IBV · Fachoberschule Bayern · Jahrgangsstufe 11 · Lernbereich 2 · gültig ab Schuljahr 2026/27

ca. 26 UnterrichtsstundenTeilkostenrechnungBreak-evenInvestitionsrechnungNutzwertanalyseKapitalwertUNTERNEHMER AG

Alle Inhalte dieser Seite folgen dem offiziellen LehrplanPLUS Bayern.

Den Erfolg betrieblichen Handelns mithilfe der Teilkostenrechnung analysieren und zukünftige Erfolgspotenziale durch Investitionen sichern

Unternehmerische Entscheidungen benötigen mehr als eine Zahl. Zuerst muss klar sein, welche Kosten sich mit der Beschäftigung verändern und welche unabhängig davon anfallen. Daraus lassen sich Deckungsbeitrag, Gewinnschwelle und die Wirkung veränderter Preise oder Kosten analysieren. Anschließend richtet sich der Blick nach vorne: Welche Investition ist wirtschaftlich und qualitativ sinnvoll – und wie verändert der Faktor Zeit die Entscheidung?

Durchgängiges Modellunternehmen: UNTERNEHMER AG. Die UNTERNEHMER AG produziert ein industrielles Serienprodukt. Zunächst wird die bestehende Kostenstruktur analysiert. Danach soll eine neue Fertigungsanlage beschafft werden. Damit verbindet der Lernbereich kurzfristige Erfolgsanalyse mit langfristiger Investitionsentscheidung.
Lehrplanfokus 2026/27: rechnerische Kostenaufspaltung in variable und fixe Kosten einschließlich kalkulatorischer Abschreibung vom Wiederbeschaffungswert und kalkulatorischer Zinsen; Break-even-Analyse im Einproduktunternehmen als Stück- und Gesamtbetrachtung; statische Investitionsrechnung einschließlich Rentabilität; Nutzwertanalyse mit qualitativen sowie ESG-/ESRS-Kriterien; Vergleich statischer und dynamischer Verfahren; Kapitalwertmethode.
Bewusste Abgrenzung zur älteren Teilkostenrechnung: Engpassrechnung/optimales Produktionsprogramm und Make-or-Buy aus dem bisherigen Skript werden hier nicht als Lernstoff dieses neuen Lernbereichs fortgeführt, weil sie in den verbindlichen Inhalten von IBV 11 LB2 ab 2026/27 nicht ausgewiesen sind.

Inhalt

  1. Fixe und variable Kosten
  2. Direkte Kostenaufspaltung
  3. Kalkulatorische Kosten
  4. Rechnerische Kostenaufspaltung
  5. Kosten- und Erlösfunktionen
  6. Deckungsbeitrag
  7. Break-even rechnerisch
  8. Break-even Gesamtbetrachtung
  9. Stückbetrachtung
  10. Einflussgrößen analysieren
  11. Investitionen
  12. Statische Investitionsrechnung
  13. Rentabilitätsrechnung
  14. Nutzwertanalyse
  15. ESG/ESRS-Kriterien
  16. Statisch vs. dynamisch
  17. Kapitalwertmethode
  18. Gesamtfall UNTERNEHMER AG
  19. Prüfungstraining
  20. Typische Fehler

1. Kosten in Abhängigkeit von der Beschäftigung

Variable Kosten verändern sich mit der Beschäftigung bzw. Ausbringungsmenge. Fixe Kosten fallen innerhalb des betrachteten Beschäftigungsbereichs unabhängig von der produzierten Menge an.

Kostenart bei x = 0 bei steigender Produktion Beispiele
variable Gesamtkosten KV 0 € steigen Fertigungsmaterial, mengenabhängiger Energieverbrauch
fixe Gesamtkosten KF fallen an bleiben im Modell konstant zeitabhängige Kosten, fixe Bestandteile
Gesamtkosten KG KF KF + KV Summe
Menge xKosten K_F K_V K_G
Variable Gesamtkosten: KV(x) = kv · x
Gesamtkosten: KG(x) = kv · x + KF

2. Direkte Kostenaufspaltung

Aus eurem bisherigen Skript übernehmen wir die didaktisch sinnvolle Grundidee: Sind Kostenbestandteile und ihr variables/fixes Verhalten bekannt, können sie direkt aufgeteilt werden. Einzelkosten sind im Beispiel variabel; Gemeinkosten werden entsprechend der Aufgabenangabe zerlegt.

