Betriebswirtschaftslehre · FOS Bayern · Jahrgangsstufe 13 · neuer LehrplanPLUS
gültig ab 2028/29BWL 13 NEULernbereich 435 UE
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Mithilfe des Controllings ein Unternehmen strategisch steuern
Der abschließende BWL-Lernbereich der FOS 13 verbindet Balanced Scorecard und Target Costing zu einer strategischen Unternehmenssteuerung. Die UNTERNEHMER AG dient durchgehend als Modellunternehmen.
Inhaltsverzeichnis
- Controlling als strategisches Führungssystem
- Von der strategischen Situationsanalyse zur Steuerung
- Balanced Scorecard – Strategie in vier Perspektiven übersetzen
- Aufbau einer Balanced Scorecard
- Finanzperspektive – Ergebnis und Finanzierung im Blick
- Kundenperspektive – Markterfolg messbar machen
- Interne Prozesse – Qualität, Effizienz und Nachhaltigkeit
- Mitarbeiterperspektive – Fähigkeiten und Stabilität
- Kennzahlen kritisch beurteilen
- Ursache-Wirkungs-Ketten
- Vollständige BSC der UNTERNEHMER AG
- BSC als strategischer Regelkreis
- Warum klassische Kostenrechnung allein nicht genügt
- Target Costing – vom Markt zu den Kosten
- Ansätze zur Ermittlung von Zielpreis und Zielkosten
- Zielgewinn, erlaubte Kosten, Prognosekosten und Ziellücke
- Kundenfunktionen gewichten
- Komponentenkosten ermitteln
- Funktionen-Komponenten-Matrix
- Zielkostenindex berechnen und interpretieren
- Zielkostenkontrolldiagramm lesen – nicht selbst erstellen
- Maßnahmen zur Kostensenkung und Wertsteigerung
- Funktionen-Komponenten-Matrix verantwortungsvoll gestalten
- Integrierter Großfall: Strategie → BSC → Target Costing
- Strategisches Controlling: von der Analyse zur Steuerung
- SWOT-Ergebnisse in Strategien übersetzen
- Balanced Scorecard: Ursache-Wirkungs-Logik vollständig verstehen
- Erweiterte BSC-Kennzahlen gezielt auswählen
- Kennzahlen kritisch beurteilen
- BSC-Gesamtfall der UNTERNEHMER AG
- Target Costing: vom Marktpreis zu den zulässigen Kosten
- Ansätze der Zielkostenfindung unterscheiden
- Kundenanforderungen in Funktionsgewichte übersetzen
- Funktions-Komponenten-Matrix: Zielkostenanteile ableiten
- Zielkostenindex berechnen und interpretieren
- Zielkostenkontrolldiagramm korrekt lesen
- Target Gap schließen: Kosten senken ohne Kundennutzen zu zerstören
- Target Costing unter geänderten Marktbedingungen
- Balanced Scorecard und Target Costing verbinden
- Integrierter Großfall: Strategie, BSC und Target Costing
- Typische Fehlsteuerungen im strategischen Controlling
- Typische Fehler und Prüfungssicherheit
- 35 Trainingsaufträge für Unterricht und Generator
- Lernbereich 13.4 auf einen Blick
1. Controlling als strategisches Führungssystem
Controlling ist mehr als Kontrolle. Es unterstützt die Unternehmensführung bei Planung, Steuerung, Informationsversorgung und Kontrolle. In diesem Lernbereich richtet die UNTERNEHMER AG ihr Controlling bewusst strategisch aus: langfristige Wettbewerbsfähigkeit soll nicht nur über vergangenheitsbezogene Finanzgrößen beurteilt werden.
2. Von der strategischen Situationsanalyse zur Steuerung
Ausgangspunkt ist eine strategische Situationsanalyse. Der Lehrplan nennt Stärken-Schwächen-Profil, SWOT-Analyse und Marktattraktivität-/Wettbewerbsvorteil-Portfolio. Diese Instrumente liefern keine Strategie „automatisch“; sie strukturieren Informationen, aus denen Ziele abgeleitet werden.
