Betriebswirtschaftslehre · FOS Bayern · Jahrgangsstufe 12 · neuer LehrplanPLUS

BWL 12 NEULernbereich 432 UEPersonalUNTERNEHMER AG

Alle Inhalte dieser Seite folgen dem offiziellen LehrplanPLUS Bayern.

Personal sach- und personenorientiert führen und zukunftsorientiert entwickeln

Personalmanagement verbindet die Anforderungen des Unternehmens mit den Bedürfnissen und Entwicklungsmöglichkeiten der Beschäftigten. Im Mittelpunkt stehen flexible Arbeitsmodelle, Motivation und Führung, Management-by-Techniken, Personalentwicklung sowie das Personalportfolio.

Neuer Lehrplan: Die offizielle Änderungsübersicht nennt ausdrücklich KAPOVAZ, Lebensarbeitszeit, Zweifaktorentheorie nach Herzberg, Management-by-Techniken, Begrifflichkeiten zur Personalentwicklung, flexible Arbeitsmodelle hinsichtlich des Ortes (u. a. Homeoffice) sowie Personalportfolio und zugehörige Normstrategien.

Inhaltsverzeichnis

  1. Personalmanagement als betriebliche Gestaltungsaufgabe
  2. Personalbedarf und Kompetenzbedarf
  3. Arbeitszeitmodelle und Flexibilisierung
  4. NEU: KAPOVAZ
  5. NEU: Lebensarbeitszeit
  6. NEU: flexible Arbeitsmodelle hinsichtlich des Ortes
  7. Motivation als Führungsaufgabe
  8. NEU: Zweifaktorentheorie nach Herzberg
  9. Zielsetzung und Motivation – Locke/Latham
  10. Menschenbilder nach McGregor: Theorie X und Theorie Y
  11. Sach- und Personenorientierung von Führung
  12. NEU: Management-by-Techniken
  13. NEU: Personalentwicklung – Begriffe und Ziele
  14. Personalentwicklungsprozess
  15. NEU: Personalportfolio
  16. NEU: Normstrategien aus dem Personalportfolio
  17. Personalentscheidungen mit Scoring vorbereiten
  18. Personalbeschaffung: intern oder extern?
  19. Anforderungsprofil und Auswahlkriterien
  20. Führung als Regelkreis
  21. Delegation: Aufgabe, Kompetenz und Verantwortung müssen zusammenpassen
  22. Konflikte und Feedback sach- und personenorientiert bearbeiten
  23. Herzberg vollständig anwenden: Diagnose statt Schlagwort
  24. Management by Objectives: Zielvereinbarung durchrechnen und beurteilen
  25. Personalentwicklungsbedarf systematisch ermitteln
  26. Personalentwicklungsinstrumente passend auswählen
  27. Personalentwicklung kontrollieren: nicht nur Teilnahme zählen
  28. Personalportfolio: Achsen, Einordnung und Normstrategien kritisch prüfen
  29. Digitalisierung, KI und Personalentwicklung
  30. Personalmaßnahmen mit Kennzahlen beobachten
  31. Personalentscheidung als mehrdimensionales System
  32. Gesamtfall UNTERNEHMER AG
  33. Typische Prüfungsfehler
  34. 35 Prüfungs- und Transferaufträge
  35. Das Wichtigste auf einen Blick

1. Personalmanagement als betriebliche Gestaltungsaufgabe

Personalmanagement sorgt dafür, dass ein Unternehmen zur richtigen Zeit über die benötigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit passenden Kompetenzen verfügt. Dabei müssen Sachziele des Unternehmens und Bedürfnisse der Beschäftigten miteinander verbunden werden.

SACHORIENTIERUNGLeistung · QualitätKosten · ZielePERSONENORIENTIERUNGMotivation · EntwicklungBedürfnisse · GesundheitFÜHRUNGverbinden

2. Personalbedarf und Kompetenzbedarf

Personalplanung beginnt nicht erst mit einer Stellenanzeige. Ausgangspunkt sind Unternehmensziele, Arbeitsvolumen und die künftig benötigten Kompetenzen. Quantitativer Bedarf fragt wie viele?, qualitativer Bedarf welche Fähigkeiten?, zeitlicher Bedarf wann? und örtlicher Bedarf wo?.

