Deutsch Mittelschule Bayern · Jahrgangsstufe 7 · Regelklasse und Mittlere-Reife-Klasse · Sprachgebrauch und Sprache untersuchen und reflektieren (LehrplanPLUS)

Redensarten, Sprichwörter und Vergleiche erklären – und der Bedeutungswandel von Wörtern

Im Betrieb, in der Werkstatt und im Praktikum hörst du oft Sätze, die nicht so gemeint sind, wie sie dastehen. Wenn der Meister sagt, du sollst „Nägel mit Köpfen machen“, geht es nicht um Nägel. Solche festen Wendungen kannst du erkennen, in eigenen Worten erklären und in ihrer Wirkung beurteilen. Dazu kommt ein zweites Thema: Auch einzelne Wörter bedeuten heute oft etwas anderes als früher. Diese Seite zeigt dir, wie du beides sicher untersuchst.

1. Redensart, Sprichwort und Vergleich unterscheiden

Alle drei Formen sind feste sprachliche Bilder. Du unterscheidest sie an ihrem Bau und an ihrer Aufgabe im Text.

Form Woran du sie erkennst Beispiel
Redensart Wortgruppe, die in einen Satz eingebaut wird; das Verb passt sich an; nicht wörtlich gemeint Der Azubi hat den Nagel auf den Kopf getroffen.
Sprichwort ganzer Satz in fester Form; kann allein stehen; spricht eine allgemeine Lebensregel aus Übung macht den Meister.
Vergleich zwei Dinge werden mit „wie“ verbunden; eine Eigenschaft wird hervorgehoben stark wie ein Bär

Manche Wendungen liegen zwischen den Formen. Dann entscheidest du nach dem Bau: Ein ganzer Satz mit einer Lebensregel ist ein Sprichwort, eine eingebaute Wortgruppe ist eine Redensart.

Redensarten und Sprichwörter gehören zur Alltagssprache. Du hörst sie im Gespräch am Arbeitsplatz, liest sie in Zeitungen und findest sie in Werbetexten. Weil sie so bekannt sind, fallen sie oft erst auf, wenn man sie wörtlich nimmt.

Merke: Eine Redensart baust du in deinen eigenen Satz ein und passt sie an. Ein Sprichwort führst du als ganzen Satz an. Ein Vergleich enthält fast immer das Wort „wie“.

2. Die Bedeutung erklären: wörtlich und übertragen

Jede Redensart hat zwei Ebenen. Die wörtliche Ebene ist das Bild, das die Wörter zeigen. Die übertragene Ebene ist das, was die Sprecherin oder der Sprecher meint. Beim Erklären gehst du in drei Schritten vor:

  1. Bild: Beschreibe, was die Wörter wörtlich zeigen.
  2. Lage: Überlege, in welcher Lage man die Wendung benutzt.
  3. Bedeutung: Formuliere die gemeinte Bedeutung in eigenen Worten und schreibe einen eigenen Beispielsatz.

Ein Beispiel: Bei „Nägel mit Köpfen machen“ zeigt das Bild, dass ein Nagel ohne Kopf nichts festhält. Man benutzt die Wendung, wenn jemand eine Arbeit nicht halb erledigen will. Gemeint ist: etwas gründlich und richtig zu Ende bringen. Beispielsatz: Auf der Baustelle macht der Polier Nägel mit Köpfen und prüft jede Schraube einzeln.

Der Zusammenhang entscheidet, ob eine Wendung bildlich oder wörtlich gemeint ist. Im Satz „Die Rettungsschwimmerin sprang ins kalte Wasser“ kann das wörtlich stimmen. Im Satz „Der neue Mitarbeiter sprang bei der ersten Schicht ins kalte Wasser“ ist dagegen eine Aufgabe ohne Vorbereitung gemeint.

Bei einem Sprichwort erklärst du zusätzlich die Regel und die Lage, für die sie gilt. „Wer rastet, der rostet“ spricht vom Metall in der Werkstatt. Gemeint ist: Wer nicht in Bewegung bleibt und nicht übt, verliert seine Fähigkeiten.

Schreibe die Erklärung als ganzen Satz, zum Beispiel: Die Redensart „jemandem unter die Arme greifen“ bedeutet, dass man jemandem bei einer Arbeit hilft. Wiederhole dabei nicht einfach die Wörter der Wendung, sondern sage mit anderen Wörtern, was gemeint ist.

