IBV · Fachoberschule Bayern · Jahrgangsstufe 12 · NEUER LehrplanPLUS

gültig ab 2027/28ca. 42 UEHGBIFRSBewertungFinanzierung

Alle Inhalte dieser Seite folgen dem offiziellen LehrplanPLUS Bayern.

Jahresabschlussarbeiten nach nationaler und internationaler Rechnungslegung durchführen und Finanzierungsvorgänge analysieren

Dieser Lernbereich verbindet Rechnungswesen, Bilanzpolitik und Finanzierung. Im Mittelpunkt steht nicht nur die Frage, wie ein Vermögensgegenstand bewertet wird. Schülerinnen und Schüler sollen erkennen, warum HGB und IFRS unterschiedliche Informationsschwerpunkte setzen, wie Bewertungsentscheidungen Erfolg, Vermögen und Schulden verändern und welche Finanzierung zu den finanzwirtschaftlichen Zielen eines Unternehmens passt.

UNTERNEHMER AG: Zum Jahresende müssen Grundstücke, Gebäude sowie Fremdwährungsforderungen und -verbindlichkeiten bewertet werden. Gleichzeitig soll eine größere Investition finanziert werden. Vorstand, Kreditgeber, Anteilseigner und weitere Stakeholder betrachten dieselben Zahlen aus unterschiedlichen Perspektiven.

Inhalt

  1. Bestandteile des Jahresabschlusses
  2. Adressaten und Informationsgehalt
  3. Aufbau der Bilanz
  4. Bilanzveränderungen
  5. Erfolgswirksame Vorgänge
  6. HGB und IFRS
  7. Bewertungsgrundsätze
  8. Bewertungsmaßstäbe
  9. Grundstücke
  10. Gebäude
  11. Fremdwährungsforderungen
  12. Fremdwährungsverbindlichkeiten
  13. Bilanzpolitische Wirkungen
  14. Finanzierungsarten
  15. Kreditfinanzierung
  16. Annuitätendarlehen
  17. Offene Selbstfinanzierung
  18. Finanzwirtschaftliche Ziele
  19. Zielkonflikte
  20. Gesamtfall

1. Bestandteile des Jahresabschlusses nach HGB

Der Lehrplan verlangt Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung und Anhang sowie ergänzend den Lagebericht. Die Instrumente erfüllen unterschiedliche Informationsfunktionen und müssen deshalb gemeinsam betrachtet werden.

Bestandteil Kernfrage Informationsgehalt
Bilanz Welche Vermögenswerte und Kapitalquellen bestehen am Stichtag? Vermögens- und Finanzlage
GuV Welche Aufwendungen und Erträge führten zum Periodenerfolg? Ertragslage
Anhang Welche zusätzlichen Erläuterungen sind für das Verständnis nötig? Ergänzung und Erläuterung der Abschlusszahlen
Lagebericht Wie sind Geschäftsverlauf, Lage sowie wesentliche Entwicklungen einzuordnen? verbale/qualitative Ergänzung der Rechnungslegung
UNTERNEHMERAG BilanzGuVAnhangLagebericht

2. Informationsinteressen interner und externer Anspruchsgruppen

Anspruchsgruppe typische Informationsinteressen
Unternehmensleitung Erfolg, Finanzierungsspielraum, Vermögensstruktur, Risiken
Eigenkapitalgeber Ertrag, Ausschüttungspotenzial, Unternehmensentwicklung
Kreditgeber Liquidität, Verschuldung, Sicherheiten, Rückzahlungsfähigkeit
Lieferanten Zahlungsfähigkeit und Stabilität
Beschäftigte Bestand und Entwicklung des Unternehmens
Prüfungslogik: Nicht pauschal schreiben „Der Jahresabschluss informiert Stakeholder“. Immer konkrete Abschlussinformation → konkrete Anspruchsgruppe → konkrete Entscheidung verknüpfen.

3. Grundlegender Aufbau einer Bilanz

Die Aktivseite zeigt die Mittelverwendung, die Passivseite die Mittelherkunft. Der Lehrplan verlangt insbesondere die Abgrenzung von Anlage- und Umlaufvermögen sowie Eigen- und Fremdkapital. Als Gliederungsprinzipien werden Liquidität und Fristigkeit betrachtet.

