so gut angepasst, dass niemand mehr ihre Herkunft bemerkt. Andere wirken bis heute fremd. Besonders viele neue Wörter kommen derzeit aus dem Englischen. Auf dieser Seite lernst du, Lehnwörter, Fremdwörter und Anglizismen zu unterscheiden. Du erfährst, wie sich übernommene Wörter dem Deutschen anpassen, und wie du sie in Geschäftstexten bewusst einsetzt. Die Beispiele stammen aus dem Versandgeschäft eines erfundenen Händlers für Büromaterial.
1. Wörter wandern zwischen Sprachen
Sprachen stehen eigentlich nie still. Wenn Menschen Handel treiben, reisen oder neue Dinge erfinden, übernehmen sie oft auch die Wörter dafür. Man spricht von Entlehnung. Das Deutsche hat im Lauf seiner Geschichte Wörter aus dem Lateinischen, dem Französischen, dem Italienischen und dem Englischen aufgenommen.
Die Gründe sind verschieden. Oft kommt mit einer neuen Sache auch das Wort dafür. Manchmal wirkt ein fremdes Wort moderner oder ist kürzer als das deutsche. In Fachgebieten, in denen international zusammengearbeitet wird, erleichtern gemeinsame Wörter die Verständigung.
| Begriff | Merkmal | Beispiele |
|---|---|---|
| Lehnwort | vollständig an das Deutsche angepasst | Fenster, Mauer, Straße, Wein |
| Fremdwort | Herkunft noch erkennbar | Restaurant, Büro, Computer |
| Anglizismus | aus dem Englischen übernommen | Team, Meeting, Service |
Die Grenzen sind fließend. Ein Fremdwort kann sich mit der Zeit so stark anpassen, dass es kaum noch als fremd empfunden wird. Ein gutes Beispiel ist „Büro“, das aus dem Französischen stammt.
2. Lehnwörter: angepasst und vertraut
Ein Lehnwort wurde vor langer Zeit übernommen und hat sich vollständig an Aussprache, Schreibung und Grammatik des Deutschen angepasst. Seine Herkunft erkennen meist nur Fachleute.
Fenster stammt vom lateinischen „fenestra“.
Mauer stammt vom lateinischen „murus“.
Straße stammt vom lateinischen „strata“.
Viele dieser Wörter kamen mit den Römern in den deutschsprachigen Raum. Mit dem Steinbau übernahmen die Menschen auch die Wörter dafür. Heute klingen „Fenster“ und „Mauer“ so deutsch wie „Tür“ und „Haus“.
Auch die Sprache des Handels ist voller alter Entlehnungen. Viele Wörter aus dem Geldwesen stammen aus dem Italienischen, weil italienische Kaufleute den Handel in Europa lange prägten. Dazu gehören „Konto“, „Bilanz“ und „Saldo“. Wer heute eine Buchhaltung führt, benutzt diese Wörter selbstverständlich.
Eine besondere Form ist die Lehnübersetzung. Hier wird nicht das Wort selbst übernommen, sondern es wird Teil für Teil übersetzt. „Wolkenkratzer“ ist eine Lehnübersetzung des englischen „skyscraper“.
3. Fremdwörter und Anglizismen
Ein Fremdwort zeigt seine Herkunft noch deutlich, etwa in der Schreibung oder Aussprache. „Restaurant“ spricht man französisch aus, „Computer“ englisch. Eine Untergruppe der Fremdwörter sind die Anglizismen, also Wörter aus dem Englischen.
Anglizismen sind besonders in Wirtschaft, Technik und Medien verbreitet. Viele bezeichnen Dinge, für die es vorher kein deutsches Wort gab, etwa „Software“ oder „Onlineshop“. Andere stehen neben einem deutschen Wort, etwa „Meeting“ neben „Besprechung“.
Manche Wörter gibt es in vielen Sprachen in fast gleicher Form. Man nennt sie Internationalismen. Beispiele sind „Telefon“, „Taxi“ und „Hotel“. Sie erleichtern die Verständigung über Sprachgrenzen hinweg, gerade auf Reisen und im internationalen Handel.
Es gibt auch Scheinanglizismen. Sie klingen englisch, werden im Englischen aber nicht oder anders verwendet. Ein Beispiel ist „Beamer“. Im Englischen sagt man für das Gerät „projector“. Wer im Gespräch mit englischsprachigen Kunden „Beamer“ sagt, wird deshalb möglicherweise nicht verstanden.
