Deutsch Mittelschule Bayern · Jahrgangsstufe 7 · Regelklasse und Mittlere-Reife-Klasse · Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren (LehrplanPLUS)
Lehn- und Fremdwörter erklären, Fachsprache gebrauchen und Fremdwörter trennen
Auf der Baustelle, in der Küche und im Pflegeheim begegnen dir täglich Wörter, die nicht ursprünglich deutsch sind. Manche benutzt du, ohne über ihre Herkunft nachzudenken. Andere kennst du nur aus dem Betrieb und musst sie erst einmal klären. Diese Seite zeigt dir, wie du Lehnwörter und Fremdwörter unterscheidest, ihre Herkunft und Bedeutung herausfindest, die passende Fachsprache wählst und Fremdwörter am Zeilenende richtig trennst.
1. Lehnwort und Fremdwort unterscheiden
Ein Lehnwort stammt aus einer anderen Sprache, ist aber so an das Deutsche angepasst, dass man ihm die fremde Herkunft kaum noch ansieht. Es wird deutsch ausgesprochen, deutsch geschrieben und wie ein deutsches Wort gebeugt. Auf der Baustelle begegnen dir viele davon: Mauer, Ziegel, Fenster und Keller gehen alle auf lateinische Wörter zurück, und doch würde niemand sie für fremd halten.
Ein Fremdwort ist dagegen noch als fremd erkennbar. Das zeigt sich an der Aussprache, an der Schreibung oder an der Endung. Container kommt aus dem Englischen, Montage und Kontrolle kommen aus dem Französischen. Du sprichst sie so aus, wie es in der Herkunftssprache üblich ist, oder zumindest nahe daran.
Auch in der Küche stecken beide Gruppen. Käse stammt aus dem Lateinischen und wird heute ganz selbstverständlich als deutsches Wort gebraucht. Menü und Dessert kommen aus dem Französischen und klingen bis heute fremd. Beide Gruppen gehören zum Wortschatz, den du im Beruf brauchst.
| Merkmal | Lehnwort | Fremdwort |
|---|---|---|
| Aussprache | folgt deutschen Regeln | erinnert an die Herkunftssprache |
| Schreibung | deutsch, zum Beispiel mit z, ie oder ß | oft fremde Buchstabenfolgen wie c am Anfang oder -age am Ende |
| Beispiele | Mauer, Ziegel, Fenster, Keller, Straße | Container, Montage, Kontrolle, Menü, Interview |
| Eindruck beim Sprechen | vertraut, wie ein deutsches Wort | fremd oder fachlich |
Die Grenze zwischen beiden Gruppen ist fließend. Ob ein Wort noch als fremd gilt, beurteilen Menschen und Wörterbücher nicht immer gleich. Wichtiger als die Einordnung ist deshalb, dass du die Herkunft klären und die Bedeutung erklären kannst.
Ein Hinweis auf ein Fremdwort sind bestimmte Endungen. Bei Verben ist es oft -ieren wie in kontrollieren und montieren. Bei Nomen findest du häufig -ion wie in Portion, -ik wie in Logistik oder -ent wie in Patient.
Merke: Eine Endung ist nur ein Hinweis, kein Beweis. Ob ein Wort fremd ist und woher es kommt, steht im Wörterbuch.
2. Herkunft und Bedeutung klären
Wenn du im Praktikum ein unbekanntes Wort hörst, helfen dir drei Schritte. Sie führen dich vom Satz bis zur eigenen Erklärung.
Erstens: den Zusammenhang nutzen. Oft verrät der Satz, was gemeint ist. In Der Polier bestellt einen Container für den Schutt erkennst du, dass es um etwas geht, in das man Material füllt. Das ist eine Vermutung, noch keine Klärung.
Zweitens: im Wörterbuch nachschlagen. Viele Einträge nennen die Herkunft, oft in abgekürzter Form: lat. für lateinisch, griech. für griechisch, frz. für französisch, engl. für englisch und ital. für italienisch. Wie die Einträge aufgebaut sind, unterscheidet sich von Wörterbuch zu Wörterbuch. Lies deshalb die Hinweise am Anfang des Buches oder auf der Internetseite.