| Analyse | Leitfrage | Beitrag zur BSC |
|---|---|---|
| Stärken-Schwächen-Profil | Wo besitzt die UNTERNEHMER AG interne Vor-/Nachteile? | interne Handlungsfelder |
| SWOT | Wie treffen interne Situation und Umwelt aufeinander? | strategische Stoßrichtungen |
| Portfolio | Welche SGE verdienen Wachstum, Selektion oder Abschöpfung? | Prioritäten für Ressourcen und Ziele |
3. Balanced Scorecard – Strategie in vier Perspektiven übersetzen
Die Balanced Scorecard verbindet finanzielle und nichtfinanzielle Größen. Der neue Lehrplan nennt vier Perspektiven: Finanzen, Kunden, interne Prozesse sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
4. Aufbau einer Balanced Scorecard
Jede Perspektive folgt derselben Logik: strategisches Ziel → Kennzahl → Zielwert → operative Maßnahme. Eine Kennzahl ohne strategisches Ziel ist ebenso wenig eine BSC wie eine lose Maßnahmenliste.
| Perspektive | strategisches Ziel | Kennzahl | Zielwert | Maßnahme |
|---|---|---|---|---|
| Finanzen | Rentabilität erhöhen | ROI | ≥ 12 % | Kapitalbindung reduzieren |
| Kunden | Kundenbindung stärken | Wiederbestellungsquote | ≥ 78 % | Serviceprogramm |
| Prozesse | Fehler reduzieren | Fehlerquote | ≤ 1,5 % | Qualitätsprojekt |
| Mitarbeitende | Kompetenzen ausbauen | Weiterbildungsquote | ≥ 75 % | Qualifizierungsplan |
5. Finanzperspektive – Ergebnis und Finanzierung im Blick
Die Finanzperspektive greift Kennzahlen zur Bilanzstruktur, Liquidität sowie Finanz- und Ertragskraft auf. Sie bildet häufig die Ergebniswirkung vorgelagerter Verbesserungen ab.
6. Kundenperspektive – Markterfolg messbar machen
Der Lehrplan erweitert die BSC ausdrücklich um konkrete Kundenkennzahlen. Wichtig ist ihre Interpretation: Eine sinkende Reklamationsquote ist nur dann aussagekräftig, wenn Bezugsgröße und Zeitraum konsistent sind.
| Kennzahl | Grundformel/Logik | Aussage |
|---|---|---|
| Wiederbestellungsquote | Wiederbesteller / relevante Kunden × 100 | Bindung |
| Reklamationsquote | Reklamationen / Bezugsgröße × 100 | Qualitäts-/Zufriedenheitssignal |
| Weiterempfehlungsquote | Weiterempfehlende / Befragte × 100 | Loyalität |
| relativer Marktanteil | eigener Marktanteil / Marktanteil stärkster Wettbewerber | Wettbewerbsposition |
| Neukundenanteil | Neukunden / Kunden × 100 | Akquisition |
| Interaktionsquote | Interaktionen / Reichweite × 100 | digitale Resonanz |
7. Interne Prozesse – Qualität, Effizienz und Nachhaltigkeit
Prozesskennzahlen machen operative Ursachen strategischer Ergebnisse sichtbar. Der neue Lehrplan nennt klassische Effizienz- und Qualitätsgrößen ebenso wie Nachhaltigkeitskennzahlen.
| Kennzahl | Beispielhafte Berechnung | Interpretation |
|---|---|---|
| Fehlerquote | fehlerhafte Einheiten / Gesamtmenge × 100 | Prozessqualität |
| Produktivität | Output / Input | Leistung des Faktoreinsatzes |
| Durchlaufzeit | Zeit vom Start bis Fertigstellung | Geschwindigkeit |
| Recyclingquote | recycelte Menge / relevante Gesamtmenge × 100 | Kreislaufwirkung |
| CO₂-Einsparquote | eingesparte Emissionen / Ausgangsemissionen × 100 | Dekarbonisierung |
| Anteil erneuerbarer Energien | erneuerbarer Strom / Gesamtstrom × 100 | Energieprofil |
8. Mitarbeiterperspektive – Fähigkeiten und Stabilität
Strategie braucht Menschen, die sie umsetzen können. Die Mitarbeiterperspektive verbindet deshalb Qualifikation, Bindung, Arbeitsfähigkeit und Beschäftigungsstruktur.
