FOS Bayern · Betriebswirtschaftliches Rechnungswesen (BwR) · 12. Jahrgangsstufe · ALT – auslaufender Lehrplan · Lernbereich 2: Marketingprozesse planen und steuern · ca. 25 Unterrichtsstunden

Marketing – Portfolioanalyse und Marketingmix

Modellunternehmen: Die UNTERNEHMER AG analysiert ihre Produktgruppen (strategische Geschäftseinheiten) und leitet daraus Normstrategien und konkrete Marketingmaßnahmen ab.

Hinweis zum Lehrplan: Diese Seite folgt dem auslaufenden Lehrplan (BwR) und bleibt für die nach altem Lehrplan geprüften Jahrgänge 12 und 13 relevant.

Inhaltsverzeichnis

  1. Markt und Marketing
  2. Marktwachstum-Marktanteils-Portfolio
  3. Normstrategien
  4. Produktlebenszyklus
  5. Marketingmix
  6. Typische Fehler und Prüfungshinweise
  7. Auf einen Blick

1. Markt und Marketing

Ein Markt entsteht, wenn Anbieter und Nachfrager für ein Produkt zusammentreffen. Marketing umfasst alle Denkweisen und Maßnahmen eines Unternehmens, die auf den Markt ausgerichtet sind – von der Marktforschung über die Analyse der Produkte bis zum Einsatz der Marketinginstrumente.

2. Marktwachstum-Marktanteils-Portfolio

Jede strategische Geschäftseinheit (SGE) wird nach zwei Größen eingeordnet:

\( \text{relativer Marktanteil}=\dfrac{\text{eigener Umsatz}}{\text{Umsatz des größten Konkurrenten}} \)
Ein relativer Marktanteil über 1 bedeutet: Das Unternehmen ist Marktführer. Beim Marktwachstum gilt das durchschnittliche Wachstum der Branche als Grenze zwischen „niedrig“ und „hoch“. Die Kreisgröße im Portfolio zeigt den Anteil der SGE am eigenen Gesamtumsatz.

Beispiel – UNTERNEHMER AG (Branchenwachstum 3 %):

SGE eigener Umsatz Mio. € Umsatz größter Konkurrent Mio. € relativer Marktanteil Marktwachstum Position
Laufräder 40 20 2,0 2 % Cash Cow
E-Bikes 30 15 2,0 8 % Star
Roller 5 25 0,2 7 % Question Mark
Rennräder 4 16 0,25 1 % Poor Dog
Question Marks – hohes Marktwachstum, niedriger relativer Marktanteil
Einführungsphase · Roller
Stars – hohes Marktwachstum, hoher relativer Marktanteil
Wachstums-/Reifephase · E-Bikes
Poor Dogs – niedriges Marktwachstum, niedriger relativer Marktanteil
Degenerationsphase · Rennräder
Cash Cows – niedriges Marktwachstum, hoher relativer Marktanteil
Sättigungsphase · Laufräder

3. Normstrategien

Offensivstrategie (Question Marks)
Hohe Investitionen, um den Marktanteil zu steigern und die SGE zum Star zu entwickeln – selektiv, nur bei Erfolgsaussicht.
Investitions-/Wachstumsstrategie (Stars)
Marktposition durch Investitionen halten und ausbauen; Stars werden langfristig zu Cash Cows.
Defensiv-/Abschöpfungsstrategie (Cash Cows)
Nur noch notwendige Investitionen; die Überschüsse finanzieren Question Marks und Stars.
Desinvestitionsstrategie (Poor Dogs)
Rückzug vom Markt – außer die Produkte erwirtschaften noch einen positiven Deckungsbeitrag.

4. Produktlebenszyklus

Der Produktlebenszyklus beschreibt den Verlauf von Umsatz und Gewinn eines Produkts: Einführung (hohe Kosten, Verlust) → Wachstum (Umsatz steigt stark, Gewinnschwelle) → Reife (Gewinnmaximum) → Sättigung (Umsatzmaximum, Gewinn sinkt) → Degeneration (Rückgang). Die Phasen entsprechen den Feldern des Portfolios.

5. Marketingmix

Produktpolitik
Produktinnovation, -variation, -differenzierung, -diversifikation (horizontal, vertikal, lateral), Produktelimination; Produktgestaltung und Verpackung.
Kontrahierungspolitik
Preispolitik (kostenorientiert, konkurrenzorientiert, Hochpreis-/Niedrigpreisstrategie, Preisdifferenzierung) und Konditionenpolitik (Rabatte, Skonti, Zahlungsziele).
Distributionspolitik
Direkter Absatz (eigene Filialen, Reisende) und indirekter Absatz (Handelsvertreter, Absatzmittler wie Groß- und Einzelhandel). Reisender: angestellt, festes Gehalt, weisungsgebunden – Handelsvertreter: selbstständig, Provision, für mehrere Unternehmen tätig.
Kommunikationspolitik
Werbung (Werbemittel und Werbeträger je Zielgruppe), Sales Promotion (Verkaufsförderung), Public Relations, Social-Media-Marketing sowie Sensation Marketing (virales Marketing, Guerilla-Marketing).

6. Typische Fehler und Prüfungshinweise

✗ Häufiger Fehler
Der relative Marktanteil wird als eigener Marktanteil in Prozent angegeben.
✓ So ist es richtig
Er ist das Verhältnis des eigenen Umsatzes zum Umsatz des größten Konkurrenten (Marktführer ab 1).
✗ Häufiger Fehler
Cash Cows werden mit hohen Investitionen gefördert.
✓ So ist es richtig
Cash Cows werden abgeschöpft; die Überschüsse finanzieren Question Marks und Stars.
✗ Häufiger Fehler
Reisender und Handelsvertreter werden verwechselt.
✓ So ist es richtig
Reisender = angestellt und weisungsgebunden; Handelsvertreter = selbstständig auf Provision.
✗ Häufiger Fehler
Poor Dogs werden in jedem Fall sofort eliminiert.
✓ So ist es richtig
Nur, wenn sie keinen positiven Deckungsbeitrag mehr liefern.

7. Auf einen Blick

Sie können nun den relativen Marktanteil berechnen, strategische Geschäftseinheiten im Marktwachstum-Marktanteils-Portfolio positionieren, die passenden Normstrategien ableiten, die Phasen des Produktlebenszyklus zuordnen und Maßnahmen aus den vier Bereichen des Marketingmix begründet auswählen.

Alle Inhalte dieser Seite orientieren sich am offiziellen LehrplanPLUS Bayern (ISB) – auslaufender Lehrplan BwR (FOS/BOS).

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