Dimension Leitfrage Beispiel
quantitativ Wie viele Beschäftigte? zusätzliche 6 Fachkräfte
qualitativ Welche Kompetenzen? Automatisierung / Datenanalyse
zeitlich Wann und wie lange? Projektspitze für 9 Monate
örtlich Wo wird gearbeitet? Werk, Büro, Homeoffice

3. Arbeitszeitmodelle und Flexibilisierung

Arbeitszeitmodelle beeinflussen Kapazität, Personalkosten, Vereinbarkeit und Motivation. Unternehmen müssen Flexibilität und Planbarkeit gegeneinander abwägen.

Modell Grundidee Chance Risiko
Gleitzeit flexible Lage der Arbeitszeit Autonomie Abstimmungsbedarf
Teilzeit reduzierte regelmäßige Arbeitszeit Vereinbarkeit Kapazitäts-/Koordinationsbedarf
Jobsharing Arbeitsplatz wird geteilt Flexibilität / Wissensteilung Übergaben
Schichtarbeit zeitlich versetzte Arbeitsgruppen lange Betriebszeiten Belastung
Vertrauensarbeitszeit Fokus auf Aufgabenerfüllung Autonomie Entgrenzungsrisiko

4. NEU: KAPOVAZ

KAPOVAZ steht für kapazitätsorientierte variable Arbeitszeit. Der Arbeitseinsatz wird innerhalb rechtlicher und vertraglicher Grenzen stärker am tatsächlichen Arbeitsanfall ausgerichtet.

UNTERNEHMER AG: Schwankt der Kundenservice stark nach Saison, kann ein flexibler Personaleinsatz Über- und Unterkapazitäten reduzieren. Gleichzeitig braucht das Modell verlässliche Regeln, damit Beschäftigte ihr Privatleben planen können.
ZeitArbeitsanfall / PersonaleinsatzArbeitsanfallPersonaleinsatz

5. NEU: Lebensarbeitszeit

Lebensarbeitszeitmodelle betrachten Arbeitszeit über längere Phasen des Erwerbslebens. Zeitguthaben können – je nach konkreter Ausgestaltung – für längere Freistellungsphasen oder einen gleitenden Übergang verwendet werden.

AufbauZeitguthabenErwerbsphaseflexible NutzungFreistellungz. B. längere AuszeitZeit →

6. NEU: flexible Arbeitsmodelle hinsichtlich des Ortes

Arbeit kann – soweit Tätigkeit, Technik und Organisation es erlauben – an unterschiedlichen Orten erbracht werden. Der Lehrplan nennt ausdrücklich flexible Modelle hinsichtlich des Ortes, unter anderem Homeoffice.

Aspekt mögliche Chance mögliche Herausforderung
Produktivität konzentriertes Arbeiten ungeeignete Arbeitsumgebung
Motivation Autonomie / Vereinbarkeit Isolation
Organisation größerer Rekrutierungsradius Koordination
Führung ergebnisorientiertes Arbeiten weniger informelle Kontakte
IT digitale Zusammenarbeit Datenschutz / IT-Sicherheit

7. Motivation als Führungsaufgabe

Motivation beeinflusst Verhalten, Leistungsbereitschaft und Bindung, ist aber nicht mechanisch steuerbar. Führung kann Bedingungen gestalten, unter denen Motivation wahrscheinlicher wird.

Eine Gehaltserhöhung, anspruchsvollere Aufgaben, Anerkennung oder größere Verantwortung wirken nicht bei allen Beschäftigten gleich. Führung benötigt daher ein differenziertes Verständnis von Motiven und Arbeitssituation.

8. NEU: Zweifaktorentheorie nach Herzberg

Herzberg unterscheidet Hygienefaktoren und Motivatoren. Fehlende bzw. unzureichende Hygienefaktoren können Unzufriedenheit begünstigen; Motivatoren beziehen sich stärker auf den Arbeitsinhalt und können Zufriedenheit bzw. Motivation fördern.

