BwR · FOS/BOS Bayern · Klasse 12 · Finanzierung und Investition (auslaufender Lehrplan)

Finanzierung und Investition: Darlehen vergleichen, Investitionen richtig entscheiden

Wie finanziert ein Betrieb eine Anschaffung – und welche von mehreren Anlagen ist die wirtschaftlichste? Diese Seite zeigt beides Schritt für Schritt: die beiden Darlehensarten (Annuitäten- und Abzahlungsdarlehen) mit vollständigem Tilgungsplan und die vier Verfahren der statischen Investitionsrechnung – jeweils gerechnet, mit Schaubildern.

Unser Betrieb auf dieser Seite: die UNTERNEHMER AG. Sie braucht Kapital für eine neue Maschine, vergleicht Darlehensangebote und am Ende zwei Maschinen miteinander.

Abgrenzung (Lehrplan Kl. 12): Diese Seite behandelt die Darlehensfinanzierung (Annuitäten- und Abzahlungsdarlehen) und die statische Investitionsrechnung. Die Finanzierungsarten-Systematik und die offene/stille Selbstfinanzierung gehören zur Ergebnisverwendung und werden dort behandelt.

Inhaltsverzeichnis

  1. Kreditfinanzierung durch Darlehen
  2. Annuitätendarlehen
  3. Abzahlungsdarlehen (Ratentilgung)
  4. Annuitäten- vs. Abzahlungsdarlehen
  5. Statische Investitionsrechnung – vier Verfahren
  6. Kalkulatorische Abschreibung und Zinsen
  7. Kostenvergleichsrechnung
  8. Kritische Menge
  9. Gewinnvergleichsrechnung
  10. Rentabilitätsvergleichsrechnung
  11. Amortisationsrechnung
  12. Nicht quantifizierbare Kriterien
  13. Typische Prüfungsfehler
  14. Auf einen Blick

1. Kreditfinanzierung durch Darlehen

Ein Darlehen ist Fremdkapital: Der Betrieb erhält eine Summe und zahlt sie mit Zinsen über eine Laufzeit zurück. Die jährliche Zahlung aus Zins + Tilgung heißt Annuität. Je nachdem, was konstant bleibt, unterscheidet man zwei Formen.

Zins wird immer auf die Restschuld berechnet. Deshalb sinkt der Zinsanteil mit jeder getilgten Rate.

2. Annuitätendarlehen

Beim Annuitätendarlehen bleibt die Annuität (Zins + Tilgung) konstant. Da der Zins auf die sinkende Restschuld kleiner wird, steigt der Tilgungsanteil Jahr für Jahr.

Beispiel: Darlehen 100.000,00 €, Zinssatz 5 %, Laufzeit 4 Jahre → konstante Annuität 28.201,18 €.

Jahr Zins (5 % der Restschuld) Tilgung Annuität Restschuld
1 5.000,00 € 23.201,18 € 28.201,18 € 76.798,82 €
2 3.839,94 € 24.361,24 € 28.201,18 € 52.437,57 €
3 2.621,88 € 25.579,30 € 28.201,18 € 26.858,27 €
4 1.342,91 € 26.858,27 € 28.201,18 € 0,00 €

Merkbild: Annuität konstant → Zinsanteil fällt, Tilgungsanteil steigt.

3. Abzahlungsdarlehen (Ratentilgung)

Beim Abzahlungsdarlehen (Ratentilgung) bleibt die Tilgung konstant (Darlehen ÷ Laufzeit). Weil der Zins auf die sinkende Restschuld fällt, sinkt die Annuität von Jahr zu Jahr.

Beispiel: gleiches Darlehen 100.000,00 €, 5 %, 4 Jahre → konstante Tilgung 25.000,00 €/Jahr.

