Deutsch Mittelschule Bayern · Jahrgangsstufen 5 bis 10 · Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren (LehrplanPLUS)
Welches Satzglied ist das? Dein Bestimmungsweg mit vier Proben von Jgst. 5 bis M10
In der Werkstatt hängt ein Zettel: Die Praktikantin streicht am Montag in der Werkstatt die Regale. Dieser eine Satz besteht aus fünf Teilen, die beim Umstellen nur gemeinsam wandern, und jeder Teil trägt einen eigenen Namen. Die Mittelschule führt die meisten dieser Namen schon in Jgst. 5 ein und baut sie bis M10 aus. Diese Seite ordnet den Stoff nach dem Weg, den du beim Bestimmen gehst: erst die Grenzen, dann die Fragen, dann die Sonderfälle. Die Einzelheiten zu jedem Satzglied stehen auf den Seiten der einzelnen Jahrgangsstufen.
1. In welcher Reihenfolge bestimmst du die Satzglieder eines Satzes?
Die Praktikantin streicht am Montag in der Werkstatt die Regale.
An diesem Satz lässt sich der ganze Weg vorführen. Jeder Schritt bringt ein Werkzeug mit, und vier davon sind die Proben: Umstellprobe, Ersatzprobe, Weglassprobe und Ergänzungsprobe. Gehe so vor:
- Grenzen finden. Stelle den Satz um (Umstellprobe). Was dabei zusammenbleibt, ist ein Satzglied. Hier sind es fünf.
- Prädikat und Subjekt festlegen. Das gebeugte Verb ist der Kern, im Aussagesatz steht es an zweiter Stelle. Frage dann: Wer oder was streicht?
- Objekte erfragen. Frage nach „Wessen?“, „Wem?“ und „Wen oder was?“. Die Ersatzprobe mit einem Pronomen bestätigt dir die Antwort.
- Notwendiges von Zusätzlichem trennen. Lass jedes Satzglied probeweise weg (Weglassprobe). Ohne Subjekt und Prädikat bricht der Satz auseinander, ohne ein Adverbiale nicht.
- Adverbiale nachweisen. Ergänze „Wo?“, „Wann?“ oder „Warum?“ (Ergänzungsprobe). So findest du Lokal-, Temporal- und ab R7 auch Kausaladverbiale.
- Sonderfälle prüfen. Steht ein ganzer Nebensatz an der Stelle eines Satzglieds? Dann ist es ein Subjekt- oder Objektsatz (ab R7). Wandert ein Wort nur gemeinsam mit seinem Nomen? Dann ist es ein Attribut (M8).
Die Tabelle zeigt, ab wann du welchen Teil des Wegs brauchst:
| Jahrgangsstufe | Was kommt dazu? | Beispiel |
|---|---|---|
| 5 | Subjekt, Prädikat, Genitiv-, Dativ- und Akkusativobjekt, Lokal- und Temporaladverbiale; alle vier Proben | Die Anleiterin hilft dem Praktikanten. |
| 6 | Objekte und Adverbiale im Ausbau; keine neue Satzgliedart im Lehrplan | Die Anleiterin zeigt dem Praktikanten heute den Lagerraum. |
| 7 | Kausaladverbiale, Subjektsatz und Objektsatz (in der M-Klasse allgemeiner als „weitere Satzglieder“ gefasst) | Wegen des Regens bleibt der Lieferant im Lager. |
| 8 | Satzglieder sicher bestimmen; in der M-Klasse zusätzlich Attribute | Die Praktikantin streicht die Regale der Werkstatt. |
| 9 | Satzglieder bleiben Teil der Sprachbetrachtung, jetzt mit Schwerpunkt auf sicherem Anwenden | ein Bericht, in dem du jedes Satzglied begründen kannst |
| M10 | Satzglieder begründet einsetzen | Heute zähle ich im Lager die Kartons. |
2. Woran siehst du, wo ein Satzglied aufhört?
Am Montag streicht die Praktikantin in der Werkstatt die Regale.
In der Werkstatt streicht die Praktikantin am Montag die Regale.
Beide Sätze sagen dasselbe, aber vor dem Verb steht jedes Mal etwas anderes. Im Aussagesatz steht vor dem gebeugten Verb genau ein Satzglied, auch wenn es aus mehreren Wörtern besteht. Das ist die Umstellprobe: Teile, die gemeinsam wandern, gehören zusammen. „In der“ allein kannst du nicht nach vorn schieben, „in der Werkstatt“ schon.