Beispiel UNTERNEHMER AG – aus dem bisherigen Skript angepasst: FM 25,00 €, FL 20,00 €, SEKF 2,00 €, SEKVt 1,15 €. Zuschläge: MGK 40 %, FGK 20 %, VwGK 5 %, VtGK 10 %. Von den Gemeinkosten sind 20 % variabel und 80 % fix.
Kostenbestandteil gesamt € variabel € fix €
FM 25,00 25,00
MGK 10,00 2,00 8,00
FL 20,00 20,00
FGK 4,00 0,80 3,20
SEKF 2,00 2,00
VwGK 3,05 0,61 2,44
VtGK 6,10 1,22 4,88
SEKVt 1,15 1,15
Summe 71,30 52,78 18,52

Bei 1.250 Stück ergeben sich fixe Gesamtkosten von 18,52 € · 1.250 = 23.150,00 €. Damit lautet die Kostenfunktion:

KG(x) = 52,78 · x + 23.150

3. Kalkulatorische Abschreibung und kalkulatorische Zinsen

Hier erweitert der neue Lehrplan die Kostenaufspaltung ausdrücklich. Bei der rechnerischen Trennung müssen auch kalkulatorische Kosten korrekt berücksichtigt werden.

Kalkulatorische Abschreibung vom Wiederbeschaffungswert

Die kalkulatorische Abschreibung orientiert sich am Wiederbeschaffungswert, weil die Kostenrechnung die langfristige Substanzerhaltung des Betriebs unterstützen soll.

kalkulatorische Abschreibung pro Jahr = Wiederbeschaffungswert / betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer
Beispiel: Eine Maschine der UNTERNEHMER AG hat einen Wiederbeschaffungswert von 240.000 € und eine Nutzungsdauer von 8 Jahren.
kalk. Abschreibung = 240.000 / 8 = 30.000 € pro Jahr.
Wiederbeschaffungswert240.000 €Nutzungsdauer8 Jahrekalk. Abschreibung30.000 €/Jahr ÷=

Kalkulatorische Zinsen

Kalkulatorische Zinsen erfassen die Verzinsung des im Unternehmen gebundenen betriebsnotwendigen Kapitals. Bei linearer Abschreibung wird bei einer abnutzbaren Anlage typischerweise mit dem durchschnittlich gebundenen Kapital gearbeitet.

durchschnittlich gebundenes Kapital = (Anschaffungswert + Restwert) / 2
kalkulatorische Zinsen = durchschnittlich gebundenes Kapital · Zinssatz / 100
Beispiel: Anschaffungswert 200.000 €, Restwert 20.000 €, Zinssatz 6 %.
Ø gebundenes Kapital = (200.000 + 20.000) / 2 = 110.000 €.
kalk. Zinsen = 110.000 · 0,06 = 6.600 € pro Jahr.
Prüfungsfalle: Wiederbeschaffungswert und Anschaffungswert erfüllen hier unterschiedliche Funktionen. Die kalkulatorische Abschreibung wird laut neuem Lehrplan ausdrücklich vom Wiederbeschaffungswert betrachtet. Bei den kalkulatorischen Zinsen ist genau auf die Angaben der Aufgabe und die verwendete Kapitalbasis zu achten.

4. Rechnerische Kostenaufspaltung aus zwei Beschäftigungssituationen

Dieses Verfahren aus eurem Skript passt sehr gut zum neuen Lehrplan. Liegen zwei Beschäftigungsmengen und die jeweiligen Gesamtkosten vor, lässt sich bei linearem Kostenverlauf zuerst kv und anschließend KF bestimmen.

