Betriebswirtschaftslehre · FOS Bayern · Jahrgangsstufe 12 · neuer LehrplanPLUS

BWL 12 NEULernbereich 232 UETeilkostenrechnungUNTERNEHMER AG

Alle Inhalte dieser Seite folgen dem offiziellen LehrplanPLUS Bayern.

Entscheidungen mithilfe der Teilkostenrechnung vorbereiten und begründet treffen

Die Teilkostenrechnung untersucht, welche Erlöse und Kosten sich durch eine konkrete Entscheidung tatsächlich verändern. Damit werden kurzfristige Entscheidungen zu Sortiment, Preisen, Zusatzaufträgen, Eigenfertigung oder Fremdbezug sowie zur Nutzung knapper Kapazitäten nachvollziehbar vorbereitet.

Durchgängiges Modellunternehmen: UNTERNEHMER AG. Produkte konkurrieren um knappe Maschinenzeit, Zusatzaufträge müssen bewertet und Bauteile zwischen Eigenfertigung und Fremdbezug verglichen werden. Jede Entscheidung wird gerechnet, interpretiert und begründet.
Neuer Lehrplan: Die offizielle Änderungsübersicht nennt zwei Ergänzungen ausdrücklich: Ermittlung des optimalen Produktionsprogramms bei einem Engpass sowie ESG-Kriterien und ESRS als mögliche Entscheidungsmerkmale bei Eigenfertigung/Fremdbezug.

Inhaltsverzeichnis

  1. Vollkostenrechnung und Teilkostenrechnung unterscheiden
  2. Fixe und variable Kosten
  3. Kosten-, Erlös- und Gewinnfunktion
  4. Stück- und Gesamtdeckungsbeitrag
  5. Sortimentsentscheidungen richtig vorbereiten
  6. Kurzfristige und langfristige Preisuntergrenze
  7. Zusatzauftrag bei freien Kapazitäten
  8. Break-even-Analyse: Gewinnschwelle rechnerisch und grafisch
  9. Wie Preis und Kosten die Gewinnschwelle verändern
  10. Eigenfertigung oder Fremdbezug: Make-or-Buy
  11. Kritische Menge bei Make-or-Buy
  12. ESG und ESRS in der Make-or-Buy-Entscheidung
  13. Scoringmodell für eine begründete Make-or-Buy-Entscheidung
  14. Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung
  15. Engpass erkennen
  16. Relativer Deckungsbeitrag
  17. NEU: optimales Produktionsprogramm bei einem Engpass
  18. Produktionsprogramm vollständig durchrechnen
  19. Gesamtfall UNTERNEHMER AG
  20. Teilkostenrechnung als Entscheidungsrechnung
  21. Deckungsbeitrag vollständig interpretieren
  22. Sortimentsentscheidung ohne Engpass
  23. Zusatzauftrag: freie Kapazität richtig nutzen
  24. Preisuntergrenzen: kurzfristig und langfristig unterscheiden
  25. Break-even: Ergebnisänderungen sichtbar machen
  26. Make-or-Buy: relevante Kosten plus ESG-/ESRS-Kriterien
  27. Make-or-Buy mit Scoringmodell
  28. Engpass: warum der Stückdeckungsbeitrag nicht mehr genügt
  29. Optimales Produktionsprogramm bei einem Engpass
  30. Sensitivität des Produktionsprogramms
  31. Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung: Fixkosten verursachungsgerechter betrachten
  32. Entscheidungen systematisch zusammenführen
  33. Großfall UNTERNEHMER AG: mehrere Entscheidungen gleichzeitig
  34. Typische Prüfungsfehler
  35. Lernbereich auf einen Blick

1. Vollkostenrechnung und Teilkostenrechnung unterscheiden

Die Vollkostenrechnung verteilt sämtliche Kosten auf Kostenträger. Für kurzfristige Entscheidungen kann diese Zurechnung jedoch irreführen, weil zugerechnete Fixkosten nicht automatisch verschwinden, wenn ein Produkt oder Auftrag entfällt. Die Teilkostenrechnung trennt deshalb entscheidungsrelevante variable Kosten von Fixkosten.