| Kennzahl | Berechnungslogik | mögliche Interpretation |
|---|---|---|
| Fluktuationsrate | Abgänge / durchschnittlicher Personalbestand × 100 | Bindungsproblem oder normaler Wechsel |
| Altersstrukturquote | definierte Altersgruppe / Beschäftigte × 100 | Nachfolge-/Demografierisiko |
| Weiterbildungsquote | Weitergebildete / Beschäftigte × 100 | Kompetenzentwicklung |
| Teilzeitquote | Teilzeitbeschäftigte / Beschäftigte × 100 | Arbeitszeitstruktur |
| Krankheitsquote | Ausfalltage / Soll-Arbeitstage × 100 | Gesundheit/Belastung; keine vorschnelle Kausalität |
9. Kennzahlen kritisch beurteilen
Kennzahlen sind verdichtete Informationen, keine Wahrheit an sich. Eine gute Controllinganalyse prüft Definition, Bezugsgröße, Datenqualität, Vergleichsmaßstab, zeitliche Verzögerung und mögliche Fehlanreize.
10. Ursache-Wirkungs-Ketten
Die BSC soll Wechselwirkungen zwischen Perspektiven sichtbar machen. Dabei handelt es sich um strategische Hypothesen, die mit Daten überprüft werden müssen – nicht um automatisch bewiesene Kausalität.
11. Vollständige BSC der UNTERNEHMER AG
Strategisches Leitmotiv: Die UNTERNEHMER AG will profitabel wachsen, Kundenbindung erhöhen, ressourceneffizienter produzieren und die für Digitalisierung benötigten Kompetenzen aufbauen.
| Perspektive | Ziel | Ist | Zielwert | Maßnahme |
|---|---|---|---|---|
| Finanzen | ROI steigern | 9,8 % | 12 % | Kapitalbindung und Ergebnis verbessern |
| Kunden | Wiederbestellung erhöhen | 68 % | 78 % | After-Sales-Programm |
| Prozesse | Fehlerquote senken | 3,2 % | 1,5 % | Prozessanalyse + Qualitätszirkel |
| Mitarbeitende | Weiterbildung erhöhen | 42 % | 75 % | KI-/Automatisierungsqualifizierung |
12. BSC als strategischer Regelkreis
Nach Umsetzung der Maßnahmen werden Istwerte erhoben, Abweichungen analysiert und gegebenenfalls Ziele, Maßnahmen oder sogar strategische Annahmen angepasst. Die BSC ist deshalb kein einmal ausgefülltes Tabellenblatt.
13. Warum klassische Kostenrechnung allein nicht genügt
Voll- und Teilkostenrechnung bleiben wichtig, reagieren aber vor allem auf bereits definierte Produkte und Kostenstrukturen. Strategische Kostensteuerung setzt früher an: Markt, Kundennutzen und zulässige Kosten werden bereits in Entwicklung und Konstruktion berücksichtigt.
| Rahmenbedingung | strategische Kostenwirkung |
|---|---|
| Digitalisierung/KI | neue Prozesse, Daten- und Entwicklungskosten |
| Globalisierung | internationaler Preis-/Kostendruck |
| Automatisierung | höhere Fixkosten, veränderte variable Kosten |
| Flexibilisierung | Varianten-/Komplexitätskosten |
| verkürzte Lebenszyklen | Kosten müssen früher beeinflusst werden |
14. Target Costing – vom Markt zu den Kosten
Target Costing kehrt die klassische Denkfolge um. Nicht „Kosten plus Gewinn = Preis“, sondern ein am Markt erzielbarer Zielpreis bildet den Ausgangspunkt.
15. Ansätze zur Ermittlung von Zielpreis und Zielkosten
Der Lehrplan nennt Marktforschung zur Zielpreisermittlung sowie drei Ansätze der Zielkostenbestimmung.
| Ansatz | Logik |
|---|---|
| out-of-company | Zielkosten werden von markt-/kundenbezogenen Anforderungen her bestimmt |
| out-of-competitor | Wettbewerber bzw. deren Kosten-/Leistungsniveau dienen als Orientierung |
| market-into-company | vom marktakzeptierten Preis wird der Zielgewinn abgezogen; daraus entstehen zulässige Kosten |
16. Zielgewinn, erlaubte Kosten, Prognosekosten und Ziellücke
Prognosekosten / drifting costs = 930 €
Ziellücke / target gap = 930 − 850 = 80 €
Die Ziellücke zeigt den Kostensenkungsbedarf, wenn Zielpreis und Zielgewinn unverändert bleiben.
