Mathematik Realschule Bayern · Klasse 5 · Lernbereich 1 „Natürliche Zahlen“ (LehrplanPLUS) · BY

Natürliche Zahlen: Zählen, Ordnen, Rechnen – und ihre Bausteine

Zählen kannst du schon lange. Aber wie funktioniert unser Zahlensystem eigentlich, warum darfst du beim Rechnen manche Schritte vertauschen und andere nicht, und was steckt hinter Begriffen wie Primzahl, Teiler oder Quadratzahl? Auf dieser Seite lernst du der Reihe nach alles über die Menge der natürlichen Zahlen: wie sie aufgebaut ist, wie du mit ihr rechnest, sie ordnest, rundest und in ihre Bausteine zerlegst.

Wozu brauchst du das?

Ohne ein sicheres Gefühl für natürliche Zahlen geht in der Mathematik gar nichts: Kassenbons prüfen, Entfernungen und Einwohnerzahlen einordnen, Rabatte und Stromkosten überschlagen, Gruppen fair aufteilen, Termine planen (wann treffen sich zwei Busse wieder, die im 12- und im 18-Minuten-Takt fahren?), Passwörter oder Verschlüsselungen verstehen, die auf Primzahlen beruhen. Auch beim Zeichnen von Diagrammen, beim Rechnen mit Brüchen ab der 6. Klasse und in fast jeder späteren Sachaufgabe brauchst du diese Grundlagen sicher.

Inhalt dieser Seite

  1. Die Menge der natürlichen Zahlen
  2. Das Stellenwertsystem: Stufenzahlen
  3. Zahlen am Zahlenstrahl ordnen
  4. Natürliche Zahlen runden
  5. Andere Zahlensysteme: Dualzahlen und römische Zahlen
  6. Die schriftlichen Rechenverfahren
  7. Rechengesetze und vorteilhaftes Rechnen
  8. Große Zahlen in Zehnerpotenzschreibweise
  9. Potenzen und Quadratzahlen
  10. Teilbarkeit, Primzahlen, ggT und kgV
  11. Kombinatorik: das Zählprinzip
  12. Das Wichtigste in Kürze

1. Die Menge der natürlichen Zahlen

Die natürlichen Zahlen sind die Zahlen, mit denen du zählst: \( 0, 1, 2, 3, 4, \dots \) In der Grundschule kanntest du vielleicht nur Zahlen bis 1000 oder eine Million – jetzt erweiterst du deinen Zahlenbereich, denn es gibt keine größte natürliche Zahl. Zu jeder Zahl, egal wie riesig sie ist, kannst du 1 addieren und bekommst eine noch größere Zahl.

Beispiel

Nimm die Zahl \( 999\,999\,999 \) (fast eine Milliarde). Addierst du 1, erhältst du \( 1\,000\,000\,000 \). Egal welche Zahl dir jemand nennt – du kannst immer \( +1 \) rechnen und bist schon darüber hinaus. Deshalb sagt man: Die Menge der natürlichen Zahlen ist unendlich und hat kein größtes Element.

Die natürlichen Zahlen hören nie auf 0 1 2 3 4 immer weiter Zu jeder Zahl gibt es \( +1 \) – also eine noch größere.

Merke: Die Menge der natürlichen Zahlen \( \text{IN} = \{0, 1, 2, 3, \dots\} \) ist unendlich groß und hat kein größtes Element. Zu jeder natürlichen Zahl \( n \) ist auch \( n+1 \) eine natürliche Zahl.

2. Das Stellenwertsystem: Stufenzahlen

Unser Zahlensystem ist ein Dezimalsystem (von lateinisch „decem“ = zehn) und ein Stellenwertsystem: Jede Ziffer hat je nach ihrer Position einen anderen Wert. Diese Werte heißen Stufenzahlen: Einer (E), Zehner (Z), Hunderter (H), Tausender (T), Zehntausender (ZT), Hunderttausender (HT), Million (Mio) – jede Stufe ist das Zehnfache der vorherigen.

Beispiel

Zerlege die Zahl \( 3\,407\,205 \) in ihre Stufenzahlen.