Vollkostenrechnung Teilkostenrechnung
alle Kosten werden Kostenträgern zugerechnet variable Kosten werden unmittelbar der Leistung zugerechnet; Fixkosten zunächst periodenbezogen
wichtig für langfristige Kalkulation wichtig für kurzfristige Entscheidungen
Vollkostenergebnis kann durch Schlüsselungen geprägt sein Deckungsbeitrag zeigt Beitrag zur Fixkostendeckung
VOLLKOSTENvariable Kosten+ zugerechnete FixkostenTEILKOSTENvariable Kosten → ProduktFixkosten → Periode

2. Fixe und variable Kosten

Variable Kosten verändern sich mit der Beschäftigung. Fixkosten bleiben innerhalb des betrachteten Beschäftigungsbereichs insgesamt zunächst konstant. Für Entscheidungen zählt das tatsächliche Kostenverhalten.

x Kᵥ gesamt Kꜰ K gesamt kᵥ kꜰ
0 0 € 30.000 € 30.000 € 45 € –
1.000 45.000 € 30.000 € 75.000 € 45 € 30 €
2.000 90.000 € 30.000 € 120.000 € 45 € 15 €
Fixkostendegression: Die gesamten Fixkosten bleiben gleich, die Fixkosten je Stück sinken mit steigender Ausbringungsmenge.

3. Kosten-, Erlös- und Gewinnfunktion

K(x)=KF+kv·x
E(x)=p·x
G(x)=E(x)−K(x)
UNTERNEHMER AG: KF=30.000 €, kv=45 €/Stück, p=75 €/Stück. Damit: K(x)=30.000+45x, E(x)=75x und G(x)=30x−30.000.
Ausbringungsmenge x in StückKosten / Erlöse in €Break-evenE(x)K(x)

4. Stück- und Gesamtdeckungsbeitrag

db=p−kv
DB=db·x=E−Kv
Betriebsergebnis=DB−KF
p=75 €, kᵥ=45 € → db=30 €/Stück. Bei 1.600 Stück: DB=48.000 €. Nach 30.000 € Fixkosten verbleiben 18.000 € Betriebsergebnis.
Deckungsbeitrag 30 €variable Kosten 45 €Preis 75 €

5. Sortimentsentscheidungen richtig vorbereiten

Ein Produkt mit positivem Deckungsbeitrag trägt zur Deckung der Fixkosten bei. Ein negatives Vollkostenergebnis allein rechtfertigt daher keine kurzfristige Streichung.

Produkt X: Erlös 200.000 €, variable Kosten 140.000 € → DB 60.000 €. Zugerechnete Fixkosten 75.000 € → Vollkostenergebnis −15.000 €. Entfallen die Fixkosten bei Streichung nicht, verschlechtert sich das Gesamtergebnis um den verlorenen DB von 60.000 €.
Entscheidungsregel: Nicht fragen „Ist das Vollkostenergebnis negativ?“, sondern „Welche Erlöse und welche Kosten verändern sich durch die Entscheidung tatsächlich?“

6. Kurzfristige und langfristige Preisuntergrenze

kurzfristige Preisuntergrenze = variable Stückkosten
langfristige Preisuntergrenze = volle Stückkosten

Die kurzfristige Preisuntergrenze ist nur in einer kurzfristigen Sondersituation bei freien Kapazitäten sinnvoll. Dauerhaft müssen auch Fixkosten gedeckt und ein Gewinn erwirtschaftet werden.

7. Zusatzauftrag bei freien Kapazitäten

400 zusätzliche Stück zu 58 €/Stück, variable Kosten 45 €/Stück, keine zusätzlichen Fixkosten. Zusatz-DB=(58−45)·400=5.200 €. Rein quantitativ verbessert der Auftrag das Ergebnis um 5.200 €.
Prüfung Frage
Kapazität Sind tatsächlich freie Kapazitäten vorhanden?
Preiswirkung Gefährdet der Sonderpreis reguläre Preise?
Kundenwirkung Entstehen Konflikte mit Stammkunden?
Qualität/Termin Kann der Auftrag ohne Qualitäts- oder Lieferprobleme erfüllt werden?

