BwR · Fachoberschule Bayern · Jahrgangsstufe 12 · Lernbereich 4 · bisheriger Lehrplan / Übergangskohorte
ca. 33 UEFinanzierungInvestitionstatische Investitionsrechnung
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Finanzierungs- und Investitionsvorgänge analysieren, liquide Mittel beschaffen und Investitionen tätigen
Dieser Lernbereich verbindet Bewegungsbilanz, Investitionsanlässe, Finanzierungsformen, finanzwirtschaftliche Ziele und die vier statischen Investitionsrechenverfahren. Durchgängiges Modellunternehmen ist die UNTERNEHMER AG.
Inhaltsverzeichnis
- Investition und Finanzierung – Mittelverwendung und Mittelbeschaffung
- Bewegungsbilanz: Woher kommen Mittel, wofür werden sie verwendet?
- Investitionsanlässe
- Finanzwirtschaftliche Ziele und Zielkonflikte
- Finanzierungsarten systematisch einordnen
- Beteiligungsfinanzierung und ordentliche Kapitalerhöhung
- Kreditfinanzierung
- Annuitäten- und Abzahlungsdarlehen
- Kontokorrentkredit
- Offene und stille Selbstfinanzierung
- Finanzierung aus Rückstellungen
- Finanzierung aus Abschreibung und Vermögensumschichtung
- Finanzierungsentscheidung begründen
- Statische Investitionsrechnung – vier Verfahren
- Kostenvergleichsrechnung
- Gewinnvergleichsrechnung
- Rentabilitätsrechnung
- Amortisationsrechnung
- Nicht quantifizierbare Einflussgrößen
- Gesamtfall UNTERNEHMER AG
- Investitionsentscheidung als Prozess
- Kostenvergleichsrechnung vollständig
- Kritische Menge: wann wechselt der Kostenvorteil?
- Gewinnvergleichsrechnung
- Rentabilitätsrechnung: Erfolg auf das Kapital beziehen
- Amortisationsrechnung: Rückflussdauer des eingesetzten Kapitals
- Statische Investitionsverfahren im Vergleich
- Sensitivität: Entscheidung gegen unsichere Annahmen testen
- Quantitative Ergebnisse um qualitative Kriterien ergänzen
- Investition und Finanzierung gemeinsam denken
- Großfall UNTERNEHMER AG: Investitionsentscheidung
- Typische Prüfungsfehler
- Prüfungs- und Transfertraining
1. Investition und Finanzierung – Mittelverwendung und Mittelbeschaffung
Investition ist Kapitalverwendung: Die UNTERNEHMER AG bindet heute finanzielle Mittel, um künftig Nutzen und Rückflüsse zu erzielen. Finanzierung ist Kapitalbeschaffung. Beide Entscheidungen gehören zusammen.
2. Bewegungsbilanz: Woher kommen Mittel, wofür werden sie verwendet?
Die Bewegungsbilanz macht Veränderungen zwischen zwei Bilanzstichtagen sichtbar. Mittelherkunft entsteht grundsätzlich durch Passivmehrungen und Aktivminderungen; Mittelverwendung durch Aktivmehrungen und Passivminderungen.
| Mittelherkunft | Mittelverwendung |
|---|---|
| Aktivminderung, z. B. Verkauf von Vermögen | Aktivmehrung, z. B. Kauf einer Maschine |
| Passivmehrung, z. B. Darlehensaufnahme | Passivminderung, z. B. Darlehenstilgung |
3. Investitionsanlässe
| Investitionsart | Zweck | UNTERNEHMER AG |
|---|---|---|
| Ersatzinvestition | verbrauchtes/überholtes Anlagegut ersetzen | alte Fräsmaschine ersetzen |
| Rationalisierungsinvestition | Kosten senken, Produktivität steigern | automatisierte Fertigungszelle |
| Erweiterungsinvestition | Kapazität erhöhen | zweite Produktionslinie |
4. Finanzwirtschaftliche Ziele und Zielkonflikte
Finanzierungsentscheidungen werden an Rentabilität, Liquidität, Sicherheit und Unabhängigkeit beurteilt. Die Ziele können konkurrieren: Hohe Liquiditätsreserven erhöhen Sicherheit, können aber die Rentabilität mindern.