UNTERNEHMER AG: April: 1.750 Stück, Gesamtkosten 108.750 €. Mai: 1.500 Stück, Gesamtkosten 97.500 €.
Monat Menge Gesamtkosten
April 1.750 108.750 €
Mai 1.500 97.500 €
Differenz 250 11.250 €
kv = ΔK / Δx = 11.250 / 250 = 45 €/St.
KF = 108.750 − 45 · 1.750 = 30.000 €
KG(x) = 45x + 30.000
1.5001.750Steigung = variable StückkostenK_F

5. Kosten-, Erlös- und Gewinnfunktion

Kosten: K(x)=kvx+KF
Erlös: E(x)=p·x
Gewinn: G(x)=E(x)−K(x)=(p−kv)x−KF

Bei p = 75 €, kv = 45 € und KF = 30.000 € gilt: E(x)=75x, K(x)=45x+30.000 und G(x)=30x−30.000.

6. Deckungsbeitrag

Der Stückdeckungsbeitrag zeigt, welcher Betrag nach Abzug der variablen Stückkosten vom Verkaufspreis übrig bleibt, um die Fixkosten zu decken und anschließend Gewinn zu erwirtschaften.

db = p − kv
DB = db · x
BE = DB − KF
Aus eurem Skript: Kapazität 2.000 Stück, Beschäftigungsgrad 80 %, also x=1.600 Stück. p=75 €, kv=45 €, KF=30.000 €.
Rechenschritt je Stück Gesamt
Erlös 75,00 €
− variable Kosten 45,00 €
= Deckungsbeitrag 30,00 € 48.000 €
− fixe Kosten 30.000 €
= Betriebsergebnis 18.000 €

7. Break-even rechnerisch

An der Gewinnschwelle sind Erlös und Gesamtkosten gleich. Der Gewinn beträgt null. Der Lehrplan verlangt ausdrücklich die Gewinnschwellenmenge und die Analyse ihrer Einflussgrößen.

xBEP = KF / (p − kv) = KF / db
xBEP = 30.000 / (75−45) = 30.000 / 30 = 1.000 Stück.
Break-even-Umsatz = 1.000 · 75 = 75.000 €.

8. Break-even – Gesamtbetrachtung

Menge x E(x) K_G(x) K_F 1.000 = BEP VerlustzoneGewinnzone Abstand E−K = Gewinn DB = E−K_V

Unterhalb von 1.000 Stück reicht der gesamte Deckungsbeitrag nicht zur Deckung der Fixkosten. Oberhalb der Gewinnschwelle entsteht Gewinn – solange die Modellannahmen und Kapazitätsgrenzen gelten.

9. Stückbetrachtung

Der neue Lehrplan verlangt zusätzlich die Stückbetrachtung. Bei linearem Kostenverlauf bleiben p und kv konstant. Die fixen Stückkosten KF/x sinken mit wachsender Menge, weil dieselben Fixkosten auf mehr Stück verteilt werden.

pk_v k_f k_g BEPp − k_g = Gewinn/St.

10. Einflussgrößen der Gewinnschwelle

Die Schülerinnen und Schüler sollen nicht nur eine Formel einsetzen, sondern Änderungen der Einflussgrößen analysieren.

Änderung Wirkung auf db typische Wirkung auf xBEP
Verkaufspreis p steigt db steigt BEP sinkt
variable Stückkosten kv steigen db sinkt BEP steigt
Fixkosten KF steigen db unverändert BEP steigt
Fixkosten sinken db unverändert BEP sinkt
Parameteranalyse: Ausgangslage KF=30.000 €, p=75 €, kv=45 € → BEP=1.000 St.
Preis sinkt auf 70 € → db=25 € → BEP=1.200 St.
kv steigt auf 50 € → db=25 € → BEP=1.200 St.
KF steigt auf 36.000 € → db=30 € → BEP=1.200 St.
BEP wandert je nach Parameter

11. Von der Erfolgsanalyse zur Investitionsentscheidung

Der zweite große Teil des Lernbereichs wechselt die Perspektive. Teilkostenrechnung analysiert die bestehende Erfolgsstruktur; Investitionsrechnung beurteilt zukünftige Alternativen. Eine Investition bindet Kapital heute, um zukünftige Nutzen- bzw. Zahlungswirkungen zu erzielen.

Erfolg analysierenKosten · DB · BEPAlternativen beurteilenquantitativ + qualitativPotenziale sichernInvestitionsentscheidung

12. Statische Investitionsrechnung

Statische Verfahren arbeiten typischerweise mit durchschnittlichen Periodenwerten. Der neue Lehrplan nennt statische Investitionsrechenverfahren, u. a. Rentabilitätsrechnung. Für das Verständnis lohnt sich der Zusammenhang von Kosten, Gewinn und Rentabilität.

