Betriebswirtschaftslehre · FOS Bayern · Jahrgangsstufe 13 · neuer LehrplanPLUS

gültig ab 2028/29BWL 13 NEULernbereich 225 UE

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Marketingprozesse planen und steuern

Der neue Lernbereich wird nicht als Sammlung von Marketingbegriffen aufgebaut, sondern als vollständiger Planungs- und Entscheidungsprozess der UNTERNEHMER AG. Im Mittelpunkt stehen strategische Planung, ein Scoringmodell als Grundlage des Marktattraktivität-/Wettbewerbsvorteil-Portfolios, die konsistente operative Umsetzung und die kritische Bewertung der Marketingwirkungen.

Lehrplanwechsel: Das frühere Marktwachstum-/Marktanteils-Portfolio mit Stars, Cash Cows, Question Marks und Poor Dogs ist nicht das Portfolio dieses neuen Lernbereichs. Neu ist die mehrkriterielle Ermittlung von Marktattraktivität und Wettbewerbsvorteil über ein Scoringmodell. Zusätzlich wird Marketing multiperspektivisch hinsichtlich seiner Auswirkungen auf den Einzelnen, die Umwelt und die Gesellschaft untersucht.

Inhaltsverzeichnis

  1. Marketing als strategischer Prozess
  2. Planungsebenen: strategisches und operatives Marketing
  3. Situationsanalyse: Markt, Kunden, Wettbewerb und Unternehmen
  4. Marktforschung: Informationen systematisch gewinnen
  5. Marketingziele operationalisieren
  6. Marktsegmentierung und Zielgruppen
  7. Positionierung und Wettbewerbsvorteil
  8. Scoringmodell als Grundlage der Portfolioanalyse
  9. Scoring I: Marktattraktivität berechnen
  10. Scoring II: Wettbewerbsvorteil berechnen
  11. Marktattraktivität-/Wettbewerbsvorteil-Portfolio
  12. Normstrategien – Orientierung statt Automatismus
  13. Vom strategischen Portfolio zur operativen Umsetzung
  14. Produktentscheidungen: Kundennutzen statt Merkmalsliste
  15. Preisentscheidungen: Erlös, Positionierung und Reaktion des Marktes
  16. Kommunikationsentscheidungen: Wirkung statt bloßer Reichweite
  17. Distributionsentscheidungen: Verfügbarkeit und Kundenzugang
  18. Konsistenz des Marketingmixes
  19. Marketingcontrolling: Ziele, Kennzahlen, Abweichungen
  20. Auswirkungen von Marketingmaßnahmen: multiperspektivisch analysieren
  21. Digitales Marketing, Personalisierung und Daten
  22. Nachhaltigkeitskommunikation und Greenwashing-Risiko
  23. Integrierter Marketingfall: Produktlinie X
  24. Portfolio und Scoring kritisch beurteilen
  25. Sensitivität des Scoringmodells
  26. Prüfungsoperatoren im Marketing
  27. Typische Fehler
  28. Prüfungs- und Transfertraining
  29. Der Lernbereich auf einen Blick

1. Marketing als strategischer Prozess

Marketing ist in diesem Lernbereich kein bloßes Sammeln einzelner Werbemaßnahmen. Die UNTERNEHMER AG richtet Entscheidungen konsequent an Markt, Wettbewerb, Kundenbedürfnissen und Unternehmenszielen aus. Der Prozess führt von der Situationsanalyse über Ziele und Strategien zur operativen Umsetzung, Kontrolle und kritischen Wirkungsanalyse.

AnalyseZieleStrategieUmsetzungKontrolle
NEU: Der Lehrplan betont die Planungsebenen des Marketings. Deshalb werden strategische und operative Entscheidungen ausdrücklich miteinander verknüpft.