Drittens: mit eigenen Worten erklären. Ersetze das Fremdwort im Satz durch deine Erklärung. Passt der Satz danach noch, hast du die Bedeutung getroffen: Der Polier bestellt einen großen Behälter für den Schutt.
| Wort | Herkunft | Bedeutung | Bereich |
|---|---|---|---|
| Container | englisch | großer Behälter zum Transportieren oder Sammeln | Baustelle, Lager |
| Montage | französisch | Zusammenbau von Teilen | Werkstatt, Baustelle |
| Kontrolle | französisch | Überprüfung | Betrieb |
| Menü | französisch | Folge von Gängen bei einem Essen | Küche |
| Portion | lateinisch | abgemessene Menge einer Speise | Küche |
| Patient | lateinisch | Person, die behandelt oder gepflegt wird | Pflege |
| Diagnose | griechisch | Feststellung einer Krankheit | Pflege |
| Formular | lateinisch | Vordruck zum Ausfüllen | Behörde |
Manche Wörter haben mehrere Bedeutungen. Ein Menü kann ein Essen sein oder eine Auswahlliste auf dem Bildschirm. Wähle im Wörterbuch immer die Bedeutung, die zum Satz passt, in dem das Wort steht, und prüfe sie mit der Ersatzprobe.
Merke: Wörterbuch nutzen heißt: Herkunft lesen, Bedeutung lesen, Bedeutung mit eigenen Worten wiedergeben. Rate nicht, wenn du die Herkunft nicht sicher weißt. Schlage nach.
3. Fachsprache situationsgerecht gebrauchen
Jeder Beruf hat seine Fachsprache. Sie besteht aus Fachwörtern, die genau festlegen, was gemeint ist. In der Küche heißt blanchieren, ein Gemüse kurz in kochendes Wasser zu tauchen. Im Lager heißt kommissionieren, Waren für einen Auftrag zusammenzustellen. In der Pflege bezeichnet Dekubitus eine wund gelegene Hautstelle. Mit solchen Wörtern verständigen sich Fachleute schnell und ohne Missverständnisse.
Eine Fachsprache arbeitet mit Wörtern, die im Betrieb nur eine Bedeutung haben. In der Werkstatt ist das Ding da hinten keine brauchbare Angabe, der Drehmomentschlüssel dagegen ist eindeutig. Genauigkeit und Sachlichkeit sind darum die wichtigsten Merkmale. Alltagssprache darf ungenauer und anschaulicher sein.
Fachsprache bedeutet nicht, dass ein Wort fremd sein muss. Schalung für die Form, in die Beton gegossen wird, und Wareneingang sind deutsche Wörter, und doch sind sie Fachwörter. Umgekehrt ist nicht jedes Fremdwort ein Fachwort: Interview kennt jeder.
Situationsgerecht heißt, dass du dich nach deinem Gegenüber richtest. Frage dich: Wer hört oder liest mit? Was weiß diese Person schon? Unter Fachleuten sind Fachwörter richtig. Mit Menschen, die den Beruf nicht kennen, erklärst du das Fachwort oder wählst ein Alltagswort. In einem Bericht erklärst du ein Fachwort beim ersten Auftreten.
| Situation | Gegenüber | Passender Ausdruck |
|---|---|---|
| Übergabe im Pflegeteam | Kolleginnen und Kollegen | Beim Bewohner in Zimmer vier besteht ein Dekubitus. |
| Gespräch mit dem Bewohner | Person ohne Fachwissen | Die Haut an Ihrem Rücken ist wund, weil Sie lange gelegen haben. |
| Anweisung in der Küche an einen neuen Praktikanten | Person, die das Wort noch nicht kennt | Die Bohnen kurz in kochendes Wasser tauchen, das nennt man blanchieren. |
Im Praktikum lohnt sich eine eigene Wörterliste. Notiere zu jedem neuen Wort die Herkunft, die Bedeutung in deinen Worten und einen Beispielsatz aus dem Betrieb. So prägst du dir Fach- und Fremdwörter ein und kannst sie später sicher verwenden.
4. Fremdwörter am Zeilenende trennen
Am Zeilenende darfst du ein Wort trennen. Bei Fremdwörtern gelten dafür dieselben Grundsätze wie bei deutschen Wörtern, dazu kommen einige Besonderheiten.