Hygienefaktoren Motivatoren
Unternehmenspolitik / Verwaltung Leistung / Erfolg
Arbeitsbedingungen Anerkennung
Beziehungen / Führung Arbeitsinhalt
Entlohnung / Sicherheit Verantwortung
Entwicklung / Aufstieg
HYGIENEFAKTORENArbeitsumfeldkönnen Unzufriedenheit vermeidenMOTIVATORENArbeitsinhaltkönnen Motivation fördern
Prüfungsfalle: „Keine Unzufriedenheit“ ist nicht automatisch dasselbe wie „hohe Motivation“. Genau diese Trennung ist der Kern des Modells.

9. Zielsetzung und Motivation – Locke/Latham

Klare und anspruchsvolle, aber erreichbare Ziele können Leistung unterstützen, insbesondere wenn Rückmeldung erfolgt und die Betroffenen die Ziele akzeptieren. Ziele müssen deshalb konkretisiert und überprüfbar gemacht werden.

Beispiel: „Service verbessern“ ist kaum überprüfbar. „Durchschnittliche Bearbeitungszeit bis Quartalsende von 36 auf 28 Stunden senken, ohne die Reklamationsquote zu erhöhen“ ist deutlich steuerungsfähiger.

10. Menschenbilder nach McGregor: Theorie X und Theorie Y

Theorie X Theorie Y
Menschen vermeiden Arbeit, wenn möglich. Arbeit kann als sinnvoll erlebt werden.
enge Kontrolle erscheint notwendig. Selbststeuerung und Verantwortung sind möglich.
Verantwortung wird eher vermieden. Menschen können Verantwortung übernehmen.
Führung tendiert zu Kontrolle. Führung schafft Beteiligungs- und Entwicklungsräume.
Die Modelle sind idealtypische Annahmen über Menschen. Sie helfen, Führungsverhalten zu reflektieren; sie sind keine Etiketten für einzelne Beschäftigte.

11. Sach- und Personenorientierung von Führung

Führung kann unterschiedlich stark auf Aufgabe/Leistung und auf Menschen/Beziehungen ausgerichtet sein. Die Kombination beider Dimensionen ermöglicht eine differenziertere Betrachtung als die einfache Gegenüberstellung „autoritär oder kooperativ“.

Aufgabenorientierung →Mitarbeiterorientierung →hoch Personhoch Personhoch Aufgabeniedrig Aufgabehoch Aufgabe

12. NEU: Management-by-Techniken

Management-by-Techniken strukturieren die Verteilung von Aufgaben, Entscheidungen und Kontrolle. Sie sind Führungsprinzipien, keine Garantie für Motivation oder Erfolg.

Technik Kernidee mögliche Stärke mögliches Risiko
Management by Objectives Führung durch Zielvereinbarung Eigenverantwortung / Ergebnisorientierung falsche oder einseitige Ziele
Management by Delegation Aufgaben, Befugnisse und Verantwortung übertragen Entlastung / Entwicklung unklare Kompetenzen
Management by Exception Eingriff der Führung nur bei definierten Abweichungen Selbstständigkeit / Entlastung Probleme werden ggf. spät sichtbar
OBJECTIVESZiele vereinbarenErgebnis kontrollierenDELEGATIONAufgaben + BefugnisseübertragenEXCEPTIONselbstständig handelnEingriff bei Abweichung

13. NEU: Personalentwicklung – Begriffe und Ziele

Personalentwicklung umfasst geplante Maßnahmen, mit denen Kompetenzen erhalten, erweitert oder für neue Aufgaben aufgebaut werden. Sie verbindet Unternehmensbedarf mit individuellen Entwicklungsmöglichkeiten.

Begriff Bedeutung
Ausbildung systematischer Erwerb beruflicher Handlungsfähigkeit
Fortbildung Qualifikation im bestehenden beruflichen Feld erweitern/aktualisieren
Weiterbildung weiter gefasste berufliche Qualifizierung
Training on the job Lernen unmittelbar am Arbeitsplatz
Training off the job Lernen außerhalb des unmittelbaren Arbeitsplatzes
Job Rotation systematischer Arbeitsplatzwechsel
Job Enlargement quantitative Aufgabenerweiterung
Job Enrichment qualitative Aufgabenerweiterung mit höherem Anspruch/Verantwortung

14. Personalentwicklungsprozess

Wirksame Personalentwicklung beginnt mit einer Bedarfsanalyse und endet nicht mit der Durchführung einer Schulung. Entscheidend ist, ob die erworbenen Kompetenzen im Arbeitsprozess wirksam werden.

