Deutsch Mittelschule Bayern · Jahrgangsstufe 5 · Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren (LehrplanPLUS)
Personalpronomen und Possessivpronomen erkennen und einsetzen
Pronomen sind kleine Wörter mit großer Wirkung. Sie stehen für ein Nomen, also für ein Wort wie Hammer, Garten oder Mofa, oder sie begleiten es. Dadurch muss ein Text nicht ständig dieselben Wörter wiederholen. Diese Seite zeigt zwei Arten: die Personalpronomen und die Possessivpronomen.
1. Wozu man Pronomen braucht
Betrachte zuerst diesen Text ohne Pronomen. Der Gärtner holt die Gießkanne. Der Gärtner füllt die Gießkanne. Der Gärtner trägt die Gießkanne zum Beet. Er klingt holprig, weil sich dieselben Wörter ständig wiederholen.
Mit Pronomen wird derselbe Text flüssig. Der Gärtner holt die Gießkanne. Er füllt sie und trägt sie zum Beet. Die Wörter er und sie stehen hier stellvertretend für die Nomen Gärtner und Gießkanne.
Ein Pronomen kann auch eine ganze Wortgruppe ersetzen. Aus „der alte Traktor mit dem roten Dach“ wird einfach er. So bleiben Sätze kurz und der Text bleibt gut verständlich.
Das Wort Pronomen heißt übersetzt ungefähr „für das Nomen“. Es gibt mehrere Arten von Pronomen. In Klasse 5 lernst du zwei davon kennen. Personalpronomen stehen für Personen, Tiere und Dinge. Possessivpronomen zeigen, wem etwas gehört. Das Wort bedeutet sinngemäß „besitzanzeigend“.
2. Personalpronomen: Person, Zahl und Geschlecht
Personalpronomen heißen auch persönliche Fürwörter. Man ordnet sie nach der Person. Die erste Person spricht, die zweite Person wird angesprochen. Über die dritte Person wird gesprochen.
Dazu kommt die Zahl. Singular bedeutet Einzahl, Plural bedeutet Mehrzahl. Die Tabelle zeigt alle Personalpronomen in ihrer Grundform.
| Person | Singular (Einzahl) | Plural (Mehrzahl) |
|---|---|---|
| 1. Person: Ich spreche. | ich | wir |
| 2. Person: Ich spreche dich an. | du | ihr |
| 3. Person: Ich spreche über jemanden. | er, sie, es | sie |
Drei kurze Sätze zeigen die Personen. Ich schraube das Rad fest. Du hältst die Leiter. Der Meister prüft die Arbeit, und er nickt zufrieden. Im ersten Satz spricht jemand von sich selbst, im zweiten wird jemand angesprochen, im dritten geht es um einen anderen.
In der dritten Person entscheidet das Geschlecht des Nomens. Du erkennst es am Artikel: der, die oder das. Der Hammer wird zu er, die Zange zu sie und das Mofa zu es. Im Plural heißt es immer sie: die Hämmer, die Zangen, die Mofas.
Das Wort sie hat also zwei Bedeutungen. Es kann eine weibliche Person oder Sache im Singular meinen oder mehrere im Plural. Das Verb, also das Wort für eine Tätigkeit, verrät den Unterschied: Sie repariert das Rad, aber sie reparieren die Räder.
Die Form eines Pronomens ändert sich mit seiner Rolle im Satz. Dafür gibt es feste Fragen mit festen Namen. Wer oder was? heißt Nominativ, Wem? heißt Dativ, Wen oder was? heißt Akkusativ. Die Tabelle zeigt die Formen.
| Person und Zahl | Wer oder was? (Nominativ) | Wem? (Dativ) | Wen oder was? (Akkusativ) |
|---|---|---|---|
| 1. Person Singular | ich | mir | mich |
| 2. Person Singular | du | dir | dich |
| 3. Person Singular, männlich | er | ihm | ihn |
| 3. Person Singular, weiblich | sie | ihr | sie |
| 3. Person Singular, sächlich | es | ihm | es |
| 1. Person Plural | wir | uns | uns |
| 2. Person Plural | ihr | euch | euch |
| 3. Person Plural | sie | ihnen | sie |
Das Verb legt fest, welche Form passt. Helfen verlangt die Wem-Form: Der Meister hilft ihm. Rufen verlangt die Wen-Form: Der Meister ruft ihn.