Die Ersatzprobe prüft dasselbe von der anderen Seite. Du ersetzt eine Wortgruppe durch ein einziges Wort: Sie streicht am Montag in der Werkstatt die Regale. Die Praktikantin streicht dann in der Werkstatt die Regale. Die Praktikantin streicht am Montag dort die Regale. Passt ein einziges Wort, ist die Wortgruppe ein Satzglied.
3. Mit welcher Frage deckst du Subjekt und Objekte auf?
Die Anleiterin hilft dem Praktikanten.
Die Frage „Wer hilft?“ führt zur Anleiterin, dem Subjekt. Die Frage „Wem hilft sie?“ führt zum Praktikanten, dem Dativobjekt. Das Verb bestimmt, welche Frage passt: Der Praktikant streicht die Wand verlangt „Wen oder was?“ und ergibt ein Akkusativobjekt. Die Küche bedarf einer neuen Spüle verlangt „Wessen?“ und ergibt ein Genitivobjekt, das nur bei wenigen Verben vorkommt.
Die Ersatzprobe mit Pronomen zeigt dir zusätzlich den Fall: „er“ oder „sie“ steht für das Subjekt, „ihm“ oder „ihr“ für das Dativobjekt, „ihn“ oder „sie“ für das Akkusativobjekt. Das Subjekt ist dabei nicht automatisch das erste Satzglied. In Die Regale streicht die Praktikantin lautet die Antwort auf „Wer streicht?“ weiterhin die Praktikantin.
Das Prädikat suchst du zuerst, weil alles andere an ihm hängt. Im Perfekt besteht es aus zwei Teilen, die getrennt stehen können: Die Praktikantin hat die Regale gestrichen. Hier bilden „hat“ und „gestrichen“ zusammen das Prädikat.
4. Was darfst du weglassen, und was lässt sich ergänzen?
Die Küche braucht am Freitag eine neue Spüle.
Streichst du „am Freitag“, bleibt der Satz vollständig: Die Küche braucht eine neue Spüle. Streichst du „eine neue Spüle“, fehlt etwas Wesentliches: Die Küche braucht am Freitag. Das ist die Weglassprobe. Sie trennt, was der Satz zum Leben braucht, von dem, was er nur zusätzlich erzählt. Verzichtbar sind meist Lokal- und Temporaladverbiale. Bei Verben wie „essen“ oder „lesen“ darf allerdings sogar das Objekt fehlen. Dort zeigt die Probe nur, dass der Satz grammatisch bleibt, und die Frage entscheidet.
Die Köchin schneidet das Gemüse.
Die Ergänzungsprobe geht den umgekehrten Weg: Du fügst etwas hinzu und prüfst, ob der Satz richtig bleibt. Passt „am Morgen“ hinein, hast du ein Temporaladverbiale gefunden, passt „in der Küche“, ein Lokaladverbiale. Ab Jgst. 7 kommt die Frage nach dem Grund dazu: Wegen des Festes schneidet die Köchin das Gemüse. „Wegen des Festes“ antwortet auf „Warum?“ und ist ein Kausaladverbiale.
Merke: Die Weglassprobe fragt, was fehlt, wenn etwas fehlt. Die Ergänzungsprobe fragt, was noch hineinpasst. Beide zusammen zeigen, ob an einer Stelle ein notwendiges oder ein zusätzliches Satzglied steht.
5. Was machst du, wenn ein ganzer Satz oder ein zusätzliches Wort die Stelle füllt?
Wer die Anleitung liest, macht weniger Fehler.
Die Frage nach dem Subjekt lautet: Wer oder was macht weniger Fehler? Die Antwort ist kein einzelnes Wort, sondern ein ganzer Nebensatz, „Wer die Anleitung liest“. Er steht an der Stelle des Subjekts und heißt deshalb Subjektsatz. Entsprechend steht ein Objektsatz an der Stelle eines Objekts: Die Anleiterin sagt, dass die Tür klemmt. Was sagt sie? Dass die Tür klemmt. Beide nennt der Lehrplan der Regelklasse ab Jgst. 7.
Die Praktikantin streicht die Regale der Werkstatt.