17. Kundenfunktionen gewichten
Target Costing verteilt zulässige Kosten nicht willkürlich. Zunächst wird aus Kundensicht ermittelt, welchen Anteil einzelne Produktfunktionen am Gesamtnutzen besitzen.
| Funktion | Nutzengewicht |
|---|---|
| Leistungsfähigkeit | 40 % |
| Energieeffizienz | 30 % |
| Bedienkomfort | 20 % |
| Design | 10 % |
| Summe | 100 % |
18. Komponentenkosten ermitteln
Parallel werden die Prognosekosten den Produktkomponenten zugeordnet.
| Komponente | Prognosekosten | Kostenanteil |
|---|---|---|
| Antrieb | 372 € | 40 % |
| Steuerung | 279 € | 30 % |
| Gehäuse | 186 € | 20 % |
| Bedieneinheit | 93 € | 10 % |
| Summe | 930 € | 100 % |
19. Funktionen-Komponenten-Matrix
Die Funktionen-Komponenten-Matrix zeigt, welchen Beitrag einzelne Komponenten zu den vom Kunden bewerteten Funktionen leisten. Die Spaltenanteile je Funktion bzw. die verwendete Matrixlogik müssen konsistent sein. Daraus wird der Nutzenanteil einer Komponente abgeleitet.
| Komponente | Leistung 40 % | Effizienz 30 % | Komfort 20 % | Design 10 % | resultierender Nutzenanteil |
|---|---|---|---|---|---|
| Antrieb | 70 % | 50 % | 0 % | 0 % | 43 % |
| Steuerung | 20 % | 40 % | 50 % | 10 % | 31 % |
| Gehäuse | 10 % | 10 % | 10 % | 60 % | 15 % |
| Bedieneinheit | 0 % | 0 % | 40 % | 30 % | 11 % |
| Summe je Funktion | 100 % | 100 % | 100 % | 100 % | 100 % |
20. Zielkostenindex berechnen und interpretieren
Der Zielkostenindex vergleicht den Nutzenanteil einer Komponente mit ihrem Kostenanteil.
| Komponente | Nutzenanteil | Kostenanteil | Index | Interpretation |
|---|---|---|---|---|
| Antrieb | 43 % | 40 % | 1,075 | Kostenanteil etwas niedriger als Nutzenanteil |
| Steuerung | 31 % | 30 % | 1,033 | nahe Zielbereich |
| Gehäuse | 15 % | 20 % | 0,750 | relativ zu teuer |
| Bedieneinheit | 11 % | 10 % | 1,100 | relativ zum Nutzen eher geringe Kosten |
21. Zielkostenkontrolldiagramm lesen – nicht selbst erstellen
Der Lehrplan nennt das Zielkostenkontrolldiagramm ausdrücklich mit dem Zusatz „keine Erstellung“. Schülerinnen und Schüler sollen seine Aussage verstehen und Komponenten mit Handlungsbedarf identifizieren können.
22. Maßnahmen zur Kostensenkung und Wertsteigerung
Ein Zielkostenindex unter 1 fordert nicht schlicht „billiger einkaufen“. Strategisches Target Costing sucht systematisch nach einer besseren Relation zwischen Kundennutzen und Kosten.
| Ansatz | Beispiel |
|---|---|
| Kostensenkung | Material-/Konstruktionsänderung, Standardisierung, Prozessverbesserung, Lieferantenintegration |
| Wertsteigerung | Funktion verbessern, Bedienbarkeit erhöhen, Lebensdauer/Qualität steigern |
| Komplexität reduzieren | unnötige Varianten oder Funktionen vermeiden |
| frühe Kooperation | Entwicklung, Einkauf, Produktion, Marketing und Lieferanten gemeinsam einbinden |
23. Funktionen-Komponenten-Matrix verantwortungsvoll gestalten
Der Lehrplan verlangt ausdrücklich eine Diskussion der Matrix vor dem Hintergrund verantwortungsvoller und nachhaltiger Unternehmensführung. Kundennutzen darf deshalb nicht ausschließlich als kurzfristige Zahlungsbereitschaft verstanden werden.
24. Integrierter Großfall: Strategie → BSC → Target Costing
- Erstelle aus SWOT und Portfolio strategische Ziele.
- Ordne Ziele den vier BSC-Perspektiven zu.
- Wähle geeignete Kennzahlen und begründe sie.
- Lege realistische Zielwerte fest.
- Entwickle operative Maßnahmen.