Ein längeres Beispiel zeigt alle drei Formen. Ich bin in der Werkstatt. Der Meister zeigt mir die Maschine. Er fragt mich nach dem Werkzeug. Ich antworte ihm.
3. Possessivpronomen: Wem gehört etwas?
Possessivpronomen zeigen den Besitz an. Sie stehen vor einem Nomen und begleiten es, ähnlich wie ein Artikel. Du fragst: Wem gehört das? Die Antwort nennt den Besitzer.
Der Besitzer bestimmt den Wortstamm, also den Teil, der gleich bleibt. Gehört der Hammer mir, heißt es mein Hammer. Gehört er dir, heißt es dein Hammer.
| Besitzer | Possessivpronomen | Beispiel |
|---|---|---|
| ich | mein | mein Fahrrad |
| du | dein | dein Schlauch |
| er | sein | sein Werkzeug |
| sie (Singular) | ihr | ihr Rechen |
| es | sein | sein Futter |
| wir | unser | unser Garten |
| ihr | euer | euer Stand |
| sie (Plural) | ihr | ihr Stall |
Das besessene Nomen bestimmt die Endung, also den Wortschluss. Sie richtet sich nach Geschlecht, Zahl und Rolle im Satz. Die Tabelle zeigt es am Beispiel mein.
| Nomen | Wer oder was? | Wen oder was? | Wem? |
|---|---|---|---|
| männlich: der Hammer | mein Hammer | meinen Hammer | meinem Hammer |
| weiblich: die Zange | meine Zange | meine Zange | meiner Zange |
| sächlich: das Mofa | mein Mofa | mein Mofa | meinem Mofa |
| Plural: die Hämmer | meine Hämmer | meine Hämmer | meinen Hämmern |
Nach Verben wie helfen und danken steht die Wem-Form. Deshalb heißt es: Ich helfe meinem Vater. Ich danke meiner Nachbarin. Hier ändert sich die Endung des Possessivpronomens, der Stamm bleibt gleich.
Zwei Beispiele machen den Unterschied klar. Lena füttert ihre Hühner. Jonas füttert seine Hühner. Die Hühner stehen beide Male im Plural, deshalb endet das Pronomen auf -e. Den Unterschied zwischen ihre und seine macht der Besitzer.
Das Wort sein hat zwei Aufgaben. Als Verb steht es zum Beispiel in: Der Hase will im Stall sein. Als Possessivpronomen steht es vor einem Nomen: sein Stall. Steht sein direkt vor einem Nomen, ist es ein Possessivpronomen.
Bei euer fällt das zweite e weg, sobald eine Endung dazukommt: euer Stall, aber eure Hasen.
4. Das richtige Pronomen finden
Mit drei Fragen findest du das passende Pronomen. Erstens: Wofür steht es, oder wem gehört die Sache? Zweitens: Welche Person, welche Zahl und welches Geschlecht hat das Nomen, auf das es sich bezieht? Dieses Nomen heißt Bezugswort. Drittens: Welche Frage stellt das Verb: Wer, wem oder wen?
Ein Beispiel zeigt das Vorgehen. Gesucht ist das Pronomen in „Die Gärtnerin zeigt dem Lehrling ___ Beete“. Der Besitzer ist die Gärtnerin, also passt der Stamm ihr. Das Nomen Beete steht im Plural, also lautet die Endung -e. Die Lösung heißt ihre Beete.
Das Bezugswort muss eindeutig sein. Im Text „Der Meister und der Lehrling reparieren das Mofa. Er hat das Werkzeug mitgebracht.“ bleibt offen, wer gemeint ist. Schreibe dann lieber das Nomen: Der Lehrling hat das Werkzeug mitgebracht.
Das Wort ihr hat drei Aufgaben, und nur der Satz verrät, welche gilt. In „Gestern habt ihr den Stall gereinigt“ ist ihr ein Personalpronomen der zweiten Person Plural. In „Der Meister dankt ihr“ steht ihr für eine Frau und antwortet auf Wem? In „Lena sucht ihr Werkzeug“ begleitet ihr ein Nomen und ist ein Possessivpronomen.