2. Planungsebenen: strategisches und operatives Marketing

Ebene Leitfrage typische Inhalte Zeithorizont
strategisch Wo und wie wollen wir Wettbewerbsvorteile erzielen? Marktauswahl, Positionierung, Portfolio, grundlegende Stoßrichtung eher langfristig
operativ Mit welchen konkreten Maßnahmen setzen wir die Strategie um? Produkt-, Preis-, Kommunikations- und Distributionsentscheidungen eher kurz-/mittelfristig
Typischer Denkfehler: Eine operative Maßnahme darf nicht losgelöst von der Strategie beurteilt werden. Ein Preisnachlass kann kurzfristig Absatz fördern und gleichzeitig eine Premiumpositionierung beschädigen.

3. Situationsanalyse: Markt, Kunden, Wettbewerb und Unternehmen

Vor jeder Strategieentscheidung braucht die UNTERNEHMER AG belastbare Informationen. Untersucht werden externe Chancen/Risiken und interne Stärken/Schwächen. Daten können aus Marktforschung, Vertrieb, Reklamationen, Wettbewerbsbeobachtung und Unternehmensrechnung stammen.

Analysefeld Beispielfragen
Markt Volumen, Wachstum, Eintrittsbarrieren, technologische Dynamik?
Kunden Bedürfnisse, Zahlungsbereitschaft, Kaufkriterien, Loyalität?
Wettbewerb Intensität, Preisniveau, Qualität, Innovation, Vertriebskraft?
Unternehmen Marke, Kostenposition, Know-how, Kapazität, Service, Nachhaltigkeitsprofil?

4. Marktforschung: Informationen systematisch gewinnen

Marketingentscheidungen sind Prognoseentscheidungen. Deshalb ist entscheidend, wie Informationen entstehen. Primärforschung erhebt Daten für den konkreten Untersuchungszweck neu; Sekundärforschung wertet vorhandene Daten aus.

Methode Stärke Grenze
Befragung Einstellungen und Motive erfassbar Antwortverzerrungen möglich
Beobachtung reales Verhalten sichtbar Motive bleiben oft unklar
Experiment/Testmarkt Wirkungen gezielt untersuchbar aufwendig; Übertragbarkeit prüfen
Sekundärdaten schnell und kostengünstig möglicherweise veraltet/nicht passgenau
UNTERNEHMER AG: Für eine neue energieeffiziente Produktlinie werden zunächst Branchenstudien ausgewertet. Danach testet das Unternehmen zwei Produktkonzepte mit ausgewählten Geschäftskunden. Die Methoden ergänzen sich.

5. Marketingziele operationalisieren

Ökonomische Ziele wie Umsatz, Absatz, Marktanteil oder Deckungsbeitrag und psychologische Ziele wie Bekanntheit, Image oder Präferenz müssen messbar formuliert und mit Unternehmenszielen abgestimmt werden.

Unpräzise: „Bekanntheit erhöhen.“
Operationalisiert: „Die gestützte Bekanntheit der Produktlinie bei industriellen Zielkunden soll innerhalb von zwölf Monaten von 28 % auf 40 % steigen.“

Ziele können komplementär, konkurrierend oder indifferent sein. Höherer Absatz durch aggressive Preisnachlässe kann beispielsweise mit einem Margenziel konkurrieren.

6. Marktsegmentierung und Zielgruppen

Ein Gesamtmarkt ist selten homogen. Segmentierung fasst Nachfrager mit ähnlichen Merkmalen oder Verhaltensweisen zusammen. Im B2B-Fall der UNTERNEHMER AG können etwa Branche, Unternehmensgröße, Anwendung, Beschaffungsvolumen, Qualitätsanforderung und Nachhaltigkeitsanforderungen relevant sein.

Didaktischer Zusammenhang: Segmentierung beantwortet „Für wen?“, Positionierung „Wofür soll unser Angebot stehen?“ und der operative Maßnahmenmix „Wie setzen wir das sichtbar und kaufbar um?“.

7. Positionierung und Wettbewerbsvorteil

Eine Positionierung soll für die Zielgruppe relevant, gegenüber Wettbewerbern unterscheidbar und für das Unternehmen glaubwürdig realisierbar sein. Ein behaupteter Vorteil ist erst dann ein Wettbewerbsvorteil, wenn er aus Kundensicht Nutzen stiftet und nicht leicht neutralisiert wird.