BedarfanalysierenZielefestlegenMaßnahmeauswählendurchführenTransferevaluieren

15. NEU: Personalportfolio

Ein Personalportfolio ordnet Beschäftigte oder Personalgruppen anhand zweier ausgewählter Kriterien ein. Es dient dazu, unterschiedliche personalpolitische Maßnahmen systematisch vorzubereiten. Die Achsen und Bewertungskriterien müssen in einer konkreten Aufgabe eindeutig definiert sein.

aktuelle Leistung →Entwicklungspotenzial →Potenzial entwickelnfördern / bindenanalysieren / entwickelnLeistung sichern

16. NEU: Normstrategien aus dem Personalportfolio

Portfolio-Situation mögliche Normstrategie
hohe Leistung / hohes Potenzial binden, fördern, anspruchsvolle Entwicklungsperspektiven
niedrigere Leistung / hohes Potenzial Ursachen klären, entwickeln, passende Aufgaben/Qualifizierung
hohe Leistung / niedrigeres Potenzial Leistung sichern, Fachlaufbahn, Wissen nutzen
niedrigere Leistung / niedrigeres Potenzial Ursachenanalyse, gezielte Unterstützung, Einsatz prüfen
Normstrategien sind Orientierungen, keine automatischen Personalentscheidungen. Bewertungen können fehlerhaft oder verzerrt sein; individuelle Gespräche und weitere Informationen bleiben notwendig.

17. Personalentscheidungen mit Scoring vorbereiten

Kriterium Gewicht Bewerber A gewichtet Bewerber B gewichtet
Fachkompetenz 35 % 5 1,75 4 1,40
Teamfähigkeit 25 % 3 0,75 5 1,25
digitale Kompetenz 25 % 4 1,00 4 1,00
Entwicklungspotenzial 15 % 4 0,60 5 0,75
Summe 100 % 4,10 4,40
Scoring schafft Transparenz, ersetzt aber keine fachliche Begründung. Auswahlkriterien müssen arbeitsplatzbezogen sein; Gewichtungen und Bewertungen sind kritisch zu prüfen.

18. Personalbeschaffung: intern oder extern?

Ist ein Personalbedarf festgestellt, entscheidet die UNTERNEHMER AG, ob geeignete Personen aus dem eigenen Unternehmen entwickelt bzw. versetzt oder extern gewonnen werden. Die Wahl beeinflusst Kosten, Geschwindigkeit, Motivation, Know-how und Fehlbesetzungsrisiko.

Beschaffungsweg Chancen Risiken
intern Person und Leistung sind bekannt; Einarbeitung oft kürzer; Entwicklungsperspektiven können motivieren. Auswahlbasis kleiner; an anderer Stelle entsteht ggf. neuer Bedarf; weniger externe Impulse.
extern größerer Bewerbermarkt; neues Wissen und neue Erfahrungen möglich. höhere Such-/Einarbeitungskosten; Leistung und Passung zunächst unsicherer.
UNTERNEHMER AG: Für die Leitung eines neuen automatisierten Fertigungsbereichs stehen eine erfahrene interne Teamleiterin und ein externer Automatisierungsspezialist zur Wahl. Eine sachgerechte Entscheidung verbindet Anforderungsprofil, Entwicklungspotenzial, Kosten, Einarbeitungszeit und strategischen Kompetenzbedarf.

19. Anforderungsprofil und Auswahlkriterien

Ein Anforderungsprofil übersetzt die Aufgaben einer Stelle in nachvollziehbare Auswahlkriterien. Dadurch wird die Personalauswahl strukturierter und begründbarer.

