BwR · Fachoberschule Bayern · Jahrgangsstufe 13 · Lernbereich 1 · bisheriger Lehrplan / Übergangskohorte
40 UEJahresabschlussanalyseLeasingFactoringLohmann-RuchtiKapitalwert
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Den Jahresabschluss analysieren und weitere Formen der Finanzierung nutzen
Dieser Lernbereich verbindet Jahresabschlussanalyse mit konkreten Finanzierungs- und Investitionsentscheidungen. Der offizielle alte BwR-13-Lehrplan umfasst 40 Unterrichtsstunden und führt von der Strukturbilanz über Kennzahlen zu Leasing, Factoring, Lohmann-Ruchti-Effekt und Kapitalwertmethode.
Inhaltsverzeichnis
- Ausgangsfall UNTERNEHMER AG
- Strukturbilanz – Ausgangspunkt der Analyse
- Bilanzkennzahlen
- Anlagendeckung und Working Capital
- Liquiditätsgrade 1–3
- Erfolgskennzahlen und Leverage-Effekt
- Kapitalumschlag und ROI
- Cashflow, dynamischer Verschuldungsgrad und EBIT
- Kennzahlenvergleich und Handlungsempfehlung
- Leasing – Operate und Financial Leasing
- Kreditfinanzierung oder Leasing – vollständiger Vergleich
- Factoring – Funktionen und Wirkungen
- Lohmann-Ruchti-Effekt – Finanzierung aus Abschreibungsgegenwerten
- Warum Geld heute mehr wert ist als später
- Kapitalwertmethode – vollständiger Rechengang
- Kapitalwert und Kalkulationszinssatz – Sensitivität
- Statische versus dynamische Investitionsrechnung
- Integrierte Vorstandsvorlage
- Strukturbilanz: vom Abschluss zur Analyse
- Kennzahlen als System interpretieren
- EBIT: operativen Erfolg vergleichbarer machen
- Factoring: Liquidität durch Forderungsverkauf
- Leasing: Nutzung statt unmittelbarer Anschaffung
- Kapitalwertmethode: Zahlungszeitpunkte berücksichtigen
- Kapitalwert und Kalkulationszins: Sensitivität
- Lohmann-Ruchti-Effekt: Kapazität aus Abschreibungsgegenwerten erweitern
- Analyse, Finanzierung und Investition verbinden
- Großfall UNTERNEHMER AG: 40-UE-Transfer
- Typische Prüfungsfehler
- Prüfungs- und Transfertraining
- Lernbereich auf einen Blick
1. Ausgangsfall UNTERNEHMER AG
Die UNTERNEHMER AG steht vor drei miteinander verbundenen Entscheidungen: Der Jahresabschluss soll analysiert, die Finanzierung einer neuen Produktionsanlage beurteilt und zwischen Kauf/Kredit und Leasing entschieden werden. Zusätzlich prüft das Unternehmen Factoring und eine Kapazitätserweiterung aus Abschreibungsgegenwerten.
2. Strukturbilanz – Ausgangspunkt der Analyse
Die Handelsbilanz wird für Analysezwecke verdichtet. Vermögen und Kapital werden nach Bindungsdauer bzw. Fristigkeit geordnet.
| Aktiva | T€ | Passiva | T€ |
|---|---|---|---|
| Anlagevermögen | 6.000 | Eigenkapital | 4.500 |
| Vorräte | 1.800 | langfristiges Fremdkapital | 3.000 |
| Forderungen | 1.400 | kurzfristiges Fremdkapital | 2.500 |
| liquide Mittel | 800 | ||
| Summe | 10.000 | Summe | 10.000 |
3. Bilanzkennzahlen
Umlaufquote = UV / GV × 100
EK-Quote = EK / GK × 100
FK-Quote = FK / GK × 100
statischer Verschuldungsgrad = FK / EK × 100
| Kennzahl | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Anlagequote | 6.000/10.000×100 | 60 % |
| EK-Quote | 4.500/10.000×100 | 45 % |
| FK-Quote | 5.500/10.000×100 | 55 % |
| Verschuldungsgrad | 5.500/4.500×100 | 122,2 % |
4. Anlagendeckung und Working Capital
AD II = (EK + langfr. FK) / AV ×100
Working Capital = UV − kurzfristiges FK
5. Liquiditätsgrade 1–3
L2 = (liquide Mittel + Forderungen) / kurzfr. FK ×100
L3 = UV / kurzfr. FK ×100
6. Erfolgskennzahlen und Leverage-Effekt
Gegeben: Jahresüberschuss 1.050 T€, Fremdkapitalzinsen 250 T€, Umsatzerlöse 9.600 T€.