Die Wörter „der Werkstatt“ lassen sich nicht allein nach vorn schieben. Nur Die Regale der Werkstatt streicht die Praktikantin geht. Sie sind deshalb kein eigenes Satzglied, sondern ein Attribut: Es gehört zu „Regale“ und wandert mit dem Akkusativobjekt. Lässt du es weg, bleibt das Satzglied bestehen: Die Praktikantin streicht die Regale. Attribute stehen im Lehrplan der M-Klasse in Jgst. 8.
In Jgst. 9 und M10 bestimmst du Satzglieder nicht nur, du setzt sie gezielt ein. Was vorn im Satz steht, bekommt Gewicht. Am Montag beginnt das Praktikum betont den Zeitpunkt, Das Praktikum beginnt am Montag betont das Praktikum. Im Lehrplan der M10 heißt das: Satzglieder begründet einsetzen.
So prüfst du es im Quali
Am Ende der Jgst. 9 steht für die Regelklasse die Quali an, für die Mittlere-Reife-Klasse nur auf Antrag der Erziehungsberechtigten; die Jgst. M10 endet mit der zentralen Abschlussprüfung zum mittleren Schulabschluss. Im folgenden Bericht aus einer Küche lässt sich der ganze Weg durchspielen.
Die Praktikantin bedient am Morgen in der Küche die Spülmaschine. Die Betreuerin zeigt ihr heute den Dampfgarer. Wegen der vielen Bestellungen fällt die Pause aus. Die Köchin sagt, dass der Dampfgarer heiß ist. Die Spülmaschine der Küche läuft schon lange. Die Küche bedarf einer Reinigung.
| Stelle im Text | Satzglied und Weg dorthin | Stufe |
|---|---|---|
| am Morgen | Temporaladverbiale: „Wann?“, lässt sich nach vorn schieben und weglassen. | 5 |
| ihr | Dativobjekt: „Wem zeigt sie den Dampfgarer?“ | 5 |
| Wegen der vielen Bestellungen | Kausaladverbiale: „Warum fällt die Pause aus?“ | 7 |
| dass der Dampfgarer heiß ist | Objektsatz: „Was sagt die Köchin?“, Ersatzprobe mit „es“. | 7 |
| der Küche | Attribut zu „Spülmaschine“: wandert nur mit ihr, das Satzglied bleibt ohne es bestehen. | M8 |
| einer Reinigung | Genitivobjekt: „Wessen bedarf die Küche?“ | 5 |
Der Prüfungsteil „Sprachgebrauch – Sprachbetrachtung und Rechtschreiben“ trägt die Sprachbetrachtung schon im Namen. Wenn du an jedem Satzglied Frage und Probe nennen kannst, übst du genau diese Betrachtung.
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
Sechs Stolperstellen, an denen eine Probe zu früh endet:
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| „Am Montag in der Werkstatt“ ist ein Satzglied. | „Am Montag“ und „in der Werkstatt“ sind zwei Satzglieder. | Beide Teile lassen sich einzeln nach vorn stellen. |
| In „Die Regale streicht die Praktikantin“ ist „Die Regale“ das Subjekt. | Das Subjekt ist „die Praktikantin“, die Regale sind das Akkusativobjekt. | Das Subjekt antwortet auf „Wer oder was streicht?“, nicht auf die Position. |
| In „Sie hat die Wand gestrichen“ ist nur „hat“ das Prädikat. | „hat gestrichen“ bildet zusammen das Prädikat. | Das Perfekt hat zwei Teile, sie sind ein Satzglied. |
| „Dem Praktikanten“ in „Die Anleiterin hilft dem Praktikanten“ ist ein Akkusativobjekt. | Es ist ein Dativobjekt. | Die Frage lautet „Wem?“, die Ersatzprobe ergibt „ihm“. |
| „Wegen des Regens“ lässt sich weglassen, also ist es kein Satzglied. | Es ist ein Kausaladverbiale und damit ein verzichtbares Satzglied. | Die Weglassprobe trennt nur Notwendiges von Zusätzlichem. |
| „Der Werkstatt“ in „die Regale der Werkstatt“ ist ein eigenes Satzglied. | Es ist ein Attribut zu „Regale“. | Es wandert bei der Umstellprobe nur gemeinsam mit „die Regale“. |
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