Kriteriengruppe Beispiele Nachweis/Beobachtung
Fachkompetenz Fachwissen, Methoden, digitale Kenntnisse Qualifikation, Arbeitsprobe, Fachfragen
Sozialkompetenz Kooperation, Kommunikation, Konfliktfähigkeit strukturierte Interviews, situative Aufgaben
Selbstkompetenz Eigenverantwortung, Lernbereitschaft, Belastbarkeit Beispiele aus bisherigen Situationen
Führungskompetenz Zielorientierung, Delegation, Feedback Fallaufgabe, Führungsbeispiele
Methodenkompetenz: Kriterien müssen zur Stelle passen. Ein Scoringmodell kann Entscheidungen transparenter machen, ersetzt aber weder fachliche Prüfung noch begründete Interpretation.

20. Führung als Regelkreis

Führung ist kein einzelnes Gespräch, sondern ein fortlaufender Prozess: Ziele vereinbaren, Aufgaben und Kompetenzen klären, Umsetzung ermöglichen, Ergebnisse beobachten, Rückmeldung geben und bei Bedarf nachsteuern.

FÜHRUNGRegelkreis ZieleDelegationUmsetzungKontrolleFeedbackAnpassung

21. Delegation: Aufgabe, Kompetenz und Verantwortung müssen zusammenpassen

Delegation funktioniert nur, wenn die übertragene Aufgabe, die erforderlichen Entscheidungsbefugnisse und die Verantwortung aufeinander abgestimmt sind. Wer Verantwortung trägt, aber keine ausreichenden Befugnisse besitzt, kann die Aufgabe nicht sachgerecht erfüllen.

Delegation = Aufgabe + erforderliche Kompetenz/Befugnis + Verantwortung
Prüfungsfalle: Delegation bedeutet nicht, dass die Führungskraft ihre Führungsverantwortung vollständig abgibt. Sie schafft einen klaren Handlungsrahmen und kontrolliert vereinbarte Ergebnisse.

22. Konflikte und Feedback sach- und personenorientiert bearbeiten

Konflikte können aus unklaren Zielen, knappen Ressourcen, Rollenproblemen, Kommunikationsfehlern oder unterschiedlichen Interessen entstehen. Eine Führungskraft sollte deshalb Ursache und Positionen analysieren, statt nur Symptome zu bekämpfen.

Schritt Leitfrage
1. Situation klären Was ist konkret passiert?
2. Interessen erfassen Welche Ziele und Bedürfnisse stehen dahinter?
3. gemeinsame Kriterien bilden Woran soll eine tragfähige Lösung gemessen werden?
4. Lösung vereinbaren Wer macht was bis wann?
5. Wirkung prüfen Hat die Vereinbarung das Problem tatsächlich gelöst?
Feedback: Beobachtung konkret beschreiben → Wirkung erläutern → Erwartung/Ziel klären → Sicht der anderen Person einbeziehen → nächste Schritte vereinbaren.

23. Herzberg vollständig anwenden: Diagnose statt Schlagwort

Die Zweifaktorentheorie wird erst dann nützlich, wenn konkrete Arbeitssituationen sauber analysiert werden. Eine Maßnahme gegen Unzufriedenheit ist nicht automatisch eine Maßnahme zur Motivation.

Situation Einordnung mögliche Maßnahme
veraltete Arbeitsmittel und chaotische Abläufe Hygienebedingungen problematisch Arbeitsbedingungen verbessern
gute Bedingungen, aber monotone Tätigkeit ohne Verantwortung Motivatoren fehlen Job Enrichment, Verantwortung, Anerkennung
gute Bedingungen und anspruchsvolle Aufgabe, aber kein Feedback Motivationspotenzial wird nicht ausgeschöpft Leistung sichtbar machen und Rückmeldung geben
Transfer: Erst diagnostizieren, welche Ursache vorliegt; dann eine dazu passende Führungs- oder Gestaltungsmaßnahme auswählen.

24. Management by Objectives: Zielvereinbarung durchrechnen und beurteilen

Bei Management by Objectives werden Ziele zwischen Führungskraft und Beschäftigten vereinbart. Damit das Verfahren steuerungsfähig bleibt, müssen Zielgrößen messbar und Zielkonflikte sichtbar sein.