8. Break-even-Analyse: Gewinnschwelle rechnerisch und grafisch

xBEP=KF/(p−kv)=KF/db
30.000/(75−45)=1.000 Stück. Bei 1.000 Stück gilt E=K=75.000 € und G=0.
Menge Ergebniszone
x < 1.000 Verlust
x = 1.000 Gewinnschwelle
x > 1.000 Gewinn

9. Wie Preis und Kosten die Gewinnschwelle verändern

Änderung db BEP
Verkaufspreis steigt ↑ ↓
variable Stückkosten steigen ↓ ↑
Fixkosten steigen unverändert ↑
Ausbringungsmenge x in StückKosten / Erlöse in €BEP altBEP bei Kꜰ ↑

10. Eigenfertigung oder Fremdbezug: Make-or-Buy

Die Entscheidung wird quantitativ vorbereitet und anschließend qualitativ erweitert. Laut offizieller Änderungsübersicht kommen im neuen Lehrplan ESG-Kriterien und ESRS als mögliche Entscheidungsmerkmale ausdrücklich hinzu.

Eigenfertigung: KE(x)=50x+20.000. Fremdbezug: KF(x)=75x+8.000.
quantitativ qualitativ / strategisch
variable Eigenfertigungskosten Qualität
Bezugspreis Lieferbereitschaft / Termintreue
entscheidungsrelevante Fixkosten Know-how / Abhängigkeit
kritische Menge Flexibilität
– ESG-/ESRS-bezogene Kriterien

11. Kritische Menge bei Make-or-Buy

50x+20.000=75x+8.000
12.000=25x
xkrit=480 Stück

Bei 480 Stück sind beide Alternativen unter den Modellannahmen gleich teuer. Ober- und unterhalb der kritischen Menge entscheidet die Lage der Kostenfunktionen.

Menge x in Stückentscheidungsrelevante Kosten in €xkrit=480EigenfertigungFremdbezug

12. ESG und ESRS in der Make-or-Buy-Entscheidung

Die Neuerung erweitert Make-or-Buy über die reine Kostenrechnung. Nachhaltigkeitsinformationen können die Entscheidung verändern, selbst wenn eine Alternative rechnerisch zunächst günstiger erscheint.

Dimension mögliches Entscheidungskriterium Beispiel
E – Environmental Energie-/Emissionsintensität, Ressourceneinsatz Lieferant produziert mit deutlich höherer Emissionsintensität
S – Social Arbeitsbedingungen, Arbeitsschutz, Lieferkettenrisiken kritische Arbeitsbedingungen beim Zulieferer
G – Governance Compliance, Transparenz, Kontrollsysteme unzureichende Nachweise oder Kontrollprozesse
Wichtig: ESG/ESRS ersetzen die Kostenrechnung nicht. Sie ergänzen die quantitative Entscheidung um relevante nicht-monetäre bzw. langfristig wirtschaftlich bedeutsame Kriterien.

13. Scoringmodell für eine begründete Make-or-Buy-Entscheidung

Ein Scoringmodell macht qualitative Kriterien transparent. Gewichtungen und Bewertungen müssen begründet werden; das Ergebnis ist eine Entscheidungshilfe, kein Automatismus.

Kriterium Gewicht Eigenfertigung Punkte gewichtet Fremdbezug Punkte gewichtet
Kosten 35 % 3 1,05 5 1,75
Qualität 25 % 5 1,25 3 0,75
Lieferfähigkeit 15 % 5 0,75 3 0,45
ESG/ESRS 25 % 4 1,00 2 0,50
Gesamt 100 % 4,05 3,45
Die Rechnung zeigt: Ein niedrigerer Bezugspreis kann durch Qualitäts-, Liefer- oder Nachhaltigkeitsrisiken relativiert werden. Sensitivität der Gewichtungen mitprüfen.

14. Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung

Fixkosten werden dort abgezogen, wo sie verursachungsgerecht zugeordnet und tatsächlich beeinflussbar sind. Dadurch wird sichtbar, ob ein Produkt, eine Produktgruppe oder erst das Gesamtunternehmen einen Ergebnisbeitrag liefert.

Produkt A Produkt B Produkt C
DB I 90.000 € 70.000 € 50.000 €
− Produktfixkosten 30.000 € 55.000 € 60.000 €
DB II 60.000 € 15.000 € −10.000 €
Umsatz − variable Kosten = DB I− Produktfixkosten = DB II− Gruppenfixkosten− Unternehmensfixkosten = Ergebnis

15. Engpass erkennen

Ein Engpass liegt vor, wenn ein knapper Faktor verhindert, dass alle grundsätzlich vorteilhaften Absatzmöglichkeiten realisiert werden können. Beschaffung, Produktion oder Absatz können begrenzen.

BESCHAFFUNGknapper RohstoffPRODUKTIONknappe MaschinenzeitABSATZbegrenzte Absatzmenge

16. Relativer Deckungsbeitrag

Bei einem einzigen Engpass ist nicht der höchste Stückdeckungsbeitrag entscheidend, sondern der Deckungsbeitrag je Einheit des knappen Faktors.

relativer DB = Stückdeckungsbeitrag / Engpassbeanspruchung je Stück
Produkt db/Stück Engpasszeit relativer DB Rang
A 30 € 6 min 5 €/min 2
B 24 € 3 min 8 €/min 1
C 35 € 10 min 3,50 €/min 3

17. NEU: optimales Produktionsprogramm bei einem Engpass

Die offizielle Änderungsübersicht nennt die Ermittlung des optimalen Produktionsprogramms bei Vorliegen eines Engpasses ausdrücklich als Neuerung. Produkte werden nach relativem Deckungsbeitrag gereiht; die knappe Kapazität wird unter Beachtung der Absatzhöchstmengen in dieser Reihenfolge vergeben.

Engpasskapazität 5.000 min. B: max. 800 Stück ×3 min=2.400 min. Rest 2.600. A: max. 400 ×6=2.400 min. Rest 200. C: 20 ×10=200 min. Optimales Programm: B 800, A 400, C 20.
B: 2.400 minA: 2.400 minCverfügbare Engpasskapazität in Minuten: 5.000

18. Produktionsprogramm vollständig durchrechnen

Produkt Menge db/Stück Gesamt-DB
B 800 24 € 19.200 €
A 400 30 € 12.000 €
C 20 35 € 700 €
Summe 31.900 €
Das Programm maximiert unter den Modellannahmen den Deckungsbeitrag des knappen Faktors. Bei mehreren Engpässen reicht die einfache Rangfolge nach relativem DB nicht ohne Weiteres aus.

19. Gesamtfall UNTERNEHMER AG

  1. Kosten in fixe und variable Bestandteile zerlegen.
  2. Stück- und Gesamtdeckungsbeiträge ermitteln.
  3. Sortiments- und Zusatzauftragsentscheidungen vorbereiten.
  4. Break-even berechnen und grafisch interpretieren.
  5. Make-or-Buy quantitativ rechnen und um Qualität, Lieferbereitschaft sowie ESG/ESRS ergänzen.
  6. Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung einsetzen.
  7. Engpass erkennen, relativen DB bilden und optimales Produktionsprogramm bestimmen.
  8. Ergebnis nicht nur berechnen, sondern fachlich begründet entscheiden.
UNTERNEHMER AGEntscheidungenDeckungsbeitragBreak-evenPreisuntergrenzeMake-or-Buy + ESGmehrstufiger DBEngpassprogramm

20. Teilkostenrechnung als Entscheidungsrechnung

Die Teilkostenrechnung beantwortet nicht die Frage, welche gesamten Kosten einem Produkt rechnerisch zugerechnet werden können, sondern welche Kosten und Erlöse sich durch eine konkrete Entscheidung tatsächlich verändern. Damit wird sie zum Werkzeug für kurzfristige Entscheidungen.