- Formuliere eine Ursache-Wirkungs-Kette.
- Bestimme aus Zielpreis und Zielgewinn die erlaubten Kosten.
- Berechne aus Prognosekosten die Ziellücke.
- Werte Funktionen und Komponenten aus.
- Berechne Zielkostenindizes.
- Entwickle Kosten-/Wertmaßnahmen.
- Prüfe Nachhaltigkeitsfolgen.
- Formuliere eine Vorstandsempfehlung.
25. Strategisches Controlling: von der Analyse zur Steuerung
Strategisches Controlling verbindet die langfristige Ausrichtung eines Unternehmens mit messbaren Steuerungsgrößen. Es liefert nicht nur Zahlen, sondern unterstützt die Frage, ob die gewählte Strategie wirksam umgesetzt wird.
26. SWOT-Ergebnisse in Strategien übersetzen
Die SWOT-Analyse verknüpft interne Stärken und Schwächen mit externen Chancen und Risiken. Für die UNTERNEHMER AG entstehen daraus vier strategische Grundrichtungen.
| Chance | Risiko | |
|---|---|---|
| Stärke | Ausbauen: Stärke nutzen, um Chance zu realisieren | Absichern: Stärke nutzen, um Risiko zu begrenzen |
| Schwäche | Aufholen: Schwäche abbauen, um Chance nutzen zu können | Vermeiden: Verwundbarkeit reduzieren |
27. Balanced Scorecard: Ursache-Wirkungs-Logik vollständig verstehen
Die BSC ergänzt finanzielle Kennzahlen um Kunden-, Prozess- und Mitarbeiterperspektive. Die Perspektiven stehen nicht isoliert nebeneinander: Qualifikation kann Prozesse verbessern, bessere Prozesse können Kundennutzen erhöhen und dieser kann langfristig finanzielle Ergebnisse stärken.
28. Erweiterte BSC-Kennzahlen gezielt auswählen
| Perspektive | strategisches Ziel | Kennzahl | Zielwert | Maßnahme |
|---|---|---|---|---|
| Finanzen | Profitabilität erhöhen | ROI | ≥ 12 % | Kapitalbindung und Marge steuern |
| Kunde | Bindung erhöhen | Wiederkaufsquote | ≥ 72 % | Serviceprozess verbessern |
| interne Prozesse | Qualität erhöhen | Fehlerquote | ≤ 1,5 % | Prozesskontrollen optimieren |
| Mitarbeiter | Kompetenzen entwickeln | Qualifizierungsgrad | ≥ 90 % | Trainingsprogramm |
29. Kennzahlen kritisch beurteilen
Eine gute Kennzahl ist relevant, verständlich und beeinflussbar. Trotzdem kann eine isolierte Kennzahl Fehlsteuerung erzeugen.
| Kennzahl | mögliche Fehlsteuerung | Ergänzung |
|---|---|---|
| Auslastung | maximale Auslastung kann Lieferflexibilität reduzieren | Lieferzeit/Termintreue |
| Umsatz je Mitarbeiter | Qualität oder Arbeitsbelastung bleibt unsichtbar | Fehlerquote, Fluktuation |
| Reklamationsquote | wenige Reklamationen bedeuten nicht automatisch hohe Bindung | Wiederkaufs-/Empfehlungsquote |
30. BSC-Gesamtfall der UNTERNEHMER AG
Mitarbeiter: Qualifizierungsgrad für neue Fertigungstechnologie von 65 % auf 90 % erhöhen.
Prozesse: Ausschussquote von 3,2 % auf 1,5 % senken.
Kunden: Wiederkaufsquote von 61 % auf 72 % erhöhen.
Finanzen: ROI von 9,5 % auf mindestens 12 % erhöhen.
Die Aufgabe besteht nicht darin, vier beliebige Kennzahlen aufzuschreiben. Die Kette muss plausibel sein: Qualifikation → stabilere Prozesse → höherer Kundennutzen → bessere finanzielle Wirkung.
31. Target Costing: vom Marktpreis zu den zulässigen Kosten
Target Costing beginnt nicht bei den vorhandenen Produktionskosten, sondern beim Markt. Aus dem am Markt erzielbaren Zielpreis und dem gewünschten Zielgewinn werden die allowable costs abgeleitet.