Beispiel Vertrieb: Die Reklamationsquote soll von 4,0 % auf höchstens 2,5 % sinken, während der Umsatz mindestens 3 % wächst. Würde nur „Umsatz +10 %“ vorgegeben, könnte die Qualität vernachlässigt werden. Mehrere Zielgrößen verhindern eine zu einseitige Steuerung.
Element Beispiel
Zielgröße Reklamationsquote
Istwert 4,0 %
Zielwert ≤ 2,5 %
Zeitraum bis Jahresende
Kontrolle monatliche Auswertung

25. Personalentwicklungsbedarf systematisch ermitteln

Personalentwicklung ist besonders wirksam, wenn Soll- und Ist-Kompetenzen systematisch verglichen werden. Die Differenz zeigt den Entwicklungsbedarf.

Entwicklungsbedarf = Soll-Kompetenz − vorhandene Ist-Kompetenz
Kompetenz Soll (1–5) Ist (1–5) Bedarf
Automatisierung 5 2 hoch
Qualitätsanalyse 4 3 mittel
Teamkoordination 4 4 kein unmittelbarer Bedarf
KompetenzfeldKompetenzniveau 1–5AutomationQualitätTeamgrün = Sollbraun = Ist

26. Personalentwicklungsinstrumente passend auswählen

Instrument geeignet, wenn … Beispiel
Training on the job Kompetenz unmittelbar in realer Arbeit aufgebaut werden soll Einarbeitung an neuer Anlage
Training off the job geschützter Lernraum oder Spezialwissen erforderlich ist externer Fachkurs
Job Rotation Prozessverständnis und Flexibilität erweitert werden sollen Wechsel durch Einkauf, Produktion, Qualität
Job Enlargement Aufgabenspektrum horizontal verbreitert werden soll zusätzliche gleichartige Aufgaben
Job Enrichment Aufgabe qualitativ anspruchsvoller und verantwortungsvoller werden soll zusätzliche Planungs-/Entscheidungsverantwortung
Coaching/Mentoring individuelle Entwicklung begleitet werden soll Vorbereitung auf Führungsaufgabe

27. Personalentwicklung kontrollieren: nicht nur Teilnahme zählen

Eine absolvierte Schulung beweist noch keinen Lernerfolg. Die UNTERNEHMER AG prüft deshalb mehrere Ebenen: Akzeptanz, Lernerfolg, Transfer in den Arbeitsplatz und betriebliche Wirkung.

1 AkzeptanzWie erlebt?2 LernenWas gelernt?3 TransferWird es angewandt?4 WirkungWas verbessert sich?

28. Personalportfolio: Achsen, Einordnung und Normstrategien kritisch prüfen

Ein Personalportfolio verdichtet Informationen, birgt aber auch Risiken. Vor der Einordnung müssen die Achsen operationalisiert werden: Was bedeutet „Leistung“? Wie wird „Potenzial“ beobachtet? Welche Daten sind belastbar?

Problem Risiko Gegenmaßnahme
unklare Kriterien willkürliche Einordnung beobachtbare Indikatoren definieren
Einzelurteil Beurteilungsfehler mehrere Informationsquellen
statische Betrachtung Entwicklung wird übersehen regelmäßig aktualisieren
automatische Normstrategie Individualfall wird ignoriert Portfolio als Ausgangspunkt für begründete Entscheidung nutzen

29. Digitalisierung, KI und Personalentwicklung

Digitalisierung verändert Tätigkeiten und Kompetenzanforderungen. Für das Personalmanagement entstehen damit gleichzeitig Rationalisierungspotenziale und Entwicklungsaufgaben. Bei KI-gestützten Personalprozessen sind insbesondere Transparenz, Datenqualität, Datenschutz und mögliche Verzerrungen zu beachten.

UNTERNEHMER AG: Ein KI-System schlägt Schulungsbedarfe auf Basis von Leistungsdaten vor. Die Führungskraft darf das Ergebnis nicht ungeprüft übernehmen. Datenbasis, Kriterien, mögliche Verzerrungen und die Sicht der betroffenen Person müssen berücksichtigt werden.

30. Personalmaßnahmen mit Kennzahlen beobachten

Kennzahlen können Entwicklungen sichtbar machen, dürfen aber nicht isoliert interpretiert werden.