Alternativedefinierenrelevante Erlösebestimmenrelevante KostenbestimmenDB / Entscheidungberechnen & begründen

21. Deckungsbeitrag vollständig interpretieren

\(db=p-k_v\qquad DB=x\cdot db\qquad G=DB-K_f\)

UA-200: Verkaufspreis 180 €, variable Stückkosten 112 €, Absatz 4.000 Stück, Fixkosten 220.000 €.
Stückdeckungsbeitrag = 68 €.
Gesamtdeckungsbeitrag = 272.000 €.
Betriebsergebnis = 52.000 €.

Der Deckungsbeitrag ist kein Gewinn je Stück. Er zeigt zunächst, welchen Beitrag eine Einheit zur Deckung der Fixkosten und anschließend zum Gewinn leistet.

22. Sortimentsentscheidung ohne Engpass

Produkt Preis variable Kosten Stück-DB Absatz Gesamt-DB
UA-100 140 € 90 € 50 € 2.000 100.000 €
UA-200 180 € 112 € 68 € 1.500 102.000 €
UA-300 250 € 170 € 80 € 900 72.000 €

Ohne Engpass und bei positiven Stückdeckungsbeiträgen trägt jedes zusätzlich absetzbare Produkt zur Fixkostendeckung bei. Ein bloßer Vergleich der Stückdeckungsbeiträge reicht jedoch nicht zur Beurteilung des gesamten Sortiments.

23. Zusatzauftrag: freie Kapazität richtig nutzen

Ein Kunde bietet für 600 zusätzliche UA-200 nur 145 € je Stück. Variable Stückkosten: 112 €. Freie Kapazität ist vorhanden; zusätzliche Fixkosten entstehen nicht.
Zusätzlicher DB = \(600·(145-112)=\)19.800 €.

Rechnerisch verbessert der Auftrag das kurzfristige Ergebnis um 19.800 €. Zusätzlich sind qualitative Folgen zu prüfen: Preiswirkung auf Stammkunden, Kapazitätsbindung, Lieferfähigkeit und strategische Konsequenzen.

24. Preisuntergrenzen: kurzfristig und langfristig unterscheiden

Bei freier Kapazität bildet die variable Stückkostenhöhe eine zentrale kurzfristige Orientierung. Langfristig müssen dagegen auch fixe Kosten gedeckt und ein angemessener Erfolg erzielt werden.

Prüfungsfalle: Eine kurzfristige Preisuntergrenze ist kein dauerhaft sinnvoller Marktpreis.

25. Break-even: Ergebnisänderungen sichtbar machen

\(x_{BEP}=\frac{K_f}{p-k_v}\)

Fixkosten 220.000 €, Preis 180 €, variable Stückkosten 112 € → \(x_{BEP}=220.000/68=3.235{,}29\). Da keine Teilstücke verkauft werden, liegt die Gewinnzone ab 3.236 Stück.
Menge x in StückKosten / Erlöse in €BEP ≈ 3.236 StückK(x)E(x)

26. Make-or-Buy: relevante Kosten plus ESG-/ESRS-Kriterien

Bei Eigenfertigung oder Fremdbezug entscheidet nicht nur der Einkaufspreis. Zunächst werden die vermeidbaren Kosten der Eigenfertigung mit den Fremdbezugskosten verglichen. Danach werden qualitative und nachhaltigkeitsbezogene Kriterien ergänzt.