3. Wirkung beschreiben und bewerten

Bewerten heißt: Du sagst, ob eine Wendung an ihrer Stelle gut gewählt ist, und du begründest dein Urteil. Dafür nutzt du vier Prüffragen.

  • Anschaulichkeit: Macht das Bild die Aussage deutlicher oder kürzer als ein gewöhnlicher Satz? „Flink wie ein Wiesel“ sagt in vier Wörtern, dass jemand sehr schnell ist, und bleibt im Gedächtnis.
  • Passung: Passt die Wendung zum Anlass und zu den Lesenden? Im lockeren Gespräch in der Pause wirkt sie lebendig, in einem Antrag oder in einem Praktikumsbericht wirkt sie oft zu salopp.
  • Frische: Ist das Bild noch lebendig, oder ist es so abgegriffen, dass es nur noch eine Floskel ist?
  • Wahrheitsgehalt: Stimmt die Regel in dieser Lage? Sprichwörter sind Faustregeln, keine Gesetze. „Gleich und gleich gesellt sich gern“ und „Gegensätze ziehen sich an“ sagen fast das Gegenteil, und beide treffen manchmal zu.

Nicht jede Prüffrage passt zu jeder Wendung. Wähle die zwei oder drei Fragen aus, die an deiner Textstelle etwas hergeben.

Merke: Ein Urteil hat drei Teile: Merkmal, Wirkung, Begründung. Zum Beispiel: Die Wendung „Nägel mit Köpfen machen“ wirkt im Gespräch auf der Baustelle kräftig und klar, weil das Bild aus der Arbeitswelt stammt. In einem Antrag an eine Behörde passt sie nicht, weil dort ein sachlicher Ton erwartet wird.

4. Der Bedeutungswandel von Wörtern

Nicht nur Wendungen, auch einzelne Wörter verändern ihre Bedeutung. Das Wort „Arbeit“ bedeutete früher vor allem Mühsal und Plage, heute meint es die Tätigkeit im Beruf. Dieses Verschieben des Inhalts nennt man Bedeutungswandel: Das Wort bleibt erhalten, sein Inhalt wird ein anderer. Fünf Arten unterscheidest du:

Art Was geschieht? Beispiele
Verengung Das Wort meint heute weniger als früher. „Hochzeit“: früher jedes große Fest, heute die Eheschließung. „Geselle“: früher Gefährte, heute ausgebildeter Handwerker.
Erweiterung Das Wort meint heute mehr als früher. „Ding“: früher eine Gerichtsversammlung, heute jeder Gegenstand.
Übertragung Das Wort bekommt eine zweite Bedeutung, weil sich zwei Dinge ähneln. „Maus“: Tier und Eingabegerät am Rechner.
Aufwertung Das Wort klingt heute besser als früher. „Marschall“: früher ein Pferdeknecht, heute ein hoher Offizier.
Abwertung Das Wort klingt heute schlechter als früher. „List“: früher Klugheit, heute ein Trick.

Beim Bestimmen stellst du zwei Fragen: Was bedeutete das Wort früher? Was bedeutet es heute? Dann vergleichst du, ob es heute weniger, mehr, etwas Ähnliches, etwas Besseres oder etwas Schlechteres meint. Was ein Wort früher bedeutete, findest du in einem Wörterbuch mit Herkunftsangaben.

Bei Aufwertung und Abwertung achtest du auf den Klang. Das Wort „toll“ bedeutete früher töricht und verwirrt, heute klingt es nach Lob. Das Wort „schlecht“ bedeutete früher schlicht, heute klingt es nach Mangel. Beide Wörter werden heute ganz anders bewertet als früher.

So prüfst du es im Quali

Die Quali in Deutsch dauert 195 Minuten und hat vier Teile: A Zuhören, B Sprachgebrauch – Sprachbetrachtung und Rechtschreiben, C Lesen und D Schreiben. Hier steht ein eigener Übungstext aus dem Praktikum. Bestimme darin die festen Wendungen.

