Mathematik FOS/BOS Bayern · 11. Klasse · Analysis (Technik & Nichttechnik) · BY

Extrempunkte und Monotonieverhalten

An welcher Stelle erreicht der Gewinn sein Maximum? Wo ist die Kostenkurve am niedrigsten? Solche Fragen führen auf die Extrempunkte einer Funktion – die Hoch- und Tiefpunkte ihres Graphen. Mit der Ableitung finden Sie diese Punkte rechnerisch und bestimmen zugleich, wo die Funktion steigt und wo sie fällt (das Monotonieverhalten). Diese Seite erklärt das Verfahren Schritt für Schritt – mit allen Nebenrechnungen.

1. Anschauung: Gipfel und Tal

Stellen Sie sich das Höhenprofil eines Berges vor. Der Gipfel ist der höchste Punkt in seiner Umgebung, das Tal der tiefste. Auf dem Weg zum Gipfel steigt der Berg an; rechts vom Gipfel fällt er zum Tal hin ab und steigt danach wieder. Genau am Gipfel und im Tal ist es für einen Moment flach – der Berg steigt dort weder an, noch fällt er.

Bei einer Funktion heißt der „Gipfel“ Hochpunkt und das „Tal“ Tiefpunkt. Beide fasst man unter dem Begriff Extrempunkt zusammen. Man spricht von lokalen Extrempunkten, weil es an anderer Stelle noch höhere oder tiefere Punkte geben kann.

xy-3-2-1124G_fHochpunktTiefpunkt

Ein Hochpunkt („Gipfel“) und ein Tiefpunkt („Tal“). An beiden Stellen verläuft die Tangente waagrecht.

💡 Extrempunkt = waagrechte Tangente

In einem Hoch- oder Tiefpunkt besitzt der Graph eine waagrechte Tangente. Die x-Koordinate eines Extrempunktes heißt Extremstelle.

2. Der Zusammenhang mit der Ableitung

Die erste Ableitung \( f'(x) \) gibt die Steigung des Graphen an jeder Stelle an. Daraus lässt sich das Steigungsverhalten direkt ablesen:

💡 Erste Ableitung und Monotonie

  • \( f'(x) > 0 \): die Funktion ist an dieser Stelle streng monoton steigend (der Graph geht bergauf \( \nearrow \))
  • \( f'(x) < 0 \): die Funktion ist streng monoton fallend (der Graph geht bergab \( \searrow \))
  • \( f'(x) = 0 \): der Graph hat eine waagrechte Tangente – hier liegt häufig ein Hoch-, Tief- oder Terrassenpunkt

Der entscheidende Gedanke: Um die Extremstellen zu finden, sucht man die Stellen mit waagrechter Tangente – also die Nullstellen der ersten Ableitung. Im Schaubild unten sieht man: Dort, wo die grüne Kurve \( G_f \) ihren Hoch- bzw. Tiefpunkt hat, schneidet die rote Ableitungskurve \( G_{f‘} \) genau die x-Achse.

xy-3-2-11-224G_{f‘}G_fHOPTIP

Grün: Funktion G_f. Rot gestrichelt: Ableitung G_f′. Wo G_f′ die x-Achse schneidet (x=−2 und x=0), liegen die Extremstellen von G_f.

3. Das Verfahren in vier Schritten

Um Art und Lage aller Extrempunkte zu bestimmen, geht man immer nach demselben Schema vor:

Schritt 1: Erste Ableitung bilden

Leiten Sie die Funktion \( f \) ab, um die Steigungsfunktion \( f'(x) \) zu erhalten.

Schritt 2: Nullstellen der ersten Ableitung berechnen

Setzen Sie \( f'(x)=0 \). Die Lösungen sind die möglichen Extremstellen (Stellen mit waagrechter Tangente).

Schritt 3: Funktionswerte berechnen

Setzen Sie jede gefundene x-Stelle in die ursprüngliche Funktion \( f \) ein, um die zugehörige y-Koordinate (die Höhe des Punktes) zu erhalten.

