BwR · FOS/BOS Bayern · Jahrgangsstufe 12 · alter Lehrplan / Prüfungsbestand

Bewertung von VorrätenJahresabschlussUNTERNEHMER AG

Alle fachlichen Rechenregeln und das Hauptbeispiel dieser Seite basieren auf dem vorhandenen lern.de-Skript BewertungVonVorraeten12.tex.

Bewertung von Vorräten – mit der 5-Schritt-Methode sicher zum Bilanzansatz

Vorräte gehören zum Umlaufvermögen. Für ihre Bewertung verbindet das lern.de-Skript Anschaffungskosten, Durchschnittswertverfahren und das strenge Niederstwertprinzip zu einer festen 5-Schritt-Methode.

Prüfungsziel: Position bestimmen → Regelwert berechnen → beizulegenden Wert vergleichen → Wertveränderung feststellen → Bewertungsprinzip begründen → Bilanzansatz angeben.

Inhaltsverzeichnis

  1. Vorräte im Umlaufvermögen
  2. Bewertungslogik des Umlaufvermögens
  3. Bezugspreis als Bestandteil der Anschaffungskosten
  4. Durchschnittswertverfahren
  5. Die 5-Schritt-Methode des lern.de-Skripts
  6. Originaler Skriptfall: Aluminium der UNTERNEHMER AG
  7. Regelwert und beizulegenden Wert vergleichen
  8. Was passiert bei einem höheren Marktwert?
  9. Typische Fehler
  10. Prüfungstraining
  11. Zusammenfassung

1. Vorräte im Umlaufvermögen

Art Beschreibung nach dem Skript Beispiele
Rohstoffe Hauptbestandteil eines Produkts Stahl, Aluminium, Holz
Hilfsstoffe Nebenbestandteil des Produkts Lacke, Schrauben, Schweißdrähte
Betriebsstoffe werden bei der Herstellung verbraucht Öle, Fette, Schmierstoffe
Fremdbauteile werden dem Produkt als Bauteil beigelegt Fahrradklingeln, Türgriffe, Lampen
Handelswaren nicht selbst hergestellt; zum Handel bestimmt zugekaufte Verkaufswaren

2. Bewertungslogik des Umlaufvermögens

Das Skript stützt die Vorratsbewertung auf § 253 HGB: Liegt der beizulegende Wert am Abschlussstichtag unter dem Regelwert, wird der niedrigere Wert angesetzt. Für das Umlaufvermögen greift damit das strenge Niederstwertprinzip – unabhängig davon, ob die Wertminderung dauerhaft oder nur vorübergehend ist.

RW mit bzW vergleichenbzW < RWstrenges NiederstwertprinzipbzW > RWAnschaffungswertprinzipBilanzansatz = bzWBilanzansatz = RW

3. Bezugspreis als Bestandteil der Anschaffungskosten

Zeichen Rechenschritt
Listeneinkaufspreis (LEP)
Liefererrabatt
= Zieleinkaufspreis (ZEP)
Liefererskonto
= Bareinkaufspreis (BEP)
+ Bezugskosten
= Bezugspreis

Das Skript berücksichtigt außerdem Boni und Rücksendungen bei der Ermittlung der tatsächlich anzusetzenden Anschaffungskosten.

4. Durchschnittswertverfahren

Grundsätzlich gilt Einzelbewertung. Bei gleichartigen Vermögensgegenständen kann nach dem Skript das gewogene arithmetische Mittel verwendet werden.

Durchschnittswert = (Anfangsbestand + Zugänge + Bezugskosten − Rücksendungen − Bonus) / Gesamtmenge

Anfangsbestand+ Zugänge± KorrekturenGesamtwert÷ Gesamtmenge = RW/Stück

5. Die 5-Schritt-Methode des lern.de-Skripts

  1. Position in der Bilanz bestimmen: Vorräte = Umlaufvermögen.
  2. Regelwert berechnen und dem beizulegenden Wert gegenüberstellen.
  3. Wertveränderung ermitteln: Wertminderung oder Wertmehrung.
  4. Wertansatz begründen: strenges Niederstwertprinzip oder Anschaffungswertprinzip.
  5. Bilanzansatz ermitteln.
1 Bilanz-position2 RW undbzW3 Wert-änderung4 Prinzipbegründen5 Bilanz-ansatz

6. Originaler Skriptfall: Aluminium der UNTERNEHMER AG

Das Skript verwendet einen durchgängigen Aluminiumfall. Anfangsbestand: 12.000 kg mit 44.400 €. Zugang: 7.000 kg zu 4,10 €/kg (= 28.700 €) plus 700 € Bezugskosten; Rücksendung 800 kg (= 3.280 €). Zweiter Zugang: 14.000 kg für 46.200 €; Nachlass 3.990 €. Am Bilanzstichtag beträgt der Marktpreis 3,20 €/kg, der Inventurbestand 1.500 kg.

