BwR · FOS/BOS Bayern · Klasse 13 · Produktions- und Kostentheorie

Produktions- und Kostentheorie: Produktionsfunktion, Nutz-, Leer- und Remanenzkosten

Diese Seite behandelt die limitationale Produktionsfunktion (Typ B), die Kosteneinflussgrößen und die Nutz-, Leer- und Remanenzkosten. Darauf bauen die Anpassungsformen und der Break-even-Point auf.

Inhaltsverzeichnis

  1. Produktionsfunktion Typ B
  2. Kosteneinflussgrößen
  3. Nutz-, Leer- und Remanenzkosten
  4. Anpassungsformen bei konstanter Betriebsgröße
  5. Selektive Anpassung
  6. Zeitliche Anpassung
  7. Intensitätsmäßige Anpassung
  8. Break-even-Point und Preisuntergrenzen
  9. Typische Prüfungsfehler
  10. Auf einen Blick

1. Produktionsfunktion Typ B

Hinweis: Die Produktionsfunktion Typ A (ertragsgesetzlicher Kostenverlauf) ist nicht mehr im Lehrplan und wird hier nicht behandelt.

Bei der limitationalen Produktionsfunktion (Typ B) werden die Produktionsfaktoren (z. B. Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe) in einem konstanten Einsatzverhältnis kombiniert. Mehr Ertrag ist nur durch erhöhten Einsatz aller Faktoren möglich. Daraus folgt ein linearer Verlauf der Gesamtkosten.

2. Kosteneinflussgrößen

Die Höhe der Kosten hängt von mehreren Größen ab:

Einflussgröße Wirkung
Faktorpreise Ändert sich der Preis eines Betriebsmittels/Werkstoffs, ändern sich die Kosten.
Fertigungsprogramm Maschinen werden an die Produktion angepasst; geringe Auslastung → Leerkosten, zu hohe Auslastung → weitere Maschine (höhere Fixkosten).
Betriebsgröße Fixkosten steigen bei Betriebsvergrößerung, sinken bei Verkleinerung.
Beschäftigung Mit der Ausbringungsmenge ändern sich die variablen (Gesamt-)Kosten.
Faktorqualität Andere Werkstoff-/Maschinenqualität verändert den Verbrauch und damit die Kosten.

3. Nutz-, Leer- und Remanenzkosten

Begriff Bedeutung
Nutzkosten (NK) durch die Nutzung der Kapazität „verbrauchte“ Fixkosten
Leerkosten (LK) nicht genutzte Fixkosten der freien Kapazität
Remanenzkosten (RK) nicht genutzte Fixkosten einer ganz stillstehenden Maschine
Grundregel: Nutzkosten + Leerkosten = gesamte Fixkosten. Die Remanenzkosten sind der Teil der Leerkosten, der auf komplett stillstehende Maschinen entfällt.

Beispiel: Ein Betrieb hat drei gleichartige Maschinen mit je 2.000 Stück Kapazität und je 20.000,00 € Fixkosten → Gesamtfixkosten Kf = 60.000,00 €, Gesamtkapazität 6.000 Stück; variable Kosten 10,00 €/Stück. Gesucht: Nutz-, Leer-, Remanenz- und Gesamtkosten bei 4.000 Stück.

\( NK = K_f \cdot \dfrac{x}{\text{Kapazität}} = 60.000 \cdot \dfrac{4.000}{6.000} = 40.000{,}00\ \text{€} \)
\( LK = K_f – NK = 60.000 – 40.000 = 20.000{,}00\ \text{€} \)
\( RK = \text{Fixkosten der stillstehenden Maschine} = 20.000{,}00\ \text{€} \)
\( GK = K_f + x \cdot k_v = 60.000 + 4.000 \cdot 10 = 100.000{,}00\ \text{€} \)
Nutz- und Leerkosten20.00040.00060.0002.0004.0006.000Maschine 1Maschine 2Maschine 3Kf 60.000 (= NK + LK)Nutzkostengeradex = 4.000NK = 40.000LK = 20.000Beschäftigung (Stück)Kosten (€)
💡 Lesart der Grafik: Die Nutzkosten sind der Abstand von der x-Achse bis zur Nutzkostengerade, die Leerkosten der Abstand von der Nutzkostengerade bis zur Kf-Linie. Beide zusammen ergeben immer Kf. Bei 4.000 Stück steht Maschine 3 ganz still → ihre 20.000 € sind Remanenzkosten (Teil der Leerkosten).

4. Anpassungsformen bei konstanter Betriebsgröße

Weicht die Beschäftigung von der Normalauslastung ab, passt der Betrieb seine Produktion an – auf vier Arten:

Anpassungsform Vorgehen
quantitativ Anlagen werden zu- oder abgeschaltet (alle gleichartig); innerhalb der Anlage zeitliche Anpassung.
selektiv verschiedenartige Maschinen werden zu-/abgeschaltet – zuerst die mit den niedrigsten variablen Kosten.
zeitlich die Arbeitszeit wird verändert (Überstunden, Kurzarbeit) bei gleicher Intensität.
intensitätsmäßig die Produktionsgeschwindigkeit (Intensität) wird verändert.

5. Selektive Anpassung

UNTERNEHMER AG: vier verschiedenartige Maschinen, Abteilungsfixkosten 15.000,00 €. Es wird zuerst die günstigste Maschine (niedrigste variable Stückkosten) eingesetzt, dann die nächstteurere.