AKTIVAPASSIVA AnlagevermögenUmlaufvermögenEigenkapitalFremdkapital

4. Vier erfolgsneutrale Bilanzveränderungen

Typ Wirkung Beispiel
Aktivtausch Aktivposten + / anderer Aktivposten − Kauf einer Maschine gegen Bankzahlung
Passivtausch Passivposten + / anderer Passivposten − kurzfristige Schuld wird in Darlehen umgewandelt
Aktiv-Passiv-Mehrung Aktiva + / Passiva + Kauf auf Ziel
Aktiv-Passiv-Minderung Aktiva − / Passiva − Begleichung einer Lieferantenverbindlichkeit per Bank
AKTIVTAUSCHA + / A − · Bilanzsumme gleichPASSIVTAUSCHP + / P − · Bilanzsumme gleichA-P-MEHRUNGA + / P + · Bilanzsumme steigtA-P-MINDERUNGA − / P − · Bilanzsumme sinkt

5. Erfolgswirksame Geschäftsvorfälle

Aufwendungen mindern, Erträge erhöhen grundsätzlich den Periodenerfolg. Am Periodenende führt der Saldo zum Jahresüberschuss oder Jahresfehlbetrag und wirkt damit auf das Eigenkapital.

Jahresergebnis = Erträge − Aufwendungen
Erträge > Aufwendungen → Jahresüberschuss
Erträge < Aufwendungen → Jahresfehlbetrag
Beispiel: Die UNTERNEHMER AG schreibt ein Gebäude außerplanmäßig um 80.000 € ab. Der Aufwand steigt um 80.000 €. Bei ansonsten unveränderten Größen sinken Jahresergebnis und bilanzielles Vermögen um 80.000 €.

6. HGB und IFRS – unterschiedliche Rechnungslegungsperspektiven

Der Lehrplan verlangt eine bewusste Unterscheidung zwischen nationaler Rechnungslegung nach HGB und internationaler Rechnungslegung nach IFRS. Im Unterricht werden insbesondere vorrangige Zielgruppe, wesentlicher Zweck und allgemeine Bewertungsgrundsätze gegenübergestellt.

Aspekt HGB – didaktischer Schwerpunkt IFRS – didaktischer Schwerpunkt
Informationsperspektive Gläubigerschutz und vorsichtige Erfolgsermittlung sind prägend entscheidungsnützliche Information für Kapitalmarktadressaten steht stärker im Vordergrund
Bewertungsleitbild u. a. Vorsichtsprinzip u. a. Fair Presentation
Folge Risiken und Wertminderungen werden vorsichtig berücksichtigt wirtschaftliche Verhältnisse sollen sachgerecht dargestellt werden
Wichtig: HGB und IFRS nicht mit „schlecht gegen gut“ oder „vorsichtig gegen realistisch“ vereinfachen. Es handelt sich um unterschiedliche Rechnungslegungssysteme mit unterschiedlichen Zielsetzungen und Regeln.
HGBnationalVorsichtsprinzipGläubigerschutz prägend IFRSinternationalFair PresentationKapitalmarktinformation

7. Bewertungsgrundsätze und unternehmerische Zielsetzungen

Bewertung ist kein isolierter Rechenschritt. Ein Bilanzansatz beeinflusst gleichzeitig Vermögenshöhe, Periodenerfolg und häufig Kennzahlen. Deshalb fordert der Lehrplan ausdrücklich, die Bewertungsentscheidung zu begründen und ihre Auswirkungen auf Erfolg sowie Vermögen bzw. Schulden zu beurteilen.

BEWERTUNGS-ENTSCHEIDUNG Vermögen / SchuldenErfolgStakeholder / Kennzahlen

8. Bewertungsmaßstäbe: Anschaffungskosten und beizulegender Wert

Die Anschaffungskosten bilden einen zentralen Ausgangspunkt der Bewertung. Der beizulegende Wert wird im Lehrplan als weiterer Bewertungsmaßstab aufgegriffen. Entscheidend ist stets: Welcher Wert ist nach dem jeweiligen Rechnungslegungssystem und für den konkreten Bilanzposten anzusetzen?

Anschaffungskosten = Anschaffungspreis + Anschaffungsnebenkosten − Anschaffungspreisminderungen
soweit die jeweiligen Bestandteile dem Vermögensgegenstand zurechenbar sind.
Grundstück: Kaufpreis 900.000 €, zurechenbare Anschaffungsnebenkosten 70.000 €, Preisnachlass 20.000 € → Anschaffungskosten = 950.000 €.