\(\text{Allowable Costs}=\text{Target Price}-\text{Target Profit}\)
\(\text{Target Gap}=\text{Drifting Costs}-\text{Allowable Costs}\)
32. Ansätze der Zielkostenfindung unterscheiden
| Ansatz | Ausgangspunkt | Gedanke |
|---|---|---|
| Market into Company | Marktpreis und Zielgewinn | Markt bestimmt zulässige Kosten |
| Out of Company | unternehmensinterne Kosten-/Verbesserungsmöglichkeiten | Zielkosten werden aus dem Unternehmen heraus entwickelt |
| Out of Competitor | Wettbewerber | Kosten-/Leistungsposition am Wettbewerb orientieren |
33. Kundenanforderungen in Funktionsgewichte übersetzen
Target Costing verteilt die zulässigen Kosten nicht pauschal. Zunächst wird ermittelt, welchen Anteil einzelne Produktfunktionen am wahrgenommenen Kundennutzen haben.
| Funktion | Kundengewicht | Zielkostenanteil bei 850 € |
|---|---|---|
| Zuverlässigkeit | 40 % | 340 € |
| Bedienkomfort | 30 % | 255 € |
| Energieeffizienz | 20 % | 170 € |
| Design | 10 % | 85 € |
| Summe | 100 % | 850 € |
34. Funktions-Komponenten-Matrix: Zielkostenanteile ableiten
Da Produktfunktionen durch mehrere Komponenten erfüllt werden können, werden Funktionsgewichte über eine Matrix auf Komponenten verteilt.
| Funktion | Gewicht | Steuerung | Gehäuse | Antrieb |
|---|---|---|---|---|
| Zuverlässigkeit | 40 % | 30 % | 20 % | 50 % |
| Bedienkomfort | 30 % | 70 % | 20 % | 10 % |
| Energieeffizienz | 20 % | 20 % | 0 % | 80 % |
| Design | 10 % | 20 % | 80 % | 0 % |
Beispiel Steuerung: \(0{,}40·0{,}30+0{,}30·0{,}70+0{,}20·0{,}20+0{,}10·0{,}20=0{,}39\). Damit entfallen 39 % der Zielkosten auf die Steuerung, also 331,50 € von 850 €.
35. Zielkostenindex berechnen und interpretieren
\(\text{Zielkostenindex}=\frac{\text{Zielkostenanteil einer Komponente}}{\text{Kostenanteil der Komponente}}\)
| Komponente | Zielkostenanteil | aktueller Kostenanteil | Index | Interpretation |
|---|---|---|---|---|
| Steuerung | 39 % | 48 % | 0,81 | Kostenanteil relativ zum Kundennutzen zu hoch |
| Gehäuse | 22 % | 18 % | 1,22 | Kostenanteil relativ zum Nutzen eher niedrig |
| Antrieb | 39 % | 34 % | 1,15 | Kostenanteil relativ zum Nutzen eher niedrig |
36. Zielkostenkontrolldiagramm korrekt lesen
Punkte unterhalb der Idealgeraden weisen darauf hin, dass der Kostenanteil relativ zum Nutzenanteil hoch ist; oberhalb ist er relativ niedrig. Entscheidend ist die Interpretation, nicht bloß das Einzeichnen.
37. Target Gap schließen: Kosten senken ohne Kundennutzen zu zerstören
| Maßnahme | mögliche Wirkung | Prüffrage |
|---|---|---|
| Bauteil standardisieren | Beschaffungs-/Fertigungskosten ↓ | bleibt Kundennutzen erhalten? |
| Prozess vereinfachen | Bearbeitungszeit ↓ | bleiben Qualität und Sicherheit stabil? |
| Lieferant einbeziehen | Konstruktions-/Materialalternativen | entstehen Abhängigkeiten? |
| Funktionsumfang verändern | Kosten ↓ | welche Funktion bewertet der Kunde tatsächlich? |
38. Target Costing unter geänderten Marktbedingungen
Preisdruck: Marktpreis sinkt auf 950 €, Zielgewinn bleibt 150 € → Allowable Costs nur noch 800 €. Bei unveränderten Drifting Costs von 930 € steigt der Target Gap von 80 € auf 130 €.
Damit wird sichtbar, warum Target Costing ein strategisches Instrument ist: Marktveränderungen wirken unmittelbar auf die zulässige Kostenstruktur.