5. Einen Text mit Pronomen überarbeiten
Oft stehen in einem Entwurf zu viele Wiederholungen. Ein Beispiel: Die Nachbarin hat Eier im Stall gesammelt. Die Nachbarin legt die Eier in einen Korb. Die Nachbarin bringt den Korb zum Markt.
Du überarbeitest so. Zuerst lässt du das erste Nomen stehen. Dann ersetzt du die Wiederholungen durch Pronomen und prüfst bei jedem die Form. Danach prüfst du, ob jedes Pronomen eindeutig ist.
Eine saubere Fassung lautet: Die Nachbarin hat Eier im Stall gesammelt. Sie legt sie in einen Korb und bringt ihn zum Markt. Das erste sie ist die Nachbarin, das zweite sie sind die Eier, ihn ist der Korb. Beide sie haben dieselbe Form, aber unterschiedliche Bezugswörter. Das Verb legt steht im Singular. Es zeigt dir, wer handelt: die Nachbarin.
So prüfst du es im Quali
Jonas repariert mit seinem Onkel ein altes Mofa. Der Onkel reicht ihm eine Zange. Jonas nimmt sie und zieht die Schraube fest. Dann räumen sie ihr Werkzeug weg. Es liegt wieder an seinem Platz.
| Stelle im Text | Form | Woran du sie erkennst |
|---|---|---|
| seinem Onkel | Possessivpronomen | Besitzer ist Jonas (er). Die Endung -em passt zu „mit dem Onkel“ (männlich, Wem?). |
| ihm | Personalpronomen, 3. Person Singular | Steht für Jonas. Es antwortet auf die Frage Wem? |
| sie (dritter Satz) | Personalpronomen, 3. Person Singular, weiblich | Steht für die Zange. Es antwortet auf die Frage Wen oder was? |
| sie (vierter Satz) | Personalpronomen, 3. Person Plural | Steht für Jonas und den Onkel. Das Verb räumen steht im Plural. |
| ihr Werkzeug | Possessivpronomen | Besitzer sind beide (Plural). Werkzeug ist sächlich, deshalb steht keine Endung. |
| Es | Personalpronomen, 3. Person Singular, sächlich | Steht für das Werkzeug. |
| seinem Platz | Possessivpronomen | Besitzer ist das Werkzeug (es). Die Endung -em passt zu „an dem Platz“. |
Die Quali steht am Ende der Jahrgangsstufe 9. Wer Pronomen sicher bestimmt und einsetzt, übt damit für Teil B, „Sprachgebrauch – Sprachbetrachtung und Rechtschreiben“.
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
Diese fünf Fehler passieren besonders häufig. Vergleiche die Spalten und achte auf die Begründung.
| Falsch | Richtig | Warum |
|---|---|---|
| Lena füttert seine Hühner. | Lena füttert ihre Hühner. | Die Besitzerin ist Lena, also ihr. Die Endung -e kommt vom Plural der Hühner. |
| Der Meister hilft ihn. | Der Meister hilft ihm. | Helfen verlangt die Wem-Form. |
| Die Marktfrau ruft mir. | Die Marktfrau ruft mich. | Rufen verlangt die Wen-Form. |
| Wir waschen unser Hände. | Wir waschen unsere Hände. | Hände steht im Plural, deshalb braucht unser die Endung -e. |
| Du hast euer Werkzeug vergessen. | Du hast dein Werkzeug vergessen. | Der Besitzer ist du. Zu du gehört dein, nicht euer. |
✏️ Jetzt selbst üben – im Aufgabengenerator
Erzeuge dir zu diesem Thema beliebig viele Übungsaufgaben mit Lösung – passend zu Deutsch Mittelschule Bayern und deiner Jahrgangsstufe.
Aufgaben erzeugen →🎮 Live-Quiz für die Klasse
Teste dein Wissen im interaktiven Quiz – mit Sofort-Erklärung nach jeder Frage. Für Lehrkräfte: eigenes Klassen-Quiz starten.
Live-Quiz entdecken →💡 Mehr auf lern.de
Entdecke weitere kostenlose Lernangebote für deine Schulart:
