Deutsch Mittelschule Bayern · Jahrgangsstufen 5 bis 10 · Richtig schreiben (LehrplanPLUS)

Wie du mit sechs Strategien und einem Fehlerprotokoll deine Rechtschreibung verbesserst

Du hast ein Formular für die Berufsberatung ausgefüllt und entdeckst in der Kopie zwei Fehler, die dir vorher nicht aufgefallen sind. Solche Fehler kehren oft wieder, sie lassen sich aber einkreisen. Dafür brauchst du zwei Dinge: Strategien, mit denen du ein Wort prüfst, und ein Protokoll, in dem du deine eigenen Fehler sammelst. Beides verlangt der Lehrplan der Mittelschule von Jahrgangsstufe 7 an bis M10. Diese Seite erklärt keine Rechtschreibregel neu, denn die stehen auf den Stufenseiten; hier geht es um das Verfahren.

1. Welcher Trick passt zu welchem Wort?

Im Lager hängt ein Schild, und du bist dir nicht sicher, wie ein Wort darauf geschrieben wird. Bevor du raten musst, hast du sechs Wege, das Wort zu prüfen. Jeder passt zu einer anderen Art von Unsicherheit.

Mitsprechen. Du willst „Praktikum“ schreiben und sprichst langsam in Silben: Prak-ti-kum. Jede Silbe schreibst du so auf, wie du sie hörst. Das trägt bei Wörtern, die man schreibt, wie man sie spricht, und lässt dich im Stich, sobald ein Wort eine Besonderheit hat.

Verlängern. Korb oder Korp? Du bildest die Mehrzahl, die Körbe, und dort hörst du das b. So kontrollierst du den letzten Buchstaben, wenn er am Wortende anders klingt, als er geschrieben wird.

Ableiten. Wärme mit ä oder mit e? Du suchst ein verwandtes Wort mit a und findest warm. So leitest du die Schreibung ab, statt sie zu erraten.

Zerlegen. Arbeitsschutzkleidung sieht lang aus, also zerlegst du das Wort in Arbeits, Schutz und Kleidung. Jedes Stück schreibst du für sich, und so fällt dir auf, dass in der Mitte zwei s aufeinandertreffen und keins davon verloren geht. Bei langen Wörtern aus der Werkstatt oder von der Baustelle ist das der sicherste Weg.

Merkwort. Die Zahl „vier“ klingt, als begänne sie mit f; geschrieben wird sie mit v. Hier hilft weder Verlängern noch Ableiten, du musst dir das Wort merken. Schreibe es auf eine Karte, markiere die Stelle und lege die Karte dorthin, wo du sie täglich siehst.

Nachschlagen. Du suchst „verlieh“ im Wörterbuch. Verben stehen dort in der Grundform, also schlägst du „verleihen“ auf. Auch eine automatische Rechtschreibprüfung ersetzt das nicht, denn schreibst du „Stahl“ statt „Stall“, kennt sie beide Wörter und meldet nicht unbedingt einen Fehler.

Strategie Du nimmst sie, wenn … Beispiel
Mitsprechen du ein Wort so schreiben willst, wie du es sprichst Prak-ti-kum
Verlängern der Wortschluss anders klingt, als er geschrieben wird Korb – die Körbe
Ableiten du nicht weißt, ob ä oder e beziehungsweise äu oder eu steht Wärme – warm
Zerlegen das Wort aus mehreren Teilen besteht Arbeits | schutz | kleidung
Merkwort sich die Schreibung nicht herleiten lässt vier
Nachschlagen die anderen Strategien nicht reichen oder ein Fremdwort im Spiel ist verlieh – verleihen

2. Wo findest du deine eigenen Fehler?

Im Praktikumsbericht ist dreimal dasselbe Wort rot angestrichen. Das ist kein Zufall, sondern ein Hinweis auf einen Fehlerschwerpunkt. Ein Fehlerschwerpunkt ist eine Art von Fehler, die bei dir besonders oft auftritt.

Gesammelt wird, was du selbst geschrieben hast:

  • der Praktikumsbericht und der Entwurf für eine Bewerbung,
  • die Kopie eines ausgefüllten Formulars,
  • Übungstexte und Diktate aus dem Unterricht.

Jeder angestrichene Fehler kommt nicht einfach durchgestrichen davon. Du schreibst das Wort richtig auf und notierst, welche Strategie dich zur richtigen Schreibung geführt hätte. Sammle über mehrere Texte hinweg, denn aus drei Einträgen lässt sich noch kein Schwerpunkt ablesen.

Danach ordnest du die Einträge nach dem Ort, an dem der Fehler sitzt. Diese Ordnung hilft dir, weil jeder Ort zu einer anderen Strategie führt:

  • am Wortende (b oder p, d oder t, g oder k),
  • bei ä oder e und bei äu oder eu,
  • bei einfachem oder doppeltem Konsonanten,
  • bei Fremdwörtern,
  • bei der Groß- und Kleinschreibung,
  • bei der Zeichensetzung.

Zähle am Ende, welche Fehlerart am häufigsten vorkommt. Die zwei häufigsten sind deine Schwerpunkte. Hast du gerade keine eigenen Texte zur Hand, trägst du die Fehler aus deinen Übungsaufgaben genauso ein.

3. Wie sieht ein Fehlerprotokoll aus?

Ein Protokoll auf der Baustelle hält fest, was passiert ist, damit es nicht noch einmal passiert. Dein Fehlerprotokoll tut dasselbe mit Wörtern, und fünf Spalten reichen dafür.