Preisniveau → höherwahrgenommene Qualität → höherUNTERNEHMER AGWettbewerber AWettbewerber B

8. Scoringmodell als Grundlage der Portfolioanalyse

Die neue Portfolioanalyse beginnt nicht mit Bauchgefühl. Marktattraktivität und Wettbewerbsvorteil werden jeweils anhand mehrerer Kriterien bewertet. Kriterien erhalten Gewichte; Ausprägungen werden mit Punkten bewertet.

gewichteter Teilwert = Gewicht · Bewertung
Gesamtscore = Σ gewichtete Teilwerte

Bei Gewichten in Prozent und einer Bewertungsskala von 1 bis 5 kann der Score als gewichteter Mittelwert zwischen 1 und 5 dargestellt werden.

9. Scoring I: Marktattraktivität berechnen

Kriterium Gewicht Bewertung 1–5 gewichteter Wert
Marktwachstum 25 % 4 1,00
Marktvolumen 20 % 4 0,80
Ertragspotenzial 25 % 5 1,25
Wettbewerbsintensität 15 % 2 0,30
Zukunftsfähigkeit 15 % 5 0,75
Summe 100 % 4,10

Die Skalenrichtung muss vor der Bewertung festgelegt werden. Wird „Wettbewerbsintensität“ direkt bewertet, muss beispielsweise klar sein, ob 5 eine hohe Intensität oder eine für das Unternehmen günstige geringe Intensität bedeutet.

10. Scoring II: Wettbewerbsvorteil berechnen

Kriterium Gewicht Bewertung 1–5 gewichteter Wert
Produktqualität 25 % 5 1,25
Kostenposition 20 % 3 0,60
Marken-/Reputationsstärke 15 % 4 0,60
Vertrieb/Service 20 % 4 0,80
Innovationsfähigkeit 20 % 5 1,00
Summe 100 % 4,25
Methodenkritik: Scoring erzeugt keine objektive Wahrheit. Kriterienauswahl, Gewichte, Skalen und Bewertungen enthalten Wertungen. Die Stärke liegt in der transparenten, nachvollziehbaren Strukturierung einer Entscheidung.

11. Marktattraktivität-/Wettbewerbsvorteil-Portfolio

Die beiden Scores werden in ein Portfolio übertragen. Anders als im alten Marktwachstum-/Marktanteils-Portfolio entstehen die Achsen hier aus einer mehrkriteriellen Bewertung.

Wettbewerbsvorteil → hochMarktattraktivität → hochProduktlinie Xniedrigmittelhochniedrigmittelhoch

Mit Marktattraktivität 4,10 und Wettbewerbsvorteil 4,25 liegt Produktlinie X im Bereich hoher Attraktivität und hoher relativer Stärke. Daraus folgt nicht mechanisch eine Maßnahme; Portfolio und Fallinformationen bilden die Grundlage für eine begründete Strategie.

12. Normstrategien – Orientierung statt Automatismus

Portfoliolage typische Stoßrichtung kritische Frage
hoch/hoch investieren, Position ausbauen Sind Ressourcen und Renditepotenzial ausreichend?
mittel/mittel selektiv entwickeln Welche Teilsegmente bieten echte Vorteile?
niedrig/niedrig abschöpfen, reduzieren oder Rückzug prüfen Gibt es strategische Verbundeffekte?
Prüfungsniveau: „Das Feld sagt Investieren“ reicht nicht. Die Empfehlung muss Score, Portfoliolage, Unternehmensressourcen, Risiken und konkrete Marktsituation verbinden.

13. Vom strategischen Portfolio zur operativen Umsetzung

Der Marketingmix übersetzt die Strategie in konkrete Maßnahmen. Im neuen Lehrplan werden alte Begrifflichkeiten im Rahmen des Marketingmixes reduziert; fachlich entscheidend bleibt die abgestimmte Wirkung der Maßnahmen.

