FOS Bayern · Betriebswirtschaftliches Rechnungswesen (BwR) · 12. Jahrgangsstufe · ALT – auslaufender Lehrplan · Lernbereich 4: Investitionen tätigen – statische Investitionsrechenverfahren · ca. 15 Unterrichtsstunden

Investition – statische Investitionsrechenverfahren

Modellunternehmen: Die UNTERNEHMER AG muss zwischen zwei Maschinen wählen. Mit den statischen Investitionsrechenverfahren vergleicht sie Kosten, Gewinn, Rentabilität und Amortisation – und berücksichtigt zusätzlich nicht quantifizierbare Kriterien.

Hinweis zum Lehrplan: Diese Seite folgt dem auslaufenden Lehrplan (BwR) und bleibt für die nach altem Lehrplan geprüften Jahrgänge 12 und 13 relevant.

Inhaltsverzeichnis

  1. Investitionsanlässe und Ziele
  2. Kalkulatorische Abschreibung und Zinsen
  3. Kostenvergleichsrechnung und kritische Menge
  4. Gewinnvergleichsrechnung
  5. Rentabilitätsvergleichsrechnung
  6. Amortisationsrechnung
  7. Nicht quantifizierbare Kriterien
  8. Typische Fehler und Prüfungshinweise
  9. Auf einen Blick

1. Investitionsanlässe und Ziele

Ersatzinvestition
Eine alte Anlage wird durch eine neue ersetzt.
Rationalisierungsinvestition
Prozesse werden verschlankt, Kosten (Personal, Energie, Material) gesenkt.
Erweiterungsinvestition
Kapazität wird ausgebaut, z. B. neue Produktionshalle für Zusatzaufträge.
Ziele: ökonomisch (Gewinn, Rentabilität), sozial (Arbeitssicherheit, Lärmschutz), ökologisch (Ressourcenschonung, Emissionen). Risiken: Absatzeinbruch, hohe Folgekosten, dauerhafte Liquiditätsbelastung. Statische Verfahren betrachten nur eine Periode und gewichten Zahlungszeitpunkte nicht (im Gegensatz zur Kapitalwertmethode der 13. Jahrgangsstufe).

2. Kalkulatorische Abschreibung und Zinsen

Grundlage der Vergleiche sind die fixen Kosten der Anlage: kalkulatorische Abschreibung vom Wiederbeschaffungswert (Anschaffungskosten × Preisindex) sowie kalkulatorische Zinsen auf das durchschnittlich gebundene Kapital (halbe Anschaffungskosten).

\( \text{kalk. Abschreibung}=\dfrac{\text{Anschaffungskosten}\cdot\text{Preisindex}}{\text{Nutzungsdauer}}\qquad \text{kalk. Zinsen}=\dfrac{\text{Anschaffungskosten}\cdot\text{Zinssatz}}{2} \)

3. Kostenvergleichsrechnung und kritische Menge

Beispiel – UNTERNEHMER AG: Kalkulationszinssatz 6 %, Preisindex 1,1, jährliche Absatzmenge 12.000 Stück. Maschine A: Anschaffungskosten 200.000,00 €, Nutzungsdauer 8 Jahre, sonstige Fixkosten 12.000,00 €, variable Stückkosten 20,00 €. Maschine B: 240.000,00 €, 10 Jahre, 15.000,00 €, 18,00 €.

Position Maschine A € Maschine B €
kalk. Abschreibung (AK · 1,1 / ND) 27.500,00 26.400,00
+ kalk. Zinsen (AK · 0,06 / 2) 6.000,00 7.200,00
+ sonstige Fixkosten 12.000,00 15.000,00
= fixe Kosten 45.500,00 48.600,00
+ variable Kosten (kv · 12.000) 240.000,00 216.000,00
= Gesamtkosten 285.500,00 264.600,00
\( x_{\text{krit}}=\dfrac{K_{F,A}-K_{F,B}}{k_{v,B}-k_{v,A}}=\dfrac{45{.}500-48{.}600}{18-20}=1{.}550 \quad\text{Stück} \)
Bei 12.000 Stück hat Maschine B die geringeren Gesamtkosten. Bis zur kritischen Menge von 1.550 Stück wäre Maschine A günstiger, darüber Maschine B. Voraussetzung des Kostenvergleichs: gleiche Menge und gleiche Erlöse.