GK-Rentabilität = (JÜ+FK-Zinsen)/GK×100 = 13,00 %
Umsatzrentabilität = JÜ/Umsatz×100 = 10,94 %
Liegt die Gesamtkapitalrentabilität über dem Fremdkapitalzinssatz, kann zusätzliche Verschuldung unter sonst gleichen Bedingungen die Eigenkapitalrentabilität erhöhen. Dieser Leverage-Effekt erhöht jedoch zugleich das Finanzierungsrisiko.
7. Kapitalumschlag und ROI
ROI = Umsatzrentabilität × Kapitalumschlag
8. Cashflow, dynamischer Verschuldungsgrad und EBIT
Bei Abschreibungen von 600 T€ ergibt sich vereinfacht ein Cashflow von 1.650 T€. Der dynamische Verschuldungsgrad beträgt 5.500/1.650=3,33 Jahre. Das EBIT zeigt die operative Ertragskraft vor Zinsen und Steuern.
9. Kennzahlenvergleich und Handlungsempfehlung
Eine Kennzahl wird nicht isoliert als „gut“ oder „schlecht“ etikettiert. Sie wird mit Zeit-, Branchen- oder geeigneten Normwerten verglichen.
| Kennzahl | Jahr 01 | Jahr 02 | Modell-Branche |
|---|---|---|---|
| EK-Quote | 41 % | 45 % | 38 % |
| L2 | 82 % | 88 % | 95 % |
| Umsatzrentabilität | 9,5 % | 10,94 % | 9,8 % |
10. Leasing – Operate und Financial Leasing
| Operate Leasing | Financial Leasing | |
|---|---|---|
| Grundidee | eher mietähnlich/flexibel | langfristige Finanzierungskomponente |
| Risiken | stärker beim Leasinggeber | stärker beim Leasingnehmer |
| Prüfungsfokus | Liquiditätsbelastung und Gesamtaufwand über die gesamte Nutzungsdauer | |
11. Kreditfinanzierung oder Leasing – vollständiger Vergleich
Leasing: Sonderzahlung 30.000 €, 60 Raten à 8.800 €, Abschlusskosten 5.000 € → 563.000 €. Quantitativ ist der Kredit im Modell um 25.000 € günstiger. Dennoch sind Liquiditätsverlauf, Flexibilität, Risiko und Vertragsbedingungen zu beurteilen.
12. Factoring – Funktionen und Wirkungen
Beim Factoring verkauft die UNTERNEHMER AG Forderungen an einen Factor.
| Funktion | Wirkung |
|---|---|
| Finanzierungsfunktion | früher Liquiditätszufluss |
| Delkrederefunktion | bei echtem Factoring Übernahme des Ausfallrisikos |
| Dienstleistungsfunktion | z. B. Debitorenmanagement/Mahnwesen |
13. Lohmann-Ruchti-Effekt – Finanzierung aus Abschreibungsgegenwerten
Werden Abschreibungsgegenwerte über die Umsatzerlöse verdient, nicht sofort für Ersatzinvestitionen benötigt und vollständig für zusätzliche gleichartige Anlagen eingesetzt, kann sich die Kapazität vorübergehend erweitern.
Gesamtkapazität = Ausgangskapazität × Erweiterungsfaktor
14. Warum Geld heute mehr wert ist als später
Die Kapitalwertmethode berücksichtigt den Zeitwert des Geldes. Ein zukünftiger Zahlungsüberschuss wird mit dem Kalkulationszinssatz auf den Entscheidungszeitpunkt abgezinst.
