Internationale Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre · FOS/BOS Bayern · Jahrgangsstufe 13

IBV 13 ALTLernbereich 1 · ca. 32 UE

Den Jahresabschluss analysieren und Verfahren der dynamischen Investitionsrechnung nutzen

Übergangskohorte: Gezielt für den bisherigen Lehrplan; keine konkurrierende Kopie der IBV-NEU-Seite.

Grundlage: LehrplanPLUS Bayern – IBV 13, gültig ab 2019/20. Modellunternehmen: UNTERNEHMER AG.

Inhaltsverzeichnis

  1. 1. Lernbereich 1 und Prüfungslogik
  2. 2. Strukturbilanz
  3. 3. Bilanzkennzahlen
  4. 4. Anlagedeckungsgrad I und II
  5. 5. Working Capital
  6. 6. Liquiditätsgrade
  7. 7. Eigen- und Gesamtkapitalrentabilität
  8. 8. Leverage-Effekt
  9. 9. Umsatzrentabilität, Kapitalumschlag und ROI
  10. 10. Cashflow, dynamischer Verschuldungsgrad und EBIT
  11. 11. Kennzahlenvergleich und finanzwirtschaftliche Maßnahmen
  12. 12. Zeitwert des Geldes
  13. 13. Kapitalwertmethode
  14. 14. Zahlungsreihe
  15. 15. Alternativen und Sensitivität
  16. 16. Integrierter Großfall
  17. 17. Typische Fehler
  18. 18. Trainingsaufträge

1. Lernbereich 1 und Prüfungslogik

32 UE: Strukturbilanz, Bilanz-, Liquiditäts- und Erfolgsanalyse, Kennzahlenvergleich, finanzwirtschaftliche Maßnahmen und Kapitalwertmethode.

Prüfungslogik: rechnen → interpretieren → vergleichen → Ursache → Maßnahme → Nebenwirkung.

2. Strukturbilanz

Die Strukturbilanz verdichtet den Abschluss für Analysezwecke.

Block Gedanke
Anlagevermögen langfristig gebunden
Umlaufvermögen kurz-/mittelfristig gebunden
Eigenkapital dauerhaftes Haftungskapital
langfristiges FK langfristige Finanzierung
kurzfristiges FK kurzfristige Verpflichtungen

3. Bilanzkennzahlen

Anlagequote = AV / Gesamtvermögen · 100

Umlaufquote = UV / Gesamtvermögen · 100

EK-Quote = EK / Gesamtkapital · 100

FK-Quote = FK / Gesamtkapital · 100

statischer Verschuldungsgrad = FK / EK · 100

UNTERNEHMER AG: AV 4,8 Mio., UV 3,2 Mio., EK 3,0 Mio., FK 5,0 Mio. → 60 %, 40 %, 37,5 %, 62,5 %, Verschuldungsgrad 166,67 %.

4. Anlagedeckungsgrad I und II

AD I = EK / AV · 100

AD II = (EK + langfristiges FK) / AV · 100

AD II prüft die Fristenkongruenz langfristig gebundenen Vermögens.

5. Working Capital

Working Capital = Umlaufvermögen − kurzfristiges Fremdkapital

Positiv bedeutet Puffer; sehr hoch kann zugleich ineffiziente Lager-/Forderungsbindung anzeigen.

6. Liquiditätsgrade

L1 = liquide Mittel / kurzfr. FK · 100

L2 = (liquide Mittel + kurzfr. Forderungen) / kurzfr. FK · 100

L3 = Umlaufvermögen / kurzfr. FK · 100

7. Eigen- und Gesamtkapitalrentabilität

EKR = Jahresüberschuss / durchschnittliches EK · 100

GKR = (Jahresüberschuss + FK-Zinsen) / durchschnittliches Gesamtkapital · 100

8. Leverage-Effekt

GKR über FK-Zins kann die EKR durch Fremdfinanzierung erhöhen; unterhalb wirkt der Hebel negativ. Mehr FK erhöht zugleich Zins-, Tilgungs- und Liquiditätsrisiko.

9. Umsatzrentabilität, Kapitalumschlag und ROI

Umsatzrentabilität = Gewinn / Umsatz · 100

Kapitalumschlag = Umsatz / durchschnittliches Gesamtkapital

ROI = Umsatzrentabilität · Kapitalumschlag

ROIUmsatzrentabilitätKapitalumschlag

10. Cashflow, dynamischer Verschuldungsgrad und EBIT

Cashflow misst Innenfinanzierungskraft; dynamischer Verschuldungsgrad setzt Effektivverschuldung und Cashflow ins Verhältnis; EBIT erleichtert Vergleiche vor Zinsen und Ertragsteuern.

dynamischer Verschuldungsgrad = Effektivverschuldung / Cashflow

11. Kennzahlenvergleich und finanzwirtschaftliche Maßnahmen

Zeit-, Branchen-, Soll-Ist- und Konkurrenzvergleich sind nötig. Maßnahmen: Forderungsmanagement, Lagerabbau, Gewinnthesaurierung, Laufzeiten anpassen, Margen erhöhen, Kapitalbindung senken. Zielkonflikte stets mitbeurteilen.

12. Zeitwert des Geldes

Zukünftige Zahlungen werden auf t=0 diskontiert.

Barwert = Zahlung_t / (1+i)^t

13. Kapitalwertmethode

C0 = −A0 + Summe abgezinster Zahlungsüberschüsse + abgezinster Liquidationserlös

UNTERNEHMER AG: Anschaffung 300.000 €, vier Nettoeinzahlungen 90.000 €, Liquidation 20.000 €, i=6 %.
t Zahlung Faktor Barwert
0 −300.000 1,0000 −300.000
1 +90.000 0,9434 +84.906
2 +90.000 0,8900 +80.100
3 +90.000 0,8396 +75.564
4 +110.000 0,7921 +87.131
Kapitalwert +27.701 €

Positiver Kapitalwert = Vermögenszuwachs über die geforderte Mindestverzinsung.

14. Zahlungsreihe

Zeit t−300.000

15. Alternativen und Sensitivität

Bei vergleichbarer Basis ist der höhere Kapitalwert vorzuziehen. Ein höherer Kalkulationszins senkt Barwerte später Zahlungen; qualitative Kriterien bleiben ergänzend relevant.

16. Integrierter Großfall

Sinkende L2 und EK-Quote, stabiler ROI, geplante Investition: Kapitalwert berechnen, Finanzierbarkeit prüfen, Kennzahlenwirkung und Zielkonflikte beurteilen.

17. Typische Fehler

Fehler Korrektur
Kennzahl nur rechnen Interpretation fehlt
Leverage nur positiv Risiko vergessen
Kapitalwert = nominale Summe Zeitwert ignoriert
Liquidation nicht abzinsen Zeitpunkt falsch

18. Trainingsaufträge

A1. Strukturbilanz erstellen.
A2. Bilanzquoten berechnen.
A3. Verschuldungsgrad interpretieren.
A4. AD I/II berechnen.
A5. Working Capital analysieren.
A6. L1–L3 berechnen.
A7. EKR/GKR vergleichen.
A8. Leverage beurteilen.
A9. ROI zerlegen.
A10. Cashflow analysieren.
A11. Kennzahlen vergleichen.
A12. Maßnahmen entwickeln.
A13. Zahlung abzinsen.
A14. Kapitalwert berechnen.
A15. Liquidationserlös berücksichtigen.
A16. Investitionen vergleichen.
A17. Zinsänderung analysieren.
A18. Gesamtfall bearbeiten.
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