Nach Sprechsilben trennen. Sprich das Wort langsam und trenne dort, wo du eine Pause machen kannst: Kon-trol-le, Mon-ta-ge, Con-tai-ner, Ap-pa-rat. Doppelte Konsonanten werden getrennt.
Buchstabengruppen bleiben zusammen. Wenn mehrere Buchstaben für einen Laut stehen, trennst du sie nicht: ch, sch, ck und in Fremdwörtern auch ph, rh und th. Richtig ist deshalb Ma-schi-ne und Tech-nik.
Nach Bestandteilen trennen. Zusammengesetzte Wörter und Wörter mit Vorsilbe trennst du zwischen den Bestandteilen: Trans-port und Kon-takt.
Zwei richtige Möglichkeiten. Bei manchen Fremdwörtern mit einem Konsonanten und dann l, r oder n sind zwei Trennungen erlaubt: Pu-bli-kum oder Pub-li-kum, Fe-bru-ar oder Feb-ru-ar. Entscheide dich für eine und schlage im Zweifel nach. Das Wörterbuch zeigt dir bei jedem Wort die möglichen Trennstellen. Sicher bist du, wenn die Stelle, an der du eine Pause hörst, auch im Wörterbuch als Trennstelle markiert ist.
So prüfst du es im Quali
Der folgende Text spielt auf einer Baustelle. An ihm findest du die Inhalte dieser Seite wieder:
Lena macht ein Praktikum auf einer Baustelle. Der Polier bittet sie, die Montage der Schalung zu kontrollieren. Danach soll sie den Container mit den Ziegeln zum Lager bringen. Der Polier erklärt ihr jedes Fachwort, das sie nicht kennt. Am Abend schlägt Lena im Wörterbuch nach, woher die Wörter stammen.
| Wort im Text | Einordnung | Woran du es erkennst |
|---|---|---|
| Ziegel | Lehnwort, aus dem Lateinischen | deutsche Schreibung und Aussprache; wirkt nicht fremd |
| Montage | Fremdwort, aus dem Französischen | französische Aussprache, Endung -age |
| Schalung | Fachwort, kein Fremdwort | deutsches Wort mit festgelegter Bedeutung auf dem Bau |
| Container | Fremdwort, aus dem Englischen | Schreibung mit C, englische Aussprache |
| kontrollieren | Fremdwort, aus dem Französischen | Endung -ieren; Trennung kon-trol-lie-ren |
So gehst du bei einem unbekannten Wort vor: Zuerst liest du das Wort laut und achtest auf Aussprache und Endung. Dann klärst du die Herkunft im Wörterbuch. Zuletzt prüfst du die Bedeutung, indem du das Wort im Satz durch deine eigene Erklärung ersetzt.
Wer Herkunft, Bedeutung und Trennung von Fremdwörtern sicher klären kann, bereitet sich auf Teil B vor, der in der Quali „Sprachgebrauch – Sprachbetrachtung und Rechtschreiben“ heißt.
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| Mauer ist ein Fremdwort, weil es aus dem Lateinischen stammt. | Mauer ist ein Lehnwort. | Das Wort ist ans Deutsche angepasst. Die fremde Herkunft allein macht es nicht zum Fremdwort. |
| Fachwörter sind immer Fremdwörter. | Viele Fachwörter sind deutsch, zum Beispiel Schalung. | Ein Fachwort ist an den Beruf gebunden, nicht an die Herkunftssprache. |
| Das Wort endet auf -ion, also steht die Herkunft fest. | Die Endung ist ein Hinweis. Die Herkunft steht im Wörterbuch. | Endungen allein beweisen nichts. |
| Con-tain-er | Con-tai-ner | Beim langsamen Sprechen liegt die Pause vor dem n. |
| Ma-sch-ine | Ma-schi-ne | sch steht für einen Laut und wird nicht getrennt. |
| Zum Bewohner sagen: „Sie haben einen Dekubitus.“ | Zum Bewohner sagen: „Die Haut an Ihrem Rücken ist wund.“ | Mit Menschen ohne Fachwissen erklärst du das Fachwort oder nimmst ein Alltagswort. |
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