9. Nicht abnutzbares Sachanlagevermögen: Grundstücke

Grundstücke werden nicht planmäßig abgeschrieben, weil ihre Nutzung nicht allein durch Zeitablauf verbraucht wird. Treten jedoch Wertminderungen ein, muss geprüft werden, ob und in welcher Höhe eine außerplanmäßige Abschreibung vorzunehmen ist. Verbessert sich der Wert später, ist eine mögliche Wertaufholung nach den jeweils anzuwendenden Regeln zu untersuchen.

UNTERNEHMER AG: Anschaffungskosten eines Grundstücks: 950.000 €. Zum Bilanzstichtag liegt der für die Aufgabe maßgebliche niedrigere Wert bei 760.000 €.
Wertminderung: 950.000 − 760.000 = 190.000 €.
Die konkrete Bilanzierung ist anschließend getrennt nach HGB und IFRS zu begründen.
Anschaffungs-kostenStichtagswertermittelnHGB / IFRSRegel prüfenBilanzansatz +Erfolgswirkung

Wertaufholung verstehen

Steigt ein zuvor geminderter Wert wieder, darf nicht einfach irgendein höherer Betrag angesetzt werden. In einer Prüfungsaufgabe sind die Vorgaben des jeweiligen Rechnungslegungssystems und die maßgeblichen Obergrenzen zu beachten. Der Lösungsweg sollte immer Ausgangswert, Wertminderung, neuen Stichtagswert, zulässigen Ansatz und Erfolgswirkung sichtbar machen.

10. Abnutzbares Sachanlagevermögen: Gebäude

Bei Gebäuden kommt zur außerplanmäßigen Wertminderung die planmäßige lineare Abschreibung. Die planmäßige Abschreibung verteilt die abschreibungsfähige Basis systematisch auf die Nutzungsdauer.

lineare Jahresabschreibung = Abschreibungsbasis / Nutzungsdauer
Anschaffungskosten Gebäude: 1.200.000 €; Nutzungsdauer: 40 Jahre.
Jahresabschreibung = 1.200.000 / 40 = 30.000 €.
Nach fünf vollen Jahren beträgt der rechnerische Buchwert ohne zusätzliche Wertminderung: 1.200.000 − 5 × 30.000 = 1.050.000 €.
BuchwertNutzungsdauergleichmäßige Wertminderung

Außerplanmäßige Abschreibung zusätzlich zur planmäßigen Abschreibung

Buchwert nach planmäßiger Abschreibung: 1.050.000 €. Maßgeblicher niedrigerer Wert: 820.000 €. Zusätzlicher Wertminderungsbedarf: 230.000 €. Die Bilanzierung und spätere Wertaufholung werden wiederum systembezogen nach HGB bzw. IFRS geprüft.
Typischer Fehler: Anschaffungskosten direkt mit dem aktuellen Wert vergleichen, obwohl zuvor bereits planmäßige Abschreibungen berücksichtigt werden müssen.

11. Umlaufvermögen: Fremdwährungsforderungen

Bei Fremdwährungsforderungen entsteht neben dem ursprünglichen Forderungsbetrag ein Wechselkursrisiko. Zwischen Entstehung der Forderung, Bilanzstichtag und Zahlung können sich Euro-Gegenwerte verändern. Der Lehrplan verlangt die Bewertung sowohl nach HGB als auch nach IFRS.

Euro-Wert = Fremdwährungsbetrag × Euro-Wert einer Einheit Fremdwährung
oder – bei Kursnotierung „Fremdwährung je Euro“ – entsprechend durch den Kurs teilen.
Beispiel: Forderung 100.000 USD. Bei Entstehung entspricht 1 USD = 0,90 € → 90.000 €. Am Stichtag 1 USD = 0,94 € → rechnerischer Stichtagswert 94.000 €. Es liegt rechnerisch eine positive Kursdifferenz von 4.000 € vor. Ob und wie diese im Abschluss berücksichtigt wird, ist anschließend nach HGB und IFRS zu entscheiden.
Entstehung90.000 €Bilanzstichtag94.000 €ZahlungRealisierung

12. Fremdkapital: Fremdwährungsverbindlichkeiten

Bei Fremdwährungsverbindlichkeiten wirkt die Kursbewegung spiegelbildlich: Steigt der Euro-Gegenwert der geschuldeten Fremdwährung, erhöht sich die wirtschaftliche Belastung des Unternehmens.