Kriterium Eigenfertigung Fremdbezug
variable Kosten je Stück 42 € –
vermeidbare fixe Kosten je Stück bei gegebener Menge 6 € –
Bezugspreis je Stück – 50 €
Transport / Qualitätsprüfung – 2 €
relevante Kosten 48 € 52 €

Rechnerisch spricht der Fall zunächst für Eigenfertigung. Die Entscheidung ist anschließend z. B. um Lieferkettenrisiko, Umweltwirkung, Arbeitsbedingungen, Governance des Lieferanten, Qualität und Know-how-Abhängigkeit zu ergänzen.

27. Make-or-Buy mit Scoringmodell

Kriterium Gewicht Eigenfertigung Punkte Fremdbezug Punkte
Kosten 35 % 5 3
Qualität 25 % 5 4
Lieferflexibilität 15 % 4 3
Umwelt/Transport 15 % 4 2
Governance/Transparenz 10 % 5 3

Eigenfertigung: \(0{,}35·5+0{,}25·5+0{,}15·4+0{,}15·4+0{,}10·5=\)4,70 Punkte. Das Scoring ersetzt die Kostenrechnung nicht, sondern ergänzt sie um qualitative Entscheidungsdimensionen.

28. Engpass: warum der Stückdeckungsbeitrag nicht mehr genügt

Wenn ein knapper Produktionsfaktor mehrere Produkte begrenzt, muss der Deckungsbeitrag auf genau diese Engpasseinheit bezogen werden.

\(\text{relativer DB}=\frac{\text{Stückdeckungsbeitrag}}{\text{Beanspruchung des Engpasses je Stück}}\)

Produkt Stück-DB Engpasszeit relativer DB Rang
UA-100 50 € 2 h 25 €/h 3
UA-200 68 € 2 h 34 €/h 2
UA-300 80 € 2 h 40 €/h 1

29. Optimales Produktionsprogramm bei einem Engpass

Verfügbare Engpasskapazität: 8.000 Maschinenstunden.
Maximalabsatz UA-300: 1.500 Stück → 3.000 h, DB 120.000 €.
UA-200: 2.000 Stück → 4.000 h, DB 136.000 €.
Verbleiben 1.000 h für UA-100 → 500 Stück, DB 25.000 €.
Gesamtdeckungsbeitrag des optimalen Programms = 281.000 €.
Engpasskapazität in MaschinenstundenUA-300 · 3.000 hUA-200 · 4.000 hUA-1001.000 h03.0007.0008.000

30. Sensitivität des Produktionsprogramms

Ändern sich Verkaufspreise, variable Kosten oder Engpasszeiten, kann sich die Rangfolge ändern.

Sinkt der Stückdeckungsbeitrag von UA-300 von 80 € auf 60 €, beträgt sein relativer DB nur noch 30 €/h. UA-200 mit 34 €/h rückt auf Rang 1. Damit ändert sich das optimale Programm.

31. Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung: Fixkosten verursachungsgerechter betrachten

Produkt A Produkt B Produkt C
Deckungsbeitrag I 120.000 € 95.000 € 70.000 €
− Produktfixkosten 40.000 € 55.000 € 25.000 €
DB II 80.000 € 40.000 € 45.000 €

Ein positiver DB II bedeutet nicht automatisch, dass jede langfristige Entscheidung bereits feststeht. Zusätzlich können Produktgruppen-, Bereichs- und Unternehmensfixkosten sowie strategische Verbundwirkungen relevant sein.

32. Entscheidungen systematisch zusammenführen

Entscheidung zentrale quantitative Größe ergänzende Prüfung
Zusatzauftrag zusätzlicher DB Kapazität, Preiswirkung, Kunde
Make-or-Buy relevante Kosten Qualität, ESG/ESRS, Risiko, Know-how
Produktionsprogramm relativer DB je Engpasseinheit Absatzgrenzen, Mindestmengen, Strategie
Sortiment DB / mehrstufiger DB Verbundeffekte, Zukunftspotenzial