4. Gewinnvergleichsrechnung

Bei einem Stückerlös von 28,00 € und 12.000 Stück beträgt der Erlös 336.000,00 € für beide Maschinen.

Position Maschine A € Maschine B €
Erlös (28,00 · 12.000) 336.000,00 336.000,00
− Gesamtkosten 285.500,00 264.600,00
= Gewinn 50.500,00 71.400,00

5. Rentabilitätsvergleichsrechnung

\( \text{Rentabilität}=\dfrac{\text{Gewinn}+\text{kalk. Zinsen}}{\text{durchschnittlich gebundenes Kapital}}\cdot 100=\dfrac{\text{Gewinn}+\text{kalk. Zinsen}}{0{,}5\cdot\text{Anschaffungskosten}}\cdot 100 \)
Maschine Rechnung Rentabilität
A (50.500 + 6.000) / 100.000 56,5 %
B (71.400 + 7.200) / 120.000 65,5 %

6. Amortisationsrechnung

\( \text{Amortisationsdauer}=\dfrac{\text{Anschaffungskosten}}{\text{Gewinn}+\text{kalk. Abschreibung}} \)
Maschine Rechnung Amortisationsdauer
A 200.000 / (50.500 + 27.500) = 200.000 / 78.000 2,56 Jahre
B 240.000 / (71.400 + 26.400) = 240.000 / 97.800 2,45 Jahre
Ergebnis: Maschine B ist bei allen vier Verfahren vorteilhaft – geringere Kosten, höherer Gewinn, höhere Rentabilität, kürzere Amortisationsdauer.

7. Nicht quantifizierbare Kriterien

Neben den Zahlen zählen qualitative Merkmale: Technik und Qualität der Produkte, Lieferzuverlässigkeit und Lieferzeit, Serviceleistungen und Erfahrungen mit dem Lieferanten, ökologische Aspekte (Energieverbrauch, Emissionen), Arbeitssicherheit. Sie können den Ausschlag geben, wenn die Rechenverfahren knapp ausfallen.

8. Typische Fehler und Prüfungshinweise

✗ Häufiger Fehler
Die kalkulatorische Abschreibung wird von den Anschaffungskosten statt vom Wiederbeschaffungswert berechnet.
✓ So ist es richtig
Bei gegebenem Preisindex: Anschaffungskosten × Preisindex / Nutzungsdauer.
✗ Häufiger Fehler
Kalkulatorische Zinsen werden auf die vollen Anschaffungskosten berechnet.
✓ So ist es richtig
Bezugsgröße ist das durchschnittlich gebundene Kapital = halbe Anschaffungskosten.
✗ Häufiger Fehler
Bei der Rentabilität werden die kalkulatorischen Zinsen vergessen.
✓ So ist es richtig
Rentabilität = (Gewinn + kalk. Zinsen) / (0,5 · Anschaffungskosten).
✗ Häufiger Fehler
Die Amortisationsdauer wird nur mit dem Gewinn berechnet.
✓ So ist es richtig
Der jährliche Rückfluss ist Gewinn + kalkulatorische Abschreibung.

9. Auf einen Blick

Sie können nun Investitionsanlässe und -ziele unterscheiden, kalkulatorische Abschreibung und Zinsen ermitteln, mit Kosten-, Gewinn-, Rentabilitäts- und Amortisationsvergleich Investitionsalternativen beurteilen, die kritische Menge berechnen und nicht quantifizierbare Kriterien in die Entscheidung einbeziehen.

Alle Inhalte dieser Seite orientieren sich am offiziellen LehrplanPLUS Bayern (ISB) – auslaufender Lehrplan BwR (FOS/BOS).

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