Stellenwerttafel für 3 407 205 Mio HT ZT T H Z E 3 4 0 7 2 0 5 3×1.000.000 4×100.000 0×10.000 7×1.000 2×100 0×10 5×1 3.000.000 + 400.000 + 0 + 7.000 + 200 + 0 + 5 = 3.407.205

Merke: Jede Ziffer einer Zahl steht auf einer Stufe (Einer, Zehner, Hunderter, …); ihr Wert ergibt sich aus Ziffer mal Stufenzahl. Eine Null auf einer Stufe bedeutet nicht „nichts“, sondern zeigt, dass diese Stufe leer ist – sie darf beim Lesen der Zahl nicht wegfallen.

3. Zahlen am Zahlenstrahl ordnen

Am Zahlenstrahl liegen Zahlen umso weiter rechts, je größer sie sind. Damit auch große Zahlen noch draufpassen, wählst du eine passende Skalierung, zum Beispiel in Tausenderschritten. Von zwei Zahlen ist die größer (\( > \)), die weiter rechts liegt; die kleinere (\( < \)) liegt weiter links.

Beispiel

Vergleiche \( 45\,872 \) und \( 45\,728 \). Beide beginnen mit „45“-Tausend, also schaust du auf die Hunderterstelle: \( 8 > 7 \), also ist \( 45\,872 \) die größere Zahl.

45.728 und 45.872 am Zahlenstrahl 45.700 45.800 45.900 45.728 45.872 45.728 < 45.872

Merke: Am Zahlenstrahl gilt: weiter rechts = größer. Beim Vergleichen zweier Zahlen schaust du zuerst auf die Anzahl der Stellen, dann von links nach rechts auf die erste Stelle, an der sich die Ziffern unterscheiden.

4. Natürliche Zahlen runden

Runden macht eine Zahl einfacher zu merken oder zu überschlagen – zum Beispiel bei Einwohnerzahlen, Kilometerangaben oder Kassenbons. Du entscheidest dich für eine Rundungsstelle (Zehner, Hunderter, Tausender, …) und schaust auf die Ziffer direkt rechts daneben: Ist sie \( 0 \) bis \( 4 \), wird abgerundet; ist sie \( 5 \) bis \( 9 \), wird aufgerundet.

Beispiel

Runde \( 45\,872 \) zuerst auf Hunderter, dann auf Tausender.

auf Hunderter Nachbarziffer (Zehner) ist \( 7 \geq 5 \) → aufrunden → \( 45\,900 \)
auf Tausender Nachbarziffer (Hunderter) ist \( 8 \geq 5 \) → aufrunden → \( 46\,000 \)
45.872 auf Tausender runden 45.000 45.500 46.000 45.872 näher an 46.000 → wird aufgerundet

Merke: Schau nur auf die eine Ziffer rechts neben der Rundungsstelle: \( 0\,\text{–}\,4 \) abrunden, \( 5\,\text{–}\,9 \) aufrunden. Alle Ziffern rechts von der Rundungsstelle werden zu Nullen.

5. Andere Zahlensysteme: Dualzahlen und römische Zahlen

Unser Zehnersystem ist nicht das einzige System, um Zahlen darzustellen. Computer rechnen intern mit dem Dualsystem (nur die Ziffern 0 und 1, Stufen sind Zweierpotenzen \( 1, 2, 4, 8, 16, \dots \)). Die alten Römer benutzten das römische Zahlensystem mit Symbolen wie \( \text{I, V, X, L, C, D, M} \), das kein echtes Stellenwertsystem ist.

Beispiel – Dualzahl in eine Dezimalzahl umwandeln

Wandle \( 11010_2 \) ins Dezimalsystem um.

Dualzahl 11010 → Dezimalzahl 26 16 8 4 2 1 1 1 0 1 0 16 + 8 + 0 + 2 + 0 = 26

Beispiel – römische Zahl umwandeln

Das Jahr 2026 schreibst du römisch als \( \text{MMXXVI} \): \( \text{M} = 1000 \), \( \text{M} = 1000 \), \( \text{XX} = 20 \), \( \text{VI} = 6 \), zusammen \( 1000 + 1000 + 20 + 6 = 2026 \). Steht ein kleineres Symbol vor einem größeren, wird subtrahiert: \( \text{XC} = 100 – 10 = 90 \).

Merke: Das Dualsystem ist ein Stellenwertsystem zur Basis 2 (Ziffernwerte 0/1, Stufen \( 1, 2, 4, 8, 16, \dots \)) und braucht dafür viele Stellen. Römische Zahlen sind kompakt für kleine Werte, aber ohne Stellenwertsystem kaum für schriftliches Rechnen geeignet – ein Grund, warum sich das Dezimalsystem durchgesetzt hat.