Mein Wort Richtig Fehlerart Strategie Nach einer Woche
Krefte Kräfte e statt ä Ableiten (Kraft) richtig
Schraupe Schraube p statt b am Wortende Verlängern (Schrauben) richtig
Arbeitschutz Arbeitsschutz s in der Wortfuge fehlt Zerlegen (Arbeits, Schutz) wieder falsch
Hamer Hammer Doppelkonsonant fehlt Mitsprechen (Ham-mer) richtig
Praktikom Praktikum o statt u in der Endung Merkwort wieder falsch
Kontrole Kontrolle Doppelkonsonant fehlt Nachschlagen richtig

In die letzte Spalte schreibst du nach einer Woche, ob du das Wort aus dem Kopf richtig geschrieben hast. Steht dort zweimal hintereinander „richtig“, nimmst du das Wort aus der Liste, und bei „wieder falsch“ bleibt es drin. In der Beispieltabelle steht die Fehlerart „Doppelkonsonant fehlt“ zweimal; sie wäre der erste Schwerpunkt.

Führe das Protokoll sofort und nicht erst kurz vor der Prüfung. Ein Eintrag kostet eine Minute, solange der Fehler frisch ist; Wochen später weißt du nicht mehr, welcher Trick dir geholfen hätte. Ein Heft oder eine Datei am Handy genügt, solange alle fünf Spalten darin Platz haben.

4. Wie übst du gezielt, statt einfach mehr zu schreiben?

Wer in der Werkstatt die Säge nicht sauber führt, übt das Sägen und nicht gleich den ganzen Schrank. Mit der Rechtschreibung ist es genauso, und dein Protokoll sagt dir, was du üben musst.

  1. Zwei Schwerpunkte wählen. Nimm die zwei Fehlerarten, die in deinem Protokoll am häufigsten vorkommen.
  2. Wörter sammeln. Schreibe zu jeder Fehlerart fünf Wörter aus deiner Liste auf Karten.
  3. Abschreiben, abdecken, schreiben. Lies ein Wort, decke es ab, schreibe es aus dem Gedächtnis auf und vergleiche.
  4. In Sätzen üben. Schreibe zu jedem Wort einen Satz aus Betrieb, Werkstatt oder Pflege, denn im Satz zeigt sich, ob du das Wort wirklich beherrschst.
  5. Kontrollieren. Diktiere dir die Wörter nach einer Woche selbst und trage das Ergebnis in die letzte Spalte ein.
  6. Weiterziehen. Nimm Wörter, die zweimal hintereinander richtig waren, aus der Liste und fülle sie mit neuen Fehlern auf.

Ein Beispiel aus dem Protokoll oben: Die Fehlerart „Doppelkonsonant fehlt“ kam bei „Hamer“ und „Kontrole“ vor. Du sammelst fünf weitere Wörter aus Werkstatt und Küche, etwa Kelle, Platte, Rolle, Schlüssel und Kessel, sprichst sie in Silben und kontrollierst bei jedem, wo die beiden gleichen Konsonanten stehen.

Kommt ein Fehler trotzdem immer wieder, hilft es, die Strategie zu wechseln. Wer ein Wort durch Mitsprechen nicht sicher bekommt, versucht es mit Zerlegen oder legt eine Merkkarte an. Bleibt ein Wort hartnäckig, frage deine Lehrkraft, welche Strategie zu ihm passt. Nach zwei Wochen prüfst du, ob sich deine Schwerpunkte verschoben haben; möglicherweise rückt dann eine andere Fehlerart nach vorn, und du beginnst mit ihr von vorn.

So prüfst du es im Quali

In der Werkstat hat die Praktikantin zwei Wochen lang mitgearbeitet. Am Montak hat sie die Maschiene gereinigt. Danach zeigte ihr der Anleiter das neue Gebeude. Die Werkzeuge lagen in der Lagerhale. Zum Schluss füllte sie das Formular zur Inventuhr aus.

Falsch im Text Richtig Strategie So gehst du vor
Werkstat Werkstatt Mitsprechen Du sprichst Werk-statt in Silben; die zweite Silbe schreibst du wie das Wort „statt“.
Montak Montag Verlängern Die Mehrzahl lautet „Montage“, und dort hörst du das g.
Maschiene Maschine Merkwort Das lange i wird hier mit einem einfachen i geschrieben; das musst du dir merken.
Gebeude Gebäude Ableiten Verwandt ist „Bau“ mit au, also schreibst du äu.
Lagerhale Lagerhalle Zerlegen Du schreibst „Lager“ und „Halle“ getrennt; „Halle“ hat zwei l.
Inventuhr Inventur Nachschlagen Das Fremdwort kontrollierst du im Wörterbuch; es endet auf -ur.

Das Rechtschreiben steht ausdrücklich in der Bezeichnung von Teil B der Quali, und wer zu jedem Fehler eine Strategie nennen kann, begründet seine Schreibung, statt sie zu erraten.

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Falsch Richtig Warum
Du streichst den Fehler an und liest weiter. Du schreibst das Wort richtig ins Protokoll und notierst die Strategie. Ohne Eintrag erkennst du nicht, ob derselbe Fehler wiederkommt.
„Korp“, weil es so klingt. „Korb“, geprüft an der Mehrzahl „Körbe“. Mitsprechen reicht nicht, wenn der Wortschluss anders klingt, als er geschrieben wird; dann verlängerst du.
Du verlässt dich allein auf die automatische Rechtschreibprüfung. Du prüfst ähnlich klingende Wörter selbst, zum Beispiel „Stahl“ und „Stall“. Ein Programm kennt beide Wörter und merkt nicht unbedingt, welches zum Satz passt.
Du suchst „gezählt“ unter G. Du schlägst „zählen“ auf. Verben stehen im Wörterbuch in der Grundform.
Du übst ein Wort einmal und hakst es ab. Du prüfst es nach einer Woche noch einmal. Ob ein Wort sitzt, zeigt sich erst nach einer Pause.

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