Im Praktikum im Lager sprang Jonas gleich am ersten Tag ins kalte Wasser, denn er sollte allein die Lieferung prüfen. Der Lagerleiter war flink wie ein Wiesel und hatte für jede Frage nur einen Satz. Jonas dachte: Aller Anfang ist schwer. Dann fand er den Fehler in der Liste und traf damit den Nagel auf den Kopf. Der Leiter lobte ihn, und Jonas merkte sich: Übung macht den Meister.

Textstelle Form Woran du sie erkennst Gemeinte Bedeutung
sprang ins kalte Wasser Redensart in den Satz eingebaut, Verb angepasst ohne Vorbereitung beginnen
flink wie ein Wiesel Vergleich verbindet zwei Dinge mit „wie“ sehr schnell
Aller Anfang ist schwer Sprichwort ganzer Satz, feste Form, Lebensregel Neues fällt zuerst schwer
traf den Nagel auf den Kopf Redensart Wortgruppe, Verb angepasst genau das Richtige treffen

So schreibst du eine Antwort: Nenne die Textstelle, bestimme die Form und erkläre die Bedeutung mit eigenen Worten. „Flink wie ein Wiesel“ ist ein Vergleich, denn er verbindet zwei Dinge mit „wie“; gemeint ist, dass der Lagerleiter sehr schnell ist.

Beim Bedeutungswandel gehst du genauso vor: Du nennst das Wort, seine frühere und seine heutige Bedeutung und erst danach die Art. Dieses Vorgehen – erst die Form bestimmen, dann die Bedeutung in eigenen Worten erklären – gehört zur Vorbereitung auf Teil B der Quali (Sprachgebrauch – Sprachbetrachtung und Rechtschreiben).

Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

Diese Fehler passieren beim Bestimmen und Erklären am häufigsten. Vergleiche sie mit deinen eigenen Antworten.

Falsch Richtig Warum
„Ins kalte Wasser springen“ heißt, dass man schwimmen geht. „Ins kalte Wasser springen“ heißt, ohne Vorbereitung etwas Neues zu beginnen. Eine Redensart meint ihren übertragenen Sinn, nicht das Bild.
„Übung macht den Meister“ ist eine Redensart. „Übung macht den Meister“ ist ein Sprichwort. Es ist ein ganzer Satz in fester Form und spricht eine Lebensregel aus.
Er hat den Hammer auf den Kopf getroffen. Er hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Redensarten haben feste Wörter; man tauscht keines aus.
„Flink wie ein Wiesel“ ist ein Sprichwort. „Flink wie ein Wiesel“ ist ein Vergleich. Er verbindet zwei Dinge mit „wie“ und gibt keinen Rat.
„Hochzeit“ hat sich nicht verändert, weil es gleich geschrieben wird. „Hochzeit“ meint heute weniger als früher; nur die Schreibung blieb. Bedeutungswandel betrifft den Inhalt, nicht die Schreibung.

✏️ Jetzt selbst üben – im Aufgabengenerator

Erzeuge dir zu diesem Thema beliebig viele Übungsaufgaben mit Lösung – passend zu Deutsch Mittelschule Bayern und deiner Jahrgangsstufe.

Aufgaben erzeugen →

🎮 Live-Quiz für die Klasse

Teste dein Wissen im interaktiven Quiz – mit Sofort-Erklärung nach jeder Frage. Für Lehrkräfte: eigenes Klassen-Quiz starten.

Live-Quiz entdecken →

💡 Mehr auf lern.de

Entdecke weitere kostenlose Lernangebote für deine Schulart:

Nach oben scrollen

Betriebsferien vom
31.07. bis 14.09.2026

Liebe Kunden/Besucher,

Ihre digitalen Zugänge funktionieren wie gewohnt. Nach der Buchung erhalten Sie den Zugang sofort und automatisch – dafür ist keine Bearbeitung durch uns nötig.

Persönlich sind wir vom 31.07. bis 14.09.2026 nicht erreichbar. E-Mails beantworten wir ab dem 15.09.2026 in der Reihenfolge des Eingangs. Terminvereinbarungen sind ab dann wieder möglich.

Ihr lern.de – Team

💡 Mehr auf lern.de

Entdecke weitere kostenlose Lernangebote für deine Schulart:

MathematikErklärseiten, Aufgabengenerator & Live-QuizEnglischKostenlose Erklärseiten nach LehrplanPLUS