6. Die schriftlichen Rechenverfahren

Bei größeren Zahlen rechnest du schriftlich, Stelle für Stelle. Bei der Addition und Subtraktion kann es passieren, dass eine Stelle nicht ausreicht – dann wird übertragen (Addition) bzw. von der Nachbarstelle geliehen, das Entbündeln (Subtraktion).

Beispiel

Ein Beispiel mit denselben vier Zahlen zeigt, wie die Grundrechenarten zusammenhängen: Summand \( 3\,846 \), Summand \( 2\,578 \), Faktor \( 234 \), Faktor \( 16 \).

Addition \( 3\,846 + 2\,578 = 6\,424 \)
Subtraktion (Probe) \( 6\,424 – 2\,578 = 3\,846 \)
Multiplikation \( 234 \cdot 16 = 3\,744 \)
Division (Probe) \( 3\,744 : 16 = 234 \)
Addition und Subtraktion in Stellenwertspalten T H Z E 3846 +2578 6424 Übertrag bei E, Z, H 6424 2578 3846 Entbündeln bei H

Kontrolle: \( 234 \cdot 16 = 234 \cdot 10 + 234 \cdot 6 = 2\,340 + 1\,404 = 3\,744 \) ✓  ·  \( 3\,744 : 16 = 234 \), denn \( 16 \cdot 234 = 3\,744 \) ✓.

Merke: Addition und Subtraktion, Multiplikation und Division sind jeweils Umkehroperationen zueinander – du kannst dein Ergebnis mit der Gegenoperation prüfen. Bei der Subtraktion hilft dir das Entbündeln, wenn eine Ziffer des Minuenden zu klein ist; bei der Addition der Übertrag, wenn eine Spaltensumme über 9 liegt.

7. Rechengesetze und vorteilhaftes Rechnen

Beim Rechnen mit mehreren Grundrechenarten gilt die Regel „Punkt vor Strich“ und „Klammer vor allem“. Außerdem darfst du bei reiner Addition oder reiner Multiplikation die Reihenfolge ändern (Kommutativgesetz) und die Klammerung ändern (Assoziativgesetz) – das nutzt du zum vorteilhaften Rechnen. Das Distributivgesetz erlaubt es, ein Produkt in eine Summe/Differenz zu zerlegen und umgekehrt.

Beispiel 1 – vorteilhaft multiplizieren

\( 25 \cdot 37 \cdot 4 = 25 \cdot 4 \cdot 37 = 100 \cdot 37 = 3\,700 \)

Statt \( 25 \cdot 37 \) direkt auszurechnen, vertauschst du (Kommutativgesetz) und klammerst um (Assoziativgesetz): \( 25 \cdot 4 = 100 \) rechnest du im Kopf, der Rest ist dann einfach.

Beispiel 2 – Distributivgesetz

\( 8 \cdot 97 = 8 \cdot (100 – 3) = 800 – 24 = 776 \)

Beispiel 3 – verbundene Grundrechenarten mit Regeln

\( 12 + 8 \cdot 5 – 14 : 2 \)
Rechenbaum: Punkt vor Strich 12 + 8 · 5 − 14 : 2 8 · 5 = 40 14 : 2 = 7 12 + 40 − 7 = 45

Merke: Reihenfolge beim Rechnen: zuerst Klammern, dann Punktrechnungen (\( \cdot,\, : \)), zuletzt Strichrechnungen (\( +,\, – \)) – jeweils von links nach rechts. Kommutativ-, Assoziativ- und Distributivgesetz helfen dir, geschickt statt stur zu rechnen.

8. Große Zahlen in Zehnerpotenzschreibweise

Sehr große Zahlen mit vielen Nullen schreibst du kürzer mit Zehnerpotenzen: \( 10^n \) bedeutet eine 1 mit \( n \) Nullen. So wird aus einer unübersichtlichen Zahl eine kompakte, gut vergleichbare Schreibweise.

Beispiel

Die Entfernung Erde–Sonne beträgt rund \( 150\,000\,000 \) km. In Zehnerpotenzschreibweise: \( 150\,000\,000 = 1{,}5 \cdot 100\,000\,000 = 1{,}5 \cdot 10^8 \) km.

Größenordnungen im Vergleich 10³ = 1.000 10⁽⁲ = 1.000.000 1,5·10⁽⁸ km (Erde–Sonne) 150.000.000 km

Merke: \( a \cdot 10^n \) mit \( 1 \leq a < 10 \) schreibt große Zahlen kurz und macht Größenordnungen vergleichbar. Der Exponent \( n \) verrät sofort, wie viele Nullen die ausgeschriebene Zahl hat.