Vorgang Menge kg Anschaffungskosten
Anfangsbestand 12.000 44.400 €
+ Zugang 7.000 28.700 €
+ Bezugskosten 700 €
Rücksendung 800 3.280 €
+ Zugang 14.000 46.200 €
Nachlass 3.990 €
= Summe 32.200 112.730 €

Regelwert je kg = 112.730 €/32.200 kg = 3,50 €/kg.

7. Regelwert und beizulegenden Wert vergleichen

Inventurbestand: 1.500 kg. Regelwert: 1.500 × 3,50 € = 5.250 €. Beizulegender Wert: 1.500 × 3,20 € = 4.800 €.

4.800 € < 5.250 €. Es liegt eine Wertminderung von 450 € vor. Nach dem strengen Niederstwertprinzip wird der niedrigere beizulegende Wert bilanziert. Bilanzansatz: 4.800 €.
Wert in €5.250 €4.800 €RegelwertbzW

8. Was passiert bei einem höheren Marktwert?

Ist der beizulegende Wert höher als der Regelwert, bleibt nach der im Skript dargestellten Logik der Regelwert maßgeblich. Der höhere Marktwert führt nicht zu einem höheren Bilanzansatz.

Regelwert 3,50 €/kg, Marktwert 3,90 €/kg, Bestand 1.500 kg → Bilanzansatz bleibt 1.500 × 3,50 € = 5.250 €.

9. Typische Fehler

Fehler Korrektur
Marktpreis immer als Bilanzansatz verwenden zuerst RW und bzW vergleichen
Rücksendungen nur mengenmäßig abziehen Menge und zugehörigen Wert korrigieren
Bezugskosten vergessen in die Anschaffungskosten einbeziehen
Inventurbestand mit Gesamtzugangsmenge verwechseln Bilanzansatz mit dem tatsächlichen Schlussbestand berechnen
Wertminderung ohne Prinzip begründen strenges Niederstwertprinzip ausdrücklich nennen

10. Prüfungstraining

Aufgabe 1. Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe unterscheiden.
Aufgabe 2. Fremdbauteile und Handelswaren einordnen.
Aufgabe 3. den Bezugspreis aus LEP, Rabatt, Skonto und Bezugskosten bestimmen.
Aufgabe 4. Rücksendungen bei der Anschaffungskostenberechnung berücksichtigen.
Aufgabe 5. einen Bonus in der Durchschnittsbewertung berücksichtigen.
Aufgabe 6. eine Gesamtmenge nach Zu- und Abgängen bestimmen.
Aufgabe 7. einen gewogenen Durchschnittswert berechnen.
Aufgabe 8. Regelwert und beizulegenden Wert unterscheiden.
Aufgabe 9. den Bilanzwert eines Inventurbestands zum Regelwert berechnen.
Aufgabe 10. den Bilanzwert zum Marktpreis berechnen.
Aufgabe 11. eine Wertminderung feststellen.
Aufgabe 12. eine Wertmehrung feststellen.
Aufgabe 13. das strenge Niederstwertprinzip anwenden.
Aufgabe 14. das Anschaffungswertprinzip anwenden.
Aufgabe 15. den Bilanzansatz mit der 5-Schritt-Methode begründen.
Aufgabe 16. den Aluminiumfall mit veränderten Mengen neu rechnen.
Aufgabe 17. die Wirkung höherer Bezugskosten auf den Regelwert erklären.
Aufgabe 18. die Wirkung eines Bonus auf den Regelwert erklären.
Aufgabe 19. einen höheren Marktwert bilanziell beurteilen.
Aufgabe 20. einen vollständigen Vorratsbewertungsfall der UNTERNEHMER AG lösen.

11. Zusammenfassung

Merkkette: Vorrat = Umlaufvermögen → Anschaffungskosten/Regelwert bestimmen → Schlussbestand bewerten → beizulegenden Wert feststellen → niedrigeren Wert nach der Skriptlogik wählen → Bilanzansatz begründen.

✏️ Jetzt selbst üben – im Aufgabengenerator

Aufgaben erzeugen →


Quellenbasis: BewertungVonVorraeten12.tex; ergänzend lern.de-Master zum Kurs „FOS 12 Bewertung von Vorräten“. Die 5-Schritt-Methode und das Zahlenbeispiel wurden aus dem Skript übernommen und nicht durch fachfremde Bewertungsmodelle ersetzt.

Nach oben scrollen

Betriebsferien vom
31.07. bis 14.09.2026

Liebe Kunden/Besucher,

Ihre digitalen Zugänge funktionieren wie gewohnt. Nach der Buchung erhalten Sie den Zugang sofort und automatisch – dafür ist keine Bearbeitung durch uns nötig.

Persönlich sind wir vom 31.07. bis 14.09.2026 nicht erreichbar. E-Mails beantworten wir ab dem 15.09.2026 in der Reihenfolge des Eingangs. Terminvereinbarungen sind ab dann wieder möglich.

Ihr lern.de – Team