Zielgruppe &PositionierungProduktPreisKommunikationDistribution

14. Produktentscheidungen: Kundennutzen statt Merkmalsliste

Produktentscheidungen betreffen Leistungsumfang, Qualität, Design, Marke, Service, Varianten und Weiterentwicklung. Maßstab ist nicht „mehr Funktionen“, sondern der Nutzen für das gewählte Segment und die gewünschte Positionierung.

Die UNTERNEHMER AG positioniert Produktlinie X über Energieeffizienz, geringe Ausfallzeiten und schnellen technischen Service. Ein zusätzliches Ausstattungsmerkmal ist nur sinnvoll, wenn Zielkunden dafür einen relevanten Nutzen wahrnehmen.

15. Preisentscheidungen: Erlös, Positionierung und Reaktion des Marktes

Der Preis beeinflusst unmittelbar Erlös und Deckungsbeitrag, zugleich aber Qualitätswahrnehmung, Nachfrage und Wettbewerbsreaktionen. Preisentscheidungen müssen deshalb mit Kosteninformationen, Zahlungsbereitschaft, Wettbewerbsniveau und Positionierung verbunden werden.

Umsatz = Preis · Absatzmenge
Deckungsbeitrag = Umsatz − variable Kosten
Ein höherer Absatz nach einer Preissenkung bedeutet nicht automatisch höheren Gewinn. Entscheidend ist, ob der zusätzliche Deckungsbeitrag den Margenverlust kompensiert.

16. Kommunikationsentscheidungen: Wirkung statt bloßer Reichweite

Kommunikation soll Aufmerksamkeit, Wissen, Einstellung und Verhalten beeinflussen. Für die UNTERNEHMER AG können Fachmedien, Messen, digitale Inhalte, persönliche Beratung, PR oder Social Media je nach Zielgruppe unterschiedlich geeignet sein.

Kennzahl zeigt zeigt nicht automatisch
Reichweite erreichte Kontakte Kaufabsicht
Klickrate Interaktion Profitabilität
Leads potenzielle Kontakte tatsächliche Abschlüsse
Conversion Rate Anteil gewünschter Handlungen langfristige Kundenbindung

17. Distributionsentscheidungen: Verfügbarkeit und Kundenzugang

Distribution gestaltet den Weg der Leistung zum Kunden. Direkter Vertrieb bietet Kundennähe und Kontrolle, bindet aber eigene Ressourcen. Indirekte Kanäle können Reichweite erhöhen, reduzieren jedoch häufig den unmittelbaren Kundenkontakt. Digitale und physische Kanäle können kombiniert werden.

Bei erklärungsbedürftigen Investitionsgütern setzt die UNTERNEHMER AG auf direkten Key-Account-Vertrieb plus digitale Produktinformation. Für standardisierte Ersatzteile wird zusätzlich ein Händlernetz genutzt.

18. Konsistenz des Marketingmixes

Einzelmaßnahmen sind nur dann strategisch überzeugend, wenn sie ein konsistentes Gesamtbild ergeben.

Positionierung passender Mix Inkonsistenz
Premium/Qualität hochwertige Leistung, wertorientierter Preis, beratender Vertrieb, glaubwürdige Kommunikation dauerhafte aggressive Rabattierung
Effizienz/Kosten standardisierte Leistung, schlanke Distribution, klare Preislogik teure Sonderlösungen ohne Zahlungsbereitschaft

19. Marketingcontrolling: Ziele, Kennzahlen, Abweichungen

Nach Umsetzung werden Soll- und Istwerte verglichen. Abweichungen sind nicht nur festzustellen, sondern zu erklären.

Ziel: 40 % gestützte Bekanntheit. Ist: 37 %. Gleichzeitig liegt die Leadqualität deutlich über Plan. Eine rein eindimensionale Bewertung „Ziel verfehlt“ greift zu kurz; Ursachen und Folgewirkungen sind zu analysieren.
ZielMaßnahmeIst messenAbweichung

20. Auswirkungen von Marketingmaßnahmen: multiperspektivisch analysieren

Der neue Lehrplan fordert ausdrücklich eine kritische multiperspektivische Auseinandersetzung. Marketing wird deshalb nicht ausschließlich aus Unternehmenssicht bewertet.

