Deutsch Wirtschaftsschule Bayern · Jahrgangsstufe 9 (vier- und dreistufig) und Jahrgangsstufe 10 (zweistufig) · Schreiben (LehrplanPLUS)
Bewerbungsschreiben und Lebenslauf für eine kaufmännische Ausbildung
Die Bewerbung ist der erste Eindruck, den ein Ausbildungsbetrieb von dir bekommt. Oft entscheidet sie darüber, ob du zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wirst. Ein gutes Bewerbungsschreiben zeigt, warum du dich für genau diesen Beruf und genau diesen Betrieb interessierst. Der Lebenslauf gibt einen übersichtlichen Überblick über deinen bisherigen Weg. Auf dieser Seite lernst du, wie du beides aufbaust, formulierst und überprüfst. Alle Namen, Betriebe und Angaben in den Beispielen sind erfunden.
1. Die Bewerbungsunterlagen im Überblick
Eine vollständige Bewerbung besteht meist aus mehreren Teilen. Das Bewerbungsschreiben, auch Anschreiben genannt, ist ein persönlicher Brief an den Betrieb. Der Lebenslauf listet deine bisherigen Stationen auf. Dazu kommen Anlagen wie das letzte Zeugnis und Bescheinigungen über Praktika.
Viele Betriebe wünschen heute eine Bewerbung per E-Mail oder über ein Online-Formular. Bei einer E-Mail-Bewerbung fasst du alle Unterlagen in einer einzigen PDF-Datei zusammen. Die Datei bekommt einen klaren Namen, zum Beispiel „Bewerbung_Lea_Brandt.pdf“. Verwende außerdem eine seriöse E-Mail-Adresse, die aus deinem Namen besteht.
Lies die Stellenanzeige genau. Sie verrät dir, welche Unterlagen der Betrieb erwartet, an wen du die Bewerbung richtest und welche Eigenschaften gesucht werden. Diese Angaben nutzt du für dein Anschreiben.
Achte auch auf den Zeitpunkt. Viele Betriebe vergeben ihre Ausbildungsplätze schon lange vor dem Ausbildungsbeginn. Informiere dich deshalb frühzeitig über Fristen und bewirb dich rechtzeitig. Wer erst kurz vor Ausbildungsbeginn sucht, findet oft nur noch wenige freie Plätze.
2. Der Aufbau des Bewerbungsschreibens
Das Bewerbungsschreiben ist ein Geschäftsbrief. Es folgt deshalb der üblichen Form, wie sie die Norm DIN 5008 für Geschäftsbriefe beschreibt. Halte dich an diese Reihenfolge.
| Teil | Inhalt |
|---|---|
| Absender | dein Name, deine Anschrift, Telefonnummer, E-Mail-Adresse |
| Empfänger | Name des Betriebs, Ansprechpartnerin oder Ansprechpartner, Anschrift |
| Ort und Datum | rechtsbündig über dem Betreff |
| Betreff | Bewerbung um einen Ausbildungsplatz als … |
| Anrede | möglichst mit Namen, zum Beispiel „Sehr geehrte Frau Hartmann,“ |
| Text | Einleitung, Hauptteil, Schluss |
| Gruß und Unterschrift | „Mit freundlichen Grüßen“ und deine Unterschrift |
| Anlagen | Liste der beigefügten Unterlagen |
Der Betreff steht ohne das Wort „Betreff“ und wird oft fett gedruckt. Ist in der Stellenanzeige eine Ansprechpartnerin genannt, schreibst du sie mit Namen an. Eine persönliche Anrede zeigt, dass du dich mit der Anzeige beschäftigt hast.
Das Anschreiben sollte nicht länger als eine Seite sein. Personalverantwortliche lesen viele Bewerbungen. Ein kurzer, klarer Text wird eher gelesen als ein langer.
3. Einleitung, Hauptteil und Schluss formulieren
In der Einleitung nennst du, auf welche Stelle du dich bewirbst und wie du davon erfahren hast. Vermeide den abgenutzten Einstieg „Hiermit bewerbe ich mich“. Ein eigener erster Satz macht neugierig.
Ihre Anzeige auf der Ausbildungsbörse unserer Schule hat mich sofort angesprochen. Bei einem Großhandel wie der Bürobedarf Lindner KG möchte ich meine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement beginnen.
Im Hauptteil zeigst du, warum du zum Beruf und zum Betrieb passt. Nenne deinen Schulabschluss oder den angestrebten Abschluss. Beschreibe Erfahrungen aus Praktika oder Schülerfirmen. Nenne Stärken, aber belege sie mit einem Beispiel. „Ich bin organisiert“ allein überzeugt kaum. „In unserer Schülerfirma habe ich ein Jahr lang die Bestellungen verwaltet“ zeigt dieselbe Stärke an einer Tätigkeit.
Derzeit besuche ich die Wirtschaftsschule und werde sie im Sommer mit dem Wirtschaftsschulabschluss beenden. In unserer Übungsfirma bearbeite ich Kundenanfragen und erstelle Rechnungen. Während meines Praktikums bei einem Büroausstatter habe ich gelernt, Bestellungen im Warenwirtschaftsprogramm zu erfassen. Diese Arbeit hat mir besonders gefallen, weil ich dabei genau und selbstständig arbeiten konnte.
Zeige außerdem, warum du dich gerade für diesen Betrieb interessierst. Informiere dich vorher auf seiner Internetseite. Vielleicht beliefert er Schulen in deiner Region, oder er bildet seit vielen Jahren erfolgreich aus. Ein solcher Bezug beweist, dass du dich ernsthaft mit dem Betrieb beschäftigt hast und nicht nur irgendeinen Ausbildungsplatz suchst.