39. Balanced Scorecard und Target Costing verbinden
Target Costing darf nicht ausschließlich als Kostensenkungsprogramm verstanden werden. Die BSC hilft, mögliche Nebenwirkungen sichtbar zu machen.
| Target-Costing-Maßnahme | BSC-Prüfung |
|---|---|
| günstigeres Bauteil | Kundenperspektive: Reklamationen/Zufriedenheit? |
| Prozessverdichtung | Prozessperspektive: Durchlaufzeit/Fehlerquote? |
| weniger Schulungsaufwand | Mitarbeiterperspektive: Kompetenz/Qualifikation? |
| Kostensenkung | Finanzperspektive: Ergebnis/ROI? |
40. Integrierter Großfall: Strategie, BSC und Target Costing
- Bestimmen Sie Allowable Costs und Target Gap.
- Gewichten Sie die Kundenfunktionen.
- Übertragen Sie die Funktionsgewichte mithilfe einer Komponentenmatrix.
- Berechnen und interpretieren Sie Zielkostenindizes.
- Leiten Sie geeignete Kostensenkungsmaßnahmen ab.
- Formulieren Sie für jede BSC-Perspektive Ziel, Kennzahl, Zielwert und Maßnahme.
- Entwickeln Sie eine plausible Ursache-Wirkungs-Kette.
- Beurteilen Sie, ob die Kostensenkungsmaßnahmen die Strategie gefährden.
41. Typische Fehlsteuerungen im strategischen Controlling
| Fehler | Folge | Korrektur |
|---|---|---|
| nur finanzielle Kennzahlen | Treiber künftiger Ergebnisse bleiben unsichtbar | alle BSC-Perspektiven verbinden |
| zu viele Kennzahlen | Steuerungsfokus geht verloren | strategierelevante KPIs auswählen |
| Target Costing = pauschal Kosten kürzen | Kundennutzen kann sinken | Funktions-/Nutzenbezug beachten |
| Index mechanisch anwenden | technische Zusammenhänge werden ignoriert | Index interpretieren und technisch prüfen |
| keine Rückkopplung | Strategie wird trotz Fehlentwicklung fortgesetzt | Kontroll- und Anpassungsschleife |
42. Typische Fehler und Prüfungssicherheit
| Fehler | Korrektur |
|---|---|
| BSC = Kennzahlenliste | Ziel → Kennzahl → Zielwert → Maßnahme |
| Korrelation als sichere Ursache behaupten | Ursache-Wirkungs-Kette als überprüfbare strategische Hypothese verstehen |
| nur Finanzperspektive beachten | vier Perspektiven verknüpfen |
| Target Costing = Zuschlagskalkulation | markt-/kundenorientierter Rückwärtsansatz |
| Zielpreis − Prognosekosten = Zielkosten | Zielpreis − Zielgewinn = erlaubte Zielkosten |
| Ziellücke falsch herum | Prognosekosten − erlaubte Kosten |
| Zielkostenindex = Kosten/Nutzen | Nutzenanteil / Kostenanteil |
| Index < 1 = Komponente streichen | Handlungsbedarf prüfen; technische/qualitative Folgen berücksichtigen |
| Zielkostenkontrolldiagramm konstruieren | Lehrplan: keine Erstellung; interpretieren |
| Plankostenrechnung als NEU-LB4 behandeln | im neuen Lehrplan durch Target Costing ersetzt |
43. 35 Trainingsaufträge für Unterricht und Generator
44. Lernbereich 13.4 auf einen Blick
| Block | Sicher beherrschen |
|---|---|
| Strategische Analyse | Stärken/Schwächen, SWOT, Portfolio als Ausgangspunkt |
| BSC | 4 Perspektiven; Ziel, Kennzahl, Zielwert, Maßnahme |
| Kennzahlen | Finanzen, Kunden, Prozesse, Mitarbeitende berechnen und beurteilen |
| Wirkung | Ursache-Wirkungs-Ketten erklären und kritisch prüfen |
| Kostenstrategie | Grenzen klassischer Voll-/Teilkostenrechnung im veränderten Umfeld |
| Target Costing | Zielpreis, Zielgewinn, erlaubte Kosten, Prognosekosten, Ziellücke |
| Produktgestaltung | Funktionen-Komponenten-Matrix, Nutzen-/Kostenanteile, Zielkostenindex |
| Entscheidung | Kostensenkung/Wertsteigerung plus Nachhaltigkeitsprüfung |
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