Verbindlichkeit: 200.000 USD. Entstehungswert bei 0,90 €/USD = 180.000 €. Stichtagswert bei 0,94 €/USD = 188.000 €. Rechnerische Mehrbelastung: 8.000 €. Auch hier ist der zulässige Bilanzansatz getrennt nach HGB und IFRS zu begründen.
FORDERUNGEuro-Gegenwert ↑wirtschaftlicher Wert ↑VERBINDLICHKEITEuro-Gegenwert ↑wirtschaftliche Belastung ↑

13. Bewertung immer bis zur Erfolgswirkung durchdenken

Vorgang Bilanzwirkung mögliche Erfolgswirkung
außerplanmäßige Abschreibung Grundstück/Gebäude Vermögenswert sinkt Aufwand steigt → Ergebnis sinkt
Wertaufholung Vermögenswert steigt Ergebnis kann steigen
höherer Wert einer Fremdwährungsforderung Forderungswert kann steigen möglicher Kursgewinn abhängig von Regelwerk
höherer Wert einer Fremdwährungsverbindlichkeit Schuldenwert kann steigen möglicher Kursverlust abhängig von Regelwerk
Die zentrale IBV-Frage lautet deshalb: Welcher Wert ist nach dem anzuwendenden Regelwerk anzusetzen – und was bedeutet dieser Ansatz für Jahresergebnis, Vermögen bzw. Schulden und die Informationsinteressen der Stakeholder?

14. Finanzierung nach Rechtsstellung und Kapitalherkunft

Der Lehrplan ordnet Finanzierung nach zwei Perspektiven: Rechtsstellung der Kapitalgeber und Kapitalherkunft. Als konkrete Beispiele werden Kreditfinanzierung und offene Selbstfinanzierung behandelt.

Außenfinanzierung Innenfinanzierung
Eigenfinanzierung Kapitalzuführung durch Eigentümer offene Selbstfinanzierung durch einbehaltene Gewinne
Fremdfinanzierung Kreditfinanzierung weitere Formen sind für diese Lehrplanstelle nicht der Schwerpunkt
KapitalherkunftAußenInnenEigenkapitalFremdkapitalBeteiligungoffene SelbstfinanzierungKreditfinanzierung

15. Kreditfinanzierung

Kreditfinanzierung stellt dem Unternehmen Fremdkapital für einen vereinbarten Zeitraum zur Verfügung. Kreditgeber erhalten vertraglich vereinbarte Zinsen und Rückzahlung, erwerben aber grundsätzlich keine Eigentümerstellung.

Vorteile Nachteile/Risiken
Finanzierung ohne Abgabe von Eigentumsrechten Zins- und Tilgungszahlungen belasten Liquidität
Investitionen können früher realisiert werden Verschuldung und Abhängigkeit von Kapitalgebern steigen
planbare Zahlungsstruktur möglich Kreditwürdigkeit und Sicherheiten relevant

16. Annuitätendarlehen: Zins- und Tilgungsplan

Beim Annuitätendarlehen bleibt die regelmäßige Gesamtzahlung – die Annuität – innerhalb der betrachteten Zinsbindungs-/Modellannahmen konstant. Da die Restschuld sinkt, nimmt der Zinsanteil ab und der Tilgungsanteil zu.

Zinsen = Restschuld zu Periodenbeginn × Zinssatz
Tilgung = Annuität − Zinsen
neue Restschuld = alte Restschuld − Tilgung
UNTERNEHMER AG: Darlehen 100.000 €, Zinssatz 5 %, modellhafte Annuität 23.097,48 €.
Jahr Restschuld Beginn Zinsen 5 % Annuität Tilgung Restschuld Ende
1 100.000,00 € 5.000,00 € 23.097,48 € 18.097,48 € 81.902,52 €
2 81.902,52 € 4.095,13 € 23.097,48 € 19.002,35 € 62.900,17 €
3 62.900,17 € 3.145,01 € 23.097,48 € 19.952,47 € 42.947,70 €
4 42.947,70 € 2.147,39 € 23.097,48 € 20.950,09 € 21.997,61 €
5 21.997,61 € 1.099,88 € 23.097,49 €* 21.997,61 € 0,00 €

*Letzte Rate rundungsbedingt angepasst.

Annuität konstant – Zinsanteil ↓ – Tilgungsanteil ↑Jahr 1 → Jahr 5

Warum steigt der Tilgungsanteil?

Die Zinsen werden auf die jeweilige Restschuld berechnet. Weil die Restschuld durch jede Tilgung sinkt, sinkt im Folgejahr der Zinsbetrag. Bleibt die Annuität konstant, wird der frei werdende Teil automatisch zu zusätzlicher Tilgung.