Kennzahl vereinfachte Berechnung Interpretationshinweis
Fluktuationsquote Abgänge / durchschnittlicher Personalbestand · 100 hoher Wert kann auf Probleme hindeuten, aber auch strukturelle Ursachen haben
Krankenquote Fehltage / Soll-Arbeitstage · 100 keine vorschnelle Ursachenzuschreibung
Weiterbildungsquote Teilnehmende / Personalbestand · 100 Teilnahme misst noch keinen Transfer
Beispiel: 18 Abgänge bei durchschnittlich 300 Beschäftigten → Fluktuationsquote = 18 / 300 · 100 = 6,0 %. Erst Vergleichswerte und Ursachenanalyse ermöglichen eine belastbare Beurteilung.

31. Personalentscheidung als mehrdimensionales System

PERSONAL-ENTSCHEIDUNGUnternehmenszieleMitarbeiterbedürfnisseKompetenzenArbeitsmodelleFührung & MotivationEntwicklung & Zukunft

Eine fachlich gute Personalentscheidung lässt sich deshalb nicht auf eine einzelne Kennzahl oder ein einzelnes Modell reduzieren. Sie verbindet Unternehmensziele, Arbeitssituation, Kompetenzen, Motivation, Führung, Entwicklung und die Folgen für Beschäftigte.

32. Gesamtfall UNTERNEHMER AG

Die UNTERNEHMER AG automatisiert einen Produktionsbereich und baut gleichzeitig den digitalen Vertrieb aus. Dadurch verändern sich Personalbedarf, Kompetenzprofile, Arbeitsmodelle und Führungsanforderungen.

  1. Quantitativen und qualitativen Personalbedarf bestimmen.
  2. Arbeitszeit und Arbeitsort passend gestalten.
  3. Motivationssituation mit Herzberg analysieren.
  4. Menschenbild und Führungsverhalten reflektieren.
  5. passende Management-by-Technik auswählen.
  6. Personalentwicklungsbedarf und Maßnahmen planen.
  7. Personalportfolio interpretieren und Normstrategien begründen.
  8. Wirkungen auf Unternehmen und Beschäftigte gegeneinander abwägen.
UNTERNEHMER AGPersonalmanagementArbeitsmodelleMotivationFührungManagement-byEntwicklungPersonalportfolio

33. Typische Prüfungsfehler

Fehler Korrektur
KAPOVAZ = beliebig abrufbare Arbeit rechtliche/vertragliche Grenzen und Planbarkeit beachten.
Homeoffice = automatisch produktiver Wirkungen mehrdimensional beurteilen.
Hygienefaktor = Motivator Herzbergs Kategorien sauber trennen.
keine Unzufriedenheit = Motivation bei Herzberg nicht gleichsetzen.
Theorie X/Y als feste Mitarbeitertypen idealtypische Menschenbilder, keine Etiketten.
Delegation = Aufgabe abgeben ohne Befugnisse Aufgabe, Kompetenz/Befugnis und Verantwortung abstimmen.
Management by Exception = Führung greift nie ein Eingriff bei definierten Ausnahmen/Abweichungen.
Personalentwicklung = nur Seminar Bedarf, Maßnahme, Transfer und Evaluation betrachten.
Portfoliofeld entscheidet automatisch Normstrategie begründen und individuelle Informationen ergänzen.

