FOS Bayern · Betriebswirtschaftliches Rechnungswesen (BwR) · 12. Jahrgangsstufe · ALT – auslaufender Lehrplan · Lernbereich 4: Finanzierungsvorgänge analysieren, liquide Mittel beschaffen · ca. 18 Unterrichtsstunden
Finanzierung – Finanzierungsarten, Kapitalerhöhung und Darlehen
Modellunternehmen: Die UNTERNEHMER AG benötigt Kapital für eine Investition und prüft die möglichen Finanzierungswege – von der Kapitalerhöhung über Darlehen bis zur Selbstfinanzierung.
Inhaltsverzeichnis
- Finanzwirtschaftliche Ziele
- Finanzierungsarten im Überblick
- Beteiligungsfinanzierung: ordentliche Kapitalerhöhung
- Kreditfinanzierung: Annuitäten- und Abzahlungsdarlehen
- Innenfinanzierung
- Bewegungsbilanz
- Typische Fehler und Prüfungshinweise
- Auf einen Blick
1. Finanzwirtschaftliche Ziele
Das eingesetzte Kapital soll sich möglichst hoch verzinsen (ohne Leverage-Effekt im Lehrplan).
Fällige Zahlungsverpflichtungen müssen jederzeit erfüllt werden können.
Risiken (Zinsänderung, Ausfall, Abhängigkeit) begrenzen.
Entscheidungsfreiheit gegenüber Kapitalgebern bewahren.
2. Finanzierungsarten im Überblick
| Kapitalherkunft | Eigenfinanzierung | Fremdfinanzierung |
|---|---|---|
| Außenfinanzierung | Beteiligungsfinanzierung: Kapitalerhöhung der AG (Δ gezeichnetes Kapital + Δ Kapitalrücklage) | Kreditfinanzierung: Annuitätendarlehen, Abzahlungsdarlehen, Kontokorrentkredit |
| Innenfinanzierung | Selbstfinanzierung: offen (einbehaltene Gewinne → Rücklagen) und still (Unterbewertung von Aktiva / Überbewertung von Passiva) | Finanzierung aus Rückstellungen (v. a. Pensionsrückstellungen); Finanzierung aus Abschreibungen und sonstiger Vermögensumschichtung |
3. Beteiligungsfinanzierung: ordentliche Kapitalerhöhung
Beispiel – UNTERNEHMER AG: 100.000 alte Aktien (Nennwert 5,00 €). Es werden 25.000 junge Aktien zum Ausgabekurs von 12,00 € ausgegeben.
| Rechnung | Ergebnis |
|---|---|
| Bezugsverhältnis = 100.000 : 25.000 | 4 : 1 |
| Δ gezeichnetes Kapital = 25.000 · 5,00 € | 125.000,00 € |
| Agio = 12,00 € − 5,00 € | 7,00 € |
| Δ Kapitalrücklage = 25.000 · 7,00 € | 175.000,00 € |
| Emissionserlös = 25.000 · 12,00 € | 300.000,00 € |
4. Kreditfinanzierung: Annuitäten- und Abzahlungsdarlehen
Gleichbleibende jährliche Rate (Annuität) aus Zins + Tilgung. Der Zinsanteil sinkt, der Tilgungsanteil steigt.
Gleichbleibende Tilgung; die Zinsen sinken mit der Restschuld, die Rate wird von Jahr zu Jahr kleiner.
Kurzfristiger Kreditrahmen auf dem Geschäftskonto; flexibel, aber teuer.
Beispiel – UNTERNEHMER AG: Darlehen 400.000,00 €, Zins 5 % p. a. Angebot I: Annuitätendarlehen mit 6 % Tilgung im ersten Jahr. Angebot II: Abzahlungsdarlehen, Laufzeit 10 Jahre. Zins und Tilgung jeweils am Jahresende.
Annuitätendarlehen
| Jahr | Schuld 01.01. | Zinsen | Tilgung | Annuität | Restschuld 31.12. |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 400.000,00 | 20.000,00 | 24.000,00 | 44.000,00 | 376.000,00 |
| 2 | 376.000,00 | 18.800,00 | 25.200,00 | 44.000,00 | 350.800,00 |
Abzahlungsdarlehen
| Jahr | Schuld 01.01. | Zinsen | Tilgung | Rate | Restschuld 31.12. |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 400.000,00 | 20.000,00 | 40.000,00 | 60.000,00 | 360.000,00 |
| 2 | 360.000,00 | 18.000,00 | 40.000,00 | 58.000,00 | 320.000,00 |
5. Innenfinanzierung
Einbehaltene Gewinne werden den Rücklagen zugeführt (Jahresüberschuss − Dividende).
Bildung stiller Reserven durch Unterbewertung von Aktiva oder Überbewertung von Passiva (z. B. zu hohe Rückstellungen).
Gebildete Rückstellungen (v. a. Pensionsrückstellungen) binden bis zur Auszahlung Mittel im Unternehmen.
Über die Verkaufspreise zurückfließende Abschreibungsgegenwerte stehen bis zur Ersatzinvestition zur Verfügung (kein Lohmann-Ruchti-Effekt).
6. Bewegungsbilanz
Die Bewegungsbilanz vergleicht zwei Bilanzen und zeigt, woher Mittel kamen und wohin sie flossen.
Aktivmehrung (z. B. neue Maschine +100.000 €) · Passivminderung (z. B. Tilgung)
Aktivminderung (z. B. Abbau Vorräte) · Passivmehrung (z. B. Darlehen +60.000 €, Rücklagen +40.000 €)
7. Typische Fehler und Prüfungshinweise
Beim Annuitätendarlehen wird die Tilgung jedes Jahr gleich angesetzt.
Die Annuität bleibt gleich; die Tilgung steigt, weil der Zinsanteil sinkt.
Das Agio wird dem gezeichneten Kapital zugerechnet.
Das Agio fließt in die Kapitalrücklage; nur der Nennwert erhöht das gezeichnete Kapital.
Rückstellungen werden als Eigenfinanzierung eingeordnet.
Finanzierung aus Rückstellungen ist Innen-, aber Fremdfinanzierung.
Aktivmehrungen werden als Mittelherkunft gezählt.
Aktivmehrung und Passivminderung sind Mittelverwendung.
8. Auf einen Blick
Sie können nun die finanzwirtschaftlichen Ziele abwägen, Finanzierungsarten nach Kapitalherkunft und Rechtsstellung einordnen, eine ordentliche Kapitalerhöhung (Bezugsverhältnis, Agio, Kapitalrücklage) berechnen, Annuitäten- und Abzahlungsdarlehen vergleichen, Formen der Innenfinanzierung erklären und Investitions- und Finanzierungsvorgänge mit der Bewegungsbilanz analysieren.
Alle Inhalte dieser Seite orientieren sich am offiziellen LehrplanPLUS Bayern (ISB) – auslaufender Lehrplan BwR (FOS/BOS).
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