Englisch Realschule Bayern · Klasse 10 · Kommunikative Kompetenzen: Sprachmittlung (LehrplanPLUS)
Mediation – Sprachmittlung Schritt für Schritt
Stell dir vor, deine Austauschpartnerin versteht einen deutschen Aushang nicht, oder ein Gast aus England braucht die wichtigsten Infos aus einem deutschen Flyer. Genau das ist Mediation: Du gibst den Inhalt eines Textes sinngemäß in einer anderen Sprache wieder – für eine bestimmte Person und einen bestimmten Zweck. In der Abschlussprüfung ist Mediation ein eigener Aufgabenteil, und die gute Nachricht ist: Mit einem klaren Arbeitsweg lässt sie sich gut trainieren. Auf dieser Seite lernst du, was Mediation ist, was sie nicht ist, und wie du systematisch vorgehst.
1. Was Mediation ist – und was sie nicht ist
Der häufigste Fehler bei der Mediation: Schüler versuchen, den Ausgangstext Wort für Wort zu übersetzen. Das ist genau nicht das Ziel. Mediation bedeutet, den Inhalt sinngemäß für eine bestimmte Person in einer bestimmten Situation wiederzugeben – nicht jedes Wort, sondern das, was diese Person tatsächlich braucht.
| Mediation ist … | Mediation ist nicht … |
|---|---|
| sinngemäße Wiedergabe des Wichtigen | eine Wort-für-Wort-Übersetzung |
| auf eine bestimmte Person zugeschnitten | für ein anonymes Publikum geschrieben |
| eine Auswahl der relevanten Informationen | eine vollständige Nacherzählung von allem |
Merke: Mediation heißt vermitteln, nicht übersetzen. Du bist die Brücke zwischen einem Text und einer Person, die ihn nicht selbst lesen kann – du entscheidest, was für diese Person wichtig ist und formulierst es in eigenen Worten in der Zielsprache.
2. Die drei Fragen vor dem Schreiben
Bevor du auch nur einen Satz schreibst, klärst du drei Fragen. Sie entscheiden darüber, was in deinen Zieltext gehört und was nicht.
| Frage | Was sie dir zeigt |
|---|---|
| Wer braucht die Information? | bestimmt Sprache, Höflichkeitsgrad und Tonfall (z. B. Austauschschüler vs. Reisegruppe) |
| Wozu braucht diese Person die Information? | bestimmt, worauf du den Fokus legst (z. B. um eine Entscheidung zu treffen) |
| Was davon ist wirklich wichtig? | trennt Kerninformation von Nebensächlichem, das du weglassen darfst |
Merke: Diese drei Fragen sind dein Filter. Alles, was für die genannte Person in der genannten Situation nicht wichtig ist, darfst und sollst du weglassen – auch wenn es im Ausgangstext steht.
3. Der Arbeitsweg in fünf Schritten
Mit einem festen Ablauf verlierst du dich nicht im Text und vergisst nichts Wichtiges.
| Schritt | Was du tust |
|---|---|
| 1. Aufgabenstellung lesen | genau klären: Wer, wozu, welche Textsorte als Ergebnis? |
| 2. Ausgangstext überfliegen | dir einen Überblick verschaffen, worum es insgesamt geht |
| 3. Relevante Stellen markieren | nur das anstreichen, was zu den drei Fragen passt |
| 4. Notizen machen | Stichpunkte in der Zielsprache, nicht ganze Sätze aus dem Original abschreiben |
| 5. Zieltext schreiben und prüfen | aus den Notizen einen zusammenhängenden Text formulieren, danach gegen die Aufgabenstellung prüfen |
4. Die zwei Richtungen
Mediation kann in beide Richtungen verlangt werden – du solltest auf beide vorbereitet sein.
| Richtung | Beispiel |
|---|---|
| deutscher Ausgangstext → englische Wiedergabe | deutscher Museumsflyer → E-Mail auf Englisch an eine Austauschschülerin |
| englischer Ausgangstext → deutsche Wiedergabe | englische Broschüre für Gäste → mündliche Erklärung auf Deutsch für deine Eltern |
Merke: Der Arbeitsweg aus Schritt 3 funktioniert in beide Richtungen gleich – nur die Sprache von Ausgangstext und Zieltext tauschen die Seiten.