17. Offene Selbstfinanzierung

Bei der offenen Selbstfinanzierung verbleiben erwirtschaftete und im Abschluss erkennbare Gewinne im Unternehmen, statt vollständig ausgeschüttet zu werden. Dadurch wird Eigenkapital aus dem Unternehmen selbst heraus gestärkt.

Gewinnnicht vollständigausschüttenEigenkapital ↑Finanzierungs-spielraum ↑
Chance mögliche Grenze
Unabhängigkeit von Fremdkapitalgebern kann steigen nur möglich, wenn ausreichende Gewinne entstehen
Eigenkapitalbasis wird gestärkt Eigentümer verzichten auf mögliche Ausschüttungen
Liquidität wird nicht durch Zins/Tilgung belastet Gewinn ist nicht automatisch identisch mit frei verfügbarer Liquidität

18. Die fünf finanzwirtschaftlichen Ziele

Der neue Lehrplan nennt ausdrücklich Rentabilität, Liquidität, Sicherheit, Unabhängigkeit und Kreditwürdigkeit. Finanzierungsmöglichkeiten sind nicht abstrakt als „gut“ oder „schlecht“ zu bewerten, sondern danach, wie sie diese Ziele beeinflussen.

FINANZIERUNGS-ENTSCHEIDUNG RentabilitätLiquiditätSicherheitUnabhängigkeitKreditwürdigkeit
Ziel Leitfrage
Rentabilität Welche Rendite wird mit dem eingesetzten Kapital erzielt?
Liquidität Kann das Unternehmen fällige Zahlungen fristgerecht leisten?
Sicherheit Wie widerstandsfähig ist die Finanzierung gegenüber Risiken?
Unabhängigkeit Wie stark ist das Unternehmen von externen Kapitalgebern abhängig?
Kreditwürdigkeit Wie beurteilen Kreditgeber die Fähigkeit und Bereitschaft zur Bedienung von Verpflichtungen?

19. Zielbeziehungen bei Finanzierungsentscheidungen

Finanzwirtschaftliche Ziele können harmonieren oder miteinander konkurrieren. Mehr Eigenkapital kann Sicherheit, Unabhängigkeit und Kreditwürdigkeit verbessern. Eine starke Gewinnthesaurierung kann jedoch Ausschüttungsinteressen der Eigentümer berühren. Fremdkapital kann Investitionen ermöglichen, erhöht aber feste Zahlungsansprüche.

Entscheidungsfall: Die UNTERNEHMER AG benötigt 1 Mio. € für eine Produktionsanlage. Variante A: Bankkredit. Variante B: Finanzierung aus einbehaltenen Gewinnen. Eine gute Beurteilung betrachtet nicht nur den Zinssatz, sondern Liquiditätsbelastung, Rentabilität, Sicherheit, Unabhängigkeit und Kreditwürdigkeit sowie die Interessen der Eigentümer.
FINANZIERUNGabwägen LiquiditätRentabilitätUnabhängigkeitSicherheit

20. Großer Gesamtfall: Jahresabschluss und Finanzierung der UNTERNEHMER AG

Zum 31.12. liegen folgende Sachverhalte vor:

Nr. Sachverhalt Arbeitsauftrag
1 Grundstück mit Anschaffungskosten 950.000 €, aktueller maßgeblicher Wert 760.000 €. Bilanzansatz nach HGB/IFRS begründen; Erfolgs- und Vermögenswirkung erläutern.
2 Gebäude AK 1,2 Mio. €, ND 40 Jahre, fünf Jahre genutzt; zusätzlicher Wertminderungsindikator. planmäßige Abschreibung, Buchwert und mögliche außerplanmäßige Abschreibung bestimmen.
3 USD-Forderung und USD-Verbindlichkeit mit verändertem Stichtagskurs. Euro-Gegenwerte berechnen und Bewertung nach beiden Systemen begründen.
4 Neue Investition benötigt 1 Mio. €. Kreditfinanzierung und offene Selbstfinanzierung anhand der fünf Ziele vergleichen.
5 Bank bietet Annuitätendarlehen an. Zins- und Tilgungsplan erstellen und Liquiditätswirkung analysieren.
UNTERNEHMER AGJahresabschluss HGB / IFRSGrundstückeGebäudeFremdwährungAnnuitätFinanzierungsziele

21. Methodenschema für Bewertungsaufgaben

  1. Bilanzposten identifizieren: Anlage-/Umlaufvermögen oder Fremdkapital?
  2. Ausgangswert ermitteln: z. B. Anschaffungskosten bzw. ursprünglicher Euro-Wert.
  3. Stichtagssituation berechnen: Buchwert, beizulegender Wert oder Fremdwährungsgegenwert.
  4. Rechnungslegungssystem bestimmen: HGB oder IFRS?
  5. Bewertungsregel anwenden und begründen.
  6. Bilanzansatz nennen.
  7. Erfolgswirkung bestimmen.
  8. Wirkung auf Vermögen bzw. Schulden beurteilen.
  9. gegebenenfalls unternehmerische Zielsetzung/Stakeholderperspektive diskutieren.