Perspektive mögliche positive Wirkung mögliche problematische Wirkung
Unternehmen Absatz, Marke, Kundenbindung Kosten, Reputationsrisiko
Konsument Information, Orientierung, passende Angebote Manipulationsdruck, Intransparenz, Datenschutz
Umwelt Nachfrage nach effizienteren Lösungen Mehrkonsum, Ressourcenverbrauch, Greenwashing
Gesellschaft Information, Innovation, Finanzierung von Medien/Angeboten Stereotype, soziale Vergleichseffekte, Desinformation
Beschäftigte/Partner Wachstum und Beschäftigung Ziel-/Leistungsdruck, problematische Lieferkettenanreize

21. Digitales Marketing, Personalisierung und Daten

Digitale Kanäle ermöglichen zielgenauere Ansprache und bessere Messbarkeit, erzeugen aber neue Zielkonflikte. Personalisierung kann Relevanz erhöhen; umfangreiche Datennutzung kann Privatsphäre und Vertrauen berühren. Eine fachlich gute Beurteilung trennt technische Möglichkeit, ökonomischen Nutzen und gesellschaftlich-rechtliche Vertretbarkeit.

Transfer: Die UNTERNEHMER AG möchte Websitebesucher anhand ihres Verhaltens segmentieren und individuell ansprechen. Analysiere Nutzen und Risiken aus Unternehmens-, Kunden- und Gesellschaftsperspektive.

22. Nachhaltigkeitskommunikation und Greenwashing-Risiko

Nachhaltigkeitsargumente können für Kunden relevant sein. Sie müssen jedoch konkret, nachvollziehbar und mit tatsächlichen Produkteigenschaften bzw. Unternehmensmaßnahmen verbunden sein. Vage oder überzogene Umweltversprechen können Vertrauen und Reputation gefährden.

Statt „100 % grün“ kommuniziert die UNTERNEHMER AG eine messbare Verringerung des Energieverbrauchs eines Produkts unter klar genannten Testbedingungen. Die Aussage ist überprüfbarer und fachlich belastbarer.

23. Integrierter Marketingfall: Produktlinie X

Die UNTERNEHMER AG plant die Markteinführung einer energieeffizienten Produktlinie. Die Marktforschung zeigt hohes Ertragspotenzial, aber starken Wettbewerb. Der Scoringwert beträgt 4,10 für Marktattraktivität und 4,25 für Wettbewerbsvorteil.

  1. Formuliere ein operationalisiertes ökonomisches und ein psychologisches Marketingziel.
  2. Begründe Kriterien und Gewichte des Scoringmodells.
  3. Ordne die Produktlinie im Portfolio ein.
  4. Entwickle eine strategische Stoßrichtung.
  5. Leite einen konsistenten Marketingmix ab.
  6. Definiere Kontrollkennzahlen.
  7. Analysiere Auswirkungen auf Unternehmen, Kunden, Umwelt und Gesellschaft.
  8. Formuliere abschließend eine begründete Managemententscheidung einschließlich Risiken.

24. Portfolio und Scoring kritisch beurteilen

Methodenkompetenz bedeutet nicht nur Anwendung, sondern auch Kritik. Ein Score von 4,10 wirkt präzise, obwohl die Eingangswerte teilweise Schätzungen sind. Gewichte können strategische Präferenzen widerspiegeln; Kriterien können voneinander abhängig sein. Portfoliogrenzen reduzieren kontinuierliche Werte auf Kategorien.

Starke Antwort: „Das Modell erhöht Transparenz und Vergleichbarkeit, ersetzt aber kein Managementurteil. Deshalb werden Scores durch Sensitivität, Marktdaten und qualitative Fallinformationen ergänzt.“

25. Sensitivität des Scoringmodells

Um Scheingenauigkeit zu reduzieren, kann geprüft werden, wie stark sich das Ergebnis bei veränderten Gewichten oder Bewertungen verschiebt.