5. Finanzierungsarten systematisch einordnen
| Kapitalherkunft / Rechtsstellung | Eigenfinanzierung | Fremdfinanzierung |
|---|---|---|
| Außenfinanzierung | Beteiligungsfinanzierung | Kreditfinanzierung |
| Innenfinanzierung | offene/stille Selbstfinanzierung | Finanzierung aus Rückstellungen |
| Kapitalfreisetzung | Finanzierung aus Abschreibung und sonstiger Vermögensumschichtung | |
6. Beteiligungsfinanzierung und ordentliche Kapitalerhöhung
Bei der ordentlichen Kapitalerhöhung gibt eine AG neue Aktien aus. Der Unternehmung fließt Eigenkapital zu. Das Bezugsrecht schützt Altaktionäre vor einer unerwünschten Verwässerung ihrer Beteiligungsquote.
7. Kreditfinanzierung
Bei der Kreditfinanzierung entsteht Fremdkapital. Kreditgeber erhalten vertragliche Zins- und Rückzahlungsansprüche, aber keine Eigentümerrechte.
| Chance | Belastung |
|---|---|
| Eigentümerstruktur bleibt unverändert | Zins und Tilgung belasten Liquidität |
| Kapital kann fristgerecht bereitgestellt werden | Verschuldung und Abhängigkeit steigen |
8. Annuitäten- und Abzahlungsdarlehen
Annuitätendarlehen: Die Gesamtzahlung aus Zins und Tilgung bleibt bei konstantem Zinssatz gleich. Mit sinkender Restschuld sinkt der Zinsanteil, während der Tilgungsanteil steigt.
Abzahlungsdarlehen: Die Tilgung bleibt konstant. Weil die Zinsen mit der Restschuld sinken, nimmt die gesamte Jahresbelastung ab.
9. Kontokorrentkredit
Der Kontokorrentkredit ist eine flexible Kreditlinie auf dem Geschäftskonto. Er eignet sich vor allem zur kurzfristigen Überbrückung von Liquiditätsschwankungen, nicht als dauerhafte Finanzierung langfristiger Anlagen.
10. Offene und stille Selbstfinanzierung
Offene Selbstfinanzierung: Gewinne werden nicht ausgeschüttet, sondern sichtbar im Eigenkapital einbehalten. Stille Selbstfinanzierung: Finanzierungseffekte entstehen über stille Reserven, soweit diese nach den Rechnungslegungsvorschriften entstehen.
11. Finanzierung aus Rückstellungen
Zwischen Bildung und späterer Auszahlung einer Rückstellung kann ein Finanzierungseffekt liegen: Aufwand wird bereits erfasst, der Zahlungsmittelabfluss erfolgt erst später.
12. Finanzierung aus Abschreibung und Vermögensumschichtung
Abschreibungen sind Aufwand, aber in der Abschreibungsperiode grundsätzlich keine Auszahlung. Werden die Abschreibungsgegenwerte über Umsätze verdient und bleiben sie verfügbar, entsteht vorübergehend ein Kapitalfreisetzungseffekt. Auch der Verkauf nicht betriebsnotwendigen Vermögens oder der Abbau überhöhter Bestände kann Liquidität freisetzen.
13. Finanzierungsentscheidung begründen
| Alternative | Liquidität | Sicherheit | Unabhängigkeit |
|---|---|---|---|
| Beteiligungsfinanzierung | keine feste Tilgung | Eigenkapitalbasis steigt | Einfluss neuer Aktionäre möglich |
| Darlehen | Zins + Tilgung | Verschuldung steigt | Eigentümerstruktur bleibt |
| Selbstfinanzierung | keine externe Tilgung | Eigenkapital kann steigen | hoch |
14. Statische Investitionsrechnung – vier Verfahren
| Verfahren | Leitfrage | Entscheidungsgröße |
|---|---|---|
| Kostenvergleich | Welche Alternative verursacht geringere Periodenkosten? | €/Jahr bzw. €/Stück |
| Gewinnvergleich | Welche erzielt den höheren Gewinn? | €/Jahr |
| Rentabilitätsrechnung | Wie verzinst sich das gebundene Kapital? | % |
| Amortisationsrechnung | Wie schnell fließt das Kapital rechnerisch zurück? | Jahre |
15. Kostenvergleichsrechnung
Ø gebundenes Kapital = (AK + Restwert) / 2
kalk. Zinsen = Ø gebundenes Kapital × Kalkulationszinssatz
16. Gewinnvergleichsrechnung
17. Rentabilitätsrechnung
18. Amortisationsrechnung
Rückfluss = Gewinn + kalkulatorische Abschreibung (bei entsprechender Aufgabenstruktur).