22. Typische Prüfungsfehler

Fehler Korrektur
Bilanz und GuV werden unabhängig betrachtet. Erfolgswirksame Bewertung verändert Ergebnis und Bilanzpositionen gemeinsam.
HGB und IFRS nur als Abkürzungen genannt. Zielgruppe, Zweck, Bewertungsgrundsatz und konkrete Wirkung verbinden.
Grundstück wird planmäßig abgeschrieben. Grundstück als nicht abnutzbares Sachanlagevermögen behandeln.
Gebäude wird direkt von AK auf Stichtagswert abgeschrieben. Zuerst planmäßige Abschreibung/Buchwert, danach zusätzliche Wertminderung prüfen.
Fremdwährungskurs ohne Notierungsprüfung eingesetzt. Zuerst klären, ob multipliziert oder dividiert werden muss.
Annuität = Tilgung. Annuität besteht aus Zins + Tilgung.
Gewinn = Liquidität. Erfolg und Zahlungsfähigkeit sind unterschiedliche Größen.
Finanzierung nur nach Kosten beurteilt. alle fünf finanzwirtschaftlichen Ziele einbeziehen.

23. Prüfungstraining auf hohem Niveau

1. Ordne acht Geschäftsvorfälle Aktivtausch, Passivtausch, Aktiv-Passiv-Mehrung, Aktiv-Passiv-Minderung oder Erfolgswirksamkeit zu und begründe die Bilanzwirkung.
2. Vergleiche HGB und IFRS hinsichtlich vorrangiger Zielgruppe, Zweck und Bewertungsgrundsätzen. Leite daraus ab, warum ein identischer wirtschaftlicher Sachverhalt unterschiedlich dargestellt werden kann.
3. Ermittle die Anschaffungskosten eines Grundstücks, prüfe eine Wertminderung und eine spätere Wertaufholung jeweils nach den in der Aufgabe vorgegebenen HGB-/IFRS-Regeln.
4. Berechne bei einem Gebäude lineare Abschreibung und Buchwert. Prüfe anschließend einen zusätzlichen Wertminderungsfall und erläutere die Ergebniswirkung.
5. Bewerte eine Fremdwährungsforderung zu Entstehungs- und Stichtagskurs. Begründe den Ansatz nach HGB und IFRS und analysiere die Auswirkung auf Vermögen und Erfolg.
6. Führe dieselbe Analyse für eine Fremdwährungsverbindlichkeit durch und erkläre, warum eine identische Kursbewegung wirtschaftlich anders wirkt.
7. Erstelle aus Darlehenssumme, Zinssatz und vorgegebener Annuität einen vollständigen Zins- und Tilgungsplan.
8. Vergleiche Kreditfinanzierung und offene Selbstfinanzierung anhand von Rentabilität, Liquidität, Sicherheit, Unabhängigkeit und Kreditwürdigkeit.
9. Bearbeite einen integrierten Fall, in dem eine Bewertungsentscheidung die Kreditwürdigkeit und damit eine anschließende Finanzierungsentscheidung beeinflusst.

24. Lernbereich auf einen Blick

Bereich Kerninstrument entscheidende Kompetenz
Jahresabschluss Bilanz, GuV, Anhang, Lagebericht Informationsgehalt beurteilen
Bilanzsystematik Aktiva/Passiva und Bilanzveränderungen Geschäftsvorfälle strukturell verstehen
Rechnungslegung HGB vs. IFRS Zielsetzung und Bewertungslogik unterscheiden
Sachanlagevermögen Grundstück/Gebäude planmäßige/außerplanmäßige Bewertung und Wertaufholung
Fremdwährung Forderung/Verbindlichkeit Kurswirkung und Bilanzansatz analysieren
Finanzierung Kredit/Selbstfinanzierung Finanzierungsalternativen beurteilen
Darlehen Annuitätenplan Zins-, Tilgungs- und Liquiditätswirkung erklären

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