Maschine var. Stückkosten Kapazität Reihenfolge
A 6,00 € 10.000 St. 1. (günstigste)
B 8,00 € 8.000 St. 2.
C 10,00 € 12.000 St. 3.
D 13,00 € 5.000 St. 4. (teuerste)

In der Gesamtbetrachtung bildet der Abteilungsfixkostenblock (KfU) den Sockel. Darauf werden die Maschinen-Fixkosten gestapelt – die Reihenfolge der Nutzung richtet sich nach den variablen Kosten (A am günstigsten zuerst). Die Gesamtkostenkurve K knickt an jeder Kapazitätsgrenze steiler, weil die nächste Maschine höhere variable Kosten hat:

Selektive Anpassung – Gesamtkostenbetrachtung10020030010203040ABCDKfU+ A+ B+ C+ DFixkostenblock (Sockel KfU, günstigste Maschine zuerst)K (Gesamtkosten)2 €4 €6 €8 €Menge (Tsd. Stück)Kosten (Tsd. €)

In der Stückbetrachtung zeigt sich dasselbe als Grenzkostentreppe: erst 6 € (A), dann 8 € (B), 10 € (C), 13 € (D):

Selektive Anpassung – Grenzkostentreppe (Stückbetrachtung)246810203040A: 2 €B: 4 €C: 6 €D: 8 €kumulierte Menge (Tsd. Stück)Grenzkosten (€/Stück)
💡 Merke: Die Fixkosten der Maschinen spielen bei der Reihenfolge keine Rolle – sie fallen auch an, wenn die Maschine steht. Entscheidend sind allein die variablen Stückkosten.

6. Zeitliche Anpassung

Bei der zeitlichen Anpassung bleibt die Intensität gleich, nur die Arbeitszeit wird verändert (z. B. Überstunden bei Mehrbedarf, Kurzarbeit bei Unterauslastung). Die Fixkosten werden zu einem großen Block addiert; die variablen Gesamtkosten steigen proportional mit der Menge. In Überstunden (über die Kapazitätsgrenze der Normalzeit hinaus) läuft dieselbe Gerade mit gleicher Steigung weiter – es wird einfach länger produziert; bei Kurzarbeit bleibt man links davon.

Zeitliche Anpassung – Kurzarbeit · Normalzeit · Überstunden408012016010203040NormalzeitÜberstundenKapazitätsgrenze NormalzeitKf 40 (Block)K (linear)gleiche Steigung(nur länger produziert)Menge (Tsd. Stück) – über die Arbeitszeit gesteuertKosten (Tsd. €)

7. Intensitätsmäßige Anpassung

KARTE AG: Die Produktionsgeschwindigkeit (Intensität in Stück/Stunde) wird verändert. Je nach Intensität ändern sich die variablen Stückkosten. Gesucht ist die optimale Intensität (niedrigste variable Stückkosten).

Intensität (Stück/h) 15 20 25 30 35
var. Stückkosten 30,00 € 27,50 € 25,00 € 30,00 € 37,00 €

Die variablen Stückkosten verlaufen U-förmig; ihr Minimum liegt bei 25,00 € je Stück und einer Intensität von 25 Stück/Stunde – das ist die optimale Intensität:

Intensitätsmäßige Anpassung – optimale Intensität (KARTE AG)253035401520253035optimale Intensität: 25 €/Stück bei 25 Stück/hIntensität (Stück/Stunde)variable Stückkosten (€)

8. Break-even-Point und Preisuntergrenzen

Am Break-even-Point (BEP) sind Erlöse = Gesamtkosten; der Deckungsbeitrag entspricht genau den Fixkosten. Darunter macht der Betrieb Verlust, darüber Gewinn.

Break-even-Point40.00080.000120.000160.0002.0004.0006.0008.000Kf 40.000GesamtkostenErlösBEP: 4.000 Stück | 80.000 €Menge (Stück)€
Preisuntergrenze Bedeutung
langfristige Alle Kosten müssen gedeckt sein (kein Gewinn/Verlust) → Preis = Selbstkosten je Stück; die Menge ist der Break-even-Point.
kurzfristige Nur die variablen Kosten müssen gedeckt sein → Preis = variable Stückkosten; die Fixkosten bleiben vorerst unberücksichtigt (p > k_v).

9. Typische Prüfungsfehler

✗ Falsch

Nutzkosten und Leerkosten übereinander „stapeln“.

✓ Richtig

Beide werden von der Kf-Linie gemessen: Nutzkosten 0 → Nutzkostengerade, Leerkosten Nutzkostengerade → Kf. Zusammen = Kf.

✗ Falsch

Bei der selektiven Anpassung die teuerste Maschine zuerst nehmen.

✓ Richtig

Immer die Maschine mit den niedrigsten variablen Kosten zuerst; die Grenzkosten steigen dann stufenweise.

✗ Falsch

Produktionsfunktion Typ A behandeln.

✓ Richtig

Typ A (ertragsgesetzlich) ist nicht mehr im Lehrplan – relevant ist Typ B (linear).

✗ Falsch

Fixkosten in die Reihenfolge der Maschinen einbeziehen.

✓ Richtig

Für die Reihenfolge zählen nur die variablen Kosten; Fixkosten fallen auch bei Stillstand an.

10. Auf einen Blick

  • Typ B (limitational) → lineare Gesamtkosten; Typ A nicht mehr im Lehrplan.
  • Nutzkosten + Leerkosten = Kf; Remanenzkosten = Fixkosten ganz stillstehender Maschinen.
  • Anpassung: quantitativ (gleiche Maschinen), selektiv (günstigste zuerst), zeitlich (Arbeitszeit), intensitätsmäßig (Geschwindigkeit).
  • Selektiv: Fixkostenblock als Sockel, Gesamtkosten knicken mit steigenden variablen Kosten steiler.
  • Break-even: Erlöse = Kosten; langfristige (alle Kosten) vs. kurzfristige (nur variable) Preisuntergrenze.

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