9. Potenzen und Quadratzahlen

Eine Potenz \( a^n \) (gesprochen „a hoch n“) ist eine abkürzende Schreibweise für die \( n \)-fache Multiplikation von \( a \) mit sich selbst. Ist der Exponent \( 2 \), sprichst du von einer Quadratzahl. Potenzen beschreiben auch exponentielles Wachstum, zum Beispiel bei Kettenmails oder Zellteilung.

Beispiel 1 – Quadratzahl

\( 15^2 = 15 \cdot 15 = 225 \)

Beispiel 2 – exponentielles Wachstum

Merve leitet eine Kettennachricht an 3 Freunde weiter, jeder Freund leitet sie wieder an 3 neue Personen weiter, und so weiter. Nach 4 solchen Runden haben \( 3^4 \) Personen die Nachricht erhalten.

15² = 225 als Fläche 15 × 15 = 225 Kästchen 3⁴ = 81 (Kettennachricht) Runde 1: 3 Runde 2: 9 Runde 3: 27 · Runde 4: 81 3·3·3·3 = 81 Empfänger

Merke: \( a^n = \underbrace{a \cdot a \cdots a}_{n\text{-mal}} \). Die Quadratzahlen bis \( 20^2 = 400 \) solltest du auswendig können. Potenzen wachsen viel schneller als du zuerst denkst – das nennt man exponentielles Wachstum.

10. Teilbarkeit, Primzahlen, ggT und kgV

Eine Zahl \( a \) ist durch eine Zahl \( b \) teilbar, wenn die Division ohne Rest aufgeht. Mit Teilbarkeitsregeln erkennst du das oft ohne zu rechnen. Eine Primzahl hat genau zwei Teiler (1 und sich selbst); jede natürliche Zahl größer als 1 lässt sich eindeutig in Primfaktoren zerlegen.

Beispiel 1 – Teilbarkeitsregeln und Primfaktorzerlegung

Prüfe \( 84 \): durch 2? Letzte Ziffer \( 4 \) ist gerade → ja. Durch 3? Quersumme \( 8+4=12 \), und \( 12 \) ist durch 3 teilbar → ja. Durch 5? Letzte Ziffer ist nicht 0 oder 5 → nein.

Faktorbaum von 84 84 2 42 2 21 3 7

Damit ist \( 84 = 2 \cdot 2 \cdot 3 \cdot 7 = 2^2 \cdot 3 \cdot 7 \). Kontrolle: \( 4 \cdot 3 \cdot 7 = 84 \) ✓.

Beispiel 2 – ggT und kgV

Bestimme ggT und kgV von \( 36 \) und \( 48 \) mithilfe der Primfaktorzerlegung: \( 36 = 2^2 \cdot 3^2 \), \( 48 = 2^4 \cdot 3 \).

ggT (kleinste Exponenten) \( \text{ggT} = 2^2 \cdot 3 = 12 \)
kgV (größte Exponenten) \( \text{kgV} = 2^4 \cdot 3^2 = 144 \)

Kontrolle: \( 36 : 12 = 3 \) und \( 48 : 12 = 4 \) gehen beide auf ✓  ·  \( 144 : 36 = 4 \) und \( 144 : 48 = 3 \) gehen beide auf ✓.

Merke: Jede natürliche Zahl \( > 1 \) lässt sich eindeutig in Primfaktoren zerlegen. Der ggT (größter gemeinsamer Teiler) nutzt die kleinsten gemeinsamen Exponenten, das kgV (kleinstes gemeinsames Vielfaches) die größten.

11. Kombinatorik: das Zählprinzip

Wenn du bei einer Entscheidung mehrere unabhängige Schritte hintereinander triffst, multiplizierst du die Anzahl der Möglichkeiten pro Schritt – das ist das Zählprinzip. So findest du die Gesamtzahl der Kombinationen, ohne alle einzeln aufzuschreiben.

Beispiel

Jonas hat 4 T-Shirts und 3 Hosen. Wie viele verschiedene Kombinationen aus einem T-Shirt und einer Hose kann er anziehen?