Schritt 4: Art des Extrempunktes und Monotonie bestimmen

Untersuchen Sie mit einer Vorzeichentabelle das Vorzeichen von \( f'(x) \) links und rechts jeder Stelle. Daraus ergibt sich, ob ein Hoch- oder Tiefpunkt vorliegt und in welchen Bereichen der Graph steigt oder fällt.

4. Ausführliches Musterbeispiel

✎ Bestimmen Sie Art und Lage der Extrempunkte sowie das Monotonieverhalten von \( f(x)=x^3+3x^2 \).

Schritt 1 – Erste Ableitung bilden. Wir leiten \( f(x)=x^3+3x^2 \) mit der Potenzregel ab:

\[f'(x)=3x^2+6x\]

Schritt 2 – Nullstellen der ersten Ableitung. Wir setzen \( f'(x)=0 \) und lösen durch Ausklammern:

\[\begin{aligned} 3x^2+6x &= 0 \\ x\,(3x+6) &= 0 \end{aligned}\]

Ein Produkt ist null, wenn einer der Faktoren null ist (Satz vom Nullprodukt):

\[x_1=0 \qquad \text{oder} \qquad 3x+6=0 \;\Rightarrow\; x_2=-2\]

Wir haben also zwei mögliche Extremstellen: \( x_1=0 \) und \( x_2=-2 \).

Schritt 3 – Funktionswerte berechnen. Wir setzen beide x-Werte in die ursprüngliche Funktion \( f \) ein:

\[\begin{aligned} y_1 &= f(0)=0^3+3\cdot 0^2 = 0 \\ y_2 &= f(-2)=(-2)^3+3\cdot(-2)^2 = -8+12 = 4 \end{aligned}\]

Die möglichen Extrempunkte liegen damit bei \( (-2\mid 4) \) und \( (0\mid 0) \).

Schritt 4 – Art und Monotonie mit der Vorzeichentabelle. Wir prüfen das Vorzeichen von \( f'(x) \) in den Bereichen links und rechts der beiden Stellen. Dazu setzen wir je einen Testwert aus jedem Bereich in \( f'(x)=3x^2+6x \) ein:

• Bereich \( x<-2 \), Testwert \( x=-3 \): \( f'(-3)=3\cdot 9-18=27-18=9>0 \) → steigend
• Bereich \( -2• Bereich \( x>0 \), Testwert \( x=1 \): \( f'(1)=3+6=9>0 \) → steigend

\( x \) \( x<-2 \) \( x=-2 \) \( -2 \( x=0 \) \( x>0 \)
\( f'(x) \) \( + \) \( 0 \) \( – \) \( 0 \) \( + \)
\( G_f \) \( \nearrow \) HOP \( \searrow \) TIP \( \nearrow \)

Ablesen der Tabelle: Bei \( x=-2 \) wechselt das Vorzeichen von \( + \) nach \( – \) (der Graph geht von steigend zu fallend über) – das ist ein Hochpunkt \( HOP(-2\mid 4) \). Bei \( x=0 \) wechselt das Vorzeichen von \( – \) nach \( + \) – das ist ein Tiefpunkt \( TIP(0\mid 0) \).

Monotonieverhalten: Der Graph \( G_f \) ist streng monoton steigend in den Intervallen \( \left]-\infty;-2\right] \) und \( \left[0;\infty\right[ \) sowie streng monoton fallend im Intervall \( \left[-2;0\right] \).

xy-3-2-1124G_fHOP(-2|4)TIP(0|0)

Das Ergebnis im Schaubild: Hochpunkt bei (−2|4), Tiefpunkt bei (0|0).