5. Nützliche Redemittel
Feste Wendungen helfen dir, im Zieltext klar zu machen, dass du eine Quelle wiedergibst, ohne sie wörtlich zu zitieren.
| Englisch | Wann du es benutzt |
|---|---|
| The text says that … | um eine Kerninformation aus dem Ausgangstext einzuleiten |
| According to the article … | um dich auf einen Zeitungs- oder Sachtext zu beziehen |
| It also mentions … | um eine zweite, ergänzende Information anzuhängen |
| You could … | um der Zielperson einen Vorschlag oder Rat weiterzugeben |
| In the leaflet it says … | um dich auf einen Flyer oder Prospekt zu beziehen |
6. Umgang mit unbekannten Wörtern und typische Aufgabenformate
Steht im Ausgangstext ein Wort, das du nicht kennst, gibt es einen sicheren Trick: umschreiben statt raten. Nutze einen Oberbegriff oder erkläre die Funktion des Wortes, statt ein falsches Wort zu erfinden. Aus der Aufzug wird notfalls einfach a machine that takes you upstairs – das reicht völlig, wenn lift dir gerade nicht einfällt.
| Typisches Aufgabenformat | Beispiel |
|---|---|
| E-Mail an einen Austauschschüler | Erkläre auf Englisch, was in einem deutschen Aushang zum Schulausflug steht. |
| mündliche Erklärung für Gäste | Fasse auf Deutsch zusammen, was ein englischer Museumsführer gerade gesagt hat. |
| Zusammenfassung eines Prospekts | Schreibe auf Englisch, welche Informationen aus einem deutschen Flyer für einen Gast wichtig sind. |
Beispiel: Deutscher Ausgangstext (Museumsflyer): „Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag geöffnet, montags ist Ruhetag. Schulklassen müssen sich für Führungen mindestens eine Woche vorher anmelden.“
Situation: Deine Austauschpartnerin Emma möchte wissen, ob ihre Klasse das Museum am Montag besuchen kann.
Passende Mediation: „Sorry, the museum is closed on Mondays – it’s only open from Tuesday to Sunday. If your class wants a guided tour, you have to book at least a week in advance.“ Beachte: Details zu Garderobe oder Aufzug fehlen bewusst, weil Emma danach nicht gefragt hat.
7. Landeskunde: Englisch als internationale Verkehrssprache
English has become the language that people from very different countries use to understand each other, even when it is nobody’s first language. Imagine a youth camp with teenagers from Germany, Japan and Brazil: they probably won’t speak German, Japanese or Portuguese to each other, but English works for everyone in the group.
This is why mediation matters so much in real life. When guests from abroad visit your school or your town, someone has to explain signs, timetables and instructions to them. When you travel, you rely on other people doing the same for you. Being able to pick out the important information from a text and pass it on clearly is a skill you will use again and again, at school and beyond.
English is also the language of many international projects and partnerships – school exchanges, youth camps, sports teams and volunteer programmes often bring people together across borders. In all of these situations, someone who can mediate between languages and cultures makes cooperation so much easier.
Vokabelhilfe
| Englisch | Deutsch |
|---|---|
| lingua franca | Verkehrssprache, gemeinsame Verständigungssprache |
| to mediate | vermitteln |
| exchange programme | Austauschprogramm |
| host family | Gastfamilie |
| mutual understanding | gegenseitiges Verständnis |
| to pass on information | Informationen weitergeben |
| cooperation | Zusammenarbeit |
| native speaker | Muttersprachler, Muttersprachlerin |
Gut zu wissen: Weltweit sprechen deutlich mehr Menschen Englisch als Fremdsprache denn als Muttersprache. Genau deshalb läuft so viel internationale Kommunikation – auf Reisen, bei Austauschprogrammen, in der Wissenschaft und im Handel – über Englisch als gemeinsame Brücke, auch wenn keiner der Beteiligten Englisch als erste Sprache gelernt hat.
8. Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
| Falsch | Richtig | Warum? |
|---|---|---|
| Wort für Wort übersetzen | den Inhalt sinngemäß in eigenen Worten wiedergeben | Mediation ist keine Übersetzung, sondern Vermittlung von Inhalt. |
| alle Details aus dem Ausgangstext übernehmen | nur das auswählen, was für die Zielperson wichtig ist | Unwichtige Details lenken vom Wesentlichen ab. |
| die eigene Meinung dazuschreiben | nur wiedergeben, was im Ausgangstext steht | Mediation gibt fremden Inhalt wieder, keine eigene Bewertung. |
| bei einem unbekannten Wort raten | das Wort umschreiben oder einen Oberbegriff nutzen | Umschreiben ist sicherer als ein falsch geratenes Wort. |
| die Zielperson ignorieren | Sprache und Ton an Wer und Wozu anpassen | Dieselbe Information klingt für eine Freundin anders als für eine Lehrkraft. |
| ganze Sätze aus dem Original abschreiben | Notizen machen und daraus einen eigenen Text formulieren | Abgeschriebene Sätze zeigen nicht, dass du den Inhalt verstanden hast. |
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