33. Großfall UNTERNEHMER AG: mehrere Entscheidungen gleichzeitig

Die UNTERNEHMER AG erhält einen Zusatzauftrag, hat gleichzeitig einen Maschinenengpass und prüft den Fremdbezug eines Bauteils. Die Geschäftsleitung darf die Entscheidungen nicht isoliert behandeln: Ein angenommener Zusatzauftrag beansprucht Engpasskapazität und kann damit andere Produkte verdrängen.
  1. Berechnen Sie die Deckungsbeiträge aller Produkte.
  2. Bestimmen Sie den relativen DB je Engpasseinheit.
  3. Erstellen Sie das optimale Produktionsprogramm.
  4. Prüfen Sie den Zusatzauftrag unter Berücksichtigung möglicher Opportunitätskosten.
  5. Vergleichen Sie relevante Eigenfertigungs- und Fremdbezugskosten.
  6. Ergänzen Sie die Make-or-Buy-Entscheidung um ESG-/ESRS-Kriterien.
  7. Begründen Sie eine Gesamtentscheidung.

34. Typische Prüfungsfehler

Fehler Korrektur
negatives Vollkostenergebnis → Produkt streichen Deckungsbeitrag und tatsächlich abbaubare Fixkosten prüfen.
kurzfristige PUG = Selbstkosten kurzfristig grundsätzlich variable Stückkosten.
Zusatzauftrag unter Normalpreis automatisch ablehnen freien Kapazitätsbereich und Zusatz-DB prüfen.
BEP = Fixkosten / Preis Fixkosten / Stückdeckungsbeitrag.
Make-or-Buy nur nach Stückpreis relevante fixe Kosten + qualitative Kriterien + ESG/ESRS berücksichtigen.
Scoringwert als objektive Wahrheit ansehen Gewichtungen/Bewertungen kritisch prüfen.
Engpass nach höchstem db/Stück relativen DB je Engpasseinheit verwenden.
optimales Programm ohne Absatzgrenzen Absatzhöchstmengen mitberücksichtigen.

36. Lernbereich auf einen Blick

  • Teilkostenrechnung trennt entscheidungsrelevante variable Kosten von Fixkosten.
  • Deckungsbeitrag, Preisuntergrenze und Break-even unterstützen kurzfristige Entscheidungen.
  • Make-or-Buy wird quantitativ und qualitativ beurteilt.
  • Neu: ESG-Kriterien und ESRS können Make-or-Buy-Entscheidungsmerkmale sein.
  • Mehrstufige Deckungsbeitragsrechnung verbessert die Fixkostenanalyse.
  • Neu: Bei einem Engpass wird das optimale Produktionsprogramm über relative Deckungsbeiträge ermittelt.
  • Rechnung und Begründung gehören in der Prüfung zusammen.

✏️ Jetzt selbst üben – im Aufgabengenerator

Erstelle dir zu diesem Thema beliebig viele Übungsaufgaben mit vollständigem Lösungsweg – passend zur FOS/BOS Bayern und deiner Klasse.

Aufgaben erzeugen →

🎮 Live-Quiz für die Klasse

Teste dein Wissen im interaktiven Quiz – mit Sofort-Erklärung nach jeder Frage. Für Lehrkräfte: eigenes Klassen-Quiz starten.

Live-Quiz entdecken →
Nach oben scrollen

Betriebsferien vom
31.07. bis 14.09.2026

Liebe Kunden/Besucher,

Ihre digitalen Zugänge funktionieren wie gewohnt. Nach der Buchung erhalten Sie den Zugang sofort und automatisch – dafür ist keine Bearbeitung durch uns nötig.

Persönlich sind wir vom 31.07. bis 14.09.2026 nicht erreichbar. E-Mails beantworten wir ab dem 15.09.2026 in der Reihenfolge des Eingangs. Terminvereinbarungen sind ab dann wieder möglich.

Ihr lern.de – Team

💡 Mehr auf lern.de

Entdecke weitere kostenlose Lernangebote für deine Schulart:

MathematikErklärseiten, Aufgabengenerator & Live-QuizBwRErklärseiten, Aufgabengenerator & Live-QuizIBVErklärseiten, Aufgabengenerator & Live-Quiz