5. Kürzer: die Art mit der zweiten Ableitung bestimmen

Ist das Monotonieverhalten nicht gefragt, sondern nur die Art der Extrempunkte, geht es schneller mit der zweiten Ableitung. Man setzt die möglichen Extremstellen in \( f“(x) \) ein:

💡 Art der Extremstelle über die zweite Ableitung

  • \( f“(x_0)<0 \): Hochpunkt (der Graph ist rechtsgekrümmt)
  • \( f“(x_0)>0 \): Tiefpunkt (der Graph ist linksgekrümmt)
  • \( f“(x_0)=0 \) und \( f“'(x_0)\neq 0 \): Terrassenpunkt

✎ Dasselbe Beispiel \( f(x)=x^3+3x^2 \) mit der zweiten Ableitung.

Die zweite Ableitung von \( f'(x)=3x^2+6x \) ist:

\[f“(x)=6x+6\]

Nun setzen wir die beiden Extremstellen \( x_2=-2 \) und \( x_1=0 \) ein:

\[\begin{aligned} f“(-2) &= 6\cdot(-2)+6 = -12+6 = -6 < 0 &&\Rightarrow\; \text{Hochpunkt } (-2\mid 4) \\ f''(0) &= 6\cdot 0+6 = 6 > 0 &&\Rightarrow\; \text{Tiefpunkt } (0\mid 0) \end{aligned}\]

Das Ergebnis stimmt mit der Vorzeichentabelle überein – nur ohne Aussage über die Monotonie.

6. Typische Fehler

✗ Falsch

Die x-Werte in \( f'(x) \) eingesetzt, um die y-Koordinate zu bekommen.

✓ Richtig

Die y-Koordinate (Höhe des Punktes) erhält man nur durch Einsetzen in die ursprüngliche Funktion \( f(x) \), nicht in die Ableitung.

✗ Falsch

Bei \( f'(x)=0 \) sofort einen Extrempunkt angenommen.

✓ Richtig

\( f'(x)=0 \) bedeutet nur eine waagrechte Tangente. Es kann auch ein Terrassenpunkt sein – erst der Vorzeichenwechsel (oder \( f“ \)) sichert den Extrempunkt.

✗ Falsch

Beim Hochpunkt \( f“>0 \) angenommen.

✓ Richtig

Merkhilfe: Hochpunkt = Kurve nach unten geöffnet = rechtsgekrümmt = \( f“<0 \). Beim Tiefpunkt ist \( f''>0 \).

7. Üben

💡 ✐ Jetzt selbst üben

Bestimmen Sie Art und Lage der Extrempunkte sowie das Monotonieverhalten. Erzeugen Sie sich beliebig viele Übungsaufgaben mit vollständigem Lösungsweg im Aufgabengenerator – passend zur FOS/BOS Klasse 11.

Zum Weiterüben aus dem Lehrwerk: Bestimmen Sie jeweils Art, Lage und Monotonie:

  1. \( f_1(x)=-\tfrac{1}{3}\left(x^3+10{,}5x^2+36x+40{,}5\right) \)
  2. \( f_3(x)=\tfrac{1}{6}(x-5)^2(2x-1) \)
  3. \( f_4(x)=-\tfrac{x^3}{3}-x^2-1 \)
  4. \( f_6(x)=\tfrac{1}{100}\left(x^4-26x^2+48x+200\right) \)
Kurzlösungen anzeigen

1. \( TIP(-4\mid-0{,}17) \), \( HOP(-3\mid 0) \); steigend auf \( \left]-\infty;-4\right] \) und \( \left[-3;\infty\right[ \), fallend auf \( \left[-4;-3\right] \).

2. \( f_3′(x)=x^2-7x+10 \); \( HOP(2\mid 4{,}5) \), \( TIP(5\mid 0) \).

3. \( f_4′(x)=-x^2-2x \); \( TIP(-2\mid-2{,}33) \), \( HOP(0\mid 1) \).

4. \( f_6′(x)=\tfrac{1}{25}(x^3-13x+12) \); \( TIP(-4\mid-1{,}52) \), \( HOP(1\mid 2{,}23) \), \( TIP(3\mid 1{,}91) \).

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