19. Nicht quantifizierbare Einflussgrößen
Rechenergebnisse allein reichen nicht. Der Lehrplan nennt ausdrücklich nicht quantifizierbare Kriterien, z. B. ökologische Aspekte und Serviceleistungen des Lieferanten, sowie Risikogesichtspunkte.
| Kriterium | A | B |
|---|---|---|
| Energieverbrauch | höher | niedriger |
| Service | 24 h | 48 h |
| Ausfallrisiko | gering | mittel |
20. Gesamtfall UNTERNEHMER AG
Die UNTERNEHMER AG plant eine Erweiterungsinvestition. Zwei Anlagen werden mit allen vier statischen Verfahren untersucht. Anschließend werden Service, Energieverbrauch und Risiko berücksichtigt. Der Kapitalbedarf wird durch eine Kombination aus Selbstfinanzierung und langfristigem Darlehen gedeckt.
- Investitionsanlass bestimmen.
- Kapitalbedarf und Bewegungsbilanz analysieren.
- Finanzierungsformen einordnen.
- Auswirkungen auf Rentabilität, Liquidität, Sicherheit und Unabhängigkeit beurteilen.
- Investitionsalternativen rechnen.
- Qualitative Faktoren ergänzen.
- Entscheidung nachvollziehbar begründen.
21. Investitionsentscheidung als Prozess
Eine Investition bindet Kapital langfristig. Deshalb reicht eine einzelne Kennzahl nicht: Ausgangslage, Alternativen, Zahlungs- und Kostendaten, quantitative Verfahren sowie qualitative Kriterien müssen zusammengeführt werden.
22. Kostenvergleichsrechnung vollständig
\(K=K_f+k_v\cdot x\)
| Anlage A | Anlage B | |
|---|---|---|
| Fixkosten p. a. | 180.000 € | 260.000 € |
| variable Kosten/Stück | 32 € | 22 € |
| Planmenge | 12.000 | 12.000 |
| Gesamtkosten | 564.000 € | 524.000 € |
Bei 12.000 Stück ist B um 40.000 € kostengünstiger. Diese Aussage gilt für die zugrunde gelegte Beschäftigung.
23. Kritische Menge: wann wechselt der Kostenvorteil?
\(180.000+32x=260.000+22x\Rightarrow10x=80.000\Rightarrow x_k=\)8.000 Stück.
Unterhalb von 8.000 Stück ist A günstiger, oberhalb davon B. Die kritische Menge macht damit die Beschäftigungsabhängigkeit der Entscheidung sichtbar.
24. Gewinnvergleichsrechnung
\(G=E-K=p\cdot x-K\)
Bei identischen Erlösen führt die kostengünstigere Alternative zum höheren Gewinn. Bei unterschiedlichen Absatzmengen oder Verkaufspreisen muss jede Alternative vollständig gerechnet werden.
25. Rentabilitätsrechnung: Erfolg auf das Kapital beziehen
\(\text{Rentabilität}=\frac{\text{durchschnittlicher Gewinn}+\text{kalkulatorische Zinsen}}{\text{durchschnittlich gebundenes Kapital}}\cdot100\)
26. Amortisationsrechnung: Rückflussdauer des eingesetzten Kapitals
\(\text{Amortisationsdauer}=\frac{\text{Anschaffungsauszahlung}}{\text{durchschnittlicher jährlicher Rückfluss}}\)
Bei linearer Abschreibung kann der vereinfachte jährliche Rückfluss aus Gewinn + Abschreibung ermittelt werden.