4. Wie sich Fremdwörter anpassen
Übernommene Wörter müssen sich in die deutsche Grammatik einfügen. Das betrifft die Großschreibung, den Artikel, den Plural und bei Verben die Beugung.
| Bereich | Anpassung | Beispiel |
|---|---|---|
| Großschreibung | Nomen werden großgeschrieben | das Team, der Service |
| Artikel | ein deutscher Artikel wird zugeordnet | der Computer, die Software |
| Plural | oft mit -s | die Teams, die Shops |
| Verben | deutsche Endungen | mailen, gemailt; managen, gemanagt |
Beim Artikel gibt es manchmal Unsicherheiten. „E-Mail“ ist in der Standardsprache meist weiblich: „die E-Mail“. In Süddeutschland, Österreich und der Schweiz ist auch „das E-Mail“ gebräuchlich. Im Zweifel hilft das Wörterbuch.
Verben aus dem Englischen erhalten deutsche Endungen und ein deutsches Partizip: „Selin hat dem Kunden gemailt“, „das Projekt wurde gut gemanagt“. Die englische Form „managed“ ist im deutschen Satz falsch.
Nicht jedes übernommene Nomen bildet den Plural mit „-s“. Wörter auf „-er“ bleiben im Plural oft unverändert: „der Computer“, „die Computer“. Auch hier zeigt sich, wie stark sich ein Fremdwort schon angepasst hat.
5. Anglizismen bewusst einsetzen
Anglizismen sind weder gut noch schlecht. Entscheidend ist, ob sie verstanden werden und zur Lage passen. In einem Team, das täglich mit dem Fachwortschatz arbeitet, sind Ausdrücke wie „Tracking-Nummer“ oder „Newsletter“ selbstverständlich.
Gegenüber Kunden ist dagegen Vorsicht geboten. Nicht jeder versteht englische Fachausdrücke. Eine Mitteilung voller Anglizismen kann ausgrenzend wirken. Ältere Kunden oder Menschen, die Deutsch erst lernen, verstehen viele dieser Wörter nicht. Sie fühlen sich dann schlecht informiert und fragen nach, was zusätzliche Arbeit kostet. Wähle deshalb immer das Wort, das dein Leser ganz sicher versteht.
unklar: Ihr Parcel ist gerade out for delivery, den Tracking-Status sehen Sie im Account.
klar: Ihr Paket wird heute zugestellt. Den Stand der Lieferung sehen Sie in Ihrem Kundenkonto.
Die zweite Fassung verzichtet auf unnötige Anglizismen und ist für alle verständlich. Gebräuchliche Wörter wie „Onlineshop“ oder „E-Mail“ darfst du dagegen unbesorgt verwenden.
Übrigens wandern Wörter in beide Richtungen. Auch das Englische hat deutsche Wörter übernommen, etwa „Kindergarten“. Entlehnung ist also kein Zeichen von Schwäche einer Sprache, sondern ein ganz normaler Vorgang.
So brauchst du es im Beruf
Im Onlinehandel begegnen dir täglich Anglizismen. Du musst sie verstehen und entscheiden, wann du sie verwendest. Selin schreibt eine interne Notiz für das Team und eine Nachricht an eine Kundin.
Notiz an das Team: Die Tracking-Nummern für die Bestellungen von heute sind im System. Bitte checkt bis zum Meeting um 14 Uhr die offenen Retouren.
Nachricht an die Kundin: Ihre Sendung ist unterwegs. Die Sendungsnummer finden Sie in der Bestätigung, die wir Ihnen gemailt haben.
| Text | Wortwahl | Grund |
|---|---|---|
| Notiz an das Team | Tracking-Nummer, checken, Meeting | Fachwortschatz, im Team bekannt |
| Nachricht an die Kundin | Sendungsnummer, unterwegs | verständlich für alle |
| beide | gemailt | deutsche Partizipform |
Selin passt ihre Sprache jeweils genau dem Leser an. Diese Fähigkeit macht im Kundenkontakt einen großen Unterschied. Wer bewusst wählt, wird von Kollegen und Kunden gleichermaßen verstanden.
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| Das Projekt wurde gut managed. | Das Projekt wurde gut gemanagt. | Übernommene Verben erhalten deutsche Endungen. |
| das team | das Team | Nomen werden großgeschrieben. |
| „Beamer“ im englischen Kundengespräch | „projector“ | „Beamer“ ist ein Scheinanglizismus. |
| Mitteilung voller englischer Fachwörter an Kunden | verständliche deutsche Wörter wählen | Kunden sollen alles verstehen. |
| Fenster für ein Fremdwort halten | Fenster ist ein Lehnwort | Es ist vollständig angepasst. |
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