34. 35 Prüfungs- und Transferaufträge

A1. quantitativen und qualitativen Personalbedarf unterscheiden.
A2. zeitlichen und örtlichen Personalbedarf an einem Fall bestimmen.
A3. Gleitzeit und Schichtarbeit vergleichen.
A4. KAPOVAZ erklären und Chancen/Risiken beurteilen.
A5. Lebensarbeitszeitmodell erläutern.
A6. Homeoffice aus Unternehmens- und Beschäftigtensicht beurteilen.
A7. flexible Arbeitsorte hinsichtlich IT-Sicherheit diskutieren.
A8. Motivation von Zufriedenheit unterscheiden.
A9. Hygienefaktoren nach Herzberg zuordnen.
A10. Motivatoren nach Herzberg zuordnen.
A11. einen Personal-Fall mit Herzberg analysieren.
A12. eine motivierende Arbeitsgestaltung entwickeln.
A13. Ziele nach Locke/Latham konkretisieren.
A14. Theorie X und Y vergleichen.
A15. Menschenbild hinter einem Führungsfall identifizieren.
A16. Aufgaben- und Mitarbeiterorientierung unterscheiden.
A17. einen Führungsfall in die Führungsmatrix einordnen.
A18. Management by Objectives erklären.
A19. Management by Delegation erklären.
A20. Management by Exception erklären.
A21. passende Management-by-Technik zu einem Fall auswählen.
A22. Risiken von Management by Objectives diskutieren.
A23. Personalentwicklungsbedarf ermitteln.
A24. Ausbildung, Fortbildung und Weiterbildung unterscheiden.
A25. on-the-job und off-the-job vergleichen.
A26. Job Rotation erklären.
A27. Job Enlargement und Job Enrichment unterscheiden.
A28. Personalentwicklungsprozess planen.
A29. Transfer einer Personalentwicklungsmaßnahme evaluieren.
A30. Personalportfolio anhand gegebener Achsen interpretieren.
A31. Mitarbeiterfälle in ein Personalportfolio einordnen.
A32. Normstrategien aus einem Personalportfolio begründen.
A33. Grenzen und Verzerrungsrisiken eines Personalportfolios diskutieren.
A34. Scoringmodell für eine Personalentscheidung berechnen.
A35. integrierten UNTERNEHMER-AG-Personalfall vollständig begründen.
A36. interne und externe Personalbeschaffung für eine Führungsstelle vergleichen.
A37. aus einer Stellenbeschreibung ein Anforderungsprofil ableiten.
A38. fachliche, soziale und Selbstkompetenzen in einem Auswahlfall gewichten.
A39. ein Scoringmodell zur Personalauswahl kritisch beurteilen.
A40. einen Führungsprozess als Regelkreis darstellen.
A41. Aufgabe, Befugnis und Verantwortung bei einer Delegation auf Konsistenz prüfen.
A42. einen Konfliktfall nach Ursache, Interessen und Lösungsweg analysieren.
A43. ein sach- und personenorientiertes Feedback formulieren.
A44. eine Arbeitssituation vollständig mit Herzbergs Zweifaktorentheorie diagnostizieren.
A45. für fehlende Motivatoren geeignete Maßnahmen entwickeln.
A46. ein Management-by-Objectives-System mit zwei Zielgrößen entwerfen.
A47. einen Zielkonflikt in einer Zielvereinbarung erkennen und lösen.
A48. Soll- und Ist-Kompetenzen vergleichen und Personalentwicklungsbedarf ableiten.
A49. für einen Kompetenzbedarf ein passendes Personalentwicklungsinstrument auswählen.
A50. Job Enlargement und Job Enrichment anhand eines konkreten Arbeitsplatzes gestalten.
A51. Transfer und Wirkung einer Weiterbildungsmaßnahme mit geeigneten Indikatoren überprüfen.
A52. ein Personalportfolio hinsichtlich Datenbasis und Beurteilungsrisiken kritisieren.
A53. eine Normstrategie aus einem Portfolio ableiten und ihre Grenzen erläutern.
A54. Chancen und Risiken eines KI-gestützten Personalentwicklungsprozesses beurteilen.
A55. Fluktuationsquote berechnen und unter Verwendung zusätzlicher Informationen interpretieren.

35. Das Wichtigste auf einen Blick

  • Personalführung verbindet Sach- und Personenorientierung.
  • Neu: KAPOVAZ und Lebensarbeitszeit erweitern die Arbeitszeitmodelle.
  • Neu: flexible Arbeitsmodelle hinsichtlich des Ortes, u. a. Homeoffice.
  • Neu: Herzbergs Zweifaktorentheorie und Management-by-Techniken.
  • Neu: präzisere Begrifflichkeiten der Personalentwicklung.
  • Neu: Personalportfolio und zugehörige Normstrategien.
  • Modelle sind Entscheidungshilfen und müssen auf konkrete Situationen begründet angewendet werden.

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