Im Schluss bittest du um ein Vorstellungsgespräch. Formuliere selbstbewusst, aber höflich. Konjunktive wie „würde mich freuen, wenn ich vielleicht“ wirken unsicher.
Über eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch freue ich mich.
4. Der tabellarische Lebenslauf
Der Lebenslauf wird heute fast immer als Tabelle gestaltet. Er ist übersichtlich gegliedert und passt meist auf eine, höchstens zwei Seiten. Die aktuellste Station steht innerhalb jedes Abschnitts oben.
Persönliche Daten: Lea Brandt, Anschrift, Telefon, E-Mail, Geburtsdatum
Schulbildung: 09/JJJJ bis heute Wirtschaftsschule Musterstadt, angestrebter Abschluss: Wirtschaftsschulabschluss
Praktische Erfahrungen: MM/JJJJ zweiwöchiges Praktikum, Büroausstatter Seidel, Musterstadt
Kenntnisse: Textverarbeitung und Tabellenkalkulation, Englisch gute Kenntnisse
Interessen: Handball im Verein, Mitarbeit in der Schülerfirma
Ort, Datum, Unterschrift
Gliedere den Lebenslauf in klare Abschnitte mit Überschriften. Gib bei jeder Station den Zeitraum mit Monat und Jahr an. Lücken solltest du vermeiden oder kurz erklären. Am Ende stehen Ort, Datum und deine Unterschrift. Damit bestätigst du, dass alle Angaben stimmen.
Ein Foto ist in Deutschland für eine Bewerbung nicht vorgeschrieben. Viele Bewerberinnen und Bewerber fügen trotzdem eines bei. Wenn du ein Foto verwendest, sollte es aktuell und professionell sein. Ein Urlaubs- oder Partyfoto passt nicht.
Bei den Interessen nennst du nur Dinge, die dich wirklich beschäftigen. Ein Personalverantwortlicher könnte im Gespräch danach fragen. Interessen, die Teamfähigkeit oder Verantwortung zeigen, wie Mannschaftssport oder ein Ehrenamt, sind besonders aussagekräftig.
5. Bewerbung prüfen und überarbeiten
Eine Bewerbung mit Fehlern hinterlässt einen schlechten Eindruck. Prüfe deine Unterlagen deshalb gründlich, bevor du sie abschickst.
Kontrolliere zuerst die Form. Stimmen Absender, Empfänger, Datum und Betreff? Ist der Name der Ansprechpartnerin richtig geschrieben? Sind alle Anlagen beigefügt und im Anschreiben aufgeführt?
Prüfe dann den Inhalt. Passt das Anschreiben zu genau dieser Stelle und diesem Betrieb? Hast du deine Stärken mit Beispielen belegt? Gibt es Widersprüche zwischen Anschreiben und Lebenslauf?
Prüfe zuletzt Rechtschreibung und Zeichensetzung. Lies den Text dafür laut oder lass ihn von einer zweiten Person gegenlesen. Fehler im Namen des Betriebs wiegen besonders schwer.
Verschicke nie dasselbe Anschreiben unverändert an mehrere Betriebe. Personalverantwortliche erkennen Serienbriefe sofort. Passe Einleitung und Hauptteil jeweils an den Betrieb und die Stelle an.
So hilft dir KI – und wo du selbst prüfen musst
Einen ersten Entwurf für ein Anschreiben erstellt ein KI-Werkzeug in Sekunden. Unter Anleitung kannst du so etwas ausprobieren. Ein solcher Entwurf ist aber nie deine fertige Bewerbung. Er klingt oft allgemein und enthält Angaben, die nicht auf dich zutreffen. Ausgangspunkt ist die Bitte: „Schreibe eine Bewerbung als Kauffrau für Büromanagement bei der Bürobedarf Lindner KG.“
| Vorschlag eines KI-Werkzeugs | Was du selbst prüfst | Warum |
|---|---|---|
| „Hiermit bewerbe ich mich mit großem Interesse …“ | Ist der Einstieg persönlich? | Abgenutzte Floskeln wirken austauschbar. |
| „Durch meine langjährige Berufserfahrung …“ | Trifft das auf mich zu? | Als Schülerin hast du keine langjährige Berufserfahrung. |
| „Ich bin teamfähig, flexibel und belastbar.“ | Kann ich jede Eigenschaft mit einem Beispiel belegen? | Unbelegte Eigenschaften überzeugen nicht. |
| Anrede „Sehr geehrte Damen und Herren“ | Ist in der Anzeige eine Ansprechpartnerin genannt? | Eine persönliche Anrede wirkt besser. |
Gib keine vollständigen persönlichen Daten wie Anschrift, Geburtsdatum oder Zeugnisnoten in ein solches Werkzeug ein. Diese Angaben gehören nur in deine eigene Bewerbung. Ob und wie du KI im Bewerbungstraining der Schule nutzt, sprichst du mit deiner Lehrkraft ab.
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| „Hiermit bewerbe ich mich …“ | mit einem eigenen, persönlichen Satz beginnen | Floskeln machen die Bewerbung austauschbar. |
| „Ich bin zuverlässig.“ ohne Beispiel | Stärke mit einer Tätigkeit belegen | Erst das Beispiel macht die Aussage glaubhaft. |
| Anschreiben über zwei Seiten | höchstens eine Seite | Kurze Texte werden eher gelesen. |
| Lebenslauf mit der ältesten Station oben | aktuellste Station oben | So ist der Lebenslauf heute üblich. |
| dasselbe Anschreiben an zehn Betriebe | jedes Anschreiben an Betrieb und Stelle anpassen | Serienbriefe fallen sofort auf. |
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