15. Kapitalwertmethode – vollständiger Rechengang
Investition: 300.000 €. Zahlungsüberschüsse: 90.000 €, 100.000 €, 110.000 €, 100.000 €. Restwert am Ende Jahr 4: 20.000 €. Kalkulationszins: 6 %.
| t | Zahlung | Abzinsungsfaktor 6 % | Barwert |
|---|---|---|---|
| 0 | −300.000 | 1 | −300.000 |
| 1 | 90.000 | 0,9434 | 84.906 |
| 2 | 100.000 | 0,8900 | 89.000 |
| 3 | 110.000 | 0,8396 | 92.356 |
| 4 | 120.000 inkl. Restwert | 0,7921 | 95.052 |
| Kapitalwert | 61.314 € | ||
16. Kapitalwert und Kalkulationszinssatz – Sensitivität
Steigt der Kalkulationszinssatz, sinken die Barwerte zukünftiger Rückflüsse und damit grundsätzlich der Kapitalwert.
17. Statische versus dynamische Investitionsrechnung
| statisch | dynamisch: Kapitalwert |
|---|---|
| typisierte Periodengrößen | periodengenaue Ein-/Auszahlungen |
| Zeitpunkt der Zahlungen weitgehend unbeachtet | Zeitwert des Geldes berücksichtigt |
| einfacher | realitätsnäher bei mehrperiodigen Zahlungsreihen, aber prognoseabhängig |
18. Integrierte Vorstandsvorlage
Der Vorstand erhält nicht fünf isolierte Rechenergebnisse, sondern eine Entscheidungsvorlage:
- Strukturbilanz und Kennzahlen analysieren.
- Liquidität und Kapitalstruktur mit Vergleichswerten bewerten.
- Leasing/Kredit nach Gesamtaufwand und Liquiditätsbelastung vergleichen.
- Factoringwirkung auf Bilanz und Erfolg erklären.
- Lohmann-Ruchti-Modell einschließlich Annahmen beurteilen.
- Investitionsalternative mit Kapitalwertmethode bewerten.
- Risiken, Prognoseunsicherheit und finanzwirtschaftliche Ziele einbeziehen.
19. Strukturbilanz: vom Abschluss zur Analyse
Für die Jahresabschlussanalyse werden Bilanzpositionen zu aussagekräftigen Analysegruppen verdichtet. Die Strukturbilanz ist eine aufbereitete Informationsgrundlage für Kennzahlen und Beurteilungen.
20. Kennzahlen als System interpretieren
| Analysefeld | Kennzahl | Aussage |
|---|---|---|
| Vermögensstruktur | Anlagenintensität | Anteil langfristig gebundenen Vermögens |
| Kapitalstruktur | Eigenkapitalquote / Verschuldungsgrad | Finanzierungsstruktur |
| Finanzierung | Anlagendeckung | Fristenkongruenz |
| Liquidität | Liquiditätskennzahlen | kurzfristige Zahlungsfähigkeit |
| Erfolg | Eigen-/Gesamtkapitalrentabilität | Verzinsung des Kapitals |
Eigenkapitalquote = 40 %; Anlagenintensität = 54 %; Anlagendeckung II = 122,22 %.
21. EBIT: operativen Erfolg vergleichbarer machen
Das EBIT betrachtet den Erfolg vor Zinsen und Ertragsteuern. Dadurch wird die operative Leistung weniger von Finanzierungsstruktur und Steuerbelastung überlagert.
22. Factoring: Liquidität durch Forderungsverkauf
Beim Factoring verkauft ein Unternehmen Forderungen an einen Factor. Dadurch fließt Liquidität früher zu; je nach Ausgestaltung können Ausfallrisiko und Debitorenmanagement übertragen werden.