Zählprinzip: 4 T-Shirts × 3 Hosen = 12 Kombinationen Shirt 1 Shirt 2 Shirt 3 Shirt 4 Hose 1Hose 2Hose 3 Hose 1Hose 2Hose 3 Hose 1Hose 2Hose 3 Hose 1Hose 2Hose 3 4 · 3 = 12

Merke: Beim Zählprinzip multiplizierst du die Anzahl der Möglichkeiten jedes unabhängigen Schritts: bei \( m \) Möglichkeiten im ersten und \( n \) Möglichkeiten im zweiten Schritt gibt es \( m \cdot n \) Gesamtmöglichkeiten. Baumdiagramme und Tabellen helfen dir, den Überblick zu behalten.

Das Wichtigste in Kürze

Merke – die Kernpunkte dieser Seite:

  1. Die natürlichen Zahlen sind unendlich und haben kein größtes Element; jede Ziffer einer Zahl hat je nach Position einen anderen Stellenwert (Stufenzahl).
  2. Am Zahlenstrahl gilt: weiter rechts = größer. Beim Runden entscheidet allein die Ziffer direkt neben der Rundungsstelle.
  3. Neben dem Zehnersystem gibt es weitere Zahlensysteme wie das Dualsystem und die römischen Zahlen; die vier Grundrechenarten beherrschst du auch schriftlich, inklusive Übertrag und Entbündeln.
  4. Beim Rechnen gilt Punkt vor Strich, und die Rechengesetze (Kommutativ-, Assoziativ-, Distributivgesetz) ermöglichen vorteilhaftes Rechnen; große Zahlen und Potenzen schreibst du kompakt mit Zehnerpotenzen bzw. Exponenten.
  5. Mit Teilbarkeitsregeln, Primfaktorzerlegung, ggT/kgV und dem Zählprinzip zerlegst du Zahlen in ihre Bausteine und zählst Kombinationen systematisch.

12. So fragt die Abschlussprüfung

Runden, Teilbarkeit, ggT und kgV sind Werkzeuge, die später in jeder Bruchrechnung und in vielen Sachaufgaben wieder auftauchen. Geprüft wird dabei nie die Regel selbst, sondern ob du sie im Text erkennst. Vier Aufgaben aus der Möbelmanufaktur Holzwerk Brandl e.K. in Rosenheim:

Aufgabe 1 – Jahreszahlen runden und teilen. Im vergangenen Jahr hat das Holzwerk 18 640 Regalbretter zugeschnitten. a) Runde die Zahl auf Hunderter und auf Tausender. b) Die Bretter werden auf 8 gleich große Paletten verteilt. Wie viele Bretter liegen auf einer Palette?

a) Hunderter: es entscheidet die Zehnerziffer 18 640 → 4 < 5, also abrunden
gerundet auf Hunderter 18 600
Tausender: es entscheidet die Hunderterziffer 18 640 → 6 ≥ 5, also aufrunden
gerundet auf Tausender 19 000 \( = 19 \cdot 10^3 \)
b) schriftliche Division \( 18\,640 : 8 \)
Bretter je Palette \( 2330 \)

Gegenprobe: \( 8 \cdot 2330 = 18\,640 \) ✓. Und die Rundung im Blick behalten: 18 640 liegt zwischen 18 000 und 19 000, aber näher an 19 000 ✓. Antwort: Gerundet sind es 18 600 bzw. 19 000 Bretter; auf einer Palette liegen 2 330 Bretter.

Aufgabe 2 – gleich große Pakete (ggT). Im Lager liegen 48 Regalböden und 36 Seitenteile. Jonas soll daraus möglichst viele gleich zusammengesetzte Pakete packen, ohne dass ein Teil übrig bleibt. Wie viele Pakete sind das, und was ist in einem Paket?

Primfaktoren \( 48 = 2^4 \cdot 3 \), \( 36 = 2^2 \cdot 3^2 \)
gemeinsame Faktoren, jeweils kleinster Exponent \( 2^2 \cdot 3 \)
Anzahl der Pakete \( \text{ggT}(48;36) = 12 \)

Gegenprobe: \( 48 : 12 = 4 \) und \( 36 : 12 = 3 \) – beide Divisionen gehen ohne Rest auf ✓. Eine größere Paketzahl würde nicht mehr passen, denn 13 teilt weder 48 noch 36. Antwort: Es lassen sich 12 Pakete packen, jedes mit 4 Regalböden und 3 Seitenteilen.

Aufgabe 3 – Wartungsplan (kgV). Die Kreissäge wird alle 6 Arbeitstage gewartet, die Kantenschleifmaschine alle 8 Arbeitstage. Heute waren beide zugleich dran. Nach wie vielen Arbeitstagen fällt die Wartung wieder auf denselben Tag?