Szenario Änderung Folge
Basis ursprüngliche Gewichte Marktattraktivität 4,10
Risiko stärker gewichtet Wettbewerbsintensität höheres Gewicht Score kann sinken
Nachhaltigkeit wichtiger Zukunftsfähigkeit höheres Gewicht Score kann steigen, wenn Bewertung hoch ist

Das Ziel ist nicht, einen gewünschten Score „herzustellen“, sondern die Robustheit der Entscheidung zu prüfen.

26. Prüfungsoperatoren im Marketing

Operator Was erwartet wird
analysieren Markt-/Unternehmensdaten strukturiert auswerten
berechnen Scoring transparent mit Gewicht und Bewertung durchführen
entwickeln aus Analyse und Strategie passende Maßnahmen ableiten
beurteilen Kriterien anwenden, Wirkungen abwägen, Sachurteil begründen
diskutieren mehrere Perspektiven und Zielkonflikte nachvollziehbar gegenüberstellen

27. Typische Fehler

Fehler fachlich richtige Vorgehensweise
altes BCG-Portfolio mit Stars/Cash Cows übernehmen NEU: Marktattraktivität/Wettbewerbsvorteil auf Scoringbasis
Gewichte summieren sich nicht zu 100 % Gewichtung vor Berechnung prüfen
Skalenrichtung unklar vorher definieren, was hohe Punktzahl bedeutet
Portfoliofeld = automatische Strategie Normstrategie mit Fallinformationen prüfen
Marketingmix als vier isolierte Listen Konsistenz mit Zielgruppe und Positionierung zeigen
Reichweite = Erfolg Ziel-KPI passend zur Wirkungsebene wählen
nur Unternehmensperspektive Individuum, Umwelt, Gesellschaft und weitere Stakeholder einbeziehen
„nachhaltig“ ohne Beleg konkrete, überprüfbare Aussage

28. Prüfungs- und Transfertraining

A1: Ordne zehn Marketingentscheidungen der strategischen bzw. operativen Planungsebene zu und begründe Grenzfälle.
A2: Entwickle für eine neue Produktlinie geeignete Primär- und Sekundärforschungsmaßnahmen.
A3: Formuliere aus unscharfen Vorgaben operationalisierte Marketingziele.
A4: Erstelle ein Scoringmodell zur Marktattraktivität einschließlich Gewichtung und Skalendefinition.
A5: Erstelle ein zweites Scoringmodell für Wettbewerbsvorteile.
A6: Übertrage die Scores in das Marktattraktivität-/Wettbewerbsvorteil-Portfolio.
A7: Entwickle eine Strategie und grenze sie von einer bloßen Normstrategie ab.
A8: Entwickle einen konsistenten Marketingmix für zwei unterschiedliche Positionierungen.
A9: Beurteile eine Preissenkung unter Absatz-, Deckungsbeitrags- und Imageaspekten.
A10: Entwickle geeignete KPIs für Bekanntheit, Leadgewinnung und Verkauf.
A11: Analysiere eine personalisierte digitale Kampagne multiperspektivisch.
A12: Prüfe Nachhaltigkeitsaussagen auf Aussagekraft und Greenwashing-Risiko.
A13: Führe eine Sensitivitätsanalyse des Scoringmodells durch.
A14: Löse den integrierten Fall Produktlinie X als Managementvorlage.

29. Der Lernbereich auf einen Blick

Ebene Kern
Analyse Markt, Kunden, Wettbewerb, Unternehmen, Marktforschung
Ziele ökonomisch/psychologisch, operationalisiert, Zielbeziehungen
Strategie Segmentierung, Positionierung, Wettbewerbsvorteile
Methode Scoringmodell → Marktattraktivität/Wettbewerbsvorteil → Portfolio
Umsetzung konsistenter Produkt-, Preis-, Kommunikations- und Distributionsmix
Kontrolle Ziel-KPI, Soll-Ist, Ursachen, Anpassung
Kritik Auswirkungen auf Individuum, Umwelt und Gesellschaft; Methodenkritik

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