23. Leasing: Nutzung statt unmittelbarer Anschaffung
Beim Leasing überlässt der Leasinggeber dem Leasingnehmer ein Wirtschaftsgut gegen Leasingraten. Für die Entscheidung zählen Raten, Sonderzahlungen, Vertragsdauer, Restwertregelungen, Flexibilität und Alternativfinanzierung.
| Leasing | Factoring | |
|---|---|---|
| Gegenstand | Nutzung eines Vermögensgegenstands | Verkauf von Forderungen |
| Hauptwirkung | Investition ohne vollständigen sofortigen Kaufpreisabfluss | frühere Liquidität aus Forderungen |
24. Kapitalwertmethode: Zahlungszeitpunkte berücksichtigen
\(C_0=-A_0+\sum_{t=1}^{n}\frac{CF_t}{(1+i)^t}+\frac{L_n}{(1+i)^n}\)
\(C_0=-300.000+\frac{120.000}{1,06}+\frac{120.000}{1,06^2}+\frac{120.000}{1,06^3}\approx\)20.762 €. Der positive Kapitalwert zeigt unter diesen Annahmen einen positiven Vermögensbeitrag.
25. Kapitalwert und Kalkulationszins: Sensitivität
Je höher der Kalkulationszins, desto geringer der Barwert künftiger Rückflüsse. Weit in der Zukunft liegende Zahlungen reagieren besonders stark.
26. Lohmann-Ruchti-Effekt: Kapazität aus Abschreibungsgegenwerten erweitern
Werden Abschreibungsgegenwerte über Umsatzerlöse verdient und bis zur Ersatzbeschaffung für zusätzliche Anlagen eingesetzt, kann unter idealisierten Bedingungen ein Kapazitätserweiterungseffekt entstehen.
27. Analyse, Finanzierung und Investition verbinden
28. Großfall UNTERNEHMER AG: 40-UE-Transfer
- Bereiten Sie eine Strukturbilanz auf.
- Berechnen und interpretieren Sie zentrale Kennzahlen.
- Ermitteln Sie das EBIT.
- Prüfen Sie Factoring als Liquiditätsmaßnahme.
- Beurteilen Sie Leasing als Finanzierungsalternative.
- Stellen Sie die Zahlungsreihe der Investition auf.
- Berechnen und interpretieren Sie den Kapitalwert.
- Untersuchen Sie die Wirkung eines veränderten Kalkulationszinses.
- Erklären Sie Voraussetzungen und Grenzen des Lohmann-Ruchti-Effekts.
- Leiten Sie eine begründete Gesamtentscheidung ab.
29. Typische Prüfungsfehler
| Fehler | Korrektur |
|---|---|
| Kennzahl ohne Vergleich bewerten | Zeit-/Branchen-/Normwert nennen |
| Leverage nur als Renditechance darstellen | steigendes Verschuldungs-/Zinsrisiko berücksichtigen |
| Leasingrate allein vergleichen | Gesamtaufwand und Liquiditätsverlauf |
| Factoring = Kredit | Forderungsverkauf und Funktionen unterscheiden |
| Lohmann-Ruchti = kostenloses Wachstum | Modellannahmen und Ersatzbedarf beachten |
| Kapitalwert ohne t=0 | Anfangsauszahlung separat mit negativem Vorzeichen |
| Restwert vergessen | am Ende der Nutzungsdauer mit abzinsen |
| höherer Zinssatz erhöht Kapitalwert | bei positiven späteren Rückflüssen grundsätzlich umgekehrt |
30. Prüfungs- und Transfertraining
31. Lernbereich auf einen Blick
| Baustein | Prüfungskompetenz |
|---|---|
| Jahresabschlussanalyse | Strukturbilanz, Bilanz-, Liquiditäts- und Erfolgskennzahlen, Vergleich und Handlungsempfehlung |
| Leasing | Operate/Financial Leasing, Kreditvergleich, Liquidität und Gesamtaufwand |
| Factoring | Funktionen, Bilanz- und Erfolgswirkung |
| Lohmann-Ruchti | Gesamt-/Periodenkapazität, Erweiterungsfaktor |
| Kapitalwert | Zahlungsreihe abzinsen, Entscheidung und Zinssensitivität |
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Aufgaben zu Strukturbilanz, Kennzahlen, Leasing, Factoring, Lohmann-Ruchti-Effekt und Kapitalwertmethode mit vollständigem Lösungsweg.
