IBV FOS/BOS Bayern · Jahrgangsstufe 12 · Internationale Unternehmenstätigkeit (LehrplanPLUS, alter Lehrplan)

Internationalisierung: Motive und Markteintrittsformen

Warum gehen Unternehmen ins Ausland – und auf welchen Wegen? Die Internationalisierung ist das Kernthema der Internationalen Betriebswirtschaftslehre. Ein Unternehmen kann vom einfachen Export bis zur eigenen Tochtergesellschaft ganz unterschiedlich stark im Ausland engagiert sein – mit steigendem Kapitaleinsatz, Risiko, aber auch steigender Kontrolle.

1. Motive für die Internationalisierung

Die Gründe lassen sich in drei Gruppen einteilen:

Markt- & absatzorientiert
Absatz und Marktanteil sichern, neue Märkte erschließen, wettbewerbsfähig bleiben, Bekanntheitsgrad steigern.
Kosten- & ertragsorientiert
Kosten senken (günstigere Rohstoffe/Personal), Gewinne steigern, Risiko streuen, Handelsbarrieren umgehen.
Beschaffungsorientiert
Versorgung mit Rohstoffen, Vorprodukten, Arbeitskräften und Informationen sichern.

2. Die Formen des Markteintritts (Dimensionen)

Die Markteintrittsformen unterscheiden sich im Grad des Auslandsengagements: Je weiter rechts, desto höher Kapitaleinsatz, Risiko und Kontrolle über das Auslandsgeschäft.

steigendes Engagement: Kapitaleinsatz · Risiko · Kontrolle → DirekterExport Lizenzierung Vertrags-fertigung Joint Venture Tochter-gesellschaft
Form Beschreibung
Direkter Export Das Unternehmen setzt seine Produkte direkt im Ausland ab – geringstes Engagement.
Lizenzierung Nutzungsrechte (Patente, Marken, Know-how) werden gegen Gebühr überlassen (z. B. Fastfoodketten).
Vertragsfertigung Produktionsstufen werden ins Ausland vergeben; Vermarktung/Vertrieb bleiben im Inland.
Joint Venture Zwei unabhängige Partner gründen ein gemeinsames, rechtlich selbstständiges Unternehmen.
Tochtergesellschaft Eigene rechtlich selbstständige Gesellschaft im Ausland – höchstes Engagement und volle Kontrolle.
Merke: Von Export zu Tochtergesellschaft steigen Kapitaleinsatz, Risiko und Kontrolle gemeinsam. Ein Unternehmen wählt die Form je nach Marktkenntnis, Kapital, Risikobereitschaft und gewünschter Kontrolle über das Auslandsgeschäft.

3. Chancen und Risiken der Internationalisierung

Chancen Risiken
Neue Absatzmärkte, größerer Umsatz Währungsrisiken (Wechselkurse)
Kostenvorteile (Rohstoffe, Personal) Politische & rechtliche Unsicherheit
Risikostreuung auf mehrere Märkte Kulturelle Unterschiede, Sprachbarrieren
Umgehung von Handelsbarrieren Hoher Koordinations- und Kontrollaufwand

4. So fragt die Abschlussprüfung

  • Nennen und ordnen Sie Motive der Internationalisierung den drei Gruppen zu.
  • Erläutern Sie die Markteintrittsformen nach steigendem Engagement.
  • Beurteilen Sie, welche Form für ein Unternehmen in einer Situation geeignet ist.
  • Analysieren Sie Chancen und Risiken eines Auslandsengagements.

5. Typische Fehler – und wie Sie Punkte retten

Fehler Richtig
Joint Venture und Tochtergesellschaft gleichsetzen Joint Venture = gemeinsam mit Partner; Tochter = eigenes Unternehmen.
Lizenzierung als Produktion im Ausland verstehen Lizenzierung = Nutzungsrechte gegen Gebühr, keine eigene Produktion.
Formen ohne Bezug zum Engagement-Grad aufzählen Reihenfolge nach steigendem Kapitaleinsatz/Risiko/Kontrolle.

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Grundlage: LehrplanPLUS Bayern, IBV FOS 12 (Internationale Unternehmenstätigkeit).

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