Investitionsalternativen der UNTERNEHMER AG:
Anlage A: Anschaffung 240.000 €, Restwert 20.000 €, Nutzungsdauer 8 Jahre, durchschnittlicher Jahresgewinn 24.000 €.
Anlage B: Anschaffung 300.000 €, Restwert 20.000 €, Nutzungsdauer 8 Jahre, durchschnittlicher Jahresgewinn 28.000 €.
Durchschnittsperiode statt exakter Zahlungszeitpunktevereinfachte statische Betrachtung

13. Rentabilitätsrechnung

Rentabilität setzt den durchschnittlichen Gewinn ins Verhältnis zum durchschnittlich gebundenen Kapital. Sie beantwortet damit nicht nur „Wie viele Euro Gewinn?“, sondern „Wie gut verzinst sich das eingesetzte Kapital?“

durchschnittlich gebundenes Kapital = (Anschaffungswert + Restwert) / 2
Rentabilität = durchschnittlicher Gewinn / durchschnittlich gebundenes Kapital · 100
Anlage A Anlage B
Ø Gewinn 24.000 € 28.000 €
Ø gebundenes Kapital (240.000+20.000)/2 = 130.000 € (300.000+20.000)/2 = 160.000 €
Rentabilität 18,46 % 17,50 %
Interpretation: Anlage B liefert in diesem Beispiel den höheren absoluten Durchschnittsgewinn, Anlage A aber die höhere Rentabilität. Schon daran erkennt man, warum eine Investitionsentscheidung vom verwendeten Entscheidungskriterium abhängt.

14. Nutzwertanalyse (Scoring-Modell)

Nicht jede wichtige Eigenschaft lässt sich sinnvoll in Euro ausdrücken. Der Lehrplan verlangt deshalb ausdrücklich die Nutzwertanalyse mit qualitativen Kriterien. Kriterien werden gewichtet, Alternativen bewertet und gewichtete Teilnutzwerte zu einem Gesamtnutzwert addiert.

Teilnutzwert = Gewicht · Bewertung
Gesamtnutzwert = Summe aller Teilnutzwerte
Kriterium Gewicht A Punkte A gew. B Punkte B gew.
Service des Lieferanten 25 % 8 2,00 6 1,50
Termintreue 20 % 7 1,40 9 1,80
Energieeffizienz 25 % 7 1,75 9 2,25
Arbeitsbedingungen Lieferkette 20 % 6 1,20 9 1,80
Reparierbarkeit 10 % 9 0,90 7 0,70
Gesamt 100 % 7,25 8,05
Anlage AAnlage B7,258,05
Wichtig: Das Scoring-Modell erzeugt keine „objektiv wahre“ Entscheidung. Auswahl, Gewichtung und Bewertung der Kriterien enthalten Werturteile. Deshalb müssen diese Annahmen transparent und begründet sein.

15. ESG- und ESRS-Kriterien in der Investitionsentscheidung

Der Lehrplan nennt ausdrücklich qualitative Kriterien wie Service und Termintreue sowie ESG-Kriterien und ESRS, z. B. Umweltverschmutzung und Arbeitsbedingungen. Damit wird die Investitionsentscheidung bewusst breiter als eine reine Eurorechnung.

EEnvironmentalEnergieverbrauchEmissionenUmweltverschmutzungSSocialArbeitsbedingungenArbeitssicherheitLieferketteGGovernanceKontrollenComplianceGeschäftsverhalten
Transfer aus LB1: ESG/ESRS ist hier kein isoliertes neues Thema. Die in Lernbereich 1 aufgebaute Nachhaltigkeitsperspektive wird nun auf eine konkrete Investitionsentscheidung angewandt.