Primfaktoren \( 6 = 2 \cdot 3 \), \( 8 = 2^3 \)
alle Faktoren, jeweils größter Exponent \( 2^3 \cdot 3 \)
gemeinsamer Wartungstag \( \text{kgV}(6;8) = 24 \)

Gegenprobe mit den Vielfachen: 6, 12, 18, 24, 30 … und 8, 16, 24, 32 … – die erste gemeinsame Zahl ist 24 ✓. Antwort: Nach 24 Arbeitstagen sind beide Maschinen wieder am selben Tag fällig.

Aufgabe 4 – Modellvarianten (Zählprinzip). Der Massivholztisch wird in 3 Holzarten, 4 Größen und 2 Oberflächen angeboten. Wie viele verschiedene Tische stehen im Katalog?

Zählprinzip: Stufen multiplizieren \( 3 \cdot 4 \cdot 2 \)
Anzahl der Varianten \( 24 \)

Gegenprobe über das Baumdiagramm: Zu jeder der 3 Holzarten gehören 4 Größen, das sind 12 Zweige; jeder davon teilt sich noch in 2 Oberflächen, also \( 12 \cdot 2 = 24 \) Endpunkte ✓. Antwort: Der Katalog enthält 24 verschiedene Tische.

13. Typische Fehler – und wie du die Punkte rettest

  • Beim Runden die falsche Ziffer betrachtet. Ursache: Es wird auf die letzte Ziffer der Zahl geschaut statt auf die erste Ziffer hinter der Rundungsstelle. Vermeidung: Unterstreiche die Stelle, auf die gerundet wird, und sieh dir genau die Ziffer rechts daneben an. Ab 5 wird aufgerundet, darunter abgerundet – alle folgenden Stellen werden zu Nullen.
  • ggT und kgV verwechselt. Ursache: Beide Verfahren arbeiten mit Primfaktoren und werden deshalb durcheinandergebracht. Vermeidung: Frage dich, ob etwas aufgeteilt wird (dann ggT: das Ergebnis ist kleiner oder gleich der kleineren Zahl) oder ob etwas zusammentrifft (dann kgV: das Ergebnis ist größer oder gleich der größeren Zahl). Ein ggT von 24 bei den Zahlen 6 und 8 kann also nicht stimmen.
  • Bei den Primfaktoren die Exponenten falsch gewählt. Ursache: Es wird nicht unterschieden, wann der kleinste und wann der größte Exponent gilt. Vermeidung: ggT = nur die gemeinsamen Primfaktoren mit dem kleinsten Exponenten; kgV = alle vorkommenden Primfaktoren mit dem größten Exponenten. Notiere beide Zerlegungen übereinander, dann siehst du es sofort.
  • 1 für eine Primzahl gehalten – oder die 2 vergessen. Ursache: Die Definition wird als „nur durch sich selbst und 1 teilbar“ verkürzt. Vermeidung: Eine Primzahl hat genau zwei Teiler. Die 1 hat nur einen und ist deshalb keine Primzahl; die 2 hat zwei und ist die einzige gerade Primzahl.
  • Potenz mit Multiplikation verwechselt. Ursache: \( 2^4 \) wird als \( 2 \cdot 4 = 8 \) gerechnet. Vermeidung: Der Exponent sagt nur, wie oft die Basis als Faktor steht: \( 2^4 = 2 \cdot 2 \cdot 2 \cdot 2 = 16 \). Schreibe das Produkt bei Unsicherheit einmal ganz aus.
  • Beim Zählprinzip addiert statt multipliziert. Ursache: Aus „3 Holzarten, 4 Größen, 2 Oberflächen“ wird \( 3 + 4 + 2 = 9 \). Vermeidung: Zeichne die ersten beiden Stufen als Baumdiagramm. Du siehst dann, dass sich jeder Zweig erneut aufteilt – die Stufenzahlen werden also multipliziert.

Weiterlernen

  • Ganze Zahlen – wie der Zahlenbereich um die negativen Zahlen erweitert wird.
  • Größen – Umrechnen und Rechnen mit Geld, Länge, Masse, Zeit und Hohlmaß.
  • Rationale Zahlen – der nächste Schritt: Brüche und Dezimalzahlen.
  • Terme und Gleichungen – wie aus Zahlen und Rechengesetzen algebraische Werkzeuge werden.

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