Jahr Zins (5 % der Restschuld) Tilgung Annuität Restschuld
1 5.000,00 € 25.000,00 € 30.000,00 € 75.000,00 €
2 3.750,00 € 25.000,00 € 28.750,00 € 50.000,00 €
3 2.500,00 € 25.000,00 € 27.500,00 € 25.000,00 €
4 1.250,00 € 25.000,00 € 26.250,00 € 0,00 €

4. Annuitäten- vs. Abzahlungsdarlehen

Annuitätendarlehen (Rate konstant)J1J2J3J4Abzahlungsdarlehen (Rate fällt)J1J2J3J4ZinsanteilTilgungsanteil
Merkmal Annuitätendarlehen Abzahlungsdarlehen
konstant Annuität (Rate) Tilgung
Zinsanteil sinkt sinkt
Tilgungsanteil steigt konstant
jährliche Belastung gleichbleibend sinkt
Zinssumme gesamt höher niedriger
Faustregel: Gleichbleibende Planung → Annuitätendarlehen. Schnellere Entschuldung und geringere Zinslast → Abzahlungsdarlehen.

5. Statische Investitionsrechnung – vier Verfahren

Die statischen Verfahren rechnen mit einer durchschnittlichen Periode (ohne Abzinsung). Vier Verfahren beantworten vier Fragen:

Verfahren Frage Entscheidungsregel
Kostenvergleich Welche Anlage verursacht weniger Kosten? niedrigere Kosten
Gewinnvergleich Welche Anlage bringt mehr Gewinn? höherer Gewinn
Rentabilität Wie verzinst sich das eingesetzte Kapital? höhere Rentabilität
Amortisation Wann ist das Kapital zurückgeflossen? kürzere Amortisationszeit

6. Kalkulatorische Abschreibung und Zinsen

Kalkulatorische Abschreibung = Wiederbeschaffungswert ÷ Nutzungsdauer, mit Wiederbeschaffungswert = Anschaffungskosten · Preisindex.
Kalkulatorische Zinsen = Anschaffungskosten ÷ 2 · Zinssatz (nur das durchschnittlich gebundene Kapital wird verzinst – im Mittel die halben Anschaffungskosten).

Beispiel: AK 180.000,00 €, Preisindex 105, Nutzungsdauer 10 Jahre, Zinssatz 8 %.
WBW = 180.000,00 € · 1,05 = 189.000,00 € → kalk. AfA = 189.000,00 € ÷ 10 = 18.900,00 €.
kalk. Zinsen = 180.000,00 € ÷ 2 · 0,08 = 7.200,00 €.

7. Kostenvergleichsrechnung

Die UNTERNEHMER AG vergleicht zwei Maschinen (Kalkulationszinssatz 5 %, Preisindex 1,10, jährliche Absatzmenge 15.000 Stück). Wichtig: Ein Kostenvergleich ist nur bei gleicher Menge sinnvoll.

Position Maschine 1 Maschine 2 Nebenrechnung (M1 / M2)
kalk. Abschreibung 34.375,00 € 30.800,00 € 250.000·1,1/8  /  280.000·1,1/10
+ kalk. Zinsen 6.250,00 € 7.000,00 € 250.000·0,05/2  /  280.000·0,05/2
+ sonstige Fixkosten 18.000,00 € 26.651,00 €
= Fixe Kosten 58.625,00 € 64.451,00 €
+ variable Kosten 375.000,00 € 330.000,00 € 25·15.000  /  22·15.000
= Gesamtkosten 433.625,00 € 394.451,00 €

Antwort: Bei der geplanten Menge von 15.000 Stück hat Maschine 2 die geringeren Gesamtkosten (394.451,00 € statt 433.625,00 €) und ist damit die wirtschaftlichere Wahl.

8. Kritische Menge

Die günstigere Maschine hängt von der Menge ab. Die kritische Menge ist die Ausbringung, bei der beide Maschinen gleich teuer sind:

\( x_{krit}=\dfrac{K_{F2}-K_{F1}}{k_{v1}-k_{v2}} \)

Beispiel mit glatten Zahlen: Maschine 1 hat Fixkosten von 60.000 € und variable Stückkosten von 30 €; Maschine 2 hat 90.000 € Fixkosten und 24 € variable Stückkosten.