16. Statische und dynamische Investitionsrechnung vergleichen

statisch dynamisch
Zeitbezug arbeitet vereinfacht mit Durchschnittswerten berücksichtigt unterschiedliche Zahlungszeitpunkte
Zinswirkung nicht periodengenau Ein- und Auszahlungen werden auf einen gemeinsamen Zeitpunkt bezogen
Komplexität geringer höher
Lehrplanbeispiel u. a. Rentabilitätsrechnung Kapitalwertmethode
StatischDurchschnittswerterepräsentative Periode DynamischZahlungszeitpunkte zählent0t1t2t3t4

17. Kapitalwertmethode

Ein Euro heute und ein Euro in mehreren Jahren sind wirtschaftlich nicht gleichwertig. Die Kapitalwertmethode diskontiert zukünftige Einzahlungsüberschüsse auf den Zeitpunkt t=0.

Barwert einer Zahlung: BW = Zt / (1+i)t
Kapitalwert: C0 = −A0 + Σ [(Et−At)/(1+i)t] + ggf. Restwert/(1+i)n
Beispiel UNTERNEHMER AG: Anschaffungsauszahlung 200.000 €. Erwartete Einzahlungsüberschüsse: Jahr 1: 60.000 €, Jahr 2: 70.000 €, Jahr 3: 80.000 €, Jahr 4: 70.000 €. Kalkulationszins 6 %. Kein Restwert.
t Zahlung Abzinsungsfaktor 1/(1,06)t Barwert
0 −200.000 € 1,0000 −200.000 €
1 60.000 € 0,9434 56.604 €
2 70.000 € 0,8900 62.300 €
3 80.000 € 0,8396 67.168 €
4 70.000 € 0,7921 55.447 €
Kapitalwert ≈ +41.519 €
Entscheidungsregel: Ein positiver Kapitalwert bedeutet, dass die Investition bei den angenommenen Zahlungsüberschüssen und dem verwendeten Kalkulationszins die geforderte Verzinsung übertrifft. Beim Vergleich mehrerer Alternativen ist – unter ansonsten passenden Voraussetzungen – der höhere Kapitalwert vorteilhafter.
t0t1t2t3t4−200.000+60.000+70.000+80.000+70.000 zukünftige Zahlungen auf t0 abzinsen
Typischer Denkfehler: Die Zahlungen dürfen nicht einfach addiert werden. Je weiter eine Zahlung in der Zukunft liegt, desto kleiner ist ihr heutiger Barwert bei positivem Kalkulationszins.

18. Gesamtfall – UNTERNEHMER AG

Die Unternehmensleitung prüft eine neue Fertigungsanlage. Der Fall verbindet die Kompetenzen des gesamten Lernbereichs.

Ausgangslage: Das bestehende Produkt wird für 75 € verkauft. Variable Stückkosten 45 €, fixe Gesamtkosten 30.000 €. Die neue Anlage könnte variable Kosten senken, erhöht aber fixe Kosten. Zwei Lieferanten bieten technisch geeignete Anlagen mit unterschiedlichen Anschaffungsauszahlungen, Serviceleistungen, Energieverbräuchen und Arbeitsbedingungen in der Lieferkette an.

Schritt 1 – bestehende Erfolgsstruktur

db=30 €. BEP=30.000/30=1.000 Stück.

Schritt 2 – Wirkung einer Investition auf die Break-even-Situation

Angenommen, die neue Anlage senkt kv auf 40 €, erhöht KF aber auf 40.000 €. Neuer db=35 €. Neuer BEP=40.000/35≈1.143 Stück. Trotz niedrigerer variabler Kosten steigt die Gewinnschwelle zunächst, weil die zusätzlichen Fixkosten stärker wirken. Das zeigt, warum Parameter gemeinsam analysiert werden müssen.

Schritt 3 – quantitative Investitionsrechnung

Rentabilität und Kapitalwert liefern unterschiedliche Informationen. Die statische Rechnung arbeitet mit Durchschnittswerten; der Kapitalwert berücksichtigt den Zeitpunkt der Zahlungen.

Schritt 4 – qualitative Entscheidung

Service, Termintreue sowie ESG-/ESRS-bezogene Kriterien werden über eine Nutzwertanalyse ergänzt.

Schritt 5 – begründetes Gesamturteil

Eine fachlich gute Entscheidung nennt nicht nur „A“ oder „B“, sondern begründet, welches quantitative Verfahren zu welchem Ergebnis führt, welche qualitativen Kriterien berücksichtigt wurden und welche Annahmen das Ergebnis beeinflussen.