27. Statische Investitionsverfahren im Vergleich
| Verfahren | zentrale Frage | Stärke | Grenze |
|---|---|---|---|
| Kostenvergleich | Welche Alternative verursacht geringere Kosten? | einfach, mengenbezogen | Erlöse fehlen |
| Gewinnvergleich | Welche Alternative erzielt höheren Gewinn? | Erlöse einbezogen | Kapitalbindung nicht relativiert |
| Rentabilität | Wie verzinst sich das Kapital? | Kapitalbezug | Durchschnittswerte |
| Amortisation | Wie schnell fließt Kapital zurück? | Liquiditäts-/Risikoperspektive | Erfolg nach Amortisation kaum berücksichtigt |
28. Sensitivität: Entscheidung gegen unsichere Annahmen testen
Planmengen, variable Kosten, Verkaufspreise oder Nutzungsdauern sind Prognosen. Deshalb sollte geprüft werden, ob eine kleine Veränderung die Rangfolge der Alternativen umkehrt.
29. Quantitative Ergebnisse um qualitative Kriterien ergänzen
| Kriterium | mögliche Fragestellung |
|---|---|
| Qualität | Welche Anlage liefert geringere Ausschussquoten? |
| Flexibilität | Kann auf Produktänderungen reagiert werden? |
| Liefer-/Ausfallrisiko | Wie robust ist die Anlage? |
| Umwelt | Wie unterscheiden sich Energie- und Ressourcenverbrauch? |
| Personal | Welche Qualifikation und Arbeitsbelastung entstehen? |
30. Investition und Finanzierung gemeinsam denken
Eine vorteilhafte Investition muss finanzierbar sein. Rentabilität, Liquidität, Sicherheit und Unabhängigkeit können dabei in Zielkonflikt geraten.
31. Großfall UNTERNEHMER AG: Investitionsentscheidung
- Berechnen Sie die Gesamtkosten bei der erwarteten Beschäftigung.
- Bestimmen Sie die kritische Menge.
- Führen Sie die Gewinnvergleichsrechnung durch.
- Berechnen Sie die Rentabilität.
- Bestimmen Sie die Amortisationsdauer.
- Untersuchen Sie die Entscheidung bei einer niedrigeren Absatzprognose.
- Ergänzen Sie qualitative Kriterien.
- Prüfen Sie, welche Finanzierung mit den finanzwirtschaftlichen Zielen vereinbar ist.
- Treffen Sie eine begründete Gesamtentscheidung.
32. Typische Prüfungsfehler
| Fehler | Richtig |
|---|---|
| Mittelherkunft/-verwendung vertauscht | Aktivminderung/Passivmehrung = Herkunft; Aktivmehrung/Passivminderung = Verwendung. |
| Annuität = Tilgung | Annuität = Zins + Tilgung. |
| Abschreibung „bringt Geld“ | Kapitalfreisetzung nur über verdiente Abschreibungsgegenwerte. |
| Kostenvergleich trotz unterschiedlicher Erlöse als alleinige Entscheidung | Fragestellung und Verfahren abstimmen. |
| Amortisation = Nutzungsdauer | Amortisation ist rechnerische Rückflusszeit. |
| Kennzahl entscheidet automatisch | Risiko und qualitative Kriterien einbeziehen. |
33. Prüfungs- und Transfertraining
✏️ Jetzt selbst üben – im Aufgabengenerator
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34. Lernbereich auf einen Blick
- Investitionsanlässe und Finanzierungsarten systematisch unterscheiden.
- Finanzwirtschaftliche Ziele Rentabilität, Liquidität, Sicherheit und Unabhängigkeit gegeneinander abwägen.
- Kosten-, Gewinn-, Rentabilitäts- und Amortisationsrechnung sicher anwenden und Ergebnisse interpretieren.
- Nicht quantifizierbare Kriterien in die Investitionsentscheidung einbeziehen.
- Investition und Finanzierung als zusammenhängende Entscheidung betrachten.
Prüfungslogik: Rechenresultat + Interpretation + begründete Entscheidung.