Einsetzen: \( x_{krit}=\dfrac{90\,000-60\,000}{30-24}=\dfrac{30\,000}{6}=5\,000 \) Stück (Schnittpunkt bei 210.000 €).

kritische Menge 5.000Maschine 1: 60.000 + 30xMaschine 2: 90.000 + 24x< 5.000: Maschine 1 günstiger> 5.000: Maschine 2 günstiger5.000 StückAusbringungsmenge x (Stück)Gesamtkosten (€)

Deutung: Unter 5.000 Stück ist Maschine 1 günstiger (niedrigere Fixkosten), über 5.000 Stück Maschine 2 (niedrigere variable Stückkosten).

9. Gewinnvergleichsrechnung

Der Kostenvergleich ignoriert die Erlöse. Die Gewinnvergleichsrechnung zieht von den Umsatzerlösen die Gesamtkosten ab:

\( \text{Gewinn} = \text{Umsatzerlöse} – \text{Gesamtkosten} \)

Liefern beide Maschinen denselben Absatz, ist die Maschine mit den geringeren Kosten zugleich die mit dem höheren Gewinn. Unterscheiden sich Preis/Absatz, muss der Gewinn je Maschine einzeln gerechnet werden.

10. Rentabilitätsvergleichsrechnung

Die Rentabilität setzt den Gewinn ins Verhältnis zum eingesetzten Kapital – so werden auch unterschiedlich teure Anlagen vergleichbar:

\( \text{Rentabilität} = \dfrac{\text{Gewinn} + \text{kalk. Zinsen}}{\text{durchschnittlich gebundenes Kapital}}\cdot 100 \)
Durchschnittlich gebundenes Kapital = Anschaffungskosten ÷ 2. Die kalkulatorischen Zinsen werden dem Gewinn wieder hinzugerechnet, weil sie in den Kosten bereits abgezogen wurden.

11. Amortisationsrechnung

Die Amortisationsrechnung zeigt, nach wie vielen Jahren das eingesetzte Kapital über die Rückflüsse wieder hereingeholt ist:

\( \text{Amortisationszeit} = \dfrac{\text{Kapitaleinsatz}}{\text{jährlicher Rückfluss}} \qquad \text{Rückfluss} = \text{Gewinn} + \text{kalk. Abschreibung} \)

Regel: Je kürzer die Amortisationszeit, desto geringer das Risiko – das Kapital ist schneller wieder verfügbar.

12. Nicht quantifizierbare Kriterien

Zahlen allein entscheiden nicht. Zusätzlich zu prüfen: Qualität und Präzision, Umweltverträglichkeit, Bedienkomfort und Sicherheit, Lieferzeit und Service, Abhängigkeit vom Hersteller sowie strategische Bedeutung.

13. Typische Prüfungsfehler

✗ Falsch

Kalkulatorische Zinsen auf die vollen Anschaffungskosten rechnen.

✓ Richtig

Nur das durchschnittlich gebundene Kapital verzinsen: Anschaffungskosten ÷ 2.

✗ Falsch

Kalkulatorische Abschreibung aus den Anschaffungskosten statt dem Wiederbeschaffungswert.

✓ Richtig

Bei gegebenem Preisindex gilt WBW = AK · Preisindex; davon die AfA.

✗ Falsch

Kosten zweier Anlagen bei unterschiedlicher Menge vergleichen.

✓ Richtig

Kostenvergleich nur bei gleicher Ausbringungsmenge – sonst kritische Menge nutzen.

✗ Falsch

Beim Annuitätendarlehen den Zins auf die ursprüngliche Darlehenssumme rechnen.

✓ Richtig

Zins immer auf die Restschuld – er sinkt dadurch jedes Jahr.

14. Auf einen Blick

  • Annuitätendarlehen: Rate konstant, Zins fällt, Tilgung steigt.
  • Abzahlungsdarlehen: Tilgung konstant, Zins und Annuität fallen; geringere Zinssumme.
  • kalk. AfA = WBW/ND, kalk. Zinsen = AK/2 · i.
  • Kostenvergleich nur bei gleicher Menge; sonst kritische Menge.
  • Gewinn-, Rentabilitäts- und Amortisationsvergleich ergänzen den Kostenvergleich um Erlöse, Kapitalverzinsung und Rückflussdauer.

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