1 Kosten aufspalten2 Break-even analysieren3 statisch rechnen4 Scoring + ESG/ESRS5 Kapitalwert6 Entscheidung begründen

19. Prüfungstraining

1 Kostenaufspaltung: Bei 1.400 Stück entstehen 92.000 €, bei 1.800 Stück 108.000 € Gesamtkosten. Ermittle kv, KF und die Kostenfunktion.
2 Kalkulatorische Kosten: Eine Anlage hat einen Wiederbeschaffungswert von 360.000 € und eine Nutzungsdauer von 9 Jahren. Ermittle die kalkulatorische Abschreibung. Erkläre anschließend, warum in der Kostenrechnung der Wiederbeschaffungswert relevant sein kann.
3 Break-even: p=96 €, kv=56 €, KF=80.000 €. Ermittle Gewinnschwellenmenge und -umsatz. Berechne das Betriebsergebnis bei 2.500 Stück.
4 Parameteranalyse: Untersuche getrennt, wie eine Preissenkung, steigende variable Stückkosten und höhere Fixkosten die Gewinnschwelle verändern. Begründe jeweils mit der Formel.
5 Rentabilität: Zwei Anlagen besitzen unterschiedliche Anschaffungswerte, Restwerte und Durchschnittsgewinne. Berechne jeweils das durchschnittlich gebundene Kapital und die Rentabilität und interpretiere das Ergebnis.
6 Nutzwertanalyse: Entwickle ein Scoring-Modell mit Service, Termintreue, Umweltverschmutzung und Arbeitsbedingungen. Begründe die Gewichtung. Prüfe, wie empfindlich das Ergebnis auf eine veränderte Gewichtung reagiert.
7 Kapitalwert: Diskontiere eine vierjährige Zahlungsreihe mit einem vorgegebenen Kalkulationszins. Entscheide anhand des Kapitalwerts und erkläre, warum spätere Zahlungen geringer gewichtet werden.
8 Gesamturteil: Eine Alternative besitzt die höhere statische Rentabilität, die andere den höheren Kapitalwert und Nutzwert. Formuliere ein differenziertes Entscheidungsurteil, ohne die Ergebnisse der Verfahren zu vermischen.

20. Typische Fehler

Fehler Richtig
fixe Stückkosten mit fixen Gesamtkosten verwechseln KF bleibt konstant, kf=KF/x sinkt mit x.
db und DB verwechseln db ist je Stück; DB=db·x ist gesamt.
BEP mit Kapazitätsgrenze verwechseln BEP ist Gewinnschwelle; Kapazitätsgrenze ist technisch/organisatorisch maximal mögliche Menge.
kalk. Abschreibung vom falschen Wert Im neuen Lehrplan ausdrücklich: Wiederbeschaffungswert beachten.
Preisänderung verschiebt die Kostenfunktion Preis wirkt auf Erlös/db; Kosten ändern sich dadurch nicht automatisch.
höherer Gewinn = automatisch höhere Rentabilität Rentabilität berücksichtigt das gebundene Kapital.
Scoring als objektive Wahrheit behandeln Gewichte und Bewertungen begründen und kritisch prüfen.
ESG nur als Umwelt verstehen Environmental, Social und Governance unterscheiden.
Kapitalwert = Summe nominaler Zahlungen Zukünftige Zahlungen abzinsen.
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21. Lernbereich auf einen Blick

UNTERNEHMER AGErfolg + Zukunft KostenaufspaltungBreak-evenEinflussgrößenRentabilitätScoring + ESGKapitalwert
Didaktischer roter Faden: Kosten verstehen → Erfolgsschwelle bestimmen → Veränderungen analysieren → Investitionsalternativen quantitativ rechnen → qualitative und Nachhaltigkeitskriterien ergänzen → Faktor Zeit berücksichtigen → begründete unternehmerische Entscheidung treffen.

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Lehrplanbezug: FOS Bayern, IBV 11 (IW), gültig ab Schuljahr 2026/27, Lernbereich 2 „Den Erfolg betrieblichen Handelns mithilfe der Teilkostenrechnung analysieren und zukünftige Erfolgspotenziale durch Investitionen sichern